Porträtwasserzeichen oder Bildniswasserzeichen sind Wasserzeichen in handgeschöpftem Papier oder in Banknoten, die in unterschiedlichen, auch kombinierten Wasserzeichentechniken die Bildnisse von Herrschern oder zu ehrenden Persönlichkeiten zeigen.
Schreibpapier mini|Porträtwasserzeichen König Ludwig I. von Bayern (1840), Velinpapier der Papiermühle Mindelheim mini|links|Schöpfform von F. Burguess, Maidstone, für Königin Victoria-Wasserzeichen Im Schreibpapier treten Porträtwasserzeichen seit 1800 häufiger auf und haben charakteristische Merkmale.
Bei gerippten Papieren handelt es sich um lineare Darstellungen mittels des auf dem Schöpfsieb angebrachten Drahtwasserzeichens. Bei der Voll-Wasserzeichentechnik erlauben Blechbuchstaben die Wiedergabe der Umschrift in breiten Buchstaben. Bei Velinschöpfformen sind auch Dunkelwasserzeichen möglich, wobei durch entsprechende Prägung des Siebs das Porträt im Papier hell vor dunklem Hintergrund hervorgehoben wird. Entsprechende Kombinationen weist ein Porträtwasserzeichen von Fürst Blücher auf, bei dem aufgelegter Draht helle Linien hervorruft, ausgestanzte Blechteile für volle Buchstaben sorgen und durch Vertiefungen im Velinsieb ein dunkler Hintergrund erzielt wird.Karl Theodor Weiß: Handbuch der Wasserzeichenkunde. Bearbeitet und hrsg. von Wisso Weiß. Fachbuchverlag, Leipzig 1962, S. 183. Eine ausführliche Liste mit 78 Belegen von Porträtwasserzeichen hat Sokrat Aleksandrovič Klepikov veröffentlicht.Sokrat Aleksandrovič Klepikov: A list of portrait-watermarks. In: International Association of Paper Historians: IPH-Information 3, (1969), Nr. 1, S. 8–16.
Als Beispiele lassen sich nennen: Carl Friedrich (Sachsen-Weimar-Eisenach), Velinpapier nach 1828.Wisso Weiß: Thüringer Papiermühlen und ihre Wasserzeichen. Thüringer Volksverlag, Weimar 1953, Abb. 41. Friedrich Wilhelm II. (Preußen), geripptest Papier der Papiermühle Spechthausen, um 1792 bis 1796.Karin Friese: Papierfabriken im Finowtal. Eberswalde 2000, S. 201 bzw. 203. Friedrich Wilhelm III. (Preußen), geripptes Papier der Papiermühle Spechthausen um 1800 bis 1805 bzw. zwischen 1811 und 1815Karin Friese: Papierfabriken im Finowtal. Eberswalde 2000, S. 204–206 bzw. S. 210., der Holländischen Papiermühle (Eichhorst), um 1819Karin Friese: Papierfabriken im Finowtal. Eberswalde 2000, S. 65., ebenso verschiedene Varianten der Papiermühle Wolfswinkel im Zeitraum 1817 bis 1820.Karin Friese: Papierfabriken im Finowtal. Eberswalde 2000, S. 139–142. Friedrich Wilhelm IV., Papiermühle Spechthausen um 1841.Karin Friese: Papierfabriken im Finowtal. Eberswalde 2000, S. 224. Ludwig I. (Bayern), Papiermühle Mindelheim, um 1835.Hans Schieferle: Die Mindelheimer Papiermühle. 1710–1886. Schwabmünchen 2006, S. 172.
Gedenkblätter mini|links|Raffael, Madonna della Seggiola mini|Wachsgravur zur Erstellung eines filigranen Bildes der Madonna della Seggiola von Raffael mini|Wasserzeichen der Madonna della seggiola von Raffael mini|links|Watermark – Dard Hunter exhibit – Robert C. Williams Paper Museum – DSC00571 mini|Series D 1K Yen Bank of Japan note – Watermark mini|Series E 1K Yen Bank of Japan note – Watermark
Im 20. Jahrhundert wurde das Porträtwasserzeichen als Gestaltungselement für ehrende Gedenkblätter entdeckt. Ein Beispiel ist das aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Papierfabrik Silkeborg entstandene großformatige Blatt, das, beseitet mit Blütenranke, ein Bildnis des Papierfabrikanten Johan Christian Drewsen (1777 bis 1851) und eine Langsiebpapiermaschine zeigt, die 1829 den Betrieb aufnahm.
Die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker (IPH) und die Schweizer Papierhistoriker (SPH) ehrten 1968 anlässlich seines 50. Todestags den Wasserzeichenforscher Charles-Moïse Briquet mit einem in Fabriano geschaffenen Gedenkblatt.
Dort ist in der Cartiere Miliani die besondere Fertigkeit entwickelt worden, im Durchlicht aus Wachs die Gestalt für eine Matrize und eine Patrize zu modellieren, die nach der Galvanisierung zum Prägen eines Schöpfformensiebs dienen, das feine Abstufungen der Schattierungen erlaubt.Giancarlo Castagnari und Ulisse Mannucci (Hrsg.): L’arte della carta a Fabriano. 3. Aufl. Comune di Fabriano; Museo della carta e della filigrana, Fabriano 1996, S. 90–91. Auf diese Weise sind auch Bildniswasserzeichen nach dem Vorbild klassischer Gemälde von Leonardo da Vinci, Raffael oder Michelangelo entstanden.
Die Steyrermühl-Papierfabriks- und -Verlags-Aktiengesellschaft veröffentlichte ebenfalls Gedenkblätter mit in Wachs modellierten Wasserzeichen, darunter Porträtdarstellungen von Tsai Lun Nicolas-Louis Robert Henry Fourdrinier Andreas Kufferath Anton Bruckner Wolfgang Amadeus Mozart Wilhelm Busch
Der amerikanische Designer, Pressendrucker und Papierhistoriker Dard Hunter (1883 bis 1966) hinterließ ein Selbstporträt aus dem Jahr 1923 in Form eines Wasserzeichens.
Banknoten Porträtwasserzeichen finden sich im Sicherheitspapier von Banknoten. Das zaristische Russland veröffentlichte eine ganze Serie von Rubel-Scheinen mit Herrscherbildnissen, die als „Musterbeispiele für die Wasserzeichenkunst im Geldschein“Albert Pick: Papiergeld-Lexikon. 3., überarb. Aufl. Gietl, Regenstauf 1992, S. 320. bezeichnet wurden: 25 Rubel-Note mit Bildnis von Zar Alexander III. von 1909 100 Rubel-Note mit Bildnis von Zarin Katharina II. von 1910 500 Rubel-Note mit Bildnis von Zar Peter I., der Große von 1912 Die Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main, veröffentlichte 1989 eine 10 Mark-Banknote mit dem Bildnis von Carl Friedrich Gauß und 100 Deutsch Mark-Banknote mit dem Bildnis von Clara Schumann, die jeweils im Druck und als Sicherheitsmerkmal im Wasserzeichen gezeigt wurden.
In japanischen Banknoten finden sich ebenfalls Porträtwasserzeichen. Die 1000 Yen-Banknoten ehren den Schriftsteller Natsume Sōseki und den Mediziner Noguchi Hideyo.
Literatur Wisso Weiß: Badische Bildnis-Wasserzeichen. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 100 (der N.F. 61. Bd.), S. 765–777.
Einzelbelege
Kategorie:Wasserzeichenmotiv Kategorie:Porträt