Der Gescher ʿAd Halōm (, , daher auch ) ist der Architekturform und Bautechnik nach eine mamlukische Brücke des 13. Jahrhunderts. Am östlichen Stadtrand Aschdods gelegen quert die Brücke im Verlauf der historischen Heer- und Handelsstraße namens Via Maris den Nachal Lachisch. Sie ist eine von drei erhaltenen Bogenbrücken dieser Bauart in Israel und daher ein geschütztes Kulturdenkmal. Die Brücke liegt in ʿAd Halom viereinhalb Kilometer nördlich des Tel Aschdod, jene Wüstung, wo bis 1948 das arabische Dorf Isdud bestand, von dem ihr arabischer Name herrührt. Arabisch Isdud und hebräisch Aschdod sind in diesen beiden Sprachen die Exonyme für den einst hier bestehenden philistäischen Stadtstaat .
Name Der Name Gescher ʿAd Halom () für die historische Brücke rührt vom weitesten Vordringen der ägyptischen Armee ins Herzland Israels im Krieg um dessen Unabhängigkeit. Am 29. Mai 1948 stieß die ägyptische Armee bis hierher (ʿAd Halom) an die Brücke vor, und nicht weiter, da israelisches Militär sie im weiteren Kriegsverlauf an dieser Stellung aufhielt. Im Oktober des Jahres gelangen Israels Streitmacht Zahal Vorstöße anderwärts (Operation Joʾav, ; 15.–22. Oktober 1948), die die ägyptische Armee zum Rückzug brachten.
Später plante Israel im Zuge der Landesentwicklung bei der Brücke über den Nachal Lachisch eine Ortschaft anzulegen, für die der Regierungsausschuss für Ortsnamen () Vorschläge für ein Toponym erbeten hatte, das an den Krieg um Israels Unabhängigkeit erinnern möge. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (Korrespondenz), S. 120, (Archiv des Staates Israel). (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (ausgehende Post), S. 219, . Den Vorschlag ʿAd Halom () lieferte der damalige Zahal-Generalstabschef Jiggaʾel Jadin, wozu er erklärte, „weil die Ägypter bis hierher bei ihrer Invasion vorstießen und hier unsere Schläge abbekamen“. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (ausgehende Post), S. 220, . Den Namen beschloss der Regierungsausschuss am 31. August 1952 nach einiger Debatte, denn anfangs erhielt ʿAd Halom nur zwei gegen drei Stimmen für das kürzere Halom. (Regierungsausschuss für Ortsnamen): (Sitzungen des Plenums), S. 155, . Die am Ostrand Aschdods gelegene Ortslage, in der die Bogenbrücke liegt, führt seither den Namen ʿAd Halom, auch die historische Steinbogenbrücke, der Bahnhof Aschdod – ʿAd Halom, wie eine Anschlussstelle und ein Industriegebiet, welche letztere beide jedoch erst später entstanden.
Lage 300px
Der Gescher ʿAd Halom über den Nachal Lachisch (, , im Bereich der Brücke auch genannt) liegt in Aschdods gleichnamiger Ortslage am östlichen Rand der Stadt (). Das Gebiet um die Brücke ist geographisch Teil Philistäas () bzw. des , der israelischen Landschaft Tiefland Philistäas an der südlichen Mittelmeerküste Israels.
Die historische Brücke und einige Erinnerungsstätten und Denkmale sind eingebettet in den Park ʿAd Halom im Norden ʿAd Haloms, Ortslage Aschdods. Der Park endet an den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Sderot Moscheh Sneh, wichtige Durchgangsstraße am östlichen Stadtrand. Gleich südlich vom Park, jenseits der Anschlussstelle Mechlaf ʿAd Halom in den Kvisch 4 (), die israelische Autobahn parallel zur Küste, breitet sich der Bahnhof Aschdod – ʿAd Halom aus.
Bau mini|Gescher ʿAd Halom mit Treibgut an den Flutbrechern im Oberstrom, Januar 2012 mini|Altes und erneuertes Mauerwerk unterscheiden sich farblich an der Unterstromseite des Gescher ʿAd Halom im trockenen Flussbett, 2013 In Israel sind drei Bogenbrücken sehr ähnlicher Bauart aus Kurkar erhalten: der Dschisr Dschindas (, , auch Diesen Bau führte 1273 ʿAlaʾ al-Din ʿAli al-Suwwaq () aus, wie Sultan Baibars I. befohlen hatte.) nördlich vor Lod, der Gescher Javneh (, ) bei Javneh und eben der Gescher ʿAd Halōm.Noʿam Dvir (), “Ancient Ashdod Bridge Restored to Former Glory”, [“”; engl.] (beide 10. März 2010), beide auf: Haʾaretz; abgerufen am 7. Februar 2024. Während sich die beiden ersteren durch Inschriften in die Herrschaftszeit der ägyptischen Mamluken im Heiligen Land in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren lassen, rechnen israelische Archäologen den dritten Bau wegen gleichartiger Strukturelemente, wie dreieckige Flutbrecher, und altertümliche Bauweise ebenfalls den Mamluken zu.
Der Gescher ʿAd Halom besteht aus drei Spitzbögen, wobei der mittlere die beiden andern leicht überragt. Die Bögen sind aus behauenen Kurkarblöcken gemauert. Laut einer Untersuchung der israelischen Altertümerbehörde weist der südliche Bogen sehr altes Mauerwerk aus wohl mamlukischer oder gar früherer, byzantinischer Zeit auf, während saisonale Fluten des Wadis nordwestlich der Brücke Reste antiker Baulichkeiten aufdeckten, die ebenfalls aus behauenem Karkur errichtet wurden.Leticia Barda (), Ariʾel Berman () und Harley Stark (), “” (2005), in: Survey Map Ashdod - 8 / ‹The Archaeological Survey of Israel›, / Israel Antiquities Authority (Hrsg.), S. 57. ISBN 965-406-174-0; abgerufen am 18. Februar 2024. Am Oberstrom schützen dreieckige Flutbrecher die Pfeiler des Baus vor Schäden durch im Fluss mitgeführte Stämme oder anderes sperriges Treibgut.Andrew Petersen, „Bridges in Medieval Palestine“, in: Egypt and Syria in the Fatimid, Ayyubid and Mamluk Eras: 9 Bde., Löwen et al.: Peeters, 1995–2019, Bd. VI (2010), Urbain Vermeulen und Kristof D’Hulster (Hrsg.), (= Orientalia Lovanensia Analecta; Bd. 183), S. 291–306, hier S. 298. ISBN 978-90-429-2146-7.
Geschichte
Die Via Maris besteht als Handels- und Heerstraße seit der Antike und verlief zwischen Dor unterhalb des Karmels im Norden bis Pelusium in Unterägypten parallel zur Küste des Mittelmeers. In Aschdod nähert sie sich bis auf kurze Distanz der See.Efrat Naqasch (), “” Linkliste mit Link der Tour ‹› (28. April 2015), auf: ; abgerufen am 12. Februar 2024.
mini|Blick durch den Südbogen flussaufwärts, 2020 Um Reisen und Transport auf der Strecke zu erleichtern, errichteten Bauverantwortliche zu Zeiten jeweils besser organisierter Staatskunst auch Brücken im Verlauf der Via Maris. Israelische Archäologen erkennen römisch-byzantinische Reste im original erhaltenen Südbogen des Gescher ʿAd Halom, den ägyptische Mamluken im Zuge ihrer militärischen Durchdringung und Sicherung des Heiligen Landes darauf errichteten.Bill Slott, “The memorial to the fallen Egyptian soldiers” (14. September 2016), in: The Times of Israel; abgerufen am 12. April 2024.
mini|links|Via Maris (von oben rechts nach unten Mitte) mit Dschisr Isdud (hier: Jisr Esdûd; rechts der Mitte) und Isdûd (hier: Esdûd in Rosa), Karte von 1880 Napoléon I. nahm 1799 hier die Via Maris auf seinem letztlich bei der Belagerung von Akkon (1799) gescheiterten Feldzug von Ägypten nach Syrien und zurück. Ihm folgte 1831 der ägyptische Wālī Muhammad Ali Pascha, in einem Versuch seinen Lehnsherrn, den osmanischen Sultan abzuschütteln und ihm dabei im Ersten Ägyptisch-Osmanischen Krieg noch gleich die Levante abzunehmen. Von den Großmächten wieder in seine vorigen Herrscherpositionen über Ägypten und Levante gehievt, setzten die osmanischen Behörden die Brücke Ende des 19. Jahrhunderts in Stand.Mirit Friedman (), Ashdod Travelers Guide, Tel Aviv: , 2018, S. 32. ISBN 978-965-7326-66-4.
Nach der Dritten Schlacht um Gaza (1.–7. November 1917) im Ersten Weltkrieg zog sich die dort unterlegene osmanische Armee zurück, meist ab Beit Chanun per osmanischer Militärbahn von der Küste nach atTina, einige osmanische Einheiten nahmen die Via Maris und passierten den Dschisr Isdud über den Nachal Lachisch (, , im Bereich der Brücke auch genannt). An dessen Nordufer errichtete die osmanische 8. Armee unter Friedrich Kreß von Kressenstein eine neue Verteidigungslinie der Palästinafront. Nach ihrem Rückzug über den Dschisr Isdud versuchten die Osmanen ihn zu sprengen, um ihn für die Verfolger unpassierbar zu machen, beschädigten die Brücke aber nur.
mini|Pionierbrücke bei ʿArab Ṣuqrir über das Wadi Nahr Ṣuqrir, 2017 mini|Arbeiter des Egyptian Labour Corps reparieren im November 1917 den Dschisr Isdud, den Osmanen auf ihrem Rückzug beschädigt hatten
Für die Triple Entente verfolgte die Egyptian Expeditionary Force (EEF) unter Edmund Allenby die sich zurückziehenden Streitkräfte der Mittelmächte durchs Tiefland Philistäas, wobei berittene Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) unter Edward Chaytor am 10. November 1917 den Dschisr Isdud erreichten. Kreß von Kressenstein ließ die anrückenden Entente-Kräfte durch die Artillerie der 8. Armee beschießen. Bei ʿArab Ṣuqrir (; heute Terrain des Rangierbahnhofs im Hafen Aschdods) flussabwärts etwas weiter nördlich schlugen schottische Lowland Infanteristen eine Pionierbrücke über den Nahr Ṣuqrir (), Mündungslauf des Nachal Lachisch. ANZAC-Kräfte nahmen die beschädigte Steinbrücke schließlich ein und das osmanische Militär zog sich weiter zurück,Archibald Wavell, [‹The Palestine campaigns›, London: Constable, 1928; hebr.], Jerusalem: , 31979. S. 32. worauf zwangsrekrutierte ägyptische Zivilisten des Egyptian Labour Corps (ELC) sie wieder in Stand setzten. Während die Mittelmächte eine neue Verteidigungslinie am Jarqon aufbauten, setzten die Entente-Kräfte ihnen nach.
mini|links|Nachal Lachisch überspannt von Sinai-Bahnbrücke (li.) und Gescher ʿAd Halom (re.), 2020 Um die vorrückenden Truppen logistisch zu unterstützen, errichteten Arbeiter des ELC für die britischen Palestine Military Railways (PMR) vom Sultanat Ägypten aus parallel zur Via Maris die Sinai-Bahn, deren Bahnhof Isdud am 17. November des Jahres den Güterverkehr aufnahm. Die Sinai-Bahn überspannt seit 1917 direkt nordwestlich der mamlukischen Brücke den Fluss, zunächst eine hölzerne Pionierkonstruktion, dann eine Steinbrücke, die aktuelle Bahnbrücke aus Beton stammt aus der Zeit des zweigleisigen Ausbaus 2004/2005.
In den Jahren 1918 bis 1920 unter britischer Militärverwaltung wurden ehemals osmanische Gebiete zur neuen Region Palästina zusammengefasst. Mit den Bestimmungen des Mandats beauftragte der Völkerbund die zivile britische Mandatsverwaltung, das Heilige Land als jüdische Heimstatt und auf die Unabhängigkeit vorzubereiten.
Die britische Mandatsverwaltung Government of Palestine modernisierte das Land nach britischen Standards in Verwaltung, Justiz, Schulwesen und Wirtschaft. Jüdische Einwanderer trugen mit Knowhow und teils mit Kapital zu Aufbau und Aufschwung des Mandatsgebiets bei, was auch Beschäftigung für nichtjüdische Araber schuf, die aus dem ländlichen Raum in Städte wie Haifa, Jaffa und Jerusalem zogen und auch aus Ägypten und den Mandatsgebieten Mesopotamien (später Iraq), Libanon und Syrien sowie dem Emirat Transjordanien nach Palästina einwanderten. Der damit einhergehende soziale und kulturelle Wandel wie die Urbanisierung von Landbewohnern seit Entstehen des modernen Palästina führte zu Unmut unter arabischen nicht-jüdischen Einheimischen.
Ihren Unmut äußerten viele arabische Palästinenser auch gewalttätig gegen jüdische Palästinenser in Pogromen und ähnlicher antijüdischer Gewalt (Unruhen von Jaffa 1921, Massaker von Hebron (1929), Ausschreitungen in Safed 1929) und auch gegen die britische Mandatsmacht während des Großen Arabischen Aufstands in Palästina (1936–1939), größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung in der Zwischenkriegszeit, nicht jedoch gegen arabische Immigranten aus Nachbarländern, die oft als Ungelernte in das Arbeitsmarktsegment strebten, in dem sich sowieso schon viele arabische Palästinenser drängten. Nach zahlreichen bewaffneten arabischen Überfällen auf die Bahnen errichtete die Mandatsmacht eine Reihe von Pillboxen zur Bewachung wichtiger Infrastruktur, eine davon 1936 neben den Brücken über den Nachal Lachisch.Arjeh Jizchaqi (), : 4 Bde., Tel Aviv: , 1988–1991, Bd. 2 ‹›, S. 89–93, hier S. 90.