mini|hochkant|József Kardinal Mindszenty, 1974rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift mini|hochkant|Wappen Mindszentys als Kardinal-Erzbischof und Primas von Ungarn mini|hochkant|Mindszenty-Denkmal von Sándor Kiss in Zalaegerszeg (2007) József Kardinal Mindszenty (* als József Pehm am 29. März 1892 in Csehimindszent, Komitat Eisenburg, Österreich-Ungarn; † 6. Mai 1975 in Wien) war ein ungarischer römisch-katholischer Geistlicher, von 1945 bis 1974 Erzbischof der Erzdiözese Esztergom (deutsch Gran) und der letzte Fürstprimas von Ungarn.

Wegen seines Auftretens gegen Ungerechtigkeiten wurde er mehrmals inhaftiert und war nach 1945 eine Symbolfigur des Widerstandes gegen den Kommunismus in Ungarn. Nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands im November 1956 lebte er bis 1971 im Asyl der US-Botschaft in Budapest und danach bis zu seinem Tod im Exil in Wien.

Leben Jugend József Mindszenty wurde als József Pehm geboren und war das erste von sechs Kindern des Bauern János Pehm und dessen Ehefrau Borbála Kovács. Seinen späteren Namen „Mindszenty“ nahm er im Jahr 1941 an – er leitet sich von seinem Geburtsort Csehimindszent ab und bedeutet sinngemäß „aus Allerheiligen“.

Er besuchte zunächst die Volksschule in seinem Heimatort und wechselte 1903 an das Gymnasium der Prämonstratenser in Szombathely. Dort engagierte er sich in der Katholischen Jugend und war Präfekt einer Jugendkongregation. Im Jahr 1911 trat er in das Priesterseminar von Szombathely ein.

Priester Nach dem Theologiestudium wurde er am 12. Juni 1915 zum Priester geweiht. Er war zunächst Kaplan in Felsőpaty (Gemeinde Rábapaty im Kreis Sárvár) und schrieb dort sein erstes Buch „Die Mutter“.

Ab 26. Januar 1917 war er Religionslehrer am Gymnasium in Zalaegerszeg und arbeitete auch als Redakteur für das Wochenblatt des Komitates Vas.

Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie kam Mihály Károlyi im Oktober 1918 an die Macht und rief am 16. November die Republik Ungarn aus. Mindszenty kritisierte in Zeitungsartikeln die linksgerichtete Regierung und übernahm Anfang 1919 die Führung der neu gegründeten Christlichen Partei im Wahlkampf. Daher wurde er am 9. Februar 1919 verhaftet und im bischöflichen Palais in Szombathely festgehalten. Auch nach der kommunistischen Machtübernahme durch Béla Kun am 21. März blieb er in Haft und wurde erst am 15. Mai freigelassen. Da er Redeverbot in der Öffentlichkeit erhielt, wohnte er zunächst wieder an seinem Geburtsort.

Nach dem Ende der Räterepublik kehrte er am 2. August nach Zalaegerszeg zurück und wurde dort am 1. Oktober zum Stadtpfarrer ernannt. Er ließ Schulen bauen, neue Kirchen errichten und gründete religiöse und kirchliche Vereine. Er war zwar Mitglied des Komitats- und Stadtrates, lehnte aber weitere politische Tätigkeiten ab, um sich auf die Seelsorge zu konzentrieren. 1924 wurde er zum Titularabt, 1937 zum päpstlichen Hausprälaten ernannt.

1941 legte er unter dem Eindruck des Kriegseintrittes Ungarns auf Seiten der Achsenmächte, der Abwendung des Reichsverwesers Horthy von der Neutralität und dem Selbstmord des mit seinen Friedensbestrebungen gescheiterten Premierministers Pál Teleki seinen Familiennamen Pehm wegen dessen deutschen Wortstammes ab und nannte sich nach seinem Geburtsort Mindszenty.

Bischof Papst Pius XII. ernannte ihn am 4. März 1944 auf Vorschlag des Nuntius Angelo Rotta und im Einvernehmen mit der ungarischen Regierung zum Bischof von Veszprém. Am 25. März empfing er durch Jusztinián György Kardinal Serédi die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren Lajos Shvoy (Bischof von Székesfehérvár (Albareale)) und József Pétery (Bischof von Vác).

Mindszenty verkaufte Teile des kirchlichen Großgrundbesitzes und ließ 34 neue Pfarren und 11 katholische Schulen in seiner Diözese errichten.

Reichsverweser Miklós Horthy, der sich aus revisionistischen Gründen seit den 1930er Jahren immer mehr an das nationalsozialistische Deutschland angeschlossen hatte, erkannte ab 1943, dass der Krieg für Deutschland verloren war, und nahm mit den Alliierten Kontakt auf. Daraufhin besetzten deutsche Truppen Ungarn am 19. März 1944 in der Operation Margarethe und erzwangen die Einsetzung von Döme Sztójay als Regierungschef. Gemeinsam mit den ungarischen Bischöfen protestierte Mindszenty dagegen, dass die neue Regierung Juden in Ghettos einsperren und dann in die Vernichtungslager deportieren ließ.

Horthy, der am 15. Oktober nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostungarn einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion verkündet hatte, musste zurücktreten, und eine nationalsozialistische Regierung unter Führung des Pfeilkreuzlers Ferenc Szálasi kam an die Macht. Gemeinsam mit den westungarischen Bischöfen Vilmos Apor und Lajos Shvoy sowie dem Erzabt von Pannonhalma Chrysostomus Kelemen forderte Mindszenty die Regierung am 31. Oktober in einem Schreiben auf, „Westungarn nicht zum Schlachtfeld der Rückzugskämpfe werden zu lassen“. Er wurde daher am 26. November gemeinsam mit 26 Priestern und Theologiestudenten verhaftet. Am 23. Dezember wurde er in die Strafanstalt Sopronkőhida bei Sopron und am 31. Dezember nach Sopron transferiert. Nachdem die Rote Armee auch Westungarn erobert hatte, konnte er am 20. April 1945 wieder nach Veszprém zurückkehren.

Studien der materialistischen Philosophie sowie negative Erfahrungen, die Ungarn mit der Räterepublik und Russland mit dem Kommunismus gemacht hatten, ließen ihn schon früher zu einem Gegner dieser Weltanschauung werden, als deren Ziel er die Verbreitung der Gottlosigkeit sah. Kompromisse mit dem Kommunismus lehnte er ab, weil sie nur diesem nützten. Dazu kamen noch Übergriffe der sowjetischen Besatzungssoldaten, die u. a. den Bischof von Győr, Vilmos Apor, erschossen, als dieser versuchte, Frauen vor Vergewaltigungen zu schützen.

Der bisherige ungarische Primas Serédi war am 29. März gestorben. Im Auftrag von József Grősz, dem Vorsitzenden der ungarischen Bischofskonferenz, verfasste Mindszenty einen Hirtenbrief, der am 24. Mai veröffentlicht wurde, in dem die Gräueltaten der sowjetischen Truppen aber nicht direkt erwähnt wurden.

Primas von Ungarn

Papst Pius XII. ernannte ihn am 15. September 1945 zum Erzbischof von Esztergom, die Einführung in dieses Amt fand am 7. Oktober statt. Am 18. Februar 1946 wurde er als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santo Stefano al Monte Celio in das Kardinalskollegium aufgenommen. In der Vergangenheit war der Erzbischof von Esztergom als Primas von Ungarn die erste Autorität nach dem König. Da Ungarn noch immer eine Monarchie war, sah es Mindszenty als seine Aufgabe an, von den Regierenden die Einhaltung der Verfassungsbestimmungen zu fordern, und telegrafierte nach seiner Ernennung an die Regierung: „Der erste staatsrechtliche Würdenträger des Landes steht seiner Heimat zu Diensten“.

Bald kam es zu Konflikten mit der kommunistischen Partei der Ungarischen Werktätigen, die eine Machtübernahme in Ungarn versuchte. Bei seinen Auslandsreisen wies der Erzbischof immer wieder auf die Unterdrückung der Kirche durch die Kommunisten hin und bemühte sich um Hilfslieferungen durch Exilungarn in den USA, die aber von den ungarischen Kommunisten behindert wurden. Er warf der sowjetischen Besatzungsmacht vor, den Wiederaufbau im Lande zu behindern. Am 17. Oktober veröffentlichte er ein Hirtenschreiben, in dem er gegen die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn protestierte. 1946 erhob er seine Stimme gegen die Ausweisung der Ungarn aus der Slowakei.

Er war auch dagegen, dass Ungarn am 1. Februar 1946 durch einen Parlamentsbeschluss, aber ohne Volksabstimmung, zur Republik Ungarn wurde. Seit dieser Zeit wurde er in den Medien immer öfter als Feind des Fortschritts angegriffen; das Regime organisierte öffentliche Demonstrationen gegen ihn. Die am 12. März beschlossenen „Gesetze zum Schutz der Staatsordnung und der Republik“ ermöglichten eine Strafverfolgung Oppositioneller. Bereits im April wurden katholische Schulen durchsucht, da die Regierung die Lehrer an diesen Schulen als Staatsfeinde beschuldigte. Durch Mobilisierung der Bevölkerung konnte aber eine Verstaatlichung der Privatschulen noch verhindert werden.

Als im Sommer 1946 ein sowjetischer Soldat von einem Kameraden im Streit erschossen wurde, beschuldigte man ein Mitglied des katholischen Jugendverbandes des Mordes. Mindszenty konnte nicht verhindern, dass die Regierung dies zum Anlass nahm, um die kirchlichen Vereine aufzulösen und den staatlichen Religionsunterricht abzuschaffen.

Die Lage für die Katholische Kirche verschärfte sich nach der Neuwahl des Parlaments am 31. August 1947, die dem Linksblock einen Stimmenanteil von 61 Prozent brachte. (Siehe auch: Vorgeschichte des Ungarischen Volksaufstandes.) Im April 1948 plante die Regierung eine Verstaatlichung privater Schulen. Mindszenty nahm in Hirtenbriefen vom 11. Mai und 23. Mai dagegen Stellung. Dennoch wurde das Gesetz am 16. Juni vom Parlament beschlossen. 4885 Schulen, von denen 3148 der katholischen Kirche gehört hatten, gingen in das Eigentum des Staates über. Der Kardinal informierte westliche Journalisten über diese Vorgänge. Da er sich weigerte, die kommunistische Regierung anzuerkennen, wurden wieder Demonstrationen gegen ihn organisiert. Am 19. November verhaftete man seinen Sekretär András Zakar. Mindszenty musste mit einem ähnlichen Schicksal rechnen und hielt schriftlich fest, dass er in der Gefangenschaft nie freiwillig abdanken oder ein „Geständnis“ irgendwelcher Fehlhandlungen ablegen werde. Am 23. Dezember wurde das erzbischöfliche Palais nach belastendem Material durchsucht, am 26. Dezember wurde er verhaftet.

Schauprozess, Haft und Asyl Nach seinen eigenen Angaben wurde er wochenlang gefoltert und durch Verabreichung von Drogen dazu gebracht, Schuldgeständnisse zu unterschreiben, die er mit dem Zusatz c.f. („unter Zwang“) kennzeichnete. Vom 3. bis 5. Februar 1949 fand ein Schauprozess vor einem Volksgericht statt, bei dem er wegen Umsturzes, der Spionage gegen Ungarn und wegen Devisenvergehen angeklagt wurde. Das Gericht verurteilte ihn am 8. Februar zu lebenslanger Haft, mit ihm erhielten auch weitere sechs Angeklagte – unter ihnen Pál Esterházy – langjährige Gefängnisstrafen. Das Urteil wurde am 6. Juli rechtskräftig. Er war danach in verschiedenen Anstalten in Einzelhaft isoliert, stellte aber kein Amnestieansuchen, da er eine vollständige Rehabilitation wollte.

mini|hochkant|Mindszenty bei einer Rede während des Volksaufstandes am 1. November 1956 Am 23. Oktober 1956 begann der Ungarische Volksaufstand, am 30. Oktober wurde der Kardinal aus seinem Gefängnis – dem Almásy-Schlösschen in FelsőpetényFelsőpetény ist eine kleine Ortschaft im Komitat Nógrád mit 567 Einwohnern (2015). In dieser Ortschaft befindet sich auch das 1902 errichtete Almásy-Schlösschen, in welchem Mindszenty zwischen dem 2. November 1955 und 30. Oktober 1956 in Einzelhaft gefangen gehalten wurde. bei Vác – befreit und am folgenden Tag in einem Triumphzug nach Budapest gebracht. Die Befreiung vollzog sich durch Soldaten der Rétságer Kaserne unter der Führung von Major Antal Pálinkás-Pallavicini, der damals dort Chef des Regiments war (dieser wurde nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes am 10. Dezember 1957 hingerichtet). Auf dem Weg nach Budapest übernachtete der Kardinal in der Kaserne in Rétság (zum 60. Jubiläum der Geschehnisse wurde in Rétság eine Statue des Kardinals aufgestellt). In Budapest angelangt, beschlossen er und andere Bischöfe am 2. November, die Friedenspriester aus leitenden Stellungen zu entfernen.