Tony’s Chocolonely ist ein niederländischer Hersteller von Schokolade aus fair gehandeltem Kakao. Das 2005 gegründete Unternehmen ist die meistverkaufte Schokoladenmarke in den Niederlanden.

Geschichte Nachdem der niederländische Journalist Teun van den Keuken Anfang der 2000er Jahre von den Arbeitsbedingungen in der Kakaobranche erfahren hatte, begann er in seiner Verbraucherschutzsendung Keuringsdienst van Waarde die Kinderarbeit in der Kakaoproduktion Westafrikas in Reportagen aufzugreifen. Um die Frage der Mitschuld der Konsumenten an den Arbeitsbedingungen in der Kakaobranche zu thematisieren, filmte er sich beim Kauf und Konsum solcher Schokolade und versuchte anschließend erfolglos wegen Beihilfe zu Kindersklaverei verurteilt zu werden. Als Zeuge gegen ihn flog er einen ehemaligen Kindersklaven ein, den er auf einer Reise getroffen hatte. mini|Verschiedene Sorten Da er das Gefühl hatte, alleine im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in der Kakaobranche zu kämpfen, gründete er 2005 das Unternehmen mit dem Ziel, Kakaobauern in Westafrika bessere Arbeitsbedingungen zu bieten. „Tony“ ist die englische Entsprechung seines Vornamens „Teun“, „Chocolonely“ ist ein Kofferwort aus und lonely (‚einsam‘). Der ursprünglich auf dem Logo aufgedruckte Spruch „100 % slave free“ (‚100 % frei von Sklaverei‘) wurde später durch „towards 100% slave free chocolate“ (‚Auf dem Weg zu 100 % sklaverei-freier Schokolade‘) ersetzt, da die Firma die vereinzelte Verwendung nicht-fair gehandelten Kakaos nicht restlos ausschließen konnte.

Nachdem das Unternehmen 2007 von einem Schokoladenimporteur verklagt worden war, entschied ein Gericht, dass Tony’s Chocolonely sich „slaafvrij“ (‚Frei von Sklaverei‘) nennen darf.

Tony's Chocolonely war 2023 die schnellstwachsende Marke der Welt und ist Marktführer in den Niederlanden. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2022/2023 nach eigenen Angaben etwa 150 Millionen Euro, ein Wachstum von knapp einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Bis 2025 lag das durchschnittliche weltweite Umsatzwachstum des Unternehmens in den vorangegangenen fünf Jahren bei etwa 25 Prozent pro Jahr; in den Vereinigten Staaten verdoppelte sich der Umsatz von 2023 bis 2024 beinahe.

Im Rahmen einer Kampagne für faire Löhne in der Kakaoproduktion wurden 2024 in Deutschland und Österreich vier neue Verpackungen eingeführt, die anderen bekannten Schokoladenmarken ähnlich sehen, unter anderem Milka. Dessen Mutterkonzern Mondelez International erwirkte vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung, die Tony's Chocolonely untersagt, Schokoladenprodukte „unter Verwendung der Farbe Lila“ in der Europäischen Union zu verkaufen.

Beschaffungsmodell und Tony’s Open Chain Für den Kakaobezug entwickelte Tony’s Chocolonely fünf Beschaffungsprinzipien, die Armut bei Kakaobauern verringern und Kinderarbeit bekämpfen sollen. Dazu gehören langfristige Beziehungen zu Kooperativen, die vollständige Rückverfolgbarkeit der Bohnen und Preise, die existenzsichernde Einkommen unterstützen sollen. Langfristige Lieferbeziehungen werden nach einer einjährigen Probephase durch ein fünfjähriges Memorandum of Understanding mit der jeweiligen Kooperative abgesichert. Zur Rückverfolgbarkeit entwickelte Tony’s Chocolonely den Beantracker, der Warenflüsse zwischen den Beteiligten, Mitgliederdaten der Bauern, GPS-Daten zur Hofgröße, Bohnenmengen und Produktivität erfasst. Die Daten werden unter anderem für Beratung und Programme zur agronomischen Verbesserung genutzt und bilden die Grundlage für Prämienrechnungen der Partnerkooperativen an Tony’s Chocolonely. Das Unternehmen stimmt mit Kooperativen zudem jährliche Produktionsmengen ab und lädt Kooperativen, Nichtregierungsorganisationen, Zertifizierer, Händler und Schokoladenproduzenten zu jährlichen Treffen ein, bei denen die vergangene Saison ausgewertet und die nächste Saison geplant wird. 2016 nahm Tony’s Chocolonely die ivorische Kooperative ECAM als Lieferpartner auf. Als das Unternehmen 2020 strukturellen Betrug bei einer Partnerkooperative feststellte, setzte es den Einkauf dort für ein Jahr aus, verlangte einen Austausch des Kooperativenmanagements und unterstützte die Kooperative bei der Wiedererlangung ihrer Fairtrade-Zertifizierung. Im folgenden Jahr nahm Tony’s Chocolonely den Einkauf bei der Kooperative wieder auf.

Für die Saison 2020/2021 wurden bei 4,4 Prozent der Mitgliedsfarmen von Tony’s-Partnerkooperativen Fälle von Kinderarbeit festgestellt; bei Kooperativen ohne Tony’s-Partnerschaft lag der entsprechende Anteil bei 52,8 Prozent. Bei Bauern, die seit drei Jahren zu Tony’s-Kooperativen gehörten, hatte sich das durchschnittliche Einkommen mehr als verdoppelt.

Mit Tony’s Open Chain stellt das Unternehmen sein Beschaffungsmodell auch anderen Süßwaren- und Lebensmittelunternehmen zur Verfügung, damit diese Kakao über dieselben Prinzipien beziehen können. Teilnehmende Unternehmen erhalten Zugang zu Tony’s Netzwerk geprüfter Partner, wenn sie sich zu den Beschaffungsprinzipien verpflichten. Ben & Jerry’s trat dem Programm im August 2022 bei. Bis 2026 hatte Tony’s Open Chain mehr als 20 Partner, darunter Waitrose und Aldi, die das Modell für Schokolade ihrer Eigenmarken nutzten.

Produkte Um sich von den damals in den Niederlanden üblicherweise vorhandenen Schokoladen abzugrenzen, bietet Tony’s verschiedene Sorten mit unüblichen Geschmacksrichtungen und auffälligen, bunten Verpackungen an. In Anlehnung an die ungleich verteilten Gewinne der Schokoladenproduktion sind die Tafeln in ungleichmäßige Stücke aufgeteilt.mini|Tafel mit ungleich großen Stücken Angesichts stark gestiegener Kakaokosten erhöhte Tony’s Chocolonely 2026 die Verbraucherpreise, kündigte aber an, die großen 180-Gramm-Tafeln nicht zu verkleinern. Das Unternehmen führte stattdessen zusätzliche Tafelformate zu unterschiedlichen Preisen ein.

Kritik Tony’s Chocolonely lässt die Grundmasse für seine Schokoladen in einer Fabrik des weltgrößten Schokoladenherstellers Barry Callebaut, der auch Kakaobohnen aus Kinderarbeit und Sklaverei verwendet, herstellen. Die amerikanische Nichtregierungsorganisation Slave Free Chocolate hat Tony’s Chocolonely deswegen 2021 von seiner Liste ethischer Schokoladenhersteller gestrichen, da es so von den Skaleneffekten unethischer Schokoladenproduktion profitiere und einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen auf der Liste habe. Tony’s Chocolonely begründet seine fortgesetzte Zusammenarbeit mit einer vollständig getrennten Lagerung und Produktion und dem Ziel, die Schokoladenindustrie von innen heraus zu verändern.

Weblinks

Website des Unternehmens

Einzelnachweise

Kategorie:Unternehmen (Amsterdam) Kategorie:Schokolade als Thema Kategorie:Unternehmensgründung 2005