Hermann Ritzhaupt (* 6. Januar 1920 in Erfurt; † 31. Januar 1991) in Rostock war ein deutscher Fischereibiologe.

Leben Ritzhaupt wurde als erstes von zwei Kindern des Theologen, PfarrersPfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Hrsg.: Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e.V. ISBN 978-3-374-02139-0, Bd. 7, S. 203, Sp. 2 [Ritzhaupt, Adam] und Erzählers Adam RitzhauptDeutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-Bibliographisches Handbuch . Begründet von Wilhelm Kosch. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. 13. Band [Ritzhaupt, Adam], ISBN 978-3-317-01648-3 und dessen Ehefrau Dorothea (Dora) Rupp, geboren.Das Evangelische Rheinland. II. Band: Die Pfarrer. Düsseldorf 1958, S. 378, Nr. 4393 [Ritzhaupt, Adam], , Schulbildung Er besuchte vier Jahre lang seit 1926 eine Volksschule und acht Jahre ab 1930 eine Oberrealschule bzw. Oberschule in Erfurt. Nach zwölfjährigem Schulbesuch legte er an der Humboldtschule – der Städtischen Oberschule für Jungen bzw. der „ehemaligen Oberrealschule mit Reformrealgymnasium“Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1939–1940, Teil II, S. XXIX, Sp. 2, – das Abitur ab. Studium und Promotion Danach studierte er an der Universität Jena Zoologie. Der Universitätsprofessor Eduard Uhlmann (1888–1974)Wohnhaft in Jena, Maurerstraße, DFG-Viewer: Adressbuch Jena, Ausgabe 1941/42, S. 393 Sp. 2 regte Ritzmann zum Schreiben einer DoktorarbeitFriedrich-Schiller-Universität Jena Promotionsakten (1944‒1944/45), darunter Hermann Ritzhaupt, Archivalien-Signatur: 38 Bestandssignatur: Bestandssignatur: N an und gab ihm Ratschläge zur Abhandlung des von ihm gestellten Themas zur Köcherfliege.Ritzhaupt, Hermann: Das Gehirn der Larve und Imago von Limnophilus flavicornis (Trichoptera, Limnophilida), S. 2, Die Larven für „Untersuchungen im Institut der Universität Jena“ beschaffte sich der naturverbundene Doktorand aus Tümpeln in der Umgebung von Jena.

An der 1925 gegründeten Mathematisch-Naturwissenschaftlichen FakultätPeter Hallpap: Gründung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Jena, in: Chemiehistorische Notiz, 2/2015, mit Abbildung: Siegel der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena verteidigte er seine Dissertation am 2. August 1944 erfolgreichDeutsche Nationalbibliographie. Ergänzung II. [Verzeichnis der Schriften, die infolge von Kriegseinwirkungen vor dem 8. Mai 1945 nicht angezeigt werden konnten. Bearbeitet und herausgegeben von der Deutschen Bücherei in Leipzig]. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig 1949, S. 392 Nr. 5155 Ritzhaupt, Hermann („Nicht f. d. Austausch“), und ihm wurde für die Inaugural-Dissertation die Doktorwürde der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena verliehen.

Fischereibiologe Der Gründungsdirektor des Instituts für Hochseefischerei und Fischverarbeitung Rostock-Marienehe (IfH), Diethelm Scheer, stellte den Zoologen Ritzhaupt für die aufzubauende Biologische Abteilung ein. In der Folgezeit wurde er Leiter der Biologischen Abteilung des IFH.Olaf Badstübner (1929–1995): „Reportage vom Fisch. Zweiter Reisebericht“, in: Neues Deutschland. 10. Juli 1955, S. 4, Sp. 6 [„Dr. Ritzhaupt, Leiter der Biologischen Abteilung“] Er war als promovierter Naturwissenschaftler und BiologeLaut Einwohnerbuch der Stadt Erfurt 1950, 82. Ausgabe, S. 333, Spalte 3: „Ritzhaupt, Hermann, Dr., Biologe, Barfüßerstr. 18, T 2113“ am 15. April 1953 bei der Gründung des Instituts für Hochseefischerei bereits dabei.Neues Deutschland, 31. Oktober 1963, S. 5 [Universität Weltmeer] Anfangs gab es auf dem Territorium der DDR „nur eine unbedeutende Küstenfischerei“.Bernd Schreiber: 30 Jahre Institut für Hochseefischerei und Fischverarbeitung. In: Seewirtschaft, Berlin 15 (1983) Heft 4, S. 321, Institutsdirektor Scheer beauftragte seinen Abteilungsleiter Ritzhaupt, sich im Sommer 1955 in Murmansk mit „sowjetischen Wissenschaftlern und Technikern zu beraten.“

Noch Mitte der 1950er Jahre war die von der DDR ausgehende Hochseefischerei auf die Barentssee konzentriert und danach erweiterte sie sich auf den Nordwestatlantik. An der laufenden biologischen Erschließung und biologischen Überwachung neuer Fanggebiete für die DDR-Fischfangflotte war der Meeres- und Fischereibiologe Ritzhaupt an Bord von Forschungsschiffen maßgeblich beteiligt.H. Ritzhaupt: Erkundung bis in den Südatlantik. Neue Fanggebiete werden systematisch erschlossen. In: Neue Zeit, 8. Oktober 1967, S. 5 In einem Zeitschriftenbeitrag zur „Wissenschaft und Praxis der Hochseefischerei“ schrieb der Meeresbiologe 1971, dass sich „durch Ausstreuen bestimmter Geruchstoffe Fischschwärme anlocken“ ließen.Zeitschrift Wissenschaft und Fortschritt Oktoberheft 1971, zitiert nach H. C. in: Neues Deutschland, 19. November 1971, S. 4 [„Mit Geruch Fische anlocken?“]

Verfasser von Forschungsberichten Er verfasste teils allein, teils gemeinsam mit Mitarbeitenden des IfH Forschungsberichte für die damalige Internationale Kommission für die Fischerei im Nordwestatlantik (ICNAF). Die DDR war seit 1974 Mitglied der ICNAF.

Im Bericht für 1974 wurde z. B. die Gesamtfangmenge der DDR im Nordwestatlantik auf 131.281 Tonnen für das abgelaufene Jahr angegeben und betont, dass diese Fischmenge 53.961 Tonnen weniger betrug als im Jahre 1973.DDR-Forschungsbericht, 1974, Doc. Nr. 75/29, Serien-Nr. 3545, Online-Ressource (PDF), abgerufen am 20. Februar 2024 Die ICNAF gehörte zu den ersten regionalen Fischereimanagementgremien der Welt im Rahmen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und nahm eine führende Stellung bei der Bewertung und Bewirtschaftung von Fischbeständen außerhalb der küstenstaatlichen Gerichtsbarkeit ein.

Im Vorläufigen Index und Titelverzeichnis für damalige ICNAF-Veröffentlichungen und Tagungsdokumente wurden 1975 die Beiträge aus der DDR und der Bundesrepublik erfasst, darunter von Ritzhaupt u. a. zur Bewertung des Bestandes der Makrelen im nordwestlichen Atlantik unter dem Titel Bewertung des Makrelenbestandes im nordwestlichen Atlantischen Ozean in den Jahren 1974–1976 von Makrelenschwärmen gemessen mit Echoloten.Autoren-Index: Ritzdorf, H., Serial No. 5292, ICNAF Sum. Doc. 78/VI/33, S. 24, 35 u. 42

Veröffentlichungen (Auswahl) Ritzhaupt veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften und als Beiträge für Bücher: Das Meer Mit Beiträgen von weiteren Autoren u. a. von Ernst Albert Arndt, 3. verbesserte Auflage, Leipzig/Jena/Berlin 1974, Nahrung aus dem Meer, 1977Mitverfasser: W.-H. Hahlbeck; S. Holzlöhner, Leipzig/Jena/Berlin, Ergebnisse einer fischereilichen Erkundung der Fischvorkommen auf dem Schelf vor der Küste der VR Angola im September und Oktober 1976 und der biologischen Untersuchungen an den häufigsten Nutzfischarten, 1983Fischreiforschung, Neue Folge, Band 21, Heft 4/1983, S. 66–74, , Vorläufige Ergebnisse der Such- und Fangreise mit dem Fang- und Verarbeitungsschiff „Rudolf Leonhard“ (17. Juli bis 31. Oktober 1966) und der Untersuchungsfahrt mit dem „FFS Ernst Haeckel“ (3. Januar bis 5. April 1967) nach SüdwestafrikaFischerei-Forschung, NF, Band 5, Heft 1/1967, S. 101–106 [„Eingegangen bei der Redaktion: April 1967“] Erkundung bis in den Südatlantik. Neue Fanggebiete werden systematisch erschlossen.Neue Zeit, 8. Oktober 1967, S. 5 Las pesquerías de Cuba y algunas recomendaciones para su intensificación (Kubas Fischerei und einige Empfehlungen für ihre Intensivierung), 1965 ,CRL Library Catalog Katalog-Details Die Fischereigebiete der afrikanischen Küste, 1965In: Schemainda, R./Ritzhaupt, H./Tülzner, H./Falk, U.: Die Fischerei der afrikanischen Küste, in: Fischerei-Forschung, Heft 1/1965, S. 19–53 Fangmöglichkeiten an der westafrikanischen Küste, 1962 Fischerei-Forschung, Heft 1/1962, S. 3–6 Ein Beitrag zur Biologie von Sadinelle aurita im Seegebiet von Takoradi, 1961Fischerei-Forschung, Heft 1/2 aus 1961, S. 26–29 Zur Frage der Beziehungen von Wassertemperatur und Fischvorkommen, 1957Deutsche Fischereizeitung, Hrsg. Hans Helmuth Wundsch, Neumann Verlag, 4. Jahrgang, 8, , Das Gehirn der Larve und Imago von Limnophilus flavicornis (Trichoptera, Limnophilida), 1944Jena, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, (Hochschulschrift) ,

Porträt des Fischereibiologen Er gehörte als Fischereibiologe zum zwölfköpfigen wissenschaftlichen Personal der Afrika-Forschungsexpedition vom 3. April bis zum 22. Juli 1964 mit dem FS Prof. Albrecht Penck Die Geschichte des FS Professor Albrecht Penck, „Curriculum vitae“. Zusammenstellung durch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde unter Leitung des Meeresforschers Rudolf Schemainda in den Golf von Guinea. Von den Teilnehmenden wurden Fotos angefertigt und später veröffentlicht, darunter auch von Dr. Hermann Ritzhaupt und seinem Kollegen vom Institut für Hochseefischerei (IfH), dem Diplombiologen Ulrich Falk (* 1934).Abbildung in: Wolfgang Matthäus: Die Atlantikreise des Forschungsschiffes „Professor Albrecht Penck“ im Jahre 1964 zur Untersuchung des Äquatorialen Unterstroms im östlichen Atlantik. Historisch-meereskundliches Jahrbuch., Bd. 13, Stralsund 2007, S. 63–94, hier S. 75, Zusammenfassung Überwiegend kamen die Ozeanographen der wissenschaftlichen Crew aus dem Institut für Meereskunde (IFM) der damaligen Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW). Der Expeditionsleiter Rudolf Schemainda hatte bereits bis 1961 im Institut für Hochseefischerei (IfH) mit Ritzhaupt unmittelbar zusammengearbeitet, bevor der Geograph und Ozeanograph zum IfM wechselte. Überdies hatten beide gemeinsam, dass sie u. a. in der Fischereibiologie in Saßnitz wissenschaftlich tätig waren. Dort gab es nach 1945 zeitweilig eine Außenstelle des im Wiederaufbau befindlichen kriegszerstörten ehemaligen Instituts der Preußischen Landesanstalt für Fischerei in Berlin-Friedrichshagen. Die Außenstelle wurde 1949 zur wissenschaftlichen Beratung der Fischerei geschaffen und Ende 1962 geschlossen.Hans-Jürgen Brosin: Die Zweigstelle für Ostseefischerei in Saßnitz, in: Meereswissenschaftliche Berichte. No. 17. Zur Geschichte der Meeresforschung in der DDR, Institut für Ostseeforschung, Warnemünde 1996, S. 42,

Bereits 1955 stellte Ritzhaupt seine Forschungsergebnisse zur Anfälligkeit von Fisch gegenüber Bakterien einem Ingenieur in Warnemünde zur Verfügung. Dieser verstand die Ergebnisse als eine Forderung nach einem speziellen Fischfangschiff. An Bord sollten die Fische unmittelbar nach dem Fang verarbeitet werden können, um sie vor Infektionsgefahren zu schützen und somit die Haltbarkeitsdauer verlängert werden.Otto Miethe: Trawler, Fang- und Verarbeitungsschiff oder nur Verarbeitungsschiff. In: Schiffbautechnik, 5. Jahrgang, Heft 6, Juni 1955, S. 172–174, hier S. 173, Rostocker Hochseefischerei, ,

Einzelnachweise

Weblinks H. Ritzhaupt: Die Fischerei Kubas und einige Möglichkeiten ihrer Intensivierung. Bericht einer Studienreise nach Kuba vom 12. Juni bis 15. September 1962. IfH, Abt. Neue Fangplätze. Fischerei-Forschung, Neue Folge, Band 1 1963, Heft 3, H. Ritzhaupt: Ergebnisse einer fischereilichen Erkundung der Fischvorkommen auf dem Schelf vor der Küste der VR Angola im September und Oktober 1976 und der biologischen Untersuchungen an den häufigsten Nutzfischarten In: Fischerei-Forschung, Neue Folge, Band 21, Online-Ressource, abgerufen am 19. Februar 2024 DFG-Viewer: Adressbuch Erfurt, 82. Ausgabe (1950), Bd. 1, S. 333, Sp. 3: Ritzhaupt, Hermann, Dr., Biologe Archive in Thüringen. Findbuch enthält Promotionsvorgang zu Hermann Ritzhaupt

Kategorie:Absolvent der Friedrich-Schiller-Universität Jena Kategorie:Zoologe Kategorie:Meeresbiologe Kategorie:Ozeanograf Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann