mini|Karl Fiehler mini|Karl Fiehler im Alter von 15 Jahren (Nr. 5) mit Eltern und Geschwistern – darunter Werner Fiehler (Nr. 1), Gerhard Fiehler (Nr. 2) und Otto Fiehler (Nr. 3) mini|Karl Fiehler (zweite Reihe, helle Uniform, zwischen Neville Chamberlain und Joachim von Ribbentrop) beim Münchner Abkommen 1938

Karl Fiehler (* 31. August 1895 in Braunschweig; † 8. Dezember 1969 in Dießen am Ammersee) war ein deutscher Politiker (NSDAP) und von 1933 bis 1945 Münchner Oberbürgermeister.

Leben Karl Fiehler war ein Sohn des Baptistenpredigers Heinrich FiehlerAndrea Strübind: Wir Christen unter Zuschauern. Die deutschen Baptisten und die Judenverfolgung in der Zeit des NS-Diktatur. In: Katarzyna Stokłosa, Andrea Strübind (Hrsg.): Glaube – Freiheit – Diktatur in Europa und den USA. Festschrift für Gerhard Besier zum 60. Geburtstag. Göttingen 2007, S. 121. und dessen Ehefrau Emma, geborene Wulff. Er hatte vier Brüder und zwei Schwestern. Zu seinen Brüdern gehörte der Schriftsteller Werner Fiehler, ebenfalls Mitglied der NSDAP, der 1936/37 unter anderem wegen Urkundenfälschung für zwanzig Monate im KZ Dachau interniert wurde.Staatsarchiv München, SpK 407 Bund II (Karl Fiehler), Schreiben von Werner Fiehler vom 25. September 1947. Gerhard und Otto, zwei weitere Brüder Karl Fiehlers, hatten sich am Hitlerputsch 1923 beteiligt. Karl Fiehlers Bruder Johannes (auch Hans genannt) war hingegen als Pazifist ein Gegner des Nationalsozialismus.

Im Jahr 1902 übersiedelte Fiehler mit seinen Eltern nach München. Dort besuchte er die Realschule, durchlief eine kaufmännische Lehre bei der Münchener Diamalt AG und arbeitete ab 1914 in Schleswig-Holstein als Handlungsgehilfe. 1914 meldete sich Fiehler als Kriegsfreiwilliger, wurde aber wegen seiner schwächlichen Konstitution zunächst abgewiesen, bis er im Mai 1915 zur Armee einberufen wurde. Im Frühjahr 1917 beförderte man ihn zum Leutnant der Reserve. Nach einer Beinverletzung infolge von Kampfhandlungen wurde Fiehler in ein Münchner Lazarett eingewiesen. Seine Entlassung aus dem Bayerischen Heer erfolgte Ende 1918.Andreas Heusler: Das braune Haus. Wie München zur Hauptstadt der Bewegung wurde. Deutsche Verlags-Anstalt. München 2008, ISBN 978-3-421-04352-8. S. 183 Kurz zuvor hatte man ihn mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Noch im Dezember 1918 erhielt Fiehler eine Aushilfsstelle beim Münchner Einwohneramt und musste die ersten freien Wahlen im Januar 1919 vorbereiten helfen. NS-Dokumentationszentrum.de; abgerufen am 23. Oktober 2019. Ab dem 19. März 1919 arbeitete er bei der Münchener Stadtverwaltung als Aushilfe in einer Lebensmittelkartenverteilstelle. 1919 schloss er sich einer Einwohnerwehr an und stand der rechtsextremen Thule-Gesellschaft nahe. Im Februar 1922 wurde er verbeamtet, nachdem er die Prüfung für den mittleren Staats- und Gemeindeverwaltungsdienst erfolgreich abgelegt hatte. Zuvor war sein Antrag im Juli 1921 auf Verbeamtung noch gescheitert.

Noch vor seiner Entlassung aus dem Militärdienst heiratete Fiehler die Münchner Spediteurstocher Regina Kiendl.Andreas Heusler: Das braune Haus. Wie München zur Hauptstadt der Bewegung wurde. Deutsche Verlags-Anstalt: München 2008. S. 183 Aus ihrer Ehe gingen drei Töchter hervor: Regina (* 1919), Annemarie (* 1923) und Gertrud.

Parteikarriere bis zur Machtergreifung Fiehler trat bereits 1920 der NSDAP bei.Fiehler, Karl. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Deutscher Taschenbuch Verlag: München 1997, ISBN 3-423-33007-4, S. 834, Sp II. Am 6. November 1923 wurde er Angehöriger des Stoßtrupps Hitler, der den NS-Führer schützen sollte. Am 8. und 9. November 1923 beteiligte er sich aktiv am gescheiterten „Hitlerputsch“, nach welchem der „Stoßtrupp Hitler“ verboten wurde, aus dem jedoch 1925 die Schutzstaffel (SS) hervorging. Fiehler wurde am 28. April 1924 vom Volksgericht München I zu 15 Monaten Festungshaft in der Festung Landsberg und zu einer Geldstrafe von 30 Goldmark wegen Beihilfe zum Hochverrat verurteilt.

Von 1924 bis 1933 war er ehrenamtlicher Münchner Stadtrat und veröffentlichte 1929 im Münchner Eher-Verlag, dem zentralen Parteiverlag der NSDAP, die Grundzüge der NS-Kommunalpolitik in seinem 80-seitigen Buch Nationalsozialistische Gemeindepolitik. In den 1930er Jahren publizierte er mehrfach zu kommunalpolitischen Themen aus nationalsozialistischer Sicht.

Nach der Neugründung der NSDAP im Februar 1925 trat Fiehler der Partei zum 1. Juni 1925 erneut bei (Mitgliedsnummer 37) und wurde ihr Fraktionsvorsitzender.Bundesarchiv, R 9361-II/234338. Obwohl weder Student noch Akademiker, wurde Fiehler auch Mitglied der 1923 gegründeten Wehrschaft Palaio-Germania München, einer schlagenden Studentenverbindung, die sich ausschließlich aus Anhängern des Nationalsozialismus rekrutierte.Bernhard Grün: „Wahrhaft, wehrhaft!“. Die Münchener Wehrschaft Palaio-Germania und die Kameradschaft ‚Feldherrnhalle‘ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. In: Einst und Jetzt, 2023, Band 68, Sonderdruck, S. 195

Als „Alter Kämpfer“ (bzw. Angehöriger der „Alten Garde“) machte er eine steile Parteikarriere: Von 1927 bis 1930 war er Ortsgruppenleiter der NSDAP in München und von 1935 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 bekleidete er den Rang eines Reichsleiters der NSDAP, zunächst als Schriftführer, danach als Leiter des Hauptamtes für Kommunalpolitik. Er gehörte damit zum höchsten Führungszirkel der NSDAP und zu den engsten Mitarbeitern Adolf Hitlers in der Partei. Er war Mitglied der Akademie für Deutsches Recht. Innerhalb der SS (SS-Nummer 91.724) stieg Fiehler auf: Am 31. Juli 1933 wurde er Standartenführer, am 24. Dezember 1933 Oberführer und schließlich am 27. Januar 1934 SS-Ehrenführer des Oberabschnitts Süd im Rang eines SS-Gruppenführers. Am 30. Januar 1942 wurde er zum SS-Obergruppenführer befördert und war bis zum 9. November 1944 dem Stab RFSS von Heinrich Himmler zugeteilt.

Von 1933 bis 1945 war Karl Fiehler Mitglied des kompetenzarmen deutschen Reichstages. Von 1934 bis 1946 war er Mitglied des Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Fiehler als Oberbürgermeister Am 9. März 1933, dem „Tag der Machtergreifung“, besetzten zwei Alte Kämpfer das Direktorium des Münchner Rathauses und übernahmen die Stadtverwaltung. Christian Weber und Max Amann entrollten aus einem der oberen Fenster des Münchner Rathauses eine überdimensionale Hakenkreuzfahne. Zwar trotzte der Erste Bürgermeister Karl Scharnagl (BVP) an Münchens Stadtspitze noch für elf Tage den neuen Machthabern, aber am 20. März 1933 musste er „der Gewalt weichen“. Am 22. März 1933 ernannte Adolf Wagner, bayerischer NS-Innenminister und Gauleiter von München-Oberbayern, Karl Fiehler zunächst kommissarisch zum Ersten Bürgermeister.

Am 20. Mai 1933 erhielt Fiehler den Titel Oberbürgermeister. Innerhalb der NSDAP galt Fiehler als wenig robust in der Durchsetzung seiner Ziele. „Weder dem korrupten Strippenzieher Christian Weber noch dem maßlosen Hegemonialanspruch des Gauleiters Adolf Wagner vermochte Fiehler wirkungsvoll und dauerhaft etwas entgegenzusetzen.“.Andreas Heusler: Karl Fiehler. Oberbürgermeister der „Hauptstadt der Bewegung“ 1933–1945. In: Friedrich Hettler, Achim Sing (Hrsg.): Die Münchner Oberbürgermeister. 200 Jahre gelebte Stadtgeschichte. München 2008, ISBN 978-3-937200-42-2, S. 126.

1933 wurden die kommunalen Spitzenverbände gezwungen, den Einheitsverband Deutscher Gemeindetag zu gründen. Zu dessen Vorsitzenden wurde der Münchner Oberbürgermeister Fiehler bestimmt. Die Geschäftsstelle befand sich an der Alsenstraße in Berlin-Tiergarten. Im Verlauf einer Besprechung zwischen Hitler und Fiehler am 2. August 1935 erhielt München den neuen Titel „Hauptstadt der Bewegung“. Dieser sollte auf die Ursprünge der NSDAP in der bayerischen Metropole hinweisen.

In den 1930er Jahren wurden von Paul Ludwig Troost, der vor Albert Speer „Hofarchitekt“ Adolf Hitlers war, in München eine Reihe von Musterbauten der gigantomanen NS-Architektur errichtet. Es wurde eine grundlegende Umgestaltung Münchens beabsichtigt, die Karl Fiehler 1937 als Herausgeber des Bildbandes München baut auf. Ein Tatsachen- und Bildbericht über den nationalsozialistischen Aufbau in der Hauptstadt der Bewegung illustrieren wollte. Großprojekte wie die Verlegung des Hauptbahnhofs nach Laim kamen jedoch über das Planungsstadium nicht mehr hinaus.

1937 stiftete Fiehler im Stadtteil Mittersendling zum Gedächtnis Albanus Schachleiters den „Abt-Schachleiter-Platz“, der bis zur Entmilitarisierung 1945 Bestand hatte.

Durch großzügige Eingemeindungen in die Stadt München stieg unter Fiehler die Einwohnerzahl von 746.000 im Jahr 1936 auf 889.000 im Jahr 1943.

Um Christian Weber nach dem Tod von Karl Tempel am Zugriff auf das Amt des Zweiten Bürgermeisters zu hindern, verzichtete Fiehler vehement auf die Neubesetzung.

Unter Fiehler mussten gleich drei bedeutende Münchner Sakralbauten weichen. Im Jahre 1938 wurden die Hauptsynagoge, die Matthäuskirche und die Klosterkirche der Englischen Fräulein im Nordflügel von Schloss Nymphenburg abgerissen.

Fiehler setzte sich für die Steigerung des Tourismus ein. In seinem Rang als Reichsleiter konnte er dabei entscheidend mitwirken. Ergänzend bekleidete er dafür wichtige Posten. So war er Vorsitzender der Bayerischen Gemeindebank, Aufsichtsrat bei der Deutschen Lufthansa, der Deutschen Städte-Reklame GmbH und der Wirtschaftsberatung Deutscher Gemeinden AG.

Im Zweiten Weltkrieg gehörte Fiehler zu den Durchhaltestrategen. Nach schweren Luftangriffen versammelte er stets noch in der Nacht seinen Führungsstab in seiner Dienstvilla, dem Haus Thannhof in Harlaching. In den letzten Kriegstagen war er noch an der Niederschlagung der Freiheitsaktion Bayern beteiligt.

Judenverfolgung in München Wenn es um Aktionen gegen Juden ging, wurde München unter Karl Fiehler zum Vorreiter. Der erste planmäßige Boykott gegen jüdische Geschäfte im Frühjahr 1933 wurde von ihm ausgesprochen eifrig betrieben. Karl Fiehler ordnete den Laden-Boykott in vorauseilendem Gehorsam bereits für den 30. März an, während „offizieller“ Termin eigentlich der 1. April war. SA- und SS-Gruppen hatten bereits Anfang März 1933 jüdische Münchner Geschäftsleute terrorisiert und 280 von ihnen in „Schutzhaft“ genommen. Fiehler untersagte im selben Jahr – ohne legale Grundlage –, städtische Aufträge an „nichtdeutsche Firmen“ zu vergeben. SA-Posten beschmierten Schaufenster jüdischer Geschäfte mit der Aufschrift „Jude“ oder „Bin in Urlaub in Dachau“. Schaufenster wurden eingeschlagen und Kunden eingeschüchtert, indem sie von der SA angepöbelt, registriert und manchmal sogar fotografiert wurden. München beeilte sich auch besonders mit dem Abbruch jüdischer Gotteshäuser. Propaganda-Minister Joseph Goebbels ließ die Hauptsynagoge schon im Juni 1938 zerstören, um herauszufinden, ob die „arische“ Öffentlichkeit schockiert oder gleichgültig reagieren würde. Das apathische Verhalten der Bevölkerung ermutigte die Nazis zu neuen Exzessen.

Am 9. November 1938 versammelte sich im großen Saal des Alten Rathauses in München auf Einladung des Oberbürgermeisters Fiehler nahezu die gesamte NSDAP-Spitze zu einem Kameradschaftsabend. Eine wüste antisemitische Hetzrede von Joseph Goebbels war für die anwesenden SA- und Parteiführer das Signal für eine allgemeine Hetzjagd auf Juden. In der später euphemistisch als „Reichskristallnacht“ verharmlosten Pogromnacht wurden deutschlandweit zahlreiche Menschen getötet, gefoltert und verletzt. Der Verwüstung und Plünderung fielen viele jüdische Einrichtungen, Synagogen und Geschäfte zum Opfer.