mini|Palazzo Piccolomini; Seite zur Piazza Pio II neben der Kathedrale Der Palazzo Piccolomini (seltener: Palazzo Pontificio) ist ein von Papst Pius II. Piccolomini beauftragter Palastbau in der toskanischen Stadt Pienza. Er entstand als repräsentatives Wohngebäude im Zuge der Umgestaltung der Kleinstadt Corsignano – Geburtsort des späteren Papstes – in eine päpstliche Residenzstadt. Der Palast wurde von Bernardo Rossellino wahrscheinlich in Anlehnung an den Palazzo Rucellai in Florenz entworfen und ab 1459 errichtet. Das Gebäude befindet sich im historischen Zentrum westlich der Konkathedrale Santa Maria Assunta und grenzt an die Piazza Pio II und den Corso Rossellino.

Geschichte mini|Piazza Pio II mit den angrenzenden Prachtbauten Nachdem Enea Piccolomini zum Papst Pius II. gewählt wurde, hatte er die Macht und die Mittel, seine in Pienza („Pius-Stadt“) umbenannte Geburtsstadt Corsignano zu einer päpstlichen Residenzstadt umzugestalten. Während seiner Amtszeit besuchte Pius II. die Baustelle des Palazzo Piccolomini sechsmal. Die neue Residenz sollte seiner Stellung als Papst gerecht werden. Die Kirche (1), der Palazzo Piccolomini (3), der Palazzo Comunale (2) und der Palazzo Vescovile (4) rahmen als Ensemble die zentrale Platzanlage.

Pius II. vererbte den Palast der Familie Piccolomini, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Residenz in den folgenden fünf Jahrhunderten kaum veränderte. Der letzte Nachkomme der Familie starb 1962; der Palast ging daraufhin als Schenkung an die Società di Pie Disposizioni in Siena. Diese besitzt das Gebäude noch immer. Es wird als Museum genutzt.

Architektur Inneres mini|Palazzo Piccolomini; Südansicht vom Garten auf die dreigeschossige Loggia Das freistehende dreigeschossige Gebäude ist über einem in etwa quadratischen Grundriss errichtet, umschließt einen auf allen vier Seiten von Loggien umgebenen Innenhof und besitzt symmetrische Fassaden zur Piazza Pio II und zum Corso Rossellino. Der innere Aufbau entspricht im Wesentlichen dem des Palazzo Medici Riccardi in Florenz. Dies gilt für die Raumfolge, den Innenhof und dessen zentralem Zugang sowie für die Gartenanlage. Ein Durchgang an der Südseite gibt den Blick in den Garten sowie auf die offene Landschaft in Richtung Monte Amiata frei. Auf der Südseite besitzen alle drei Geschosse Loggien zum Garten; westlich schließt sich der Küchentrakt an. Dessen Außenseiten überzieht eine in Sgraffito ausgeführte Darstellung von Quadermauerwerk.

Der quadratische Garten ist erhebt sich wegen des abfallenden Geländes über aufwändigen Substruktionen. Die Gartenfläche ist in vier, etwa quadratische Beete mit niedrigen Buchsbaumhecken und Bäumen an den Ecken unterteilt.

Die sechs Säle des Hauptgeschosses sind prächtig ausgestattet. Die Dekoration dient der Selbstdarstellung bzw. dem Andenken des Papstes. Den Musiksaal überspannt eine Kassettendecke. Vier eingelassene Balken bilden vier „P“ für Papst, Pius, Piccolomini und Pienza. In den Privaträumen des Papstes steht ein drehbares Lesepult, auf dem gleichzeitig in vier Büchern gelesen werden kann. Es steht vor einem Wandfresko, das Pius II zeigt.

Fassade mini|Palazzo Piccolomini; Seite zum Corso il Rosselino Die Fassade ähnelt der des Florentiner Palazzo Rucellai. Die der Piazza Pio II zugewandte Palastseite besitzt eine achtachsige Front mit zwei Portalen, wobei nur das rechte Portal eine echte Öffnung ist. Die Seite zum Corso Rossellino zeigt hingegen nur sieben Achsen mit einem zentralen Portal. Der dahinter liegende Korridor (Androne) führt in den Innenhof.

Die Gesamterscheinung wird durch den Kontrast der Baumaterialien Sandstein und Travertin geprägt, die die Gliederung akzentuieren. Die Fassade wirkt dadurch massiver und blockhafter, auch bedingt durch die geringere Tiefe des Oberflächenreliefs. Die aus Travertin bestehenden Biforien und Gesimsbänder sind in etwas einfacheren Formen als am Palazzo Rucellai ausgeführt. Der Gebäudesockel ist höher, da er das abfallende Straßenniveau ausgleichen muss. Anders als beim Palazzo Rucellai zeigt der Sockelbereich keine Darstellung eines Opus reticulatum. Im Gegensatz zu den beiden oberen Geschossen, wo die Pilaster glatte Schäfte zeigen sind, überzieht die Pilaster im Erdgeschoss ein flacher Fugenschnitt.

Weblinks

Museum im Palazzo Piccolomini

Einzelnachweise

Piccolomini #Pienza Palazzo Piccolomini Kategorie:Renaissancebauwerk in der Toskana Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert