mini|hochkant|Stephanuskirche in Hollenbach Die evangelische Stephanuskirche steht in Hollenbach, einer Ortschaft der Gemeinde Mulfingen im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Künzelsau und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Bad Mergentheim im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Baubeschreibung mini|Chor und Orgel Die Stephanuskirche war ursprünglich eine Chorturmkirche mit nordöstlicher Ausrichtung und kleinem turmbreiten Schiff aus dem 13. Jahrhundert. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das kleine Kirchenschiff durch den Neubau des heutigen quadratischen Kirchenschiffs ersetzt. Dessen Dachwerk musste noch ohne die später übliche Konstruktion aus liegendem Stuhl und Hängesäulen auskommen, daher stützen bis heute zwei mächtige kannelierte Säulen die Längs-Unterzüge. Kurz danach, an der Wende 14./15. Jahrhundert, wurde in den Bauwerkswinkel nordwestlich des Turms und nordöstlich des Langhauses der große rechteckige Ostchor mit geradem Chorschluss, zwei Jochen und Kreuzrippengewölbe angebaut, vermutlich zeitgleich mit dem südöstlichen Sakristeianbau am Turm. Im Jahre 1700 folgten die Einbauten der West-, Nord-, Süd- und Chororgelemporen auf gewendelt geschnitzten Holzpfeilern. Der Chor wurde 1739 durch den Fachwerkaufsatz eines Fruchtkastens erhöht, was zeitgleich die Aufstockung des Turms um zwei Etagen nötig machte. Er trägt die Turmuhr und den Glockenstuhl für drei Kirchenglocken und ist mit einer welschen Haube bedeckt. 1939 wurden die Nord- und Choremporen entfernt. Die Innenrenovierung 1959/60, bei der die Wandmalereien aufgedeckt und restauriert wurden, leitete Architekt Peter Haag (1913–1974) aus Schorndorf. 2004/05 gab es eine Innenrenovierung der Kirche, 2017 eine Außenrenovierung des Turms.

Ausstattung Wandmalerei: Bei den letzten Renovierungsarbeiten in den Jahren 1959/1960 wurden in den beiden Chören und im Langhaus wertvolle Wandmalereien aus verschiedenen Zeiten aufgedeckt.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . Die ältesten sind im Turmchor aus dem späten 13. Jahrhundert (im Gewölbe: thronender Christus segnend in der Mandorla, seitlich die Evangelistensymbole Adler und Stier; über dem Durchgang zum Chor St. Georg auf dem Pferde im Kampf mit dem Drachen, sowie darunter einige Fragmente; an der Ostwand die Kreuzigung Jesu). An der Langhaus-Nordwand aus der Zeit von 1340/1350 Petrus und Christophorus; und schließlich besonders feine Bilder an der Chorsüdwand um 1400 (Erzengel Michael mit einer großen Waage; Anbetung der drei Könige) und an der Ostwand rechts ein heiliger Bischof und links der Hl. Oswald.

Kanzel: Der im Jahre 1700 aufgestelte, von schlankem kanneliertem Fuß getragene vieleckige Kanzelkorb trägt ausgesägte Voluten, über ihm der siebeneckige Schalldeckel mit ansteigenden Voluten. Die Farbfassung stammt von „Joseph du Breucq auß Niderland gebürthig“. Die neue Treppe wurde 1960 gesetzt.

Emporen: Die Füllungen der Emporenbrüstungen tragen in einfacher Ölmalerei von 1758 auf Holztafeln Halbfigurenbilder von Christus, den Aposteln und Propheten. Beim Abbau von Emporenelementen 1959/60 abgenommene Bilder sind im Kirchenraum aufgehängt: Porträts und Wappen der Ortsherren von Hohenlohe-Ingelfingen, Halbfigurenbilder von musizierenden jungen Leuten und von Engeln mit Blechblasinstrumenten.

Altar: Der Bildhauer Johann Andreas Sommer (1716–1776) schuf 1748 den seit 1960 tief im Chor stehenden Altar mit durchbrochenem Retabel-Rahmen. Unten ist er mit Füllhörnern, seitlich mit Rocaillen und Akanthus gestaltet, die Kreuzigungsgruppe zeigt unterhalb des Gekreuzigten Johannes d. T. und den Apostel Johannes, oben am geschwungenen Gebälk links und rechts lebhaft bewegte Engel, in der Mitte Gottvater mit ausgebreiteten Armen, darunter die Heiliggeist-Taube im Strahlenkranz, eine Zusammenstellung wie beim Gnadenstuhl. Unter dem Chorbogen wurde 1960 ein schlichter neuer Steinaltar aufgestellt.

Orgel: Eine alte Orgel von 1717 auf der Empore im Chor wurde 1747/48 auf der Südempore ersetzt durch das größere Instrument von Johann Caspar Hoffmann aus Königsberg in Franken. Der Orgelpropspekt, hinter dem nun ein neues Werk erklingt, ist fünffach gegliedert mit Rocaille-Schnitzerei und hohenlohischem Wappen, flankiert von zwei Engeln mit Monogramm-Kartuschen des Regenten-Ehepaars Hohenlohe-Öttingen.

Literatur Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau. (Hrsg.) Staatliches Amt für Denkmalpflege; Stuttgart 1962 – Reprint als Sonderausgabe für den Hohenlohekreis; Frankfurt am Main 1983, S. 157–162 Evangelische Kirchen und christliche Kunst in Württemberg 1957-1966. Ein Querschnitt. Mit Beitrag von Heinz Rall: Zum Kirchenbau des letzten Jahrzehnts. (Hrsg.) Verein für christliche Kunst in der ev. Kirche Württembergs – Adolf Gommel; Stuttgart 1966, Abb. 6 f. Peter Haag: Zu erneuerten Kirchen im Hohenloher Land. In: Schwäbische Heimat, 18. Jg. Stuttgart 1967, S. 111–124 [122 f].

Einzelnachweise

Weblinks

Die Stephanuskirche auf der Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt

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