mini|hochkant|Evangelische Kirche Korb Die Evangelische Kirche Korb (ursprünglich Unsere Liebe Frau) steht in Korb, einer Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Verbundkirchengemeinde Korb-Beinstein gehört zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.

Geschichte Kirchlich gehörte Korb zunächst zu Waiblingen. 1436/37 wurde erstmals eine Kapelle erwähnt, und 1476 ihr Patrozinium Zu Unserer Lieben Frau. Die Kirche wurde 1483 aufgrund einer Stiftung zur Pfarrkirche erhoben. Das Kirchenpatronat hatte mit dem Haus Württemberg die Landesherrschaft inne. Das Schiff der spätgotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen und 1831/32 nach Plänen von Karl Marcell Heigelin durch einen Neubau ersetzt. Es entstand eine typische Predigtkirche mit der Kanzel in der Raumachse.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 258, 294 – ISBN 978-3-95505-592-9. Die oberen Stockwerke des westlich talseitig beibehaltenen frühgotischen Turmsockels waren zweimal abgebrannt, zuletzt 1707. Wegen architektonischer und bautechnischer Unzulänglichkeiten des Heigelinschen Bauwerks musste es 1902 von Heinrich Dolmetsch durchgreifend umgebaut werden. Auch 1962/63 wurde ein Umbau vorgenommen: Die bisher die Decke und das Dach tragenden Pfeiler wurden gegen die heutigen Stützen ausgetauscht, die Decke erhielt eine neue Form und die hinter der Ostwand gelegene Sakristei wurde zu einem chorartigen Raum geöffnet. Die Orgel wurde links und die Kanzel rechts vor den Chorbogen gestellt und die Bestuhlung auf Mittelschiff-Bankreihen beschränkt. 2005 wurde das Dach neu eingedeckt und zwei Jahre später die Turmsanierung durchgeführt. Der dritte Bauabschnitt zur Außensanierung der Kirche umfasste 2017 die Überarbeitung der Sandsteinfassade des Kirchenschiffs, die Verbesserung der Außenbeleuchtung und die barrierefreie Zugangsgestaltung.

Beschreibung Ältestes Bauteil ist der 1709 wieder aufgestockte frühgotische Westturm. Seine im Turmstumpf auf den Boden herabreichenden Schießkammern vor den Schießscharten sind ebenso spätgotisch wie die Spitzbogenfenster. Die Form und Bauweise des Turmhelms von 1709 mit seiner ausgeschweiften und spitzigen DachungBauüberschlag vom 23. November 1708, siehe Schahl, Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Bd I, 1983, S. 506. kommt so bisher nur an Renaissancebauten von Heinrich Schickhardt vorUlrich Zimmermann: Ein Wunderwerk des Kirchenbaus?. Heinrich Schickhardts Göppinger Stadtkirche im Wandel der Jahrhunderte. In: Schwäbische Heimat Nr. 1/2021, S. 42–48, Anm. 7 (dort z. B. Klosterkirche Denkendorf und elf weitere Referenzobjekte) und wurde von Baumeister J. U. Heim hundert Jahre später offenbar für gut befunden.G. Ernst: Der Korber Kirchturm, das älteste und interessanteste Bauwerk Korbs. In: Remstal 27; 1971. Sein oberstes Geschoss beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl für vier Kirchenglocken und ist mit den markant konkav geschwungenen vier Dachflächen des Pyramidendachs abgeschlossen, das von einer schiefergedeckten Laterne bekrönt wird.

Der Neubau des Schiffs 1832 geschah mit einem auf fünf kahlen Säulenpaaren ruhenden offenen Dachstuhl und in Untersicht holzvertäferten Dachschrägen.Eva-Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert. Die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins. Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte Band 15, Dissertation von 1992, veröffentlicht Tübingen 1995, S. 168. Die für mitteleuropäische Witterung viel zu flache Dachneigung brachte eine permanente Gefährdung durch Regenwasser und Schneelast. Emporen fehlten und die Kanzelnische war von sehr schlechter Akustik (die Kirche in Hohenstaufen war nach einem Heigelin-Entwurf 1839/1840 posthum ebenso ausgeführt worden und brauchte auch einen Umbau). Heinrich Dolmetsch ließ 1902 die Umfassungsmauern erhöhen, die Dachneigung und Deckenform ändern, eine drei Joch tiefe Westempore mit der Orgel, jedoch keine Längsemporen errichten und die Axialstellung von Kanzel und Altar beibehalten.Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Stuttgart 2008, S. 256–259. Spätere Veränderungen sind weiter oben genannt.

Ausstattung Zur Kirchenausstattung gehört ein Kruzifix, das Michel Erhart zugeschrieben wird.

Das 1963 bei der Öffnung der bisherigen Chorwand geschaffene Ostfenster erhielt hierbei eine Farbverglasung von Adolf Valentin Saile mit den Bildthemen Passion Jesu und Christi Auferstehung sowie im Nord- und Südfenster König David und Christus als der gute Hirte.Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile. Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985 - 6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985, Werkverzeichnis Nr. 1a/63/7.

Die Orgel wurde 1750 von Johann Adam Ehrlich gebaut.vleugels.de Information zur Orgel

Glocken Das Geläute besteht aus 4 Glocken, dies sind die Hallelujaglocke (d1), Hosiannaglocke (f1), Kyrieleisonglocke (g1), so wie einer namenlosen Glocke (b1). Die drei erstgenannten Glocken wurden 1950 von der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart gegossen. Die kleinste, namenlose Glocke wurde 1964 von der Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn (Lahn-Dill-Kreis) hergestellt. +ÜbersichtGlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserI.HallelujaglockeHeinrich KurtzStuttgart1950d1138,1 cmII.HosiannaglockeHeinrich KurtzStuttgart1950f1115 cmIII.KyrieleisonglockeHeinrich KurtzStuttgart1950g1103,1 cmIV.ohneGebr. RinckerSinn1964b191,5 cm

Literatur Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 504–508

Weblinks

Kirche Korb auf der Website der Ev. Verbundkirchengemeinde Korb-Beinstein.

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Evangelische Kirche Evangelische Kirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Klassizistische Kirche Kategorie:Klassizistisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Liebfrauenkirche Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Geläut