Adam Ritzhaupt (* 3. November 1882 in Ludwigshafen am RheinGerhard Lüdtke (Hrsg.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1934, Spalte 683 [„Ritzhaupt, Adam, Schöne Literatur, Jugendbewegung, evang. Pfarrer …“]. Berlin/Leipzig 1934, , ; † 6. Dezember 1976 in Erfurt) war ein evangelischer Theologe und Pfarrer sowie Erzähler.Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-Bibliographisches Handbuch . Begründet von Wilhelm Kosch. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. 13. Band [Ritzhaupt, Adam], ISBN 978-3-317-01648-3Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Hrsg.: Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e.V. ISBN 978-3-374-02139-0, Bd. 7, S. 203, Sp. 2 [Ritzhaupt, Adam] und Autor.Das Evangelische Rheinland. II. Band: Die Pfarrer. Düsseldorf 1958, S. 378, Nr. 4393 [Ritzhaupt, Adam], ,
Leben Er wuchs als Sohn des Schmiedes Adam Ritzhaupt (* 1855; † 1927) und dessen Ehefrau Barbara, geborene Zech (* 1854; † 1926), in Ludwigshafen am Rhein auf. Sein Vater war über 30 Jahre im BASF-Werk tätig.Hans Loschky: Ein Leben im Dienst der Schule und der Heimat. Hrsg. Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein. 1979, darin nachgedruckt auf S. 194 bis 198 der Würdigungsartikel „Adam Ritzhaupt zum 80. Geburtstag 3. November 1962“ (erstmals veröffentlicht vom Autor unter einem seiner Pseudonyme in der mundartlichen Mittwoch-Beilage „Pälzer Feierowend“ der Zeitung Die Rheinpfalz),
Schulbildung In seiner Geburts- und Heimatstadt kam er zunächst auf eine staatliche Lateinschule sowie ein Progymnasium und schließlich auf das 1898 daraus hervorgegangene Humanistische GymnasiumProgramme des K. Humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein Programm, Schuljahr 1900/01. Den protestantischen Religionsunterricht am Gymnasium besuchte er beim Stadtpfarrer Karl Friedrich Jakob Ludwig Keim, der im Nebenamt Lehrer für dieses Fach war. Mit zwölf weiteren Abiturienten legte Ritzhaupt 1901 zu MichaelisAdressbuch der Rupprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Winterhalbjahr 1901/1902, S. 40 (Ritzhaupt, Adam: Michaeli 01, Heimat u. Vaterland: Bayr., Studium: Theol., Wohnung: Ludwigshafen) die Reifeprüfung ab. Aus dieser Schulzeit berichtete er anlässlich seines 80. Geburtstag in einem Aufsatz, der in einer Pfälzer Heimatzeitung veröffentlicht wurde.Der Jubilar erzählt aus einer Schulzeit vor 70 Jahren. In: Pälzer Feierowend, 14, 1962, Nr. 44, Beilage der regionalen Zeitung Die Rheinpfalz, Verlagsort: Ludwigshafen am Rhein
Theologiestudium in Heidelberg Nach dem Abitur studierte er evangelische Theologie vom Wintersemester 1901/1902 bis zum Sommersemester 1905 in Heidelberg. Zu seinen theologischen Lehrern zählten an der Ruprecht-Karls-Universität im Wintersemester 1904/1905Professoren: Digitalisat der UB der Univ. Heidelberg der Orientalist Adalbert Merx, der Theologe und Schriftsteller Adolf Hausrath, die Theologen Heinrich Bassermann und Ludwig LemmeLebenszeit in Lexikon BBKL: Lemme, Ludwig, der Systematiker Ernst Troeltsch, der Neutestamentler Adolf Deissmann, die außerordentlichen Professoren Johann Jakob KneuckerBereiche Exegese des Alten Testaments und semitische Sprachen, Johann Jakob KneuckerLebenszeit in Lexikon BBKL: Kneucker, Johann Jakob, der Kirchenhistoriker Georg Grützmacher und der damalige Privatdozent für praktische Theologie Friedrich Niebergall.Wintersemester 1904/1905, Digitalisat der UB der Univ. Heidelberg
Berufspraktischer Vorbereitungsdienst und Pfarrer Nach dem Bestehen der Aufnahmeprüfung der protestantischen Pfarramtskandidaten der PfalzGrünstadter Zeitung, 12. Oktober 1905, S. 3 Sp. 1 1905 bekam er als Kandidat der Theologie eine Stelle als Vikar für den weiteren, praktischen Vorbereitungsdienst zum evangelischen Pfarrer. Das Vikariat durchlief er in Germersheim am Rhein an der Versöhnungskirche. Danach wurde er Pfarrverwalter an der Pfarrkirche Winnweiler sowie in Speyer an der Dreifaltigkeitskirche und in Fußgönheim an der Lutherkirche. Von 1907 bis 1909 arbeitete er als StadtvikarAdressbuch der Stadt Frankenthal, Ausgabe 1908/09, Druck und Verlag Friedrich Ahlbeck, S. 152 [Protestantische Kirche, Pfarrei Frankenthal, Stadtvikar, Ritzhaupt Adam] in Frankenthal in der Pfalz an der Zwölf-Apostel-Kirche.Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Edenkoben 1998, S. 571 [Ritzhaupt, Adam],
Er beauftragte 1909 den Druckereibesitzer mit jüdischen Wurzeln, Ernst René GrosserBörsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 146, 27. Juni 1933, S. 462, Rubrik Personalnachrichten (1878–1933) sowie Inhaber des Frankenthaler Verlages von Louis Göhring & Co.Adressbuch der Stadt Frankenthal, Ausgabe 1908/09, Druck und Verlag Friedrich Ahlbeck, S. 170 Rubrik Buchdruckereien, drei seiner ersten schriftstellerischen Arbeiten zu drucken. Es handelte sich um thematische Predigtvorträge.
Ritzhaupt wurde am 17. Oktober 1909 Pfarrer an der 1861/62 erbauten evangelischen Kirche in Herschberg. Vom 16. Mai bis 15. November 1910 wurde ihm zusätzlich die verwaiste evangelische Pfarrei Thaleischweiler als Pfarrverweser übertragen.Heimatlexikon Thaleischweiler-Fröschen, Online-Ressource, abgerufen am 19. Februar 2024 Ab 1910 veröffentlichte der Tübinger Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Predigten von Ritzhaupt, der zu jener Zeit Pfarrer in der bayereichen Pfalz war.
In Herschberg (Pfalz) arbeitete er 1914 eine Predigt zum Thema Tapferkeit aus unter Zugrundelegung der biblischen Texte Matthäus, Kapitel 16 Vers 24, und Galater, Kapitel 5 Verse 16 bis 24, und veröffentlichte sie in der Monatszeitschrift für die kirchliche Praxis Evangelische Freiheit.Otto Baumgarten Hrsg.: Evangelische Freiheit. 14. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1914; Fünftes Kriegsheft, S. 448–453, Ritzhaupt zeigte sich in dieser Predigt als Bewunderer Hindenburgs und verband thematisch die „wahre Tapferkeit“ eines Soldaten mit der menschlichen „Bewährung“, dass „einer ein Held in seiner ganzen Lebensführung ist …“. Seit Sommer 1910 veröffentlichte er in der Evangelischen Freiheit von ihm verfasste Predigten. Nachlass 488, hier A 0290; Mappe 14 [J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)], Verlagsarchiv in Staatsbibliothek zu Berlin mit Rechnungsauszug vom 2. Juli 1910.
Pfarrer Ritzhaupt schied im September 1916 aus dem Dienst der pfälzischen Kirche aus.Rubrik „Amtliche Nachrichten“. In: Union. Evangelisch-protestantischen Kirchenblatt der Pfalz, 54. Jahrgang, Nr. 37, 15. September 1916, S. 148 Von Herschberg zog er nach Erfurt, um dort als evangelischer Pfarrer zu wirken.
Dienst in der Barfüßer-Kirchengemeinde Erfurt Ritzhaupt wurde am 16. September 1916 Diakonus – d. h. Inhaber des Amtes eines zweiten Geistlichen – und von 1938 bis 1962 erster Pfarrer in der evangelischen Barfüßergemeinde im thüringischen Erfurt, damals zur ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen gehörend. Der erste Pfarrer wurde im selben Jahr 1916 Theodor Julius Martin Richter (1875–1948), der zuvor dort ab 1911 zweiter Geistlicher war.Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Hrsg.: Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e.V. ISBN 978-3-374-02139-0, Bd. 7, S. 170
Die Barfüßer-Kirche wurde im 14. Jahrhundert errichtet. In dieser Kirche predigte der Reformator Martin Luther am 11. Oktober 1529.Uwe Vetter: 100 Jahre Louise-Mücke-Stiftung zu Erfurt. Erfurt 2000, ISBN 978-3-932649-76-9, S. 97 Die Barfüßerkirche war Erfurts bedeutendstes Gotteshaus bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg am 27. November 1944. Ihr Name bezog sich auf das ursprünglich mit ihr verbundene Barfüßer- bzw. (Franziskaner-)Kloster. Zu Ritzhaupts Seelsorgebezirk in der Barfüßer-Kirchengemeinde gehörte u. a. die Erfurter Regierungsstraße.Adressbuch Erfurt 1930, Teil II, S. 42 [Kirchen und Kirchengemeinden] Kirchengemeinderat. Vorsitzender Ritzhaupt, Pfarrer II. Seelsorgebezirk, Pfarrer Adam Ritzhaupt im Adressbuch Erfurt, Ausgabe 1930
Zeitzeuge des Auftritts der Neuen Schar in Thüringen Er war 1920 Zeitzeuge des Auftritts der Neuen Schar – einer starken Gruppe der Wandervogel- und Reformbewegung unter Leitung von Friedrich (Muck) Lamberty (1891–1984) – auf dem Vorplatz des Erfurter Doms. Der charismatische Lamberty verstand sich selbst als „Prediger in der Wüste“.Ulrich Linse: Barfüßige Propheten. Erlöser der zwanziger Jahre. Berlin 1983, IV. Kapitel: Friedrich Muck-Lamberty – der »Messias von Thüringen«, ISBN 978-3-88680-088-9, S. 97–126, hier S. 108 Ritzhaupt öffnete – ebenso wie der evangelische Theologe und Pfarrer Emil Fuchs in der Eisenacher Stadtkirche – die Kirchentüren seiner Gemeinde für den „Zug der Neuen Schar durch Thüringen“.Hans Plutal: Muck Lamberty und die „Neue Schar“ im Jahre 1920 in Thüringen. Erinnerungen eines Teilnehmers. In: Günther Franz u. a. Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Zweiter Band, Burg Ludwigstein 1970, S. (103-107) 103,
Am 27. August 1920, einem Freitag, konnte zudem Lamberty um ½ 8 abendsFlugblatt: Erfurter! (mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 27. August 1920 abends ½ 8 Uhr in der Barfüßerkirche von Erfurt), Archivale im Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen in der Barfüßerkirche einen Vortrag halten. Ritzhaupt hielt das Wirken der „Neuen Schar“ in Thüringen literarisch fest. Er berichtete, dass die „Neue Schar“ mit Genehmigung der Kirchengemeinde „ihre Andachten in der Barfüßerkirche halten“ durfte. Seine Erkenntnis als Gemeindepfarrer lautete: Die „Neue Schar“ hat ein Verdienst an der Entwicklung des gottesdienstlichen Kultus.Adam Ritzhaupt: Die „Neue Schar“ in Thüringen. Jena 1921, S. 15, , (Tat-Flugschriften; 38. Jg., )
Trauerrede für Regierungspräsident Tiedemann Als der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Erfurt, Fritz Tiedemann, Mitglied und Begründer der DDP in Erfurt, am 7. Februar 1930 im Alter von 57 Jahren starb, hielt Ritzhaupt am 10. Februar die Trauerrede.Zum Gedächtnis des Herrn Regierungspräsidenten Fritz Tiedemann. Trauerrede von Pfarrer Ritzhaupt, Erfurt, gehalten am 10. Februar 1930, Das Archivale zählt zum Bestand des Stadtarchivs Erfurt, Sign. 4 – 0 / IX 105 Zu den Trauernden zählten insbesondere die Witwe Martha Tiedemann, geborene LiskowskyAdressbuch Erfurt. DFG-Viewer, 72. Ausgabe (1930): Teil V, S.761, Sp. 1, sie verstarb krankheitsbedingt ebenfalls 1930, und die beiden Söhne des liberalen Demokraten: Arnold Tiedemann (* 1913; † 1941) sowie Ernst (* 1919; † 2007) – ebenso Oberschüler des Erfurter Realgymnasiums Himmelspforte wie der Sohn des evangelischen Geistlichen. In seiner Trauerrede zitierte Pfarrer Ritzhaupt einem Bibelspruch aus dem Buch der Sprichwörter „Das Gedächtnis der Gerechten bleibt im Segen; … “Spruchweisheit 10, 7 und würdigte das Leben des Verstorben nicht nur als segensreich wirkenden Regierungspräsidenten, Politiker und Rechtsanwalt, sondern auch als einen fürsorglichen Ehemann und Vater. Wichtig war Richthaupt weiter das politische Bekenntnis Tiedemanns zur Demokratie und zur Weimarer Republik hervorzuheben. Prophylaktisch führte Ritzhaupt aus: „Möge unser Vaterland davor bewahrt werden, dass je eine Partei die Allgemeinherrschaft habe.“
Er hielt sich bei dieser Rede an seine als Dorfpastor gewonnenen und veröffentlichten Erkenntnisse: Die Trauerrede darf eine Ansprache werden ganz von der Person des Pfarrers zu der Person des Trauernden, das unmittelbarste Trostwort, das gefühlt wird als die unmittelbare Gabe des mitleidenden und hilfebringenden Freundes. Hier ist es höchste Kunst des Predigers, den Weg in das Herz eines Menschen zu finden und ihm etwas Allerpersönlichstes zu sagen.A. Ritzhaupt: Von dem homilitischen Wert der persönlichen Anrede. In: Evangelische Freiheit. Monatsschrift für die kirchliche Praxis, 14. Jahrgang 1914, Heft 3 (Mai), S. (181-184) 182; Fortsetzung und Schluss: Heft 4 (Juni) 1914, S. 218-226,
Redakteur eines kirchlichen Gemeindeblattes