Die Hochzeit von Fürst Rainier III. von Monaco und Grace Kelly fand am 19. April 1956 in der Kathedrale Notre-Dame-Immaculée in Monaco statt. Am Tag vor der kirchlichen Trauung erfolgte die standesamtliche Zeremonie im Thronsaal des Fürstenpalastes von Monaco.

Fürst Rainier lernte die US-amerikanische Filmschauspielerin Grace Kelly im Mai 1955 bei einem von der französischen Wochenzeitschrift Paris Match anlässlich der Filmfestspiele von Cannes arrangierten Zusammentreffen im Palast kennen. Die Verlobung wurde Anfang Januar 1956 offiziell bekannt gegeben, nachdem Rainier einen Monat zuvor in die Vereinigten Staaten gereist war und den Eltern der zukünftigen Landesmutter seine Aufwartung gemacht hatte.

Die Vermählung wurde zu einem der bedeutendsten Medienereignisse der 1950er-Jahre und von mehr als 30 Millionen Fernsehzuschauern in neun LändernSiehe Taraborrelli 2004, S. 189. verfolgt. Das gesteigerte Interesse der Weltöffentlichkeit machte Monaco zum Zentrum der internationalen High Society und leitete einen wirtschaftlichen Aufschwung im von politischen und finanziellen Problemen betroffenen Fürstentum ein. Mit der Vermählung beendete die Schauspielerin ihre Karriere. Sie nahm einen neuen Titel an und hieß fortan Princesse Grace de Monaco, während im deutschen Sprachraum die verkürzte Bezeichnung Gracia Patricia üblich wurde. Im Jahr 1982 starb die Fürstin an den Folgen eines Autounfalles.

Aus der Ehe gingen die drei Kinder Caroline, Albert und Stéphanie hervor, die der Herrscherdynastie der Grimaldis die Erbfolge sicherten. Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2005 ist Albert II. regierender Fürst von Monaco. Neben anderen europäischen Adelshäusern steht die Fürstenfamilie zeitlebens im besonderen Interesse der Medien.

Vorgeschichte Ausgangssituation mini|Monaco um 1950 mini|hochkant|Grace Kelly und William Holden bei der Oscarverleihung 1955 Fürst Rainier III. übernahm im Mai 1949 als Thronfolger die Regentschaft über das Fürstentum Monaco als eines der ältesten Herrscherhäuser Europas. Seine mehrjährige Beziehung zu der geschiedenen französischen Schauspielerin Gisèle Pascal scheiterte 1953 unter anderem aus Gründen der Staatsraison.Siehe Taraborrelli 2004, S. 59–61. Nach den Statuten des mit dem angrenzenden Frankreich abgeschlossenen Vertrages aus dem Jahr 1918 war die Sicherung der Nachkommenschaft für die konstitutionelle Monarchie von existentieller Bedeutung.Gemäß der meisten Auslegungen dieses Vertrages hätte Monaco zugunsten des Nachbarlandes auf seinen Machtanspruch verzichten müssen, sollte kein Familienmitglied der Grimaldi-Dynastie auf dem Thron sitzen. Neben der leiblichen Erbfolge hätte allenfalls die Adoption eines Kindes verhindern können, dass Monaco als Protektorat an Frankreich fällt. Ein zweites Abkommen aus dem Jahr 2002 garantiert die Souveränität auch im Fall fehlender Nachkommen. Siehe Spada 1989, S. 205; Taraborrelli 2004, S. 55, 126; Wydra 2012, S. 204, 243. Der charismatische Fürst galt zu diesem Zeitpunkt als einer der begehrtesten Junggesellen der Welt.Siehe Taraborrelli 2004, S. 57. Der Stadtstaat hingegen steckte in einer ernsten Finanzkrise, da die Besucherzahlen des Casinos als wichtigste Einnahmequelle Anfang der 1950er-Jahre einbrachen. Die wohlhabenden Gäste aus dem europäischen Adel verfügten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr über die notwendigen Geldmittel und suchten zunehmend andere Orte an der französischen Riviera oder außerhalb des Kontinentes auf. Pläne des Fürsten, den Stadtstaat zu modernisieren und in ein internationales Kultur- und Erholungszentrum für ein breiteres Publikum umzugestalten, führten zu Konflikten mit den Traditionalisten im monegassischen Nationalrat. Die notwendige Transformation wurde durch Machtkämpfe mit dem Reeder Aristoteles Onassis zusätzlich erschwert. Der griechische Geschäftsmann erwarb 1955 durch Aktienkäufe eine Mehrheitsbeteiligung an der Société des bains de mer (SBM), dem staatlichen Hotel- und Casinokonzern, und rettete später die größte Bank des Landes vor dem Konkurs. Mit der Kontrolle über die einflussreiche SBM leitete Onassis einen wirtschaftlichen Aufschwung Monacos ein. Eine baldige Vermählung Rainiers, die zur Beschleunigung dieser Entwicklung beitragen und das kleine Land in das Zentrum der Weltöffentlichkeit rücken konnte, schien erstrebenswert.Siehe Taraborrelli 2004, S. 81–85.

Die US-amerikanische Filmschauspielerin Grace Kelly feierte 1952 neben Theater- und Fernsehauftritten mit dem mehrfach ausgezeichneten Western Zwölf Uhr mittags ihren ersten großen Filmerfolg. Im Herbst 1954 hatte sie die Dreharbeiten in Südfrankreich zum romantischen Thriller Über den Dächern von Nizza, der dritten und letzten Zusammenarbeit mit Regisseur Alfred Hitchcock, beendet und befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Mehrere ihr gewidmete Coverstorys, darunter Ende Januar 1955 im auflagenstarken Nachrichtenmagazin Time und knapp drei Monate später in der populären Zeitschrift Life, machten sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Zudem erhielt sie am 30. März 1955 einen Academy Award als beste Hauptdarstellerin für ihre Darbietung im Filmdrama Ein Mädchen vom Lande. Vertraglich an Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) gebunden, drehte sie innerhalb von anderthalb Jahren sechs ihrer insgesamt elf Spielfilme für verschiedene Filmstudios. Trotz der Begeisterung für ihren Beruf führte insbesondere die mediale Aufmerksamkeit um ihre Person bei ihren Aufenthalten in Hollywood zu einem Sinneswandel.Siehe Spoto 2009, S. 142–145, 191/192. Aus diesem Grund nahm Kelly unter Ausnutzung einer Vertragsklausel eine Auszeit von ihren Verpflichtungen bei MGM. Während der Erholungspause, die bis zum Frühjahr 1955 dauerte, richtete sie unter anderem ihre neu gemietete Wohnung an der Fifth Avenue in New York City ein. Zwischenzeitlich endete das von Schlagzeilen in der Regenbogenpresse begleitete Verhältnis mit dem bereits geschiedenen Modeschöpfer Oleg Cassini. Sein Lebenswandel widersprach den Vorstellungen ihrer vom katholischen Glauben geprägten Eltern John B. Kelly senior („Jack“) und Margaret, was ihn ähnlich wie bei zurückliegenden Romanzen mit Schauspielerkollegen zu einem ungeeigneten Heiratskandidaten machte.Siehe Spada 1989, S. 154–158. In der Folge ließ Kelly ihre frühere Affäre mit dem französischen Schauspieler und Drehbuchautor Jean-Pierre Aumont kurzzeitig wieder aufleben, ohne dass sich ein fortwährendes Lebensglück einstellte.Siehe Spada 1989, S. 169–175.

Erste Begegnung Im März 1955 kontaktierte Rupert Allan, der Herausgeber des Magazins Look, Grace Kelly telefonisch in ihrem Apartment in Manhattan und überredete sie zur Teilnahme an den bevorstehenden Internationalen Filmfestspielen von Cannes.Fürst Rainier ernannte Rupert Allan im Jahr 1989 für seine Verdienste um die Zusammenführung des Brautpaares zum Ritter des Grimaldi-Ordens (Chevalier de l’Ordre de Grimaldi), eine der höchsten Auszeichnungen des Landes. Siehe Taraborrelli 2004, S. 200. Auf Drängen der Motion Picture Association sollte sie als Repräsentantin der Vereinigten Staaten den Oscar-prämierten Film Ein Mädchen vom Lande vorstellen. Wenig später erhielt der Filmredakteur Pierre Galante der französischen Zeitschrift Paris Match anlässlich einer redaktionellen Konferenz im Vorfeld des Festivals den Auftrag, eine Fotoreportage über die prominente Schauspielerin vorzubereiten. Auf Vorschlag des Chefs vom Dienst, Gaston Bonheur, war als besondere Attraktion eine Zusammenkunft mit Fürst Rainier III. im Palast von Monaco vorgesehen, weil man sich eine publicityträchtige Story mit dem heiratswilligen Junggesellen und der ebenfalls ledigen Schauspielerin versprach.Siehe Spada 1989, S. 162–164.

Am 4. Mai 1955 traf Grace Kelly in Paris ein, begleitet von ihrer Freundin, der Kostümbildnerin Gladys de Sogonzac. Im Nachtzug nach Cannes trafen sie auf Pierre Galante und seine damalige Ehefrau, die Filmschauspielerin Olivia de Havilland. Galante nutzte die Gelegenheit, um Kelly einen Ausflug in das nicht weit entfernte Fürstentum als Abwechslung zu ihrem Pflichtprogramm nahezulegen, nachdem er bereits zuvor förmlich beim Sekretariat des monegassischen Palastes angefragt hatte. Als Fürst Rainier sich zu einer zeitnahen Begegnung am 6. Mai um 16:00 Uhr bereit erklärte, musste der Leiter der MGM-Vertretung in Europa, Elias Lapinere, weitere Überzeugungsarbeit leisten, bevor Kelly endgültig einwilligte. Um 17:30 Uhr desselben Tages war sie jedoch als Gastgeberin der US-amerikanischen Delegation für einen offiziellen Empfang in Cannes eingeplant. Daraufhin wurde der Termin im Palast kurzfristig um eine Stunde vorverlegt.Siehe Spada 1989, S. 164/165.

Am nächsten Morgen stand das Treffen kurz vor der Absage. Wegen eines landesweiten Streiks der Elektrizitätswerke war Kelly nicht in der Lage, ihre von der langen Anreise verknitterte Garderobe im Hotelzimmer zu bügeln und ihre nassen Haare zu föhnen. In der Not entschied sie sich für ein unversehrtes schwarzes Kleid aus Taftseide mit einem für den Anlass nach Meinung von Beobachtern eher unpassenden auffälligen rot-grünen Blumenmuster und steckte ihr Haar zu einem Knoten hoch. Statt des von der Etikette vorgeschriebenen Hutes arbeitete de Sogonzac ein Stirnband zu einem diademartigen Kopfschmuck um. Während der zweistündigen Fahrt nach Monaco kam es zu einem Zusammenstoß mit geringfügigem Blechschaden zwischen dem Fahrzeug, in dem Lapinere, Kelly, de Sogonzac und Galante saßen, sowie dem Wagen der Fotografen von Paris Match.Siehe Spada 1989, S. 166–168. Bei der Ankunft war Fürst Rainier noch nicht rechtzeitig von einer vorherigen Veranstaltung zurück. Die Wartezeit von etwa 45 Minuten überbrückten Kelly und ihr Gefolge mit einer Besichtigung des 220 Zimmer umfassenden Palastes. Nach einer Entschuldigung für sein verspätetes Eintreffen, erwidert von einem angedeuteten Hofknicks des Gastes, führte der Regent Kelly durch seinen Privatzoo und die Palastgärten. Den Einschätzungen der anderen Besucher zufolge entwickelte sich trotz des protokollarischen Rahmens eine gegenseitige Sympathie. Bedingt durch den engen Zeitplan dauerte der Rundgang weniger als eine Stunde.Je nach Quelle variieren die Zeitangaben zwischen einer halben Stunde und 45 Minuten. Siehe Taraborrelli 2004, S. 67; Spoto 2009, S. 204; Wydra 2012, S. 202. Bei der Verabschiedung kündigte Rainier eine Reise in die Vereinigten Staaten im kommenden Winter an, verbunden mit der Hoffnung, die Schauspielerin wiederzusehen.Siehe Spada 1989, S. 169.

Brautwerbung mini|Wohnhaus der Kellys, 3901 Henry Avenue, East Falls, Philadelphia Noch am Abend nach dem Kennenlernen der Schauspielerin suchte Fürst Rainier seinen engsten Berater Pater Francis Tucker auf und berichtete von seinen Eindrücken. Der Hofkaplan mit irisch-amerikanischen Wurzeln stammte aus der Nähe von Grace Kellys Geburtsort Philadelphia und kannte die Familie. Auf der Suche nach einer passenden Gemahlin für den Monarchen hatte er zuvor einige Kandidatinnen in Erwägung gezogen, darunter Prinzessin Margaret, die Schwester der britischen Königin Elisabeth II., sowie die US-amerikanischen Schauspielerinnen Deborah Kerr, Eva Marie Saint und Natalie Wood.Siehe Taraborrelli 2004, S. 86. Im Auftrag seiner Durchlaucht verfasste Tucker einen anfangs noch förmlichen Dankesbrief, den Kelly gleichermaßen zurückhaltend beantwortete. Beide fühlten sich von der gegenseitigen Wertschätzung ermutigt, sodass die Korrespondenz im Laufe der Zeit vertraulicher wurde. Im Mai 1955 reiste Tucker in seinen Heimatort Wilmington, um Hintergrundinformationen über Kelly zu beschaffen und ihres tadellosen Leumundes gewiss zu werden.Siehe Taraborrelli 2004, S. 91/92.