mini|Blick von der Ecke Faßlochsberg, 2024 mini|Blick von Süden Das Alte Fischerufer ist eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt.

Lage und Verlauf Die Straße befindet sich in der Magdeburger Altstadt im sogenannten Knattergebirge. Sie verläuft unweit des linken Ufers der Elbe. Im Süden beginnt sie als nördliche Verlängerung des Knochenhauerufers, an der von Westen einmündenden Straße Petersberg und endet nach etwa 300 Metern im Norden am von Westen einmündenden Faßlochsberg. Östlich verläuft parallel zum Alten Fischerufer das Schleinufer. Eine Bebauung der einst dicht bebauten Straße besteht heute nur auf der Westseite.

Die Hausnummerierung beginnt heute südlich des Faßlochsbergs mit der Nummer 46 und verläuft dann aufsteigend bis zur Nummer 48 bis zur von Westen einmündenden Straße Wallonerberg. Die weiteren Hausnummern sind heute unbebaut oder gehören nicht mehr zur Straße.

Historisch begann die Hausnummerierung am südöstlichen Ende, nahe der Einmündung auf den Petriförder mit der Nummer 1, wobei das Eckhaus zum Petriförder gehörte. Die Nummerierung verlief dann auf der Ostseite aufsteigend bis zur Nummer 5, an der nach Osten die kleine Gasse Fischersteg abging. Nördlich hiervon ging die Nummerierung mit der Nummer 6 weiter. Zwischen Nummer 27 und 28 mündete eine weitere kleine, jedoch unbenannte Gasse ein. Es schlossen sich die Nummern 28 bis 31 an. Nach der 31 befand sich gegenüber dem Faßlochsberg der breite Jakobsförder. Nördlich hiervon standen die Häuser mit den Nummern 32 bis 34, an die sich nach Osten abgehend eine Gasse anschloss. Nördlich hiervon befanden sich die Häuser 35a bis 35 d. Ganz im Norden endete die Straße dann westlich der Lukasklause. Von Westen mündete dort die Kleine Schulstraße ein. Südlich der Kleinen Schulstraße verlief die Nummerierung auf der Westseite mit der Nummer 36 beginnend aufsteigend nach Süden weiter. Zwischen den Nummern 40 und 41 mündete von Westen die Kameelstraße ein. Nach Süden schlossen sich, bis zur Einmündung des Faßlochsbergs, die Nummern 41 bis 44 an. Südlich des Faßlochsberg folgten die, zum Teil noch heute vorhandenen, Nummern 45 bis 48, dann mündet der Wallonerberg ein. Die Bebauung südlich hiervon gehörte nicht zum Alten Fischerufer. Erst weiter südlich, gegenüber dem Fischersteg, befand sich dann die Nummer 49 und südlich hieran anschließend, die weiteren Nummern bis zur 56, nahe der Einmündung des Petersbergs.

Geschichte mini|Blick auf das Alte Fischerufer, Hausnummern 54 (rechts) bis 56 (links) mini|Lagerschuppen Altes Fischerufer 32 bis 35 in den 1920er Jahren; im Hintergrund rechts die Einmündung der Kleinen Schulstraße auf das Alte Fischerufer mit dem Eckhaus Altes Fischerufer 37, links davon die Nummern 38 bis 40 und dann die Einmündung der Kameelstraße Der Bereich nördlich des Petriförders, zwischen Elbufer im Osten und der Stadtbefestigung im Westen, wurde bereits seit dem Mittelalter und noch bis in das 18. Jahrhundert hinein als Fischerufer oder Fischerstraße bezeichnet. Aus dem Jahr 1454 ist die Benennung vischerovere überliefert, 1457 und 1476 wischerstrate und 1659 Fischergasse. Die Schöppenchronik nannte den Bereich Fischer Vorstadt. Zum Teil wurde auch die Bezeichnung Unter dem Ufer genutzt.

Die Grundstücke auf der Westseite der Straße waren an die Außenseite der Stadtmauer angebaut. Auf der Ostseite reichten sie nach hinten meist bis zum Elbufer. Die Bezeichnung als Fischerufer bezog sich zunächst auf die ganze Strecke vom Petriförder bis zum Turm Preußen, der späteren Lukasklause. Nachdem im nördlichen Abschnitt auf der Ostseite der Straße Anfang des 18. Jahrhunderts das königliche Provianthaus errichtet worden war, hieß das nördlichste Teilstück zumeist Bei dem Provianthaus oder Weg nach Bastion Preußen. Der Name Fischerufer war nur für den Bereich zwischen Petriförder und Jakobsförder gebräuchlich. Mit dem Aufkommen der weiteren Bebauung östlich der Straße zur Elbe hin ergab sich zunächst die Unterscheidung zwischen Fischerufer, alte und neue Seite. Die Unterscheidung zwischen Altem und Neuem Fischerufer trat dann erstmalig 1798 auf. Mit der Einführung der Hausnummerierung wurde das Alte Fischerufer wieder auf seine ursprüngliche Länge bis hin zur Lukasklause geführt.

Wie es der Straßenname vermuten lässt, lebten hier tatsächlich häufig Fischer, die in der nahen Elbe fischten.

Bei der Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 blieb die Straße von Zerstörungen verschont. 1717 entstand im nördlichen Abschnitt der Straße, auf ihrer Ostseite, südlich der späteren Lukasklause, ein Kornmagazin als militärisches Provianthaus. Es befand sich zunächst nur auf dem Grundstück 35a, wurde dann jedoch auf die angrenzenden Grundstücke erweitert. Mit der Anlage der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in diesem Bereich der Wittenberger Bahnhof angelegt. Als sein Rest befand sich hier noch in den 1930er Jahren an der Adresse Altes Fischerufer 32 bis 35 ein langgestreckter Lagerschuppen.

Die Bebauung auf der Westseite des südlichen Abschnitts, direkt vor der Stadtmauer (Hausnummern 49 bis 56), bestand vor dem Jahr 1631 noch nicht und wurde dann in der Zeit bis 1651 errichtet. 1871 brach im mittleren Teil auf der Westseite – im Bereich der Häuser 45 bis 48 – aufgrund besonders schlechter hygienischer Bedingungen die Cholera aus. Auf behördliche Anordnung mussten die Gebäude daraufhin abgerissen werden. Der Bereich wurde dann neu bebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bereich stark zerstört, Teile der westlichen Bebauung, aber auch die Lukasklause, blieben erhalten. In der Zeit der DDR wurde die Straße in großen Teilen nicht wiederaufgebaut. Ihr nördlicher Abschnitt zwischen Faßlochsberg und Lukasklause wurde vom neu angelegten Schleinufer überbaut. Obwohl das ursprünglich parallel verlaufende Neue Fischerufer aufgegeben wurde, blieb es bei der Bezeichnung Altes Fischerufer, obwohl die Unterscheidung zum Neuen aktuell nicht erforderlich ist. Bedingt durch die Aufgabe auch weiterer Straßennamen der Umgebung, wie des Petersbergs, des Knochenhauerufers und der Stephansbrücke, wurden zeitweise auch die südlich der Straße gelegene Gebäude und Einrichtungen, wie die Magdalenenkapelle, der Rosengarten und die Skulptur Magdeburger Originale, zum Alten Fischerufer gezählt. Mit der Wiederbenennung der Wege und Straßen im 21. Jahrhundert erübrigte sich jedoch diese Zuordnung.

(Historische) Häuser des Alten Fischerufers