Ludwig Ehrsam (* 31. Juli 1910 in Meiningen; † 20. März 1947 in Berlin) war ein deutscher Mediziner und Nationalsozialist, der als Lagerarzt in Konzentrationslagern eingesetzt sowie Chefarzt der SS-Division „Totenkopf“ war. Er wurde 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Leben Ehrsam wurde als Sohn des praktischen Arztes und späteren Oberregierungsmedizinalrates sowie Leitenden Arztes des Versorgungsamtes Gotha Karl Friedrich Alexander Ehrsam und der Hedwig, geb. Engelhardt, in Meiningen geboren.Bundesarchiv: R 9361-III/37239, R 9361-III/522646. Er hatte zwei Schwestern.
Nach dem Besuch des Gymnasiums Bernhardinum in Meiningen, das er Ostern 1929 mit dem Reifezeugnis verließ, absolvierte er ein Studium der Medizin an den Universitäten von Würzburg, Innsbruck und München, das er im Januar 1935 mit dem medizinischen Staatsexamen abschloss. Am 12. Februar 1935 wurde Ehrsam an der Universität Würzburg nach Vorlage der Schrift Über Akkomodationsparese bei Botulismus zum Doktor der Medizin promoviert. Das praktische Jahr absolvierte er auf der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses in Erfurt. Am 15. Juni 1936 wurde ihm die Bestallung als Arzt erteilt.Marco Pukrop: SS-Mediziner zwischen Lagerdienst und Fronteinsatz. Die personelle Besetzung der Medizinischen Abteilung im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 - 1945, Diss. an der Philosophischen Fakultät der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Hannover 2014, S. 283–300
NS-Mitgliedschaften Wie der Historiker Günter Morsch in einer Untersuchung über das KZ Sachsenhausen feststellte, war Ehrsam, wie alle KZ-Lagerärzte in Sachsenhausen, bereits früh in die NS-Bewegung eingetreten; sie „verfügten als Truppenärzte bei den Totenkopfwachverbänden über einschlägige Erfahrungen.“Günter Morsch: Sachsenhausen – ein neuer Lagertypus?
Ludwig Ehrsam: Eintritt in die NSDAP zum 1. Mai 1931 (Mitgliedsnummer 526.435)Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/7741074 SS-Beitritt zum 15. November 1931 (SS-Nummer 19.729) Seit 7. Januar 1936 Verpflichtung bis zum 45. Lebensjahr für die SS-TV Aufnahme zum 1. April 1936 im Range eines SS-Untersturmführers in die Sanitätsstaffel der SS-TV „Oberbayern“ Seit 20. April 1943 SS-Obersturmbannführer in der Waffen-SS Divisionsarzt Mitglied im Lebensborn e.V.
Als SS-Arzt in Konzentrationslagern 1936: KZ Dachau 1936–37: KZ Sachsenhausen 1937: KZ Lichtenburg sowie im KZ Esterwegen und im KZ Buchenwald. Ehrsam wird in vielen Zeugenberichten als unvorstellbar grausam im Umgang mit den inhaftierten Menschen beschrieben. Juden und Kommunisten verweigerte er jede Hilfe. Es habe „keinen SS-Arzt gegeben, der von allen Häftlingen in gleicher Weise gefürchtet wurde wie Ludwig Ehrsam. Weithin sichtbaren Ausdruck findet dies im Spitznamen „Dr. Grausam“, unter dem er (im KZ Sachsenhausen) allgemein bekannt war.“ Brutale Gewalt bis hin zum Totschlag, Züchtigungen und absolute Gleichgültigkeit waren seine Methoden gegenüber den Häftlingen, die er generell als gefährliche Staatsfeinde ansah und deren medizinische Behandlung er als versierter SS-Arzt wissentlich unterließ. Von ihm ist der Satz „Für Juden stelle ich nur Totenscheine aus“ überliefert.Hermann Kaienburg, Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945 : Zentrallager des KZ-Systems, mit einem Vorwort von Wolfgang Benz, Metropol Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-86331-548-1, S. 191
Während Ehrsams Einsatz im KZ Sachsenhausen nötigte er Häftlinge auch zu „freiwilligen“ Sterilisationsanträgen, denen er sich operativ intensiv widmete – selbst über Einwände des sog. Erbgesundheitsgerichts Berlin hinweg.
Ehrsam war bekannt als schwerer Alkoholiker und als rauschmittelabhängig, was ihm diverse Strafen seiner Vorgesetzten einbrachte, die ihn dennoch schätzen und beförderten. Er nahm Eukodal-Tabletten und spritzte sich auch Morphium.
Nach 1945 Ehrsam wurde Anfang 1945 Mai verhaftet und zunächst im britischen Lager Sandbostel bei Bremervörde interniert. Am 3. April 1946 wurde er in das Internierungslager Esterwegen überstellt, am 5. Juni 1946 in das Internierungslager Paderborn verlegt und zwei Tage später an die sowjetischen Besatzungsbehörden überstellt. In einem Militärtribunal wurde er zum Tode verurteilt und am 20. März 1947 in Berlin hingerichtet.
Familie Die erste Ehe wurde bereits nach 1½ Jahren auf Antrag der Ehefrau im September 1942 geschieden. In zweiter Ehe heiratete er am 13. März 1943 in Ferntrauung. Dieser Ehe entstammt ein im Februar 1945 geborenes Kind.
Ehrsam, der zunächst Mitglied der evangelischen Kirche war, bezeichnete sich ab spätestens 1941 als gottgläubig.
Literatur Hermann Kaienburg, Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945 : Zentrallager des KZ-Systems, mit einem Vorwort von Wolfgang Benz, Metropol Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-86331-548-1 Marco Pukrop, SS-Mediziner zwischen Lagerdienst und Fronteinsatz. Die personelle Besetzung der Medizinischen Abteilung im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936–1945, Diss. an der Philosophischen Fakultät der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Hannover 2014, https://doi.org/10.15488/8553 Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936–1945 : Ereignisse und Entwicklungen, [eine Ausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen], hrsg. von Günter Morsch u. Astrid Ley, Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-80-2
Weblinks https://doi.org/10.15488/8553 SS-Dienstgrade: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110958324.560/html?lang=de
Einzelnachweise
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