Die Bresse bourguignonne, also die burgundische Bresse ist eine Naturlandschaft in Frankreich, in der Region Bourgogne-Franche-Comté, im Département Saône-et-Loire und bildet den östlichsten Teil des Départements und liegt östlich der Saône und südlich des Doubs. Sie bildet den nordwestlichen Teil der Bresse-Ebene und kann unterteilt werden in die Bresse chalonnaise und die Bresse louhannaise.
Geografie mini|Bresse bourguignonnemini|Bresse bourguignonne Flüsse und Bäche
Die Bresse bourguignonne grenzt im Norden ein kurzes Stück an das Département Côte-d’Or, im Osten an das Département Jura und damit an die Franche-Comté, im Süden an das Département Ain und damit an die Region Auvergne-Rhône-Alpes. Bezüglich der Landschaften stößt die Bresse bourguignonne im Norden und Osten an das Vallée de la Saône, im Osten an die Bresse jurassienne oder Bresse comtoise. Im Süden setzt sich die Bresse-Ebene fort in der Bresse savoyarde oder Bresse de l’Ain.
Bei der Entstehung der Bresse erfolgte unter dem Druck der Afrikanischen Platte ein Anheben des Bressesees. Heute markiert eine Anhöhe von fünf bis zehn Metern den Nord- und Westrand der Landschaft. Diese Anhöhe bildet auf dem gesamten Gebiet die Grenze zwischen Vallée de la Saône und Bresse. Die Nordgrenze der Landschaft verläuft deshalb nicht entlang des Doubs, sondern rund fünf bis 15 Kilometer südlich davon, entlang der Terrassenkante. Die nördlichste Gemeinde der Landschaft ist Authumes, dessen Name zurückgeht auf die Gallorömische Besiedlungszeit. Zugrunde liegt die lateinische Bezeichnung altus tumulus, also hoher Hügel, was darauf hindeutet, dass schon seit langer Zeit die bressanische Terrasse als markant empfunden wurde. Die östlichste Gemeinde der Bresse bourguignonne ist Beauvernois, auf deren Gebiet die ganze Gemeinde Chêne-Sec in mehreren Enklaven liegt und die bereits zum Département Jura gehört.
Die nördliche Landschaftsgrenze wird durchbrochen durch die GuyotteLa Guyotte, Länge 41,1 km, Zufluss zum Doubs, Quelle bei in Saint-Usuge auf ca. 205 m, Mündung bei in Navilly auf ca. 175 m, La Guyotte auf sandre.eaufrance.fr, die bei Saint-Bonnet-en-Bresse ins Vallée de la Saône fließt. Die Guyotte ist das einzige Gewässer, das die Bresse bourguignonne nach Norden verlässt.
Im Osten wird die Landschaft begrenzt durch die Départementsgrenze zum Département Jura, wo ein schmaler Streifen der Bresse jurassienne folgt. Aus den nahen Jurahöhen fließen etliche Gewässer in die Bresse bourguignonne. Im Norden die BrenneLa Brenne, Länge 53,8 km, Zufluss zum Bras la Seillette Aval, Quelle bei in Miéry auf ca. 437 m, Mündung bei in Sens-sur-Seille auf ca. 181 m, La Brenne auf sandre.eaufrance.fr, die später in die SeilleLa Seille, Länge 100,0 km, Zufluss zur Saône, Quelle bei in Ladoye-sur-Seille auf ca. 390 m, Mündung bei in La Truchère auf ca. 169 m, La Seille auf sandre.eaufrance.fr mündet. Bei Le Tartre fließt die Seille in einem recht breiten Tal von Osten her in die Bresse bourguignonne. Sie ist der Hauptfluss der Landschaft, durchquert sie vollständig von Nordosten nach Südwesten, um schließlich bei La Truchère in die Saône zu münden.
In westlicher Richtung fließen die BlanetteRuisseau de Blaine, Länge 25,9 km, Zufluss zur Vallière, Quelle bei in Courlaoux auf ca. 221 m, Mündung bei in Louhans auf ca. 177 m, Ruisseau de Blaine auf sandre.eaufrance.fr und wenig südlich davon die VallièreLa Vallière, Länge 50,8 km, Zufluss zum Solnan, Quelle bei in Revigny auf ca. 419 m, Mündung bei in Louhans auf ca. 178 m, La Vallière auf sandre.eaufrance.fr Richtung Louhans. Noch weiter südlich entwässern eine große Zahl von Bächen die jurassische Bresse, GiziaLa Gizia, Länge 16,9 km, Zufluss zum Solnan, Quelle bei in Gizia auf ca. 279 m, Mündung bei in Frontenaud auf ca. 184 m, La Gizia auf sandre.eaufrance.fr, DourlandeLa Dourlande, Länge 13,7 km, Zufluss zu La Gizia, Quelle bei in Balanod auf ca. 248 m, Mündung bei in Frontenaud auf ca. 184 m, La Dourlande auf sandre.eaufrance.fr und SevronLe Sevron, Länge 54,6 km, Zufluss zum Solnan, Quelle bei in Treffort-Cuisiat auf ca. 364 m, Mündung bei in Frontenaud auf ca. 182 m, Le Sevron auf sandre.eaufrance.fr seien hier genannt. Sie vereinigen sich zum SolnanLe Solnan, Länge 61,6 km, Zufluss zur Seille, Quelle bei in Verjon auf ca. 227 m, Mündung bei in Louhans auf ca. 176 m, Le Solnan auf sandre.eaufrance.fr und münden, wie auch Blanette und Vallière bei Louhans in die Seille.
Der Südwesten der Landschaft ist geprägt durch ein weiteres Gewässersystem, dasjenige von Sane-Morte und Sane-ViveLa Sane oder Sane-Vive, Länge 46,8 km, Zufluss zur Seille, Quelle bei in Lescheroux auf ca. 217 m, Mündung bei in Brienne auf 172 m, La Sane-Vive auf sandre.eaufrance.fr. Beide Zweige entspringen im Département Ain schlagen einen großen Bogen, um bei Brienne in die Seille zu münden.
Die südlichste Gemeinde der Bresse bourguignonne ist Condal, von hier folgt die Landschaft der Grenze zum Département Ain, bis sie bei La Truchère auf das Vallée de la Saône trifft. Nun folgt die Landschaft dem Vallée de la Saône nordwärts bis Sermesse. Die westlichste Gemeinde der Landschaft ist Lans, das bereits zur Agglomeration von Chalon-sur-Saône zählt. Im nordwestlichen Teil der Landschaft besteht ein weiteres Gewässersystem, dasjenige der TenarreLa Tenarre, Länge 26,0 km, Zufluss zur Saône, Quelle bei in Saint-Martin-en-Bresse auf ca. 209 m, Mündung bei in Ormes auf ca. 174 m, La Tenarre auf sandre.eaufrance.fr, die bei Saint-Martin-en-Bresse entspringt, nach Südwesten fließt und bei Ormes in die Saône mündet.
Besonderheiten der Landschaft mini|links|Generalstabskarte 1820–1866 Montpont-en-Bressemini|Karte Montpont-en-Bresse 2024 OSM
Das prägende Element der Bresse bourguignonne ist das Wasser. Ein dichtes Netz von Bächen und Flüssen durchzieht die Landschaft und bildet Geländekammern, zwischen denen sanfte Höhen immer wieder den Blick bremsen. Dieses Netz wird noch feinmaschiger durch die Biefs, künstlich angelegten Wasserläufen, die der Bewirtschaftung der Étangs dienen. Die gesamte Bresse verfügte einst über etwa 2600 Étangs, die alle durch Biefs mit den natürlichen Wasserläufen verbunden waren, damit die Étangs regelmäßig geleert und gefüllt werden konnten. Heute sind viele Étangs zugeschüttet und in Ackerland verwandelt worden. Ein Blick in die Generalstabskarte 1820–1866 beispielsweise für die Umgebung von Montpont-en-Bresse zeigt eine riesige Zahl von Étangs, vor allem südlich des Ortes. Ein Vergleich mit der modernen OpenStreetMap-Karte zeigt, wie viele dieser Wasserflächen seither zugeschüttet und in Kulturland verwandelt wurden. Dennoch sind die meisten Biefs noch erhalten und werden weiterhin benötigt, um die zugeschütteten Étangs zu drainieren und das Wasser abzuleiten.Die beiden Karten zeigen in der Breite denselben Ausschnitt. Zentral liegt der Bourg von Montpont-en-Bresse, am linken Rand etwas über der Mitte der Ort Chapelle-Thècle. Am rechten Bildrand ist bei beiden Karten mittig noch das Château de Durtal zu erkennen.
Die Landschaft in der Bresse bourguignonne ist im Allgemeinen abwechslungsreich, die Felder und Wälder bilden zusammen mit den Étangs ein kurzweiliges Mosaik. Das Netz der Départementsstraßen ist nicht allzu dicht, viele davon gehen auf das Netz der Römerstraßen zurück. Dazwischen besteht jedoch ein Netz von Gemeindestraßen, Flur- und Feldwegen, gesäumt von langgezogenen Straßendörfern, nebst vielen weit verstreuten Weilern und Einzelhöfen. In den Niederungen liegen immer wieder Étangs, manchmal kaum sichtbar, da sie meist von einer Baumreihe umgeben sind. Die Baumwurzeln sind wichtig für die Stabilität der Étangränder, aber auch zwischen den Feldern und entlang den Straßen finden wir Hecken, abwechselnd mit kleinen Waldflächen, in den feuchten Niederungen häufig Pappelpflanzungen. So erfolgt ein wildes Licht-/Schattenspiel beim Durchfahren der Straßen der Bresse bei Sonnenschein. Trotz des verhältnismäßig ebenen Geländes wird der Blick immer wieder gebremst, nur in der Ferne ist die Kette des Juramassivs und die Höhen des Weinburgunds erkennbar.
Auffällig ist die Bebauung der Bresse bourguignonne. Die Ferme bressane, das Bresse-Bauernhaus, weist einen eigentümlichen Stil auf. Die Häuser sind aus Lehmziegeln erbaut, weisen oft noch sichtbare Riegel auf und stehen zu über 80 Prozent in Nord-Süd-Richtung. Damit stehen sie in der vorherrschenden Windrichtung, die warmen Südwinde prallen auf den Wohnteil, die kalte Bise auf die Ställe und Ökonomieräume. Zum Bressehaus gehören mannigfaltige Nebengebäude, ein Ziehbrunnen, ein Backhaus, Ställe, Ökonomiegebäude und Unterstände, so dass Einzelhöfe teilweise wie kleine Weiler wirken.
Bemerkenswert ist eine Veränderung der Dachform der Ferme bressane. Im Norden weist das Gebäude ein weit auskragendes Walmdach auf, das die empfindlichen Ziegel im Mauerwerk vor Nässe schützt. Die Dachflächen weisen eine Neigung um die 45° auf und sind heute in der Regel mit Falzziegeln – ältere Gebäude allenfalls noch mit Flachziegeln – bedeckt. Südlich der Linie Cuisery – La Chapelle-Thècle – Montpont-en-Bresse – Sainte-Croix-en-Bresse verändert sich die Dachform. Das Walmdach wird flacher und weist lediglich noch etwa 25°-Winkel auf und es ist mit Mönch/Nonne-Ziegeln gedeckt. Wenn sich die Häuser zu Dörfern gruppieren, bilden sie sich zumeist als Strassendorf aus, bleiben jedoch diskret hinter Baumbeständen versteckt – lediglich der nie fehlende Kirchturm mag etwas weiter sichtbar sein.
Städte finden sich in der Bresse bourguignonne keine, lediglich die Hauptstadt des Arrondissements, Louhans, gilt noch als Kleinstadt, die nächstgrößere Siedlung, Saint-Marcel, gehört bereits zur Agglomeration Chalon-sur-Saône mit den damit verbundenen Abhängigkeiten. Auffällig ist dabei die Tatsache, dass das Arrondissement Louhans 1851 rund 100.000 Einwohner zählte, die vergleichbare Einwohnerzahl liegt heute lediglich noch bei 36.000 Einwohnern.
Auf den Wiesen weiden fast ganzjährig Kühe und Rinder, sehr oft der Rasse Charolais, zudem sind immer wieder die weißen Punkte der Bressehühner auszumachen, die von Züchtern zu Hunderten auf den Weiden zur Schlachtreife gebracht werden. Die Tatsache, dass in der Bresse der Weinbau nicht mehr erlaubt ist, hat auch zum heutigen Bild der Landschaft geführt. Als Ersatz für den Weinbau wurde den Poulets de Bresse der AOC-Schutz gewährt. Später kam auch der geschützte Name für Poularde de Bresse und Dinde de Bresse dazu und im Zusammenhang mit der Viehhaltung der Schutz von Crème et beurre de Bresse (Rahm und Butter).
Im Norden wird eine Teil-Landschaft als die Bresse chalonnaise bezeichnet. Sie umfasst ungefähr die Gebiete nordwestlich von La Tenarre. Das Gebiet nähert sich bereits dem Vallée de la Saône, die Hügel sind dort eher flacher, die Kulturlandgebiete großflächiger und die Waldflächen kleiner. Zudem macht sich hier auch schon der Einfluss der Agglomeration von Chalon-sur-Saône bemerkbar. Als zweite Teil-Landschaft wird ganz im Südosten das Revermont ausgeschieden. Es umfasst die Gemeinden Cuiseaux, Champagnat und Joudes, die bereits in den Jurahöhen liegen und deren Gemeindegebiet bereits Höhen von 647 Metern (Cuiseaux) erreicht.
Geschichte Die Bresse bourguignonne war schon in vorrömischer Zeit besiedelt, wie archäologische Funde bezeugen. Sie war Siedlungsgebiet der Lingonen, Häduer und Sequaner. Viele Ortsnamen weisen noch keltische Wurzeln auf (beispielsweise: Louhans, Cuiseaux, Condal). Mit Caesar erfolgte im 1. Jahrhundert die Eroberung Galliens bis zum Rhein. In der Provinz Celtica befand sich die Region Brixia, die heutige Bresse. Dieser Begriff taucht in ähnlicher Form noch lange auf, beispielsweise bei Saint-Germain-du-Plain (Sanctus-Germanus in Brexia, 1235).