mini|Evangelische Kirche in Leinroden Die Evangelische Kirche steht am linken Ufer der Lein im Weiler Leinroden des Gemeindeteils Laubach der Gemeinde Abtsgmünd im baden-württembergischen Ostalbkreis. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Aalen und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Baubeschreibung Die Saalkirche wurde 1604 von Reichsritter Hans Sigmund von Woellwarth (1546–1622) gestiftet,Alois Schubert: Hans Sigmund von Woellwarth (1546-1622) – Versuch eines Lebensbildes. In: Aalener Jahrbuch 1992. (Hrsg.) Geschichts- und Altertumsverein Aalen e. V., Aalen 1992, Seite 23–46. einem Angehörigen der süddeutschen Adelsfamilie Woellwarth, deren Wappen in der Bekrönung des Portals angebracht ist. Sie besteht aus dem Langhaus und dem viereckigen Chorturm im Westen, der im achteckigen Obergeschoss die Turmuhr und den Glockenstuhl enthält und mit einer so genannten Welschen Haube bedeckt ist. Turm und Kirchenschiff der im Stil der Renaissance errichteten Kirche sind nach Westen, der Haupteingang von Osten her ausgerichtet. In den Jahren 1844, 1890 (aus dieser Zeit stammen die Kanzel, das Gestühl, die Empore und das Orgelgehäuse), 1954, 1983 und 2003 sind Renovierungen vorgenommen worden.
Die Leinroder Kirche, nur von 1604 bis 1634 von einem eigenen Ortspfarrer versorgt, ist vom gleichen Bauherrn gestiftet wie ihre „Schwesterkirchen“ im nahen Fachsenfeld (1591)Website der Kirchengemeinde Fachsenfeld , abgerufen am 5. Mai 2026. und in Polsingen (1596) im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Der Kirchhof mit den Gräbern des Friedhofs ist von einer wehrhaften Mauer umschlossen, die wohl auch immer wieder dem Hochwasserschutz dient.
Wie ihre früher gebauten Schwesterkirchen gehört die Kirche in ihrer betont protestantischen Eigenart und Ausstattung zu den wenigen frühen württembergisch-evangelischen Kirchenneubauten seit der Einführung der Reformation 1534 (1535 Schlosskirche Hohentübingen, 1562 Schlosskirche Stuttgart, und weitere).Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 138 – ISBN 978-3-95505-592-9.
Ausstattung
Abendmahlsinschrift und Kruzifix: Zwei evangelische Besonderheiten kennzeichnen die drei Woellwarth-Kirchen: Anstatt Weihwasserbecken in katholischen Kirchen, meist innen links und rechts der Türleibung platziert, befinden sich in Fachsenfeld und in Polsingen dort und in Leinroden außen an dem neben den Haupteingang versetzten Kreuzesstamm Steintafel-Inschriften mit dem Bekenntnis zum evangelischen Abendmahl in beiderlei Gestalt („Der Leib unseres Herrn Jesu Christi speise und bewahre euch zum ewigen Leben. Amen“ und „Das Blut unseres Herrn Jesu Christi tränke und bewahre euch zum ewigen Leben. Amen“).500 Jahre Abendmahl mit Brot und Wein für alle , abgerufen am 5. Mai 2026. Außerdem gilt ein überlebensgroßer Sandsteinkruzifixus (hier bis 1890 am Altar wie in situ in den beiden anderen Kirchen), aus einem Block geschaffen, als bewusst protestantischer Hinweis auf die Heilsbedeutung des Todes Jesu.
Stifterstein und Epitaphe: Über dem Kirchenportal ist der Stifterstein mit dem Wappen (Sichelhalbmond, Inschrift und Datierung 1604, Jakobsmuschel) der Familie Woellwarth eingelassen. An den Außenwänden stehen Epitaphe des 17. bis 19. Jahrhunderts der Familien Woellwarth-Laubach und Woellwarth-Lauterburg. Weitere Epitaphe, auch von der Woellwarth-Familie, befinden sich Im Inneren der Kirche.
Glasgemälde: Bezeugt ist ein nicht mehr vorhandenes westliches Wappenfenster der Stifterfamilie, das offenbar bei einer der Kirchenrenovierungen verkauft worden war. Möglicherweise war es von ähnlicher Herkunft und Gestaltung wie das von Franz Xaver Zettler 1908 in Fachsenfeld.
Orgel: Die Orgel wurde 1877 vom Göppinger Orgelbauer Johann Georg Schäfer gebaut und 2004 von Orgelbau MühleisenWerkliste Orgelbau Mühleisen umgebaut.
Glocken: Im dreistimmigen Geläut ist die kleinste Glocke von 1604 von Bedeutung. Die Hans Sigmund von Woellwarth-Glocke stammt vom Laubacher Schloss.
Literatur
Evangelische Kirchenbauten im Dekanat Aalen. (Hrsg.) Evangelischer Kirchenbezirk Aalen; Aalen / Schwäbisch Gmünd 2016, Seite 86–89 .
Einzelnachweise
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