Itzamnaviridae ist eine vom im März 2023 neu eingerichtete Familie von Archaeen­viren. Sie ist ohne Zuordnung zu einem höheren Taxon (Stand 29. Februar 2024); mit diesem Stand umfasst die Familie die Gattungen, Demiitzamnavirus (mit Methano­phagales-Virus GBV303) und Pletoitzamnavirus (mit Methano­phagales-Virus PBV082).

Wirte Die Itzamnaviridae sind Archaeenviren. Ihre Wirte gehören der Ordnung „Ca. Methanophagales“ (früher ANME-1 genannt; Phylum Methanobacteriota, früher „Euryarchaeota“ genannt) an.

Genom mini|hochkant=1.3|Karte des vollständigen linearen Genoms von Pletoitzamnavirus pescaderoense PBV082 als Ver­treter der spindelförmigen Virusfamilie Itzamna­viri­dae. Die gestrichelte rote Box hebt ein Beispiel für eine Multigen-Cluster-Insertion hervor.

Mitglieder der Gattung Demiitzamnavirus haben ein zirkuläres dsDNA-Genom mit einer Größe von etwa 25 kbp (Kilobasenpaare). Das Genom kodiert für zwei Hauptkapsidproteins (MCPs). Diese sind homolog zu denen, die für spindelförmige Archaeenviren charakteristisch sind und nur bei diesen vorkommen.

Mitglieder der Gattung Pletoitzamnavirus haben ein lineares dsDNA-Genom mit einer Größe von etwa 45–48 kbp. Etwa die Hälfte ihres Genoms stimmt mit fast dem gesamten Genom von der Gattung Demiitzamnavirus überein, einschließlich der beiden MCP-Gene. Der verbleibende Teil des Genoms bei Pletoitzamnavirus kodiert für Enzyme mit ganz unterschiedlichen Funktionen, darunter: Wie bei den Nakonvirales gibt es Gene, die für eine DNA-Poly­merase der Familie B mit RNA-Primer (), eine sowohl bei Archaeen als auch bei Eukaryoten vorkommende Primase () und ein Proliferating-Cell-Nuclear-Antigen (PCNA) kodieren. die große und kleine Untereinheit des Replikationsfaktors C (RFC) Der Inhalt dieses Genomteils ist vergleichsweise flexibel, insbesondere können für verschiedene Stoffwechsel- und Regelungsenzyme kodierende Gene häufig in Form von Multigenkassetten ein- und ausgetauscht werden. So enthält das Pletoitzamnavirus-Mitglied Methano­phagales-Virus PBV082 beispielsweise ein Gencluster, das für ein Kinase-Phosphatase-Paar, eine Thymidylat-Synthase und ein radikales SAM-Enzym () mit unbekannter Funktion kodiert.

Mit Ausnahme des charakteristischen Haupkapsidproteins (MCP) kodieren die Mitglieder der Itzamnaviridae keine Proteine mit nennenswerter Sequenzähnlichkeit zu Proteinen anderer zuvor beschriebener spindelförmiger Viren.

Systematik Die Systematik der Itzamnaviridae gemäß ICTV: Virus Metadata Resource (VMR). – mit Ergänzungen nach Laso-Pérez et al. (2023) und der Taxonomie des – ist wie folgt (Stand Mai/Juni 2024):

Familie Itzamnaviridae

Gattung Demiitzamnavirus – zirkulär, Genomlänge ca. 25 kbp (Kilobasenpaare) Spezies Demiitzamnavirus mexicoense, mit Methanophagales-Virus GBV303 (Genomlänge 25.580 bp) Spezies „“ (14.746 bp) Spezies „“ (26.949 bp)

Gattung Pletoitzamnavirus (linear, Genomlänge 45–48 kbp) Spezies Pletoitzamnavirus pescaderoense, mit Methanophagales-Virus PBV082 (48,863 bp) Spezies „“ (45.800 bp) Spezies „“ (45.206 bp)

Habitat und Fundort Die Habitate der Itzamnaviridae bzw. ihrer Wirte sind Tiefsee-Hydrothermalquellen (Raucher). Die bisher gefundenen Vertreter stammen (soweit bekannt) aus dem Golf von Kalifornien: Demiitzamnavirus: Guaymas-Becken. Die Probe zu Methanophagales-Virus GBV303 wurde am 24. Dezember 2016 am Hang des Cathedral Hill genommen, aus dem blanken Sediment direkt außerhalb der mikrobiellen Matte (nach anderen Angaben in dieser). Pletoitzamnavirus: Pescadero-Becken. Die Probe zu Methanophagales-Virus PBV082 wurde im Zeitraum vom 18. bis 21. November 2018 aus dem Hydrothermalfeld Auka (Slicate Rock 12019) entnommen. Die Sequenz des (mit Stand 29. Februar 2024) nicht offiziell bestätigten Virus IMGVR0812283 stammt jedoch vom Guaymas-Becken.

Etymologie Der Familienname Itzamnaviridae verweist auf Itzamná, in der Maya-Mythologie der Herr des Himmels sowie der Nacht und des Tages; die Endung ‚-viridae‘ steht für Virusfamilien.

Der Präfix des Gattungsnamens Demiitzamnavirus kommt von , ‚teilweise‘ (abgeleitet von ); der Mittelteil verweist wieder auf Itzamná bzw. die Virusfamilie. Das Art-Epitheton mexicoense ist Genitiv der latinisierten Form von Mexiko (neu) und bedeutet ‚von Mexiko‘ oder ‚zu Mexiko gehörig‘.

Der Präfix des Gattungsnamens Pletoitzamnavirus kommt von ; der Mittelteil verweist wieder auf Itzamná bzw. die Virusfamilie. Das Art-Epitheton pescaderoense ist Genitiv der latinisierten Form von und bedeutet ‚vom Pescadero[-Becken]‘ oder ‚zum Pescadero[-Becken] gehörig‘.

Die beiden Gattungsnamen erinnern daran, dass die Viren der Gattung Demiitzamnavirus nur etwa 50 % der Gene der Gattung Pletoitzamnavirus besitzen.

Weiterführende Literatur

Fengbin Wang, Virginija Cvirkaite-Krupovic, Matthijn Vos, Leticia C. Beltran, Mark A. B. Kreutzberger, Jean-Marie Winter, Zhangli Su, Jun Liu, Stefan Schouten, Mart Krupovic, Edward H. Egelman: Spindle-shaped archaeal viruses evolved from rod-shaped ancestors to package a larger genome. In: Biophysical Journal, Band 121, Nr. 3, Februar 2022, S. 148a-149a; doi:10.1016/j.bpj.2021.11.1983, ResearchGate:358561680 (). Cell, Band 185, Nr. 8, 14. April 2022, S. 1297-1307.e11; doi:10.1016/j.cell.2022.02.019, PMID 35325592, , HAL:03620791, Epub 23. März 2022 (englisch).

Einzelnachweise Rafael Laso-Pérez, Fabai Wu, Antoine Crémière, Daan R. Speth, John S. Magyar, Mart Krupovic, Victoria J. Orphan: 2022.001A: Create three new orders and 5 new families of viruses associated with methanotrophic archaea (zip:docx). Vorschlag 2022.001A vom Mai 2022. Memento im Webarchiv vom 8. März 2023 (docx). ICTV: Taxonomy Browser. ICTV: Family: Itzamnaviridae. 2022 Release, MSL #38. NCBI Taxonomy Browser: Itzamnaviridae. NCBI Taxonomy Browser: Methanophagales virus GBV303 (species). Pfam: PF04055: Radical SAM superfamily. Frank Antwerpes, Georg Wodarz, Frank Antwerpes: Replikationsfaktor C. Synonym: Klammerlader. Englisch: . Auf: DocCheck Flexikon.

Kategorie:Virusfamilie Kategorie:Bakteriophage