PayPal-Mafia ist eine ursprünglich scherzhaft gemeinte, von der Gruppe selbst verwendete Bezeichnung für eine Gruppe ehemaliger PayPal-Gründer und -Mitarbeiter, die nach ihrem Ausscheiden weitere bedeutende Technologieunternehmen im Silicon Valley gegründet, aufgebaut oder finanziert haben, darunter LinkedIn, Palantir Technologies, SpaceX, Affirm, Kiva, YouTube, Yelp und Yammer. Die meisten der Mitglieder besuchten entweder die Stanford University oder die University of Illinois Urbana-Champaign.

Das Phänomen der PayPal-Mafia wurde mit der Gründung von Intel in den späten 1960er Jahren durch Ingenieure verglichen, die zuvor Fairchild Semiconductor gegründet hatten, nachdem sie Shockley Semiconductor verlassen hatten (Traitorous Eight).

Geschichte Das Unternehmen Confinity wurde im Dezember 1998 in Kalifornien gegründet und bot mit PayPal einen Dienst an, mit dem sich Geld an eine beliebige E-Mail-Adresse senden ließ. Nahezu zeitgleich, im März 1999, entstand X.com, ein von Elon Musk mitgegründetes Unternehmen für Bankgeschäfte im Internet. Am 30. März 2000 verschmolzen beide Unternehmen, wobei X.com die fortbestehende Gesellschaft war. Im Oktober 2000 entschied das Unternehmen, das Internet-Bankgeschäft einzustellen und sich auf das Bezahlprodukt zu konzentrieren; im Februar 2001 firmierte es formal in PayPal, Inc. um.

Peter Thiel, zum Zeitpunkt der Fusion Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer von Confinity, schied kurz danach aus und kehrte im September 2000 als Chief Executive Officer zurück.

Am 15. Februar 2002 ging PayPal an die Börse; die Aktie schloss am ersten Handelstag bei 20 US-Dollar und stieg bis zum Verkauf an eBay weiter, während der Nasdaq einbrach.

Am 8. Juli 2002 gab eBay die Übernahme von PayPal bekannt; sie wurde am 3. Oktober 2002 abgeschlossen. Der Erwerb erfolgte als reiner Aktientausch zu einem festen Umtauschverhältnis von 0,39 eBay-Aktien je PayPal-Aktie und wurde mit rund 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Am Tag des Vollzugs gab Thiel seinen Rücktritt als Chief Executive Officer bekannt.

Die ursprünglichen PayPal-Mitarbeiter hatten Schwierigkeiten, sich an die traditionellere Unternehmenskultur von eBay anzupassen, und innerhalb von vier Jahren verließen alle bis auf 12 der ersten 50 Mitarbeiter das Unternehmen. Sie blieben als soziale und geschäftliche Bekannte verbunden, und einige von ihnen arbeiteten in den folgenden Jahren zusammen, um neue Unternehmen und Start-ups zu gründen. Der PayPal-Mafia wird mitunter zugeschrieben, dass nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 wieder verbraucherorientierte Internetunternehmen aufkamen.

Diese Gruppe ehemaliger PayPal-Mitarbeiter wurde so produktiv, dass für sie der Begriff PayPal-Mafia aufkam; die Beteiligten verwendeten ihn auch selbst. Weite Verbreitung fand er, als das Wirtschaftsmagazin Fortune ihn 2007 in der Überschrift eines Artikels verwendete. Auf Wunsch der Redaktion ließ sich die Gruppe dafür in mafiatypischer Kleidung in der Bar Tosca in San Francisco fotografieren. Elon Musk fehlt auf der Aufnahme, da er zeitgleich einen Preis in Chicago entgegennahm; Chad Hurley und Steve Chen sagten ab, nachdem ihre Pressebetreuung bei Google an dem Motiv Anstoß genommen hatte.

Faktoren für das Entstehen der Gruppe Die PayPal-Mafia wurde in dem Buch Once You’re Lucky, Twice You’re Good der Journalistin Sarah Lacy untersucht. Laut Lacy spielten das Auswahlverfahren und die technische Ausbildung bei PayPal eine Rolle, der Hauptfaktor für den späteren Erfolg sei jedoch das dort gewonnene Selbstvertrauen gewesen. Als weitere Ursachen gelten das jugendliche Alter der Beteiligten, die räumliche, kulturelle und wirtschaftliche Infrastruktur des Silicon Valley sowie die Bandbreite ihrer Fähigkeiten. Die Gründer von PayPal hätten enge soziale Bindungen unter den Mitarbeitern gefördert, und viele von ihnen hätten einander auch nach ihrem Ausscheiden aus PayPal vertraut und sich gegenseitig unterstützt. Ein wettbewerbsintensives Umfeld und der gemeinsame Kampf um den Fortbestand des Unternehmens trotz vieler Rückschläge hätten ebenfalls zu einer starken und dauerhaften Kameradschaft unter ehemaligen Mitarbeitern beigetragen.

Mitglieder Zu den Personen, die in den Medien als Mitglieder der PayPal-Mafia bezeichnet werden, gehören:

Peter Thiel, Mitgründer von Confinity und ehemaliger Chief Executive Officer von PayPal, der manchmal als „Don“ der PayPal-Mafia bezeichnet wird; Mitgründer von Palantir Technologies und des Wagniskapitalgebers Founders Fund Max Levchin, Mitgründer von Confinity und Chief Technology Officer von PayPal, später Mitgründer und Chief Executive Officer von Affirm Elon Musk, Mitgründer von X.com, das mit Confinity zu PayPal verschmolz; später Gründer von SpaceX, Neuralink und der Boring Company, Mitgründer von OpenAI, seit 2004 Investor und später Vorstandsvorsitzender bei Tesla, Inc. sowie seit 2022 Eigentümer von Twitter (heute X) Luke Nosek, Mitgründer von Confinity und ehemaliger Vizepräsident für Marketing und Strategie, später Partner beim Founders Fund Ken Howery, Mitgründer von Confinity und erster Chief Financial Officer, später Partner beim Founders Fund; US-Botschafter in Schweden während der ersten und in Dänemark während der zweiten Amtszeit Donald Trumps Roelof Botha, ehemaliger Chief Financial Officer von PayPal, später Partner der Wagniskapitalgesellschaft Sequoia Capital David O. Sacks, ehemaliger COO von PayPal, der später Geni.com und Yammer gründete Dave McClure, ehemaliger Marketingdirektor von PayPal, später ein Super-Angel-Investor für Startup-Unternehmen Steve Chen, ehemaliger PayPal-Ingenieur, der YouTube mitbegründete Chad Hurley, ehemaliger PayPal-Mitarbeiter, der YouTube mitbegründete Jawed Karim, ehemaliger PayPal-Mitarbeiter, der YouTube mitbegründete Reid Hoffman, ehemaliger Executive Vice President von PayPal, der später LinkedIn gründete und ein früher Investor in Facebook war Keith Rabois, ehemalige Führungskraft bei PayPal, die später bei LinkedIn, Slide, Square, Khosla Ventures und für Peter Thiel im Founders Fund arbeitete, Investor in u. a. YouTube, Yelp und LinkedIn Premal Shah, ehemaliger PayPal-Mitarbeiter, wurde später der Gründungspräsident von Kiva.org Russel Simmons, ehemaliger PayPal-Ingenieur und späterer Mitbegründer von Yelp Jeremy Stoppelman, ehemaliger Vizepräsident für Technologie bei PayPal und späterer Mitbegründer von Yelp Yishan Wong, ehemaliger Entwicklungsleiter (engineering manager) bei PayPal, arbeitete später bei Facebook, wurde Chief Executive Officer von Reddit und gründete Terraformation Inc. Jack Selby, ehemaliger Vizepräsident für Unternehmens- und internationale Entwicklung bei PayPal und Mitbegründer von Clarium Capital mit Peter Thiel Andrew McCormack, ehemaliger PayPal-Mitarbeiter, 2007 Teilhaber des Restaurants Laiola in San Francisco

Zum erweiterten Kreis der PayPal-Mafia wird mitunter gezählt:

Joe Lonsdale, PayPal-Praktikant, Palantir-Gründer und Wagniskapitalgeber

Politik Einige Mitglieder der Gruppe wie Peter Thiel, David O. Sacks und Elon Musk äußerten sich später politisch und vertraten dabei vorwiegend libertäre bzw. konservative Ansichten. Reid Hoffman zählt zu den größten Spendern für Wahlkämpfe und politische Initiativen der Demokratischen Partei.

Nach der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 berichtete der britische Economist unter dem Titel „The PayPal Mafia is taking over America’s government“ von einer Wahlsiegfeier kalifornischer Wagniskapitalgeber in San Francisco. Die Formulierung geht auf eine scherzhafte Bemerkung des Box-Gründers Aaron Levie auf dieser Veranstaltung zurück; die Zeitschrift selbst spricht von der „sogenannten“ PayPal-Mafia. Der Thiel-Protegé JD Vance wurde Vizepräsident, Musk übernahm die Verantwortung für das Department of Government Efficiency (DOGE), und Sacks wurde Trumps Berater für künstliche Intelligenz und Kryptowährungen. Musk hatte zuvor über 250 Millionen US-Dollar für Trumps Wiederwahl gespendet.

Literatur Jimmy Soni: The Founders: Die Geschichte von Paypal und den Unternehmern, die das Silicon Valley geprägt haben. FinanzBuch Verlag, München 2022, ISBN 978-3-95972-603-0. Max Chafkin: The Contrarian: Peter Thiel and Silicon Valley’s Pursuit of Power. Penguin Press, New York 2021, ISBN 978-1-9848-7853-3.

Einzelnachweise

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