Salmeschiniaka oder Salmeschoiniaka () bezeichnet einen hermetisch-astrologischen Text oder Textkorpus. Gegenstand sind die 72 Pentaden, also die Einteilungen jedes Tierkreiszeichens in Gradabschnitte zu je 5°.
Franz Boll und Wilhelm Gundel datieren die Salmeschiniaka in das 3. Jahrhundert v. Chr. und damit an die Anfänge der hellenistisch-ägyptischen astrologischen Tradition, noch älter als die halb sagenhaften Schriften von Petosiris und Nechepso.Franz Boll: Sphaera. 1903, S. 376.Wilhelm Gundel: Dekane und Dekansternbilder. 1969, S. 45, 92. Insofern sind die Salmeschiniaka auch von Bedeutung, da sie den Wurzeln der hellenistischen Astrologie nahestehen. Von nachhaltiger Wirkung waren sie nicht, da sich das System der 36 Dekane bzw. der 12 Tierkreiszeichen durchsetzte und nicht das der 72 Pentaden.
Quellen Der Text der Salmeschiniaka ist nicht überliefert und sie werden nur an drei Stellen erwähnt, nämlich: Porphyrios: Epistula ad Anebonem II, 12b, 6. Iamblichos von Chalkis: De mysteriis VIII, 4,13. Hephaistion von Theben: Apotelesmatica 167,1. Porphyrios und Iamblichos verknüpfen beide die Salmeschiniaka mit Chairemon von Alexandria. Chairemon war ein hellenistisch-ägyptischer Priester, stoischer Philosoph und später Erzieher des jungen, bekanntlich äußerst astrologiegläubigen Nero.
Chairemon und seinesgleichen sollen, so Porphyrios, neben den ägyptischen Göttern nur etwas auf Planeten, den Tierkreis, die Unterteilungen der Dekane, die Horoskope und sogenannte „mächtige Herrscher“ gegeben haben, deren Namen in den Salmeschiniaka verzeichnet seien, zusammen mit deren Heilkräften, ihren Auf- und Untergängen und ihrer Bedeutung für zukünftige Ereignisse. Iamblichos merkt dabei an, dass diese Lehren nur einen kleinen und dazu den geringsten Teil des hermetischen Wissens der Ägypter darstellten.
Hephaistion von Theben, ein spätantiker ägyptischer Kompilator astrologischen Wissens, schreibt schließlich, dass der legendäre Urastrologe Nechepso sein Wissen über die Dekane aus den Salmeschiniaka bezogen habe.
Inhalt Was den konkreten Inhalt der Salmeschiniaka betrifft, so identifiziert Gundel eines der in Oxyrhynchus gefundenen Papyrus-Fragmente als deren Teil, auch wenn der Name nicht explizit genannt wird.Wilhelm Gundel: Dekane und Dekansternbilder. 1969, S. 413f. Hier ein sich Gundel zufolge auf Neby, den Gott der 2. Pentade des Wassermanns, beziehende Stelle vom Anfang des FragmentsGundels Übersetzung auf Grundlage der Edition Bernard Pyne Grenfell, Arthur Surridge Hunt: The Oxyrhynchus Papyri III. Egypt Exploration Society, London 1903, S. 128ff.:
Und später, über eine andere Pentadengottheit:
Wenn dergleichen unerwünscht war, so enthielt der Text offenbar auch die jeweils passenden Zauberrezepte zum Abwenden von Unannehmlichkeiten.
Etymologie Die Etymologie und Deutung des Namens Salmeschiniaka bleibt unklar und in der Literatur umstritten. Sowohl babylonische als auch griechische und ägyptische Wurzeln wurden vorgeschlagen, mit jeweils stark voneinander abweichenden Deutungen. Zuletzt hat Anastasios Akridas 2021 einen Vorschlag veröffentlichtAnastasios Akridas: Σαλμεσχ(ο)ινιακά. 2021, S. 15f., demzufolge sich sich aus drei Teilen zusammensetzt, nämlich , eine griechische Umschrift des babylonisch-semitischen Wortes ṣalmu mit der Bedeutung „Bild“, oder , ein griechisches Wort mit Konnotationen in den Bereichen Längenmessung und Schreibmaterialien, und dem Suffix , das ausdrückt, dass das abgeleitete Wort von der Art der Wurzel ist oder dazu gehört. Akridas behauptet nun, die Bedeutung von Salmeschiniaka sei daher in etwa „(Längen-)Messung der (Götter-)Bilder“ und was dazu gehört, wobei er eine Verbindung mit mystischen Konzepten ähnlich dem Schiur Komah vermutet, der kabbalistischen Spekulation über die Körpermaße Gottes.
Literatur Briant Bohleke: In Terms of Fate: A Survey of the Indigenous Egyptian Contribution to Ancient Astrology. In: Studien zur altägyptische Kultur 23 (1996), S. 11–46, hier S. 17–19. Anastasios Akridas: Σαλμεσχ(ο)ινιακά: Measurement Standards of Astrotheology? A New Approach to the Meaning and the Relevance of the Term. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Αltertumskunde Bd. 148, Nr. 1 (2021), , S. 12–17. Franz Boll: Sphaera : Neue griechische Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Sternbilder. Teubner, Leipzig 1903 (Nachdruck Olms, Hildesheim 1967, ). Franz Boll: Salmeschoiniaka. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde 39 (1901), S. 152f. Wilhelm Gundel: Dekane und Dekansternbilder : Ein Beitrag zur Geschichte der Sternbilder der Kulturvölker. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969.
Christian Leitz: Altägyptische Sternuhren. Peeters, Leuven 1995, ISBN 90-6831-669-9. M. David Litwa: Hermetica II : The Excerpts of Stobaeus, Papyrus Fragments, and Ancient Testimonies in an English Translation with Notes and Introduction. Cambridge University Press 2018, ISBN 9781107182530, S. 278.
Einzelnachweise
Kategorie:Astrologie