Doping im Fußball geschieht seit den 1920er Jahren.
Geschichte 1920er Jahre Der FC Arsenal soll der Biografie von Leslie Knighton, des Managers, zufolge Tabletten vor einer Begegnung gegen West Ham United genommen haben. Die geschilderte Wirkung („als ich sie selbst testete fühlte ich mich, als könnte ich mit meinen Fäusten durch Wände schlagen“) lässt auf Amphetamine schließen. Seine Mannschaft verwandelte sich in „lebhafte Löwen“. Aufgrund von Nebel wurde die Begegnung auf den nächsten Tag verschoben.
1950er Jahre Deutschland Nach der Weltmeisterschaft 1954 erkrankten etliche Spieler der erfolgreichen deutschen Nationalelf, die Ursache waren verunreinigte Spritzen. Erik Eggers veröffentlichte als Ergebnis der Studie „Doping in Deutschland“, welche von der Universität in Münster und Berlin durchgeführt wurde, dass sich in den Spritzen Pervitin befunden hatte: „Wenn man sich die Zeitungsberichte von damals ansieht, dazu das sportwissenschaftliche Umfeld und die Schilderungen von Mannschaftsarzt Franz Loogen, dann muss man davon ausgehen, dass damals Amphetamine verabreicht wurden“.
Italien Vier Jahre nach der Weltmeisterschaft machte Gerardo Ottani eine Umfrage: 27 % der italienischen Profis gaben die Einnahme von Amphetaminen an, 68 % die Einnahme von Steroiden und 62 % der Befragten nahmen Stimulanzien für verbesserte Respiration und Herzarbeit. Ottani war selbst beim FC Bologna aktiv und wurde nach seiner Karriere Mediziner..
1960er Jahre Italien 2004 beschuldigte Ferruccio Mazzola, Teil des legendären Inter Mailands der 1960er, seinen ehemaligen Trainer der Verabreichung von Amphetaminen. Laut seiner Aussage habe dieser anfangs Pillen verteilt und sie später, nachdem sie viele Akteure heimlich ausgespuckt hatten, in ihren Kaffee getan. Mazzola vermutete, dass es einen Zusammenhang zwischen den Medikamenten und dem schlechten Gesundheitszustand oder frühen Tod – ähnlich wie beim „Fluch der Fiorentina“ (siehe Weblinks) – von vielen ehemaligen Mitspielern gab. Inter Mailand verklagte Mazzola anschließend und verlor vor Gericht. Jahre später bestätigte auch Ferruccio Mazzolas Bruder Sandro die Anschuldigungen.
England Der FC Everton, ein englischer Topverein und Meister in der Saison 1962/63, hat nach Eigenaussage und Aussage seines damaligen Torhüters Albert Dunlop den Spielern im Meisterjahr Tabletten ausgehändigt. Einem Zeitungsbericht zufolge hat es sich um Benzedrin gehandelt. Dunlop wird wie folgt zitiert:
Ich erinnere mich nicht mehr, wann wir sie zum ersten Mal angeboten bekamen. Sie wurden jedenfalls im Umkleideraum verteilt. Wir mussten sie nicht nehmen, aber die meisten taten es. Die Tabletten waren hauptsächlich weiß, manchmal gelb. Sie kamen in der Saison 1961–62 und in der Meistersaison danach zum Einsatz. Bald durften wir so viele haben wie wir wollten. An Matchtagen wurden sie wie selbstverständlich an die meisten Spieler ausgehändigt. Bald kamen einige von der Mannschaft nicht mehr ohne Drogen aus.Gabbert, Michael: How we uncovered the Everton drug scandal, The People, UK, 13 September 1964
Der Verein bestätigte, dass Tabletten benutzt wurden, und fügte an, dass diese keine schädlichen Wirkungen gehabt hätten. Dunlop hingegen behauptete, er wäre davon abhängig geworden.
1970er Jahre Niederlande In den 1970er-Jahren gab es regelmäßige Einnahmen unerlaubter Substanzen laut den damals Aktiven. Dies soll bei Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam und AZ Alkmaar stattgefunden haben; insbesondere bei den Weltpokalen von 1970 und 1972. Jan Peters berichtete von Doping vor wichtigen Partien, welches zu Energieschüben und euphorischer Stimmung führte. Johnny Rep, ehemaliger Starspieler bei Ajax Amsterdam, meinte, dass jeder etwas genommen habe. Er erwähnte, dass alle vor dem Spiel gegen die AS Saint-Etienne am 1. November 1979 Injektionen erhalten hatten. Pierre Poty, ehemaliger Mediziner beim holländischen Verein, berichtete von besonders wirksamen Aufputschmitteln. Laut Fritz Kessel, ebenfalls Mediziner und 30 Jahre für die niederländische Nationalmannschaft tätig, waren leistungssteigernde Mittel an der Tagesordnung während der Weltmeisterschaften 1974 und 1978. Dies teilte er Guido Derksen, dem Autor von Voetbal Myseries, mit. In dessen Buch wird berichtet, dass damalige Spieler „Tonnen an Aufputschmitteln“ konsumiert hätten.
Türkei Am Saisonende 1972/73 gelang Galatasaray Istanbul unter dem englischen Teamchef Brian Birch mit unter anderem dem Schlüsselspieler Metin Kurt der erste Meisterschafts-Hattrick der Süper-Lig-Geschichte, indem sie die Saisons 1970/71, 1971/72 und 1972/73 hintereinander als Meister abschlossen. 2005 bezichtigte der Präsident des türkischen Dopingkontrollzentrums in der parlamentarischen Untersuchungskommission der TBMM jene erfolgreiche Galatasaray-Mannschaft zwischen 1971 und 1974 des Dopings. Sie sollen mit Birchs Dopingmitteln aus England behandelt worden sein. Nach dem Weggang des Teamchefs Birch erkrankte ein Galatasaray-Spieler nach dem anderen aus nicht näher genannten Gründen. Die Medikamenten-Verabreichungen Birchs bestätigte der Ersatzspieler Yıldırım Benayyat, der zwischen 1970 und 1972 im Kader von Galatasaray stand. Er ergänzte jedoch, nicht zu wissen, ob es sich um Dopingmittel oder Vitamine gehandelt habe. 2009 bestätigte Metin Kurt in seiner veröffentlichten Biografie die Dopingeinnahme von leistungssteigernden Pillen und Injektionen. Seinen Galatasaray-Mannschaftskollegen wurden auch Pillen und Injektionen verabreicht, aber Kurt bestritt die Verantwortung von Brian Birch für das Doping. Kurt machte die Vereinsfunktionäre und die Mannschaftsbetreuer von Galatasaray für das Doping im Verein während seiner aktiven Zeit verantwortlich. Nach Kurts Schilderungen sei der Torwart Turgay Şeren (1947–1967) für die Initiierung des Dopings bei Galatasaray gewesen. Vor einem Spiel verlangte Şeren eine Spritze. In der Folge entwickelten sich die Dopingpraktiken bei Galatasaray zunehmend systematischer.
BR Deutschland Im Frühjahr 2015 wurden in Freiburg vorab veröffentlichte Ergebnisse einer Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Letizia Paoli bekannt. Sie handelten von den Geschehnissen um die ehemaligen deutschen Sportmediziner Armin Klümper und Josef Keul zum systematischen Doping im deutschen Fußball und vielen anderen Sportarten.Die Dopingakte Freiburg, Badische-zeitung.de Gemäß der Vorsitzenden und eines Mitglieds der Untersuchungskommission der Universität gab es in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren systematisches Anabolika-Doping beim VfB Stuttgart und in kleinerem Umfang beim SC Freiburg. 1978, 1979 und 1980 sollen das Anabolikum Megagrisevit und 1981 die Substanzen Primobolan und Testoviron an den VfB geliefert worden sein.
In den 1970er Jahren führte Franz Beckenbauer die DFB-Nationalmannschaft als Mannschaftskapitän zum ersten Europameistertitel, zum Weltmeistertitel 1974 und als Starspieler seiner Vereinsmannschaft den FC Bayern München zu den jeweiligen ersten Titelhattricks der Bundesliga-Meisterschaft und des Europapokals der Landesmeister ihrer historischen Vereinserfolgen.• • 1977 offenbarte Beckenbauer gegenüber der Presse seine künstliche Leitungssteigerung seiner Widerstandskräfte während seiner Profifußballkarriere. Durch Mithilfe des Heilpraktikers Manfred Köhnlechner handhabte Beckenbauer mit Eigenblut-Doping. Er ließ sich von ihm mehrmals im Monat von der Armvene Blut abnehmen, diese(r) hervorgerufener Blutverlust beziehungsweise künstliche Entzündung regt in der Folgezeit im Körper die Produktion von Erythrozyten an, womit die Blutkörperchenanzahl wieder reparierend ansteigt. Nachher wurde ihm das entnommene Blut laut Beckenbauers Beschreibung über das Gesäß wieder zurück injiziert, womit sich das Blutvolumen und dabei erneut die Blutkörperchenanzahl erhöht. Diese Blutdopingpraktik ist seit Anfang der 1970er bekannt und sorgt für mehr Ausdauer, ab 1988 wurde diese Dopingmethode vom IOC verboten. Auch der Bayern-Spieler Jupp Kapellmann bediente sich des Blutdopings und nahm nebenbei auch Anabolika bei Verletzungen ein für eine schnellere Regeneration. Zum Patientenkreis von Köhnlechner gehörte gegebenenfalls auch der Bayern-Spieler Franz Roth an. Des Weiteren verordnete der Bayern-Cheftrainer Dettmar Cramer zwischen 1975 und 1977 manchen seinen Fußballspielern vor wichtigen Fußballspielen die Einnahme von Captagon. Über das alles hinaus sorgte ein Auftritt in der ZDF-Sportsendung Das aktuelle Sportstudio für Verwunderung: Beckenbauer erzählte von Vitaminspritzen, die sie bekommen hatten. Im nächsten Satz gab er zu, nicht zu wissen, was sich in den Spritzen befunden habe.
1980er Jahre Algerien Bei der Weltmeisterschaft 1982 schied Algerien nach dem Gruppenspiel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Österreich aus, das man später als die Schande von Gijón benannte. Hinter den Kulissen spielte sich allerdings auch etwas anderes ab: Ehemalige Spieler (Mindestens sieben, u. a. Mohamed Kaci-Saïd, Djamel Menad, Mohamed Chaïb) beschuldigten den Arzt der Mannschaft, Aleksander Tabartschuk, ihnen Dopingmittel („gelbe Pillen“ und Pulverbeutelchen) verabreicht zu haben. Diese sollen dafür verantwortlich sein, dass sie später behinderte Kinder bekamen. Rachid Hanifi, damals ebenfalls Arzt bei der Nationalmannschaft, hielt die Anschuldigungen für begründet, da ihm sein sowjetischer Kollege keinen Einblick in die medizinischen Unterlagen gewährte. Auch Mohamed Chaïb wollte Jahre später die damaligen Unterlagen sehen und wurde unterrichtet, dass es diese nicht mehr gäbe. Algerien schied 1986 in einer Gruppe mit Brasilien, Spanien sowie Nordirland aus und gewann 1990 den Afrika-Cup.
Türkei Der Denizlispor-Spieler Mesut Bakkal aus der Saison 1986/87 veröffentlichte in seiner Biografie im März 2020, dass er und seine Denizlispor-Mannschaft am vorletzten Spieltag gegen den Favoriten und Meisteraspiranten Beşiktaş Istanbul gedopt waren und vom anderen Meisteraspiranten Galatasaray Istanbul bei Punktverlust(en) Beşiktaş’ „Teşvik primler“ () zugesagt bekommen hatten. Das Spiel endete mit einem 1:1-Remis. Somit erlitt Beşiktaş einen Punktverlust im Meisterschaftstitelkampf, womit die gedopte Fußballmannschaft entscheidend den Meisterschaftstitelkampf beeinflusst hatte. Am Saisonende 1986/87 wurde Galatasaray nach 14 Jahren Meisterschaftsabsenz mit einem Punkt Vorsprung knapp vor Beşiktaş Süper-Lig-Meister.• •
Westdeutschland 1987 veröffentlichte Harald „Toni“ Schumacher sein Buch „Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball“, in dem er schildert, wie während der Weltmeisterschaft 1986 im deutschen Nationalteam gedopt worden sei. Im selben Jahr berichtete Paul Breitner über ähnliche Vorgänge in der Bundesliga. Laut Dieter Schatzschneider waren Captagon-Tabletten tägliche Begleiter: „Die flogen manchmal durch den Bus. Die waren überall, die Viecher.“ Neben Breitner bestätigten Per Røntved, Hans-Werner Moors, Jupp Kapellmann, Peter Neururer, Benno Möhlmann, Uwe Nester, Günter Schlipper, Peter Geyer (welcher auch Einblick in Ablauf, Quantität und Nebeneffekte gab), Jürgen Röber, Jürgen Stumm und Peter Harms (beide aus der medizinischen Abteilung) Schumacher in seiner Aussage, dass Dopingfälle in der Bundesliga stattgefunden hatten.
Ostdeutschland Manfred Höppner beschuldigte den BFC Dynamo Berlin und den 1. FC Lokomotive Leipzig des Dopings. Seiner Darstellung nach wurden 1983 während der Anreise zu den UEFA Cup Auswärtsspielen bei 13 der 19 BFC Dynamo Spielern Spuren von Amphetaminen und Methamphetaminen gefunden. Es wurde auch ermittelt, dass das Anabolikum Turinabol mehrere Jahre beim 1. FC Berlin angewendet wurde: Zwei Kaderangehörige wurden im April 1985 positiv auf dieses anabole Steroid getestet.
1990er Jahre Frankreich