mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche Lorch Die evangelische Stadtkirche steht in Lorch, einer Stadt im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die Kirche wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Dezember 2015“ ernannt.

Geschichte mini|Blick zum Chor Die erste Lorcher Pfarrkirche wurde auf dem Boden eines römischen Kastells errichtet und erstmals in der Stauferzeit im Jahre 1144 urkundlich erwähnt. Sie war die Stiftskirche eines Säkularkanoniker- oder Kollegiatstifts, dessen Auflösung Mitte des 14. Jahrhunderts anzusetzen sein dürfte. Bauliche Reste der Stiftskirche sind nicht erhalten.Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg

Der Bau der heutigen Saalkirche wurde 1440 begonnen und 1474 mit der Chorweihe vollendet. Er besteht aus dem Langhaus, dem eingezogenen, von Strebepfeilern gestützten Chor mit Fünfachtelschluss im Osten, der erst 1507 vollendet wurde, und dem Kirchturm an der Nordwand des Langhauses. Er wurde später mit einem Geschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl enthält, und mit einem schiefergedeckten, spitzen Helm bedeckt. Die Maßwerkfenster sind mit Fischblasen verziert. Bereits im Jahre 1449 wurde in der Südostecke des Langhauses eine Holzkanzel mit inzwischen eindeutig bestätigter Zeitsignatur aufgestellt.Karl Halbauer: Predigstül - Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation; in der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 171–176 Die Predigtgemeinde versammelte sich nach der Zelebration des Altarsakraments dorthin nach Süden ausgerichtet. Nach Einführung der Reformation in Württemberg 1534 wurden die Kirchen mit Bänken ausgestattet, wodurch sich in der Regel die Innenausrichtung einer Querkirche weiterhin auf die Kanzel ergab.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, passim und S. 237, 297 - ISBN 978-3-95505-592-9. So blieb es auch hier in Lorch bis 1728 - der Bevölkerungszuwachs erforderte mehr Sitzplätze in der Kirche. Dazu wurde im Langhaus eine dreiseitige Emporen und im Chor ebenerdiges Gestühl sowie eine Sängerempore gestellt. Deswegen musste die Kanzel südlich am Chorbogen einen neuen Platz finden; sie wurde bei dieser Gelegenheit erneuert und mit einer Steintreppe und einer hölzernen Trägerfigur-Wandkonsole versehen. Eine Fundamentsanierung samt Innenrenovierung fand im Jahre 1905 unter Leitung des Architekten und Oberbaurats Heinrich Dolmetsch statt.Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, Seite 264–266 Dabei wurden auch die Emporenzugänge (Außentreppe) nach innen verlegt. Bei einer weiteren Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die 1905 zugunsten einer Farbverglasung der Chorfenster tiefergelegte Sängerempore im Chorraum und das dortige Gestühl entfernt.

Architektur Der Innenraum des Chors ist mit einem Netzrippengewölbe überspannt. In das Langhaus wurden 1728 Emporen eingebaut, deren Brüstungen mit Tafelbildern verziert sind. Die Orgel auf der Westempore wurde 1808 von Johann Viktor Gruol dem Älteren gebaut.

Ausstattung Die im Jahre 1728 südlich an den Chorbogen gestellte neue Kanzel erhielt von der früheren Kanzel vier auch heute noch gut erhaltene spätgotische Brüstungstafeln von 1449. Auf ihnen sind in der recht einfachen Dekortechnik des Linienschnitts die vier bedeutenden Kirchenväter Hieronymus, Augustinus, Gregor und Ambrosius - jeweils mit Nimbus und je nach Amt in Kardinals- oder Bischofsornat - mit verschlungenen Schriftbändern über ihren Köpfen dargestellt. Die Spuren von Farblasur mögen jüngeren Datums sein. Zur Kanzel gelangt man über eine um den Chorbogen gewundene Steintreppe. Der Kanzelkorb ruht auf einer hölzernen Wand-Konsolfigur in farbiger Barockfassung und unter einem Barock-Schalldeckel.

Von den ehemals 58 Gemäldetafeln der Emporenbrüstungen sind immerhin 49 erhalten. Neun Tafeln kamen beim Abbruch der Sängerempore im Chor abhanden. Es handelt sich um einen Zyklus von der Erschaffung der Welt (nach den Mosesbüchern) bis zu den Visionen des Johannes (nach der Offenbarung). Die Tafelbilder stammen alle von Maler Enslin aus Heidenheim aus dem Jahre 1730. Als Vorlage hatten Bilder der alten Bibel und des Neuen Testaments aus dem Jahre 1679 von Melchior Kysel in Augsburg gedient.

Im Rahmen der Kirchenrenovierung 1905 wurden mittels einer Stiftung die drei Maßwerkfenster im Chor mit Glasgemälden aus der Münchner Werkstatt van Treeck mit den Bildthemen Bergpredigt, Auferstehung und Kindersegnung gefertigt und eingebaut. Die Signatur eines Entwurfskünstlers fehlt, was bis dahin durchaus noch vorkam. Der Stil entspricht dem des fränkischen Künstlers Friedrich Wilhelm Wanderer, von dem es in Württemberg um die Jahrhundertwende mehrere signierte und unsignierte Glasgemälde gibt. Das neue Südfenster schuf im Jahre 2001 Josef „Sepp“ Baumhauer aus Schwäbisch Gmünd, der hier die Wirkung der Auferstehung ins Bild setzt.

Literatur

Hermann Kissling: Evangelische Stadtkirche Lorch; hg. Ev. Kirchengemeinde Lorch, Lorch 1969, neue Auflage 2002

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Mehr Bilder und Informationen zur Stadtkirche auf kirchen-online.com Information zur Kirche

Einzelnachweise

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