mini|Radverkehr im dänischen Kopenhagen, neben Amsterdam eine der (teils selbsternannten) „Fahrradhauptstädte Europas“ mini|Ein „Lastenrad“ bei Kathmandu (Nepal, April 2015) mini|Ein Lastenrad älterer Bauart in Amsterdam (März 2010)

Radverkehr, auch Fahrradverkehr und in der Schweiz Veloverkehr, bezeichnet die Fortbewegung durch Fahrradfahren. Dabei wird das muskelkraftbetriebene Fahrzeug Fahrrad zum Transportieren von Menschen und Gütern genutzt. Der Radverkehr ist eine flächenverbrauchsarme, individuelle, gesunde und nachhaltige Art der Fortbewegung und Logistik, die Feinstaub, Lärm und Abgase vermeidet. Er ist wesentlicher Bestandteil der Fahrradkultur.

In Deutschland wurden 2017 täglich etwa 28 Millionen Fahrten mit einer Weglänge von zusammen rund 112 Mio. km mit dem Fahrrad erbracht. In der Schweiz werden täglich etwa 8 Mio. km gefahren.

Arten des Radverkehrs Radverkehr kann unterteilt werden in Alltagsradverkehr, touristischen Radverkehr und Radsport, die aus den unterschiedlichen Anforderungen und Verkehrsabsichten resultieren. Der Wirtschaftsverkehr per Fahrrad – insbesondere der gewerbliche Warentransport – nimmt insbesondere in Ballungsräumen zu. Diese Art des Radverkehrs wird unter dem Begriff Radlogistik gefasst. Der Alltagsverkehr findet ganzjährig statt, unterliegt aber wie der Fahrradtourismus saisonalen Schwankungen. Der Straßenradsport hat nur einen geringen Anteil am gesamten Radverkehr.

Fahrzeug

Das Fahrrad ist das Fahrzeug des Radverkehrs. Pedelecs, welche elektrisch unterstützen, werden in der Regel wie Fahrräder gehandhabt. Dabei gibt es vielfältige Fahrradtypen, welche auf verschiedene Anwendungen oder Terrains spezialisiert sind.

Fahrräder können sowohl für den Personentransport als auch für den Lastentransport geeignet sein.

Verbreitung Es wird geschätzt, dass weltweit etwa über 1 Mrd. Fahrräder existieren. Davon sind etwa 84 Mio. Fahrräder und E-Bikes in Deutschland im Bestand zu finden, davon sind 11 Mio. E-Bikes. In Österreich haben 68 % der Haushalte mindestens ein Fahrrad.

Verkäufe und Umsatz Weltweit wurden 2023 geschätzt etwa über 133 Mio. Fahrräder und E-Bikes verkauft und damit umgerechnet etwa 56 Mrd. € umgesetzt. Davon 4,0 Mio. Fahrzeuge in Deutschland mit einem Umsatzvolumen von 7,06 Mrd. €. Dabei wurden in Deutschland 2023 erstmals mehr E-Bikes als Fahrräder verkauft. Dabei spielen geleaste Firmenräder mit 42 % am Umsatz einen wichtigen Anteil und sind damit von „überragender Bedeutung“. Dies liegt insbesondere daran, dass die Firmenräder durchschnittlich höherwertig sind.

Die deutsche Fahrradbranche beschäftigte 2019 etwa 281.000 Menschen und generierte einen Gesamtumsatz von über 37 Mrd. €.

Potenzial mini|Radwege mit Tramlinie in Amsterdam

Der Fahrradverkehr hat das Potenzial, ca. 50 Prozent der mit dem städtischen motorisierten Individualverkehr zurückgelegten Wege zu ersetzen, die überwiegend als Kurzstreckenverkehr unter 10 Kilometer stattfinden. Damit ließe sich der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr (Modal Split) beträchtlich steigern., das während der Global Energy Basel 2011 durchgeführt wurde, Stadtverwaltung von KopenhagenWegelängenabhängiger Modal Split in Deutschland. In: Radverkehr in Zahlen. Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie Österreich (bmvit), S. 39.

Fahrradverkehr ist schnell: Er kann in der Regel seine Geschwindigkeitsvorteile,Geschwindigkeit des Radfahrens im urbanen Raum im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln. In: Radverkehr in Zahlen. Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie Österreich (bmvit), S. 42. betrachtet als Reisezeit von Tür zu Tür, auf Strecken bis fünf Kilometer gegenüber allen anderen Verkehrsarten ausspielen. Mit Schaffung guter Rahmenbedingungen, wie dies u. a. durch die Anlage von Radschnellwegen in den Niederlanden und Dänemark erfolgte, gelingt das auch auf längeren Entfernungen. Fahrradverkehr ist kostengünstig: Ein Kilometer Radfahren kann gegenüber der Nutzung eines motorgetriebenen Automobils leicht Kosten von rund 10 ct/km allein durch die Kraftstoffeinsparung vermeiden.Durchschnittsverbrauch: 7 l/100 km; Benzinpreis 1,43 €/l Bei entsprechenden Fahrleistungen liegen auch die Fixkosten pro Kilometer, die sich aus Anschaffung und Wartung ergeben, deutlich unter denen von Automobilen. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen des Radfahrens beträgt etwa 30 ct/km. Im Vergleich kostet jeder Kilometer mit dem Auto die Gesellschaft etwa 20 ct. Fahrradfahrende bewegen sich gesünder:vanraam.com: 10 Gründe, warum Fahrrad fahren so gesund ist (30. April 2020). Da sich Radfahrer mit Muskelkraft an der freien Luft bewegen, senken sie Erkrankungsrisiken und erhöhen ihre Lebenserwartung. Vorteilhaft ist zudem, dass beim Radfahren gesundheitsfördernde Fortbewegung sozusagen nebenbei erfolgt. Fahrradverkehr ermöglicht soziale Mobilität: Dadurch, dass Radfahrende gut zu sehen sind und Radfahrgeschwindigkeiten meist gering sind, ist eine intensivere Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern möglich als im Autoverkehr. Durch die Sichtbarkeit der Menschen wirken Städte mit Radverkehr belebt und lebenswert.

mini|500px|Besitz und Nutzung von Fahrrädern und Pedelecs in Deutschland, 2017. Grafik: Bartz/Stockmar, CC BY 4.0Mobilitätsatlas 2019 – Daten und Fakten für die Verkehrswende, dort S. 34. Fahrradverkehr stärkt lokalen Handel und belebt die Innenstädte: Fahrradfahrende haben meist weniger Transportkapazität als Autofahrer, zudem sind Radfahrer eher umwegsensibel. Deswegen erledigen Alltagsradfahrer ihren Einkauf meist auf ihren alltäglichen Wegen in Läden die auf kleinere Einkaufsmengen ausgelegt sind, also bevorzugt in den Stadtteil- und Dorfzentren sowie in den Innenstädten. Autogerechte Einkaufszentren an Stadträndern sind für Radfahrer wenig attraktiv. Da Radfahrer deutlich geringere Mobilitätskosten haben, steht ihnen mehr Geld für Konsum zur Verfügung. Fahrradverkehr schafft Platz: Sowohl die Verkehrswege als auch die Abstellanlagen von Fahrrädern benötigen weniger Verkehrsraum gegenüber dem motorisierten Individualverkehr. Fahrradverkehr entlastet Straßen: Aufgrund des verringerten Platzbedarfs des Radverkehrs entlastet jeder Autofahrer, der aufs Fahrrad umsteigt, den fahrenden wie ruhenden Straßenverkehr. Deswegen ist bei ausreichender Nutzung durch Radfahrer ein Umwidmen von Kraftfahr- zu Radfahr-Infrastruktur auch für den Autoverkehr von Vorteil. Fahrradinfrastruktur ist preiswert: Fahrräder sind viel leichter und beanspruchen weniger Platz als Kraftfahrzeuge. Daher sind Radverkehrsanlagen für vergleichbare Verkehrsaufkommen kleiner, preiswerter und dauerhafter als die Verkehrsinfrastruktur des motorisierten Individualverkehrs. Fahrradverkehr verringert die Zersiedelung: Radfahren ist vor allem im Radius bis zu 10 km attraktiv. Einwohner, die die Vorteile des Fahrrades für sich erkannt haben, werden entfernte Wohnstandorte mit weiten Verkehrswegen weniger attraktiv finden als Menschen, die überwiegend das Auto oder den ÖPNV nutzen. Fahrräder sind emissionsfrei und verursachen kaum Feinstaub und Lärm; eine Problematik, die in dicht besiedelten Gebieten große Bedeutung hat.

Infrastruktur In der Regel nutzt der Radverkehr Verkehrswege und Einrichtungen, die auch für den allgemeinen Verkehr errichtet wurden. Daneben gibt es noch gesonderte Infrastruktur, die für den Radverkehr (baulich) errichtet werden kann.

Verkehrswege

Abgesehen von den allgemeinen Verkehrswegen gibt es noch speziell für den Radverkehr vorgesehene Wege und Straßen, die unter Radverkehrsanlagen zusammengefasst werden.

Aufgrund des zur Fortbewegung nötigen Kraftaufwands haben kurze, umwegfreie Wege mit geringen Höhenunterschieden und ebenen, leicht zu befahrenden Straßenoberflächen für den Alltagsradverkehr einen höheren Stellenwert als für andere Arten der Fortbewegung.

Für den touristischen Radverkehr werden naturnahe Strecken mit Erholungswert bevorzugt, die abseits stark befahrener Straßen liegen. Radwanderwege sind in der Regel routenorientiert oder Teil einer Knotenpunktbezogene Wegweisung. Sie folgen häufig nicht der direktesten Verbindung zwischen zwei Orten, sondern nutzen landschaftlich schöne Strecken und touristische Ziele.

Parken (Abstellanlagen)

Fahrraddiebstahl wird in Befragungen als eines der wesentlichen Hindernisse für eine weitere Zunahme des Radverkehrsanteils genannt. Fehlende oder schlechte Fahrradabstellanlagen begünstigen Fahrraddiebstähle, gute Anlagen bieten dagegen einen hohen Diebstahlschutz. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die verwendeten Fahrradhalterungen. Seit Mai 2016 ist dafür die DIN-Norm 79008 „Stationäre Fahrradparksysteme“ gültig, die im Teil 1 Anforderungen an die Diebstahlschutzeigenschaften, Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit von Fahrradabstellanlagen beschreibt; im Teil 2 sind die Prüfverfahren dafür definiert. Die DIN 79008 ist weitgehend hervorgegangen aus der Technischen Richtlinie TR 6102-0911 „Empfehlenswerte Fahrrad-Abstellanlagen“ des ADFC. Eine Registrierung der Fahrräder, bewachte Stationen oder abschließbare Boxen sind weitere Verbesserungsmöglichkeiten.

Radstationen und Parkmöglichkeiten

Anbindung an öffentliche Transportmittel

Der Aktionsradius des Fahrradfahrers kann wesentlich erweitert werden, indem das Rad mit öffentlichen Transportmitteln befördert oder schienengebundener Verkehr wie Busverkehr für Anschlussfahrten genutzt wird. Niederflur-Fahrrad-Abteilen in Schienenfahrzeugen und Bussen erleichtern den Ein- und Ausstieg.

Planung und Politische Vorhaben

Planungsgrundlagen mini|hochkant|Freigabe einer Einbahnstraße mit Zusatzzeichen 1022-10, „Radfahrer frei“, auch während einer Baustellenphase mini|hochkant|Abbiegegebot für Kfz am autofreien Mainkai in Frankfurt (2019) nach rechts und links, geradeaus durchlässig für Radverkehr mit Freigabe In vielen Fällen wird für einen Zuständigkeitsbereich ein Radverkehrskonzept erstellt, z. B. für das Gebiet einer Gemeinde oder Stadt oder für einen Landkreis. Darin erarbeitet wird meist ein Radverkehrsnetz, Mängel- und ggf. Potenzialanalyse, Maßnahmenvorschläge in den verschiedenen Handlungsbereichen und meist auch eine Priorisierung von Maßnahmen. Inhaltliche Hinweise dazu geben die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen.

Zur Abwicklung des Radverkehrs wird eine bauliche und ordnungsrechtliche Infrastruktur benötigt.

Radverkehr ist als komplexes System zu verstehen, das in viele Lebensabläufe des Menschen integriert werden muss. In die planerischen Entscheidungen zugunsten des Radverkehrs müssen auch die anderen Verkehrsarten Fuß-, Kfz- und schienengebundener Nahverkehr einbezogen werden. Dies erfordert eine integrierte Planung. Zu einer von vielen Seiten gewünschten Förderung des Radverkehrs gehört deshalb auch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und die Anpassung des Ordnungsrahmens durch Gesetze und Verordnungen sowie eine hinreichende Finanz- und Personalausstattung (Radverkehrsplanung ist detailorientiert und erfordert deutlich höheren Planungsaufwand als „normaler“ Straßenbau). In der klassischen Radverkehrsplanung steht die bauliche Gestaltung des Fahrweges, das heißt die Schaffung von Radfahrstreifen oder baulich getrennter Radwege, im Mittelpunkt des Interesses. Inzwischen haben sich durchgehende Planungen für ganze Routen, zum Beispiel mit Teilabschnitten in ruhigen Erschließungsstraßen, Fahrradstraßen, Grünanlagen als wirkungsvolleres Planungsprinzip durchgesetzt; zusammenhängende Radverkehrsnetze werden auch mit Wegweisern beschildert. Als weitergehender Ansatz ist die Diskussion oder Planung von einzelnen Radschnellwegen hinzugekommen. Bei der Umsetzung dieser Planungsprinzipien gibt es in Deutschland oft noch Verzögerungen.

Weitere Gesichtspunkte: