mini|Russischer Zarenthron vor dem Familienwappen der Romanows – ausgestellt in der Eremitage in Sankt Petersburg

Die Liste der russischen Herrscher umfasst alle Herrscher des Russischen Reiches und dessen Vorgängerstaaten von 862 bis zum Jahr 1917, als die Monarchie durch die Februarrevolution beendet wurde. Ab 1547 lautete die Herrscherbezeichnung Zar, welcher auch den Titel Bewahrer des byzantinischen Throns trug. 1721 nahm Peter der Große den Titel Kaiser an, der Begriff Zar blieb aber vor allem im Westen weiterhin in Gebrauch.

Hauptstadt Nowgorod Weliki Nowgorod ist eine der ältesten Städte des heutigen Russlands (859 gegründet) und wurde von dem warägischen Fürst Rjurik, dem Gründer des ersten ostslawischen Reichs, von 862 bis 879 regiert. Nowgorod war bereits im mittelalterlichen Reich der Kiewer Rus ein großes Zentrum mit mehr als zehntausend Einwohnern. Die soziale Struktur bestand aus drei Schichten: reiche Kaufleute und Bankiers (gleichzeitig Grundbesitzer) standen an der Spitze, gewöhnliche Kaufleute waren Vertreter der mittleren Schicht; Handwerker und Tagelöhner gehörten der unteren Bevölkerungsschicht an. Nowgorod war im Hochmittelalter neben Konstantinopel eine Stadt in Europa, in der nicht nur der Adel und der Klerus, sondern auch Leute der mittleren Schicht lesen und schreiben konnten zur Zeit des Handels der Gotländer und der Hanse. Bei archäologischen Ausgrabungen gefundene auf Birkenrinde geschriebene Birkenrindentexte bezeugen auch den Alltag in der mittelalterlichen Stadt.

BildName (Lebensdaten)RegierungszeitTitel Anmerkungen 80px Rjurik(* um 830; † um 879) 862–878 FürstDer warägische Fürst gilt als Begründer der Dynastie der Rurikiden. Ob es sich bei ihm um eine reale Person oder eine Legende handelt ist umstritten. Er soll von 862 bis zum Jahr 879 der Herrscher über Nowgorod gewesen sein.

Dynastie der Rurikiden

Großfürsten der Kiewer Rus

BildName (Lebensdaten)RegierungszeitTitel Anmerkungen 80px Oleg, „der Weise“(† 912 oder 922) 879–912 Regent/FürstGilt als Begründer des Großfürstentums Kiew. Herrschte als Regent für Rjuriks Sohn Igor und zog gegen Konstantinopel im Jahr 907. Wie bei Rjurik ist seine tatsächliche Existenz nicht restlos gesichert. 80px Igor I.(* um 878; † um 945) 912–945 FürstSohn Rjuriks. Erster Fürst, dessen Existenz als gesichert gilt. 80px Olga, „die Heilige“(* 890; † 11. Juli 969) 945–962 RegentinFrau Igors. Nach dem Tod ihres Mannes übte sie die Regentschaft über das Reich für ihren minderjährigen Sohn Swjatoslaw aus. Nachdem sie sich 957 hatte taufen lassen, versuchte sie die Christianisierung der Kiewer Rus, scheiterte jedoch. Außerdem führte sie mehrere Feldzüge gegen die Drewljanen. 80px Swjatoslaw I., „der Eroberer“(* um 942; † Frühjahr 972) 962–972 FürstSohn Igors I. und Olgas. Er zerstörte das Chasarenreich und vergrößerte seinen Machtbereich bis zum Don. Anschließend eroberte er das Ostbulgarische Reich an der Donau, weshalb es zum Krieg mit Byzanz kam. Beim Rückzug aus Preslaw, wohin er seine Residenz verlegt hatte, wurde er von den Petschenegen getötet. 80px Jaropolk I.(* zwischen 958 und 960; † 980) 972–980 FürstSohn Swjatoslaws I. Nach dem Tod des Vaters wurde das Reich unter den Brüdern aufgeteilt und es kam zum Streit unter den Brüdern. Er nahm die Christianisierung wieder auf. Der Angriffe seines Bruders Oleg konnte er sich erwehren, jedoch verlor er seine Macht schließlich 980 an Bruder Wladimir. 80px Wladimir I., „der Große“(* 960, † 15. Juli 1015) 980–1015 Fürst/GroßfürstSohn Swjatoslaws I. Er eroberte Nowgorod und erlangte, nachdem er seinen Halbbruder Jaropolk I. umbringen ließ, die Herrschaft über Kiew. Im Jahr 987 selbst getauft, trieb er die Christianisierung weiter voran. Diesem Umstand verdankt er auch seinen Beinamen der Heilige. Kurz vor seinem Tod kam es zum Zerwürfnis mit seinem Sohn Jaroslaw. Zum Feldzug gegen seinen Sohn kam es aber nicht mehr. 80px Swjatopolk I., „der Verfluchte“(* 978 oder 979; † 1019) 1015–1019 GroßfürstSohn Wladimirs I. Nach dem Tod des Vaters setzte sich Swjatopolk in Kiew durch, während sein Halbbruder sich weiterhin in Nowgorod behauptete. 1016 standen sich die Heere der Brüder gegenüber. Swjatopolk unterlag und floh nach Polen. Er kehrte 1018 nochmal kurzzeitig als Herrscher zurück ehe Jaroslaw ihn endgültig besiegte. 80px Jaroslaw I., „der Weise“(* 979 oder 986; † 1054) 1019–1054 GroßfürstSohn Wladimirs I. Er bekam die Stadt Nowgorod zugesprochen, über die er auch nach dem Tod Wladimirs weiterhin herrschte. Es kam zu Streitigkeiten mit seinem Vater und dessen Nachfolger Swjatopolk I. Die Entscheidungsschlacht gewann er und setzte sich 1019 endgültig als Herrscher über Kiew durch. Er erließ die erste russische Gesetzessammlung und führte mehrere Kriege gegen die Polen. Außerdem etablierte er das Senioratsprinzip. 80px Isjaslaw I.(* 1024; † 3. Oktober 1078) 1054–1068, 1069–1073 und1076–1078 GroßfürstSohn Jaroslaws I. 80px Wseslaw(* 1029; † 1101) 1068–1069 GroßfürstUrenkel Wladimirs I. Fürst von Polozk 80px Swjatoslaw II.(* 1027; † 27. Dezember 1076) 1073–1076 GroßfürstSohn Jaroslaws I. 80px Wsewolod I.(* 1030; † 13. April 1093) 1078–1093 GroßfürstSohn Jaroslaws I. 80px Swjatopolk II.(* 1050; † 1113) 1093–1113 GroßfürstSohn Isjaslaws I. 80px Wladimir II. Monomach(* 1053; † 19. Mai 1125) 1113–1125 GroßfürstSohn Wsewolods I. 80px Mstislaw I., „der Große“(* Juni 1076; † April 1132) 1125–1132 GroßfürstSohn Wladimirs II. 80px Jaropolk II.(* 1082; † 1139) 1132–1139 GroßfürstSohn Wladimirs II. 80px Wjatscheslaw I.(* 1083; † 1154) 1139, 1150 und 1151–1154 GroßfürstSohn Wladimirs II. 80px Wsewolod II.(* 1104; † 1146) 1139–1146 GroßfürstEnkel Swjatoslaws II. 80px Igor II.(† 19. September 1147) 1146 GroßfürstBruder Wsewolods II. 80px Isjaslaw II.(* 1096; † 1154) 1146–1149, 1150 und 1151–1154 GroßfürstSohn Mstislaws I. 80px Juri Dolgoruki(* 1090; † 15. Mai 1157) 1149–1150, 1150–1151 und1155–1157 GroßfürstSohn Wladimirs II. 80px Isjaslaw III.(* ? † 1162) 1155, 1157–1158 und1161 GroßfürstEnkel Swjatoslaws II. 80px Rostislaw(* um 1110; † 1167) 1154–1155, 1159–1161 und1161–1167 GroßfürstSohn Mstislaws I. 80px Mstislaw II.(* ?; † 1170) 1158–1159 und1167–1169 GroßfürstSohn Isjaslaws II.

Großfürsten von Wladimir-Susdal BildName (Lebensdaten)RegierungszeitTitel Anmerkungen 80px Andrej Bogoljubski(* 1111; † 1174) 1168–1174 GroßfürstSohn Juri Dolgorukis 80px Michail Jurjewitsch(* unbekannt; † 20. Juni 1176) 1174 und 1175–1176 GroßfürstSohn Juri Dolgorukis 80px Jaropolk Rostislawitsch(* unbekannt; † nach 1196) 1174–1175 GroßfürstNeffe Andrej Bogoljubskis 80px Wsewolod III., das große Nest(* 1154, † 1212) 1176–1212 GroßfürstSohn Juri Dolgorukis 80px Konstantin(* 1185; † 2. Februar 1218) 1216–1218 GroßfürstSohn Wsewolods III. 80px Juri II.(* 1188; † 1238) 1212–1216 und1218–1238 GroßfürstSohn Wsewolods III. 80px Jaroslaw II.(* 1190; † 30. September 1246) 1238–1246 GroßfürstSohn Wsewolods III. 80px Swjatoslaw III.(* 1196; † 1252) 1246–1248 GroßfürstSohn Wsewolods III. 80px Andrej II.(* unbekannt; † 1264) 1248–1252 GroßfürstSohn Jaroslaws II. 80px Alexander Newski(* um 1220; † 14. November 1263) 1252–1263 GroßfürstSohn Jaroslaws II. 80px Jaroslaw III.(* 1230; † 1271/72) 1263–1271/72 GroßfürstSohn Jaroslaws II. 80px Wassili(* 1241; † 1276) 1271/72–1276 GroßfürstSohn Jaroslaws II. 80px Dimitri I.(* um 1250; † 1294) 1276–1281 und1283–1293 GroßfürstSohn Alexander Newskis 80px Andrej III.(* um 1255; † 27. Juli 1304) 1281–1283 und1293–1304 GroßfürstSohn Alexander Newskis 80px Michail(* 1271; † 1318) 1304–1318 GroßfürstSohn Jaroslaws III. und Fürst von Twer 80px Juri III.(* 1281; 21. November 1325) 1318–1322 GroßfürstSohn Daniil Alexandrowitschs; Enkel Alexander Newskis und Fürst von Moskau 80px Dimitri II.(* 1299, † 15. September 1326) 1322–1326 GroßfürstSohn Michails und Fürst von Twer 80px Alexander II.(* 1301; † 29. Oktober 1339) 1326–1327 GroßfürstSohn Michails und Fürst von Twer

Großfürsten von Moskau und Zaren von Russland

BildName (Lebensdaten)RegierungszeitTitel Anmerkungen 80px Daniil Alexandrowitsch Moskowski(* 1261; † 1303) 1272–1303 FürstSohn Alexander Newskis 80px Juri I. Daniilowitsch(* 1281; † 1325) 1303–1325 FürstSohn von Daniil Alexandrowitsch; Enkel Alexander Newskis 80px Iwan I., „der Geldsack“(* 1288; † 1341) 1325–1328 1328–1341 Fürst GroßfürstSohn von Daniil Alexandrowitsch; Enkel Alexander Newskis 80px Simeon, „der Stolze“(* 1316; † 1353) 1341–1353 GroßfürstSohn Iwans I. Simeon erhielt bei der Teilung des Reichs durch Iwan I. das Fürstentum Moskau. Moskau blieb die entscheidende Machtzentrale des Reichs. Er konnte ein Aufkeimen der früheren Konflikte mit Twer verhindern, nicht zuletzt durch die Hochzeit mit Maria von Twer. Er starb an der Pestepidemie von 1353. 80px Iwan II., „der Schöne“(* 30. März 1326; † 13. November 1359) 1353–1359 GroßfürstSohn Iwans I. Er bestieg unerwartet nach dem Tod seines Bruders und dessen Söhnen den Thron. Er annektierte die Gebiete um Wereja südlich von Moskau. Nach kurzer Herrschaft starb Iwan und sein minderjähriger Sohn Dmitri Donskoi wurde Großfürst. 80px Dmitri I. Donskoi(* 12. Oktober 1350; † 19. Mai 1389) 1359–1389 GroßfürstSohn Iwans II. 80px Wassili I.(* 1371; † Februar 1425) 1389–1425 GroßfürstSohn Dimitris I. 80px Wassili II., „der Blinde“(* 10. März 1415; † März 1462) 1425–1462 GroßfürstSohn Wassilis I. 80px Iwan III., „der Große“(* 22. Januar 1440; † 27. Oktober 1505) 1462–1505 GroßfürstSohn Wassilis II. Gebrauchte als erster Großfürst den Titel Zar von Russland 80px Wassili III.(* 1479; † 1533) 1505–1533 GroßfürstSohn Iwans III. 80px Iwan IV., „der Schreckliche“(* 25. August 1530; † 28. März 1584) 1533–1584 ZarSohn Wassilis III. Er war 1547 der erste gekrönte russische Zar 80px Fjodor I.(* 31. Mai 1557; † 17. Januar 1598) 1584–1598 ZarSohn Iwans IV. Letzter Zar aus der Dynastie der Rurikiden. Fjodor war geistig zurückgeblieben und als Herrscher völlig unbedeutend. Für ihn regierte ein Regentschaftsrat, dem auch Boris Godunow angehörte.

Zeit der Wirren (verschiedene Dynastien) BildName (Lebensdaten)RegierungszeitTitel Anmerkungen 80px Boris Godunow(* 1552; † 23. April 1605) 1598–1605 ZarEr war der erste Herrscher nach dem Ende der Dynastie der Rurikiden. Durch die Wahl des Semski Sobor gelangte er an die Macht und wurde am 21. Februar zum Zaren ausgerufen. Im Jahr 1601 kam es zu tiefen sozialen und politischen Krisen. Gleichzeitig tauchte der erste falsche Dimitri auf, der den Zarenthron beanspruchte. Boris Godunow verstarb unerwartet am 23. April 1605. 80px Fjodor II. Godunow(* 1589; † 20. Juni 1605) 1605 ZarSohn Boris Godunows. Er folgte seinem Vater kurzfristig auf den Thron nach, ehe er von Anhängern des falschen Dimitris gestürzt und ermordet wurde. 80px Dimitri I., „der Falsche“(* unbekannt; † 27. Mai 1606) 1605–1606 ZarEr behauptete, der jüngste Sohn Iwans des Schrecklichen zu sein. Mit Hilfe des Polenkönigs Sigismund III. Wasa erlangte er die Zarenwürde, trat zum Katholizismus über und heiratete die Polin Marina. Durch seine Politik verlor er die Unterstützung des Adels. Bei einer von seinem Nachfolger Wassili heraufbeschworenen Revolte wurde er ermordet. 80px Wassili IV. Schuiski(* 22. September 1552; † 12. September 1612) 1606–1610 ZarWassili Schuiski wurde nach dem Tod des falschen Dimitri zum Zaren gewählt. Unter seiner Herrschaft kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Adelsgeschlechtern. Ein zweiter falscher Dimitri tauchte auf und fand Unterstützung beim Adel. Mit schwedischer Hilfe hielt er sich bis 1610, gelangte dann in polnische Gefangenschaft, in der er 1612 starb. 80px Władysław IV. Wasa(* 9. Juni 1595; † 20. Mai 1648) 1610–1613 –In der herrscherlosen Zeit von 1610 bis 1613 war er designierter Zar. Nachdem die Polen in Moskau einmarschiert waren, sollte Władysław die Zarenwürde übernehmen. Sein Vater Sigismund beanspruchte den Thron für sich; schließlich übernahm keiner von beiden den russischen Thron.

Dynastie der Romanows

Zaren von Russland