mini|Gelände des Camp du Larzac bei La Cavalerie Das Camp du Larzac ist ein militärisches Ausbildungs- und Übungslager des französischen Heeres auf dem Gelände der Gemeinde La Cavalerie im Département Aveyron.Odysséo: Camp du Larzac (La Cavalerie, Aveyron) Das Camp ist der Ausgangspunkt für militärische Übungen auf einem etwa 3.000 Hektar (ha) großen Gelände, das einen großen Teil der Hochebene der Causse du Larzac einnimmt. Im Laufe seiner Geschichte hat das Camp aber immer auch Funktionen gehabt, die über den ursprünglichen Gründungszweck hinausweisen. Nach der Retirada war das Camp Ausbildungsstätte für ehemalig Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg, die sich als Freiwillige der französischen Armee anschließen wollten, und beherbergte auch eine spanische Compagnie de Travailleurs Étrangers (Fremdarbeiterkompagnie). Danach übernahm die deutsche Wehrmacht das Camp, bevor es mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein großes Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten wurde. mini|links|Gemarkungsgrenze von La CavalerieEin Vergleich zwischen den beiden Karten macht deutlich, dass das militärisch genutzte Gelände weit über die Gemarkung von La Cavalerie hinausreicht. Im Nordwesten gehören Flächen von Millau dazu, und nordöstlich reicht das Gelände bis nach La Roque-Sainte-Marguerite. Während des Algerischen Unabhängigkeitskrieges entstand im Camp du Lazarc Frankreich größtes „Centre d'Assignation à Résidence Surveillée“ (CARS; Zentrum für überwachten Hausarrest), in dem Menschen interniert wurden, die der Unterstützung der algerischen Unabhängigkeitsbestrebungen verdächtigt waren. Nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges füllte sich dann das Camp mit Menschen, die aus Algerien flüchten mussten, weil sie als Algerier mit den Franzosen sympathisiert oder für diese gearbeitet hatten. Aus dem CARS wurde ein CARA, ein „Centre d'Accueil des Rapatriés d'Algérie“ (Aufnahmezentren für Rückkehrer aus Algerien), in dem die Harkis und ihre Familien untergebracht wurden. mini|Der Kasernenbereich des Camp du Larzac (rechts neben Parrouget) zwischen La Cavalerie und dem Rande des militärischen Übungsgeländes Nach der Unterbringung der Harkis in anderen Lagern bekam in den 1960er Jahren das Militär das Camp wieder für seine Zwecke zurück, und Anfang der 1970er Jahre gab es Pläne zur Erweiterung des Camps. Dagegen gab es Widerstand aus der ansässigen Bevölkerung, der sich zu einem symbolträchtigen Kampf gegen diese Pläne entwickelte und schließlich 1981 zur staatlichen Abkehr von diesen Plänen führte. Der Kampf gegen die Erweiterung des Camp du Larzac wurde begleitet von einer breiten nationalen und internationalen Solidaritätsbewegung, und der Larzac-Widerstand inspirierte viele Basisbewegungen in aller Welt.

Heute ist das Camp du Larzac ein Standort der Légion étrangère, der Fremdenlegion.

Geschichte Eine beliebige Internetabfrage mit den Begriffen Larzac oder Camp du Larzac führt unweigerlich zu einer Flut von Artikeln, die sich mit der Geschichte des Kampfes gegen die Erweiterung des Militärgeländes und der Verhinderung dieses Vorhabens befassen. Vor diesem Hintergrund werden alle anderen Entwicklungsstadien des Camps – mit Ausnahme der zur Zeit des Algerienkrieges – meist nur als Vorgeschichte abgehandelt. Diese wird nachfolgend etwas ausführlicher dargestellt, auch wenn es nur wenige Quellen über die Existenz des Lagers in den Jahren 1902 bis 1939 gibt.

Das Camp von seiner Gründung bis zum Jahr 1939 Im Rückblick aus der Zeit zu Beginn der Kämpfe um die Erweiterung der Militärbasis verweisen die Archives départementales de l'Aveyron darauf, dass eine militärische Präsenz für die Menschen des Larzac nichts Neues war und die Pläne für ein militärisches Ausbildungslager auf der Causse du Larzac bereits nach der Niederlage 1870 im Deutsch-Französischen Krieg entstanden.Archives départementales de l'Aveyron L'histoire du camp militaire de 1902 à 1970 Als die Pläne 1899 konkreter wurden, bewarben sich mehrere Gemeinden als Standort, bis dann La Cavalerie und der heute zu Nant gehörende Weiler Les Liquisses den Zuschlag erhielten.Wolfgang Hertle: Larzac 1971 – 1981 Es wurden 3.000 Hektar Gemeindeland kostenlos abgetreten, weil man sich eine beträchtliche wirtschaftliche Entwicklung versprach.

Das 1902 eröffnete Camp war kein hermetisch abgeriegeltes Sperrgebiet, sondern ermöglichte ein Nebeneinander von Militär und landwirtschaftlicher Nutzung. Die Schießzeiten waren anfangs auf die frühen Morgenstunden beschränkt, täglich von 4 Uhr bis 10 Uhr, damit die Bewohner des Larzac danach ihre Schafe weiden lassen konnten. Dadurch sollten vor allem auch Konflikte mit den Produzenten des Roquefort und den Besitzern der damals noch zahlreichen Kellereien vermieden werden.Philippe Artières: Le peuple du Larzac, Chapitre 13: Un camp d’entraînement militaire Auch Wolfgang Hertle geht davon aus, dass bei maximal 50 jährlichen Übungstagen der Artillerie die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes lange Zeit relativ wenig behindert wurde. Seine Behauptung aber, dass 1927 die Bürgermeister des Plateaus erlaubt hätten, die Manöver auf weiteren 30.000 ha Fläche auszuweiten, die bislang ausschließlich der privaten Landwirtschaft gedient hätten, kann so kaum stehen bleiben. In einer Broschüre der Stadt Millau heißt es nämlich, dass den Bauern die Beweidung des Gebietes nur zu den von der Militärbehörde festgelegten Zeiträumen, Uhrzeiten und Bedingungen möglich gewesen sei, und sie seien zudem ab 1927 gezwungen worden, auch Übungen des Militärs zu akzeptieren, die außerhalb der ursprünglichen Grenzen des Lagers durchgeführt wurden.Ville de Millau: Focus 1971-1981 : La lutte contre l'extension du camp du Larzac

Artières, der für den Ersten Weltkrieg keine besonderen Vorkommnisse vermeldet und auch die Erweiterung des Camps im Jahre 1927 nicht erwähnt, sieht das Camp ab 1929 „mehrere Sommer lang [als] Schauplatz einer Reihe von antimilitaristischen Ereignissen […], die von der Kommunistischen Partei inszeniert wurden“. Es ging um an die Soldaten gerichtete Flugblätter, das Hissen von roten Fahnen in Sichtweise des Camps oder um auf Wänden angebrachte Parolen wie „Nieder mit dem Krieg. Arbeiter und Soldaten verbrüdert Euch“. In den Folgejahren kam es auch immer mal wieder zu kurzzeitigen Inhaftierungen von Soldaten, die der antimilitaristischen Propaganda beschuldigt worden waren. Im Juni 1935 erlitten bei der Explosion einer Granate sechs Soldaten zum Teil schwere Verletzungen. ums Leben. Opfer unter den Reservisten des 81. Infanterieregiments, das zu dieser Zeit auf dem Larzac Manöver durchführte. Die L’Humanité bezweifelte, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Sie sprach von einem „neuen Drama der Kriegsvorbereitung“ und vermutete den Versuch, die wahren Ursachen des Unglücks zu verschleiern und die Verantwortung auf die Opfer abzuwälzen.

Vier Jahre später begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Camps.

Zwischen Spanischem Bürgerkrieg und Ende des Zweiten Weltkriegs Zu Beginn des Jahres 1939 strömten Zehntausende Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg über die Pyrenäen in den Süden Frankreichs. Seitens der französischen Regierung waren hierfür keine Vorkehrungen getroffen worden, wie und wo die Flüchtenden untergebracht werden könnten. So entstanden improvisierte Lager, die anfangs aus nicht mehr bestanden, als aus einem mit Stacheldraht umzäumten Gelände. Zu diesen frühen Centres d'acceil oder auch Centres de recueil (Aufnahmezentren oder Sammelstellen).Christian Eggers: Unerwünschte Ausländer. Juden aus Deutschland und Mitteleuropa in französischen Internierungslagern 1940 – 1942, Metropol Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-932482-62-X, S. 37 zählten zum Beispiel die Internierungslager in Agde und in Le Barcarès. Diese Auffanglager erwiesen sich schnell als unzureichend, weshalb die französischen Behörden damit begannen, die spanischen Flüchtlinge in entfernteren Orten und kleineren Lagern unterzubringen.

In Frankreich waren schon vor der Ankunft der spanischen Flüchtlinge die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen worden, um die Flüchtlinge für das ihnen gewährte Aufenthaltsrecht für besondere Dienste in die Pflicht nehmen zu können. Damit existierte auch der legale Rahmen für die Errichtung des Camp du Larzac als Internierungsstäte für spanische Flüchtlinge.

Das Camp du Larzac als Lager für spanische Flüchtlinge Das Spanierlager im Camp du Lazarc sollte das Lager in Agde entlasten. Hier wurde im Mai 1939 die erste Compagnie de Travailleurs Etrangers (CTE, Fremdarbeiterkompagnie) im Aveyron gegründet. Ihr gehörten 250 Männer an, die für Arbeiten zur Einrichtung des Lagers eingesetzt wurden.Jean Vaz Aransáez: Les réfugiés espagnols en Aveyron auf der Webseite der L’association « Memoria andando » Diese CTE – laut der Webseite von Odysséo die CTE 41 – blieb bis 1941 im Camp du Lazarc stationiert.

Eine weitere Methode, für Frankreich die wirtschaftlichen Belastungen durch die ins Land geströmten Exilanten zu minimieren, sahen die Behörden darin, alle Ausländer, die in Frankreich bleiben wollten, der Militärpflicht zu unterwerfen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bewarben sich aber auch viele der Ausländer freiwillig zum Militärdienst, um in den Reihen der französischen Armee gegen die deutschen Angreifer zu kämpfen. In der Folge wurde im Herbst 1939 für die spanischen Republikaner ein Rekrutierungsbüro in Perpignan eröffnet, während sich die deutschen und österreichischen Antifaschisten in Paris zu melden hatten.Gondron Frédéric: Le 22e Régiment de Marche de Volontaires Étrangers

Ende September 1939 wurden alle ausländischen Freiwilligen in das Internierungslager Barcarès einberufen, wo sie unter der Aufsicht ehemaliger in Afrika eingesetzter Legionäre eine militärische Ausbildung erhalten sollten. Explizit sollten Regimenter ausländischer Freiwilliger gebildet werden und ausdrücklich keine Regimenter der Fremdenlegion.

In Bacarès wurden in drei Monaten drei Régiments de Marche des Volontaires Étrangers (RMVE; Marschregimenter der ausländischen FreiwilligenFür mehr Informationen über die RMVE siehe: a) Stéphane Leroy, « Les exilés républicains espagnols des Régiments de Marche des Volontaires Étrangers. Engagement, présence et formation militaire (janvier 1939-mai 1940) », Cahiers de civilisation espagnole contemporaine [En ligne], 6 | 2010, mis en ligne le 13 juillet 2010, consulté le 09 mars 2024 (Online auf journals.openedition.org) & b) Diego Gaspar Celaya, « Portrait d’oubliés. L’engagement des Espagnols dans les Forces françaises libres, 1940-1945 », Revue historique des armées [En ligne], 265 | 2011, mis en ligne le 16 novembre 2011, consulté le 08 mars 2024 (Online auf journals.openedition.org)) gebildet. Im Anschluss daran wurde die Ausbildung im Camp du Larzac fortgesetzt.

Für die im Larzac ausgebildeten RMVE-Kämpfer zeichnet Gondron Frédéric nur für das 22. Regiment dessen weitere Verwendung nach. Sie kamen zunächst im Elsass zum Einsatz und zuletzt im Mai 1940 an der Nordfront in der Nähe von Fresnes-Mazancourt.

Das Camp unter deutscher Besatzung und nach der Befreiung Mit dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) wurde das Camp du Larzac, das nun in der sogenannten Freien Zone (Südzone) lag, zum Demobilisierungszentrum für die französischen Truppen. Nach Philippe Artières ging der Zweite Weltkrieg am Lazarc fast vollständig vorbeiPhilippe Artières: Rééduquer les officiers allemands, in: Philippe Artières: Le peuple du Larzac, Chapitre 15, doch für das Camp du Larzac interessierten sich auch die deutschen Besatzer, nachdem sie im November 1942 die bisherige Freie Zone besetzt hatten. Im Dezember 1943 wurde das Camp von der Wehrmacht beschlagnahmt. Fortan betrieben dort etwa 1.400 deutsche Soldaten Radaranlagen und Luftabwehrbatterien und nutzten das Gelände für eigene Ausbildungszwecke.