mini|hochkant|Nikolauskirche in Ingelfingen mini|Innenansicht nach Westen Die evangelische Nikolauskirche steht in Ingelfingen, einer Stadt im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Künzelsau und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Kochertal im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Beschreibung Der romanische Kirchturm der evangelischen Pfarrkirche war Teil einer Vorgängerin vom Ende des 13. Jahrhunderts. Sie wurde Ende des 15. Jahrhunderts abgerissen und in den Jahren 1490 bis 1502 ersetzt durch sowohl einen Neubau eines flachgedeckten Schiffes mit zwei seitenschiffartigen Verlängerungen südlich und nördlich am Chorturm entlang nach Osten, als auch den Neubau eines netzgewölbten, spätgotischen und eingezogenen Chores mit Maßwerkfenstern und 3/8-Schluss, der von Strebepfeilern gestützt ist. Der wohl nachträglich erhöhte alte Turmchor und der Choranbau wurden im engmaschigen Netzgewölbe einheitlich miteinander verbunden. Die zwei östlichen Seitenschiffabschlüsse dienten bis zur Reformation noch der Platzierung von Seitenaltären. Der Kirchturm, den Chor scheinbar vom Schiff abschnürend, wurde 1567 mit einem Holzfachwerk-Obergeschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl für die vier Kirchenglocken beherbergt, und mit einem schiefergedeckten, achtseitigen Knickhelm bedeckt ist.

1738/39 wurde das Langhaus von einer flachgedeckten Saalkirche zu einer Hallenkirche mit einem Mittelschiff und zwei durch Säulenstellung gebildete Seitenschiffe umgebaut. Im Hauptraum wurden für die größer gewordene Gemeinde Emporen eingebaut und südöstlich im Seitenschiff eine Fürstenloge und spätestens um diese Zeit zwei hölzerne Längsemporen im Chorraum errichtet. In die barocke Umgestaltung wurde auch die Deckenkonstruktion des Kirchenschiffs einbezogen: Die bisherige niedrige Flachdecke wurde zugunsten größerer Raumhöhe für die Emporen und die neue Orgel mit einer Stichkappentonne in den Dachraum erhöht, das Dachwerk mit Säulen gestützt und die Seitenschiffe mit überbusten Kreuzgratgewölben gedeckt. Der weite Kirchenraum wird seither zusätzlich zu den normalen Schifffenstern noch durch beiderseits je vier Dachgauben mit nach innen zu ovalen Okuli führenden Lichtschächten erhellt. Unter dem Chorfußboden wurde eine Gruft für die Grafen von Hohenlohe-Ingelfingen angelegt.

Architekt Rudolf Lempp leitete 1937 eine Kirchenrenovierung. Die Längsemporen im Schiff wurden bei dieser Kirchenrenovierung wieder abgebrochen und die entlang der Längsseiten stehenden Bänke nun mit Blickrichtung zum Altar gedreht. 1976/77 wurde ein neuer Altar und Taufstein gesetzt.

Ausstattung Glasmalerei: Das wertvollste Kulturgut in der Nikolauskirche stellen die aus der Zeit um 1510 erhaltenen Teile der spätgotischen und bauzeitlichen Glasgemälde dar.Abbildungen siehe unten bei Weblinks Links und rechts des Chorachsenfensters sind diese Scheiben in die helle Kathedralglasfläche eingesetzt. Es handelt sich um Darstellungen der Hl. Barbara und des Hl. Nikolaus sowie um eine Scheibe der Kirchenstifter Kraft VI. von Hohenlohe-Ingelfingen und Helena von Württemberg, jeweils bekrönt mit Astwerk und Vögeln. Die Farbverglasung des Chormittelfensters schuf 1937 der Stuttgarter Künstler Walter Kohler mit den Bildthemen Geburt Jesu, Kreuzigung (am Kreuzesstamm, der als Lebensbaum hineinwächst in das blühende Leben des Maßwerks), Auferstehung und Himmelfahrt Christi.

Bauplastik: Die zahlreichen Gewölbekonsolen und -schlusssteine sind mit Darstellungen von Aposteln und Heiligen mit ihren Attributen gestaltet.

Wandmalerei: Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche mit ornamentalem Rankwerk an den Fenstern sowie mit zahlreichen figürlichen Darstellungen im Chor und Kirchenschiff ausgemalt. Der Christophorus, Patron der Reisenden und Beschützer vor plötzlichem Tod, an der Südseite des Kirchenschiffes stammt aus dieser Zeit und konnte bei der Kirchenrenovierung 1977 freigelegt werden, ferner an der Nord- und Ostwand der heilige Urban mit Kreuzstab und Weinrebe, eine Kreuzigungsdarstellung, ein Engel mit Monstranz sowie weitere Farbreste.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder

Chorgestühl und Altarkreuz: Unter den beiden Seitenemporen im Chorraum steht das Chorgestühl von 1603. Das im vorderen Chorbogen beim Altar aufgehängte Kreuz trägt einen Kruzifixus aus dem Jahre 1640.

Tafelgemälde: In Bilderrahmen sind aufgehängt das Tafelbild des Altarretabels aus dem Jahre 1699 von Joachim Georg Creutzfelder, auf dem das Abendmahl in beiderlei Gestalt als Bekenntnisbild dargestellt ist, und außerdem ein Bild mit der Taufe Jesu am Jordan durch Johannes den Täufer.

Literatur Johann Rosenhagen: Festschrift zur Wiedereinweihung der Evang. Nikolaus-Kirche in Ingelfingen am 12. Dezember 1976. (Hrsg.) Evang. Nikolauskirchengemeinde Ingelfingen, Ingelfingen, 1976. Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau. (Hrsg.) Staatliches Amt für Denkmalpflege; Stuttgart 1962 – Reprint als Sonderausgabe für den Hohenlohekreis; Frankfurt am Main 1983, S. 164–174.

Wolfgang Kunzfeld: Informationen zur Nikolauskirche in Ingelfingen (Faltblatt). (Hrsg.) Ev. Pfarramt Ingelfingen, 2010.

Einzelnachweise

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Ingelfingen Corpus Vitrearum - Bilddateien der spätgotischen Ingelfinger Glasgemälde

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