mini|Einfahrt der Brauerei an der Schwarzwaldstraße mini|Pferdefuhrwerk der Brauerei auf dem Freiburger Münsterplatz mini|Aktie der Gantersche Brauerei-Gesellschaft von 1886 Die Brauerei Ganter GmbH & Co KG ist eine Brauerei in Freiburg im Breisgau.

Geschichte Die Brauerei wurde im Jahr 1865 von dem aus Schönau im Schwarzwald stammenden Wirtssohn Ludwig „Louis“ Ganter im Haus Zum Kindlein Jesu () gegründet, in dem Erasmus von Rotterdam von 1531 bis 1534 gewohnt hatte.Walther Köhler: Eramus von Rotterdam. Briefe. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1938, S. 517 Ganter nutzte eine verbliebene kleine Brauanlage aus dem 18. Jahrhundert, die er zusammen mit 700 Holzfässern erworben hatte. Bis 1877 wurde in diesem Haus das Bier der im schnell wachsenden Freiburg florierenden Brauerei gebraut. Später wurde es Stammhaus mit Gaststätte und Brauereiausschank.

Im Jahr 1877 schließlich erwarb Ganter ein Gelände in der Freiburger Oberau, die Alte Ölmühle, um dort nach modernem technischen Standard produzieren zu können. Das Gelände befand sich damals „auf der grünen Wiese“ außerhalb der Stadt. Neben den großzügigen und für ein weiteres Wachstum angelegten Brauereianlagen wurde ein eigener Tiefbrunnen angelegt, um bestes Wasser zur Verfügung zu haben und ein eigenes Kraftwerk errichtet. 1883 bekam die Brauerei eine Kältemaschine, sodass ganzjährig gebraut werden konnte, was zuvor nur im Winter möglich war.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung Südbadens und verbesserte Produktionsmethoden florierte die Brauerei immer weiter und verkaufte ihr Bier um die Jahrhundertwende auch nach Nordbaden.

In den 1920er Jahren setzte Ganters Sohn, der die Brauerei übernommen hatte, gegen jeden Expertenrat eine hochmoderne Dampfturbine für das kleine unternehmenseigene Kraftwerk durch. Auch nachdem durch den Fliegerangriff vom 27. November 1944 das Stammhaus der Brauerei in der Altstadt zerstört und am 2. Dezember 1944 die Brauereianlagen beschädigt worden waren,Gerd R. Ueberschär: Freiburg im Luftkrieg 1939–1945, Freiburg/München 1990, ISBN 3-87640-332-4, S. 287 konnte die Brauerei zunächst weiter produzieren und dank ihrer autonomen Turbinen-Stromversorgung auch die Anwohner mit frischem Trinkwasser versorgen.

Im Zeitraum zwischen 1970 und 1980 wurde die Braustätte im Hinblick auf ein erwartetes starkes Wachstum ausgebaut. Es wurden große Gär- und Lagerkeller sowie eine größere Flaschenabfüllung in Betrieb genommen. Geschäftsführer wurde der 1911 geborene Rechtsanwalt Alois Walther, der später Aufsichtsratsvorsitzender der Sanatorium St. Blasien GmbHWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1303. war.

Im Jahr 2002 eröffnete Ganter am Freiburger Münsterplatz 18–20 einen Brauereiausschank, in dem neben den Ganterbieren auch deftige Speisen angeboten werden.

Seit dem Jahr 2010 wird der Claim Ein Bier wie unser Land wieder hervorgehoben.

Der Bierausstoß betrug im Jahre 2007 135 000 hl.Mittelbadische Presse: Ganter in der Klemme Die Brauerei entschloss sich im Jahr 2010, ihre Kapazitäten abzubauen. Durch Umbau und Modernisierung werden circa 50 % der Energie eingespart.Badische Zeitung vom 3. September 2022

Gegenwärtig (2022) hat die Brauerei noch eine maximale jährliche Kapazität von 100.000 Hektolitern pro Jahr, der tatsächliche Bierausstoß betrug im Jahre 2023 nach Angaben der Geschäftsleitung 80.000 hl.Der Biermarkt ist ein Haifischbecken. In: Badische Zeitung, 3. August 2023, S. 16. Der überwiegende Teil wird in Fässern an die Gastronomie geliefert, lediglich 10.000 hl werden auf Flaschen abgefüllt, was einem Marktanteil in Freiburg von 6 % entspricht. Bedingt durch die Coronapandemie hat sich der Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2021 auf 9 Mio. € halbiert.

Im Jahr 2011 wurde ein neuer Gär- und Lagerkeller sowie eine neue Fassabfüllung in Betrieb genommen. Die Flaschenabfüllung wurde zwischenzeitlich vom Karlsruher Hatz-Moninger Brauhaus betrieben.Joachim Röderer: Ganter braut – und baut jetzt auch In: Badische Zeitung; abgerufen am 21. Februar 2011 Bei dem Umbau achtete die Brauerei darauf, 80 % der Handwerkerleistungen aus der nahen Umgebung zu beauftragen. Diese Modernisierung kam der Brauerei angesichts des daraufhin weiterhin bundesweit rückläufigen Bierkonsums entgegen.

Die Brauerei beliefert rund 500 Gaststätten und verpachtet 50 weitere. Die Brauerei Ganter ist Mitglied im Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden und im Verband Die Freien Brauer.

Fabrikgelände Das Fabrikgelände befindet sich in der Oberau zwischen der B 31 und der Dreisam. Zwischen den Fahrstreifen der B 31 befindet sich die Haltestelle Brauerei Ganter der Straßenbahnlinie 1. Zwischen Dreisam und Fabrikgelände verläuft der FR 1. Die Station Talstraße des Fahrradverleihsystems Frelo befindet sich hinter der B 31.

Nach elf Jahren Planung verkaufte die Familie Ganter nach einem Generationenwechsel im September 2021 ein Drittel des Brauereiareals an einen Schweizer Investor, der dort an der Schwarzwaldstraße/Ecke Fabrikstraße Mietwohnungen bauen möchte. Der westliche Teil mit Mälzerei, Kesselhaus, Villa, Biergarten und Ballhaus soll demgegenüber „für immer“ im Familienbesitz bleiben, wie Ernst Ludwig Ganter betonte.

Die Lagerhallen, das Sudhaus und das Freigelände der Brauerei werden für große Veranstaltungen und Feiern genutzt.

Weblinks

www.ganter.com

Einzelnachweise

Kategorie:Brauerei (Baden-Württemberg) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Freiburg im Breisgau) Brauerei Ganter