Treemonisha ist eine Oper in drei Akten von Scott Joplin (Musik und Libretto). Den Klavierauszug veröffentlichte Joplin 1911 im Selbstverlag. Das Partitur-Manuskript ist verschollen. Eine erste Aufführung mit Klavierbegleitung gab es im Mai 1915 im Lincoln Theater New York. Das vollständige Werk wurde erst am 28. Januar 1972 in der Atlanta Symphony Hall in einer Orchestrierung von Thomas Jefferson Anderson uraufgeführt.
Handlung
Vorwort
Der Klavierauszug von 1911 enthält eine detaillierte Einführung in die Handlung. Joplin selbst verwendete mehrfach das Wort „Negro“, das deshalb in der folgenden Übersetzung ebenfalls genutzt wird:
Die Szene der Oper ist auf einer Plantage irgendwo im Staat Arkansas, nordöstlich der Stadt Texarkana und drei oder vier Meilen vom Red River. Die Plantage ist von einem dichten Wald umgeben.
Mehrere Negro-Familien lebten auf der Plantage und andere Familien hinten im Wald.
Damit der Leser die Geschichte besser verstehen kann, gebe ich [Scott Joplin] ein paar Details über die Negros auf dieser Plantage vom Jahr 1866 bis zum Jahr 1884.
Das Jahr 1866 zeigt sie in völliger Unwissenheit, ohne irgendeine Führung, da die Weißen kurz nach der Freilassung der Negros fortgezogen waren und die Plantage der Obhut eines vertrauenswürdigen Negro-Dieners namens Ned überlassen hatten.
Alle Negros mit Ausnahme von Ned und seiner Frau Monisha waren abergläubisch und glaubten an Zauberei. Monisha, als Frau, ließ sich gelegentlich von den Behauptungen der geschickteren Zauberer beeindrucken.
Ned und Monisha waren kinderlos und hatten oft gebetet, dass ihre Hütte eines Tages von einem Kind aufgeheitert würde, das Monisha Gesellschaft leisten könnte, wenn Ned nicht zuhause war. Sie träumten auch davon, das Kind so zu erziehen, dass es, wenn es erwachsen war, die Menschen der Gegend lehren könnte, nach etwas Besserem und Höherem als Aberglaube und Zauberei zu streben.
Die Gebete von Ned und Monisha wurden auf erstaunliche Weise beantwortet. Eines Morgens Mitte September 1866 fand Monisha ein Baby unter einem Baum, der vor ihrer Hütte wuchs. Es war ein ungefähr zwei Tage altes Mädchen mit hellbrauner Haut. Monisha nahm das Baby in die Hütte, und Ned und sie adoptierten es als ihr eigenes.
Sie wollten, dass das Kind, während es aufwuchs, sie ebenso liebte wie es seine echten Eltern geliebt hätte. Daher beschlossen sie, ihm die Art und Weise, wie es zu ihnen gekommen war, zu verschweigen, bis es alt genug wäre, das zu verstehen. Sie wussten ebenfalls, dass die Nachbarn ihm davon erzählen würden, falls sie davon wüssten. Um sie zu täuschen, spannte Ned seine Maultiere an und fuhr mit Monisha und dem Kind zu einer Familie aus alten Freunden, die zwanzig Meilen entfernt lebten und die sie seit drei Jahren nicht gesehen hatten. Sie erzählten ihren Freunden, dass das Kind erst eine Woche alt sei.
Ned gab diesen Leuten sechs Scheffel Mais und vierzig Pfund Fleisch, damit sie Monisha und das Kind für acht Wochen bei sich aufnahmen, wovon Ned glaubte, es würde Monishas Gesundheit guttun. Die Freunde stimmten gerne zu, sie für diese Zeit bei sich zu haben.
Ned kehrte alleine zu der Plantage zurück und erzählte seinen alten Nachbarn, dass Monisha, während sie alte Freunde besuchten, die Mutter eines kleinen Mädchens geworden war.
Die Nachbarn waren natürlich ziemlich überrascht, mussten aber glauben, dass Neds Geschichte wahr sei.
Nachdem die acht Wochen vergangen waren, brachte Ned Monisha und das Kind nach Hause, erhielt die Glückwünsche seiner Nachbarn und Freunde und war erfreut, dass der Plan so gut funktioniert hatte.
Monisha gab dem Kind zunächst ihren eigenen Namen; als das Kind aber drei Jahre alt war, war es so versessen darauf, unter dem Baum zu spielen, unter dem es gefunden worden war, dass Monisha ihm den Namen Tree-Monisha [‚Baum-Monisha‘] gab.
Als Treemonisha sieben Jahre alt war, vereinbarte Monisha mit einer weißen Familie, dass sie für sie waschen und bügeln und Ned ihr Holz hacken würde, wenn die Dame des Hauses Treemonisha eine Ausbildung gäbe, da das Schulgebäude zu weit entfernt war, als dass das Kind dorthin gehen könnte. Die Dame stimmte zu, und als Ergebnis war Treemonisha die einzige gebildete Person in der Nachbarschaft, während die anderen Kinder weiterhin unwissend blieben, da es ihnen unmöglich war, zu der so weit entfernten Schule zu gehen.
Zodzetrick, Luddud und Simon, drei sehr alte Männer, verdienten ihren Lebensunterhalt mit Zaubertricks in der Nachbarschaft, indem sie kleine Glücksbeutel und Kaninchenfüße verkauften und die Leute in ihrem Aberglauben bestärkten.
Dieser Musikausschnitt ist das Hauptthema der Oper und stellt das Glück der Menschen dar, als sie sich von den Zauberern und ihren abergläubischen Sprüchen frei fühlten.
Die Handlung der Oper beginnt im September 1884. Die jetzt achtzehn Jahre alte Treemonisha beginnt ihre eigene Laufbahn als Lehrerin und Anführerin.
Erster Akt: „Morning“ – Morgen
Eine von dichtem Wald umgebene Plantage in Arkansas
Der Zauberer Zodzetrick versucht, Monisha einen Glücksbringer zu verkaufen (Nr. 2. „The Bag of Luck“). Monisha glaubt zwar an dessen Wunderkräfte, doch Ned traut dem Scharlatan nicht. Als Zodzetrick sich wieder auf den Weg machen will, ruft Treemonisha ihn zurück und wirft ihm vor, durch seine Betrügereien die Dorfbewohner ins Unglück zu stürzen. Zodzetrick versucht, sich zu rechtfertigen, doch Treemonishas Freund Remus steht ihr bei. Er vertraut der gebildeten Treemonisha. Zodzetrick zieht sich mit der Drohung zurück, bald zurückzukehren.
Landarbeiter, die sich auf dem Weg zur Arbeit befinden, grüßen Treemonisha und Remus (Nr. 3. „The Corn Huskers“). Sie tanzen unter der Führung von Treemonishas Freunden Andy und Lucy einen Reigen (Nr. 4. „We’re Goin’ Around“). Treemonisha stellt fest, dass alle Mädchen einen Blätterkranz tragen, während sie selbst nur eine Haube besitzt (Nr. 5. „The Wreath“). Als sie sich aus den Blättern des Baums vor der Tür selbst einen Kranz binden will, verbietet ihrer Mutter das mit der Begründung, dass dieser Baum heilig sei, da Treemonisha als Baby unter ihm gefunden wurde. Sein Schatten habe ihr in dem damaligen Nachtgewitter und der Gluthitze des folgenden Tages das Leben gerettet (Nr. 6. „The Sacred Tree“). Treemonisha und die Arbeiter sind überrascht, dass sie nicht Monishas leibliches Kind ist (Nr. 7. „Surprised“). Monisha erzählt, wie Ned und sie das Kind als ihr eigenes ausgaben und es später von einer weißen Frau unterrichten ließen, da es in der Nachbarschaft keine Schule gab (Nr. 8. „Treemonisha’s Bringing Up“). Zuerst sei das Mädchen nach ihr selbst Monisha genannt worden. Da sie aber den Baum so sehr liebte, hätten sie den Namen in „Treemonisha“ geändert. Treemonisha entfernt sich mit Lucy. Sie will den Kranz nun aus den Blättern anderer Bäume binden.
Der Wanderprediger Parson Alltalk trifft ein, um den Gottesdienst zu halten. Er rät den Anwesenden, nicht zu lügen, nicht zu stehlen und miteinander gut umzugehen (Nr. 9. „Good Advice“). Anschließend kehrt Lucy ohne Treemonisha zurück (Nr. 10. „Confusion“). Sie ist erschöpft. Ihre Hände sind gebunden und ihr Mund geknebelt. Nachdem Monisha sie befreit hat, erzählt Lucy, dass Zodzetrick und sein Kumpan Luddud Treemonisha entführt hätten. Die Landarbeiter versprechen sofort, sie zu befreien. Ned, der gerade vom Feld kommt, schwört, Zodzetrick und Luddud schwer zu strafen. Remus zieht sich die Kleider einer Vogelscheuche über, um die Entführer zu erschrecken, und eilt den anderen Landarbeitern nach.
Zweiter Akt: „Afternoon“ – Nachmittag
Im Wald beim Lager der Scharlatane; ein Wespennest hängt an einem Busch
Der Zauberer Simon redet den versammelten Scharlatanen abergläubischen Unsinn ein (Nr. 11. „Superstition“). Zodzetrick und Luddud treffen mit der gefangenen Treemonisha ein (Nr. 12. „Treemonisha in Peril“). Die beiden berichten, dass das Mädchen nicht an ihre Zaubereien glaube und die Dorfbewohner überrede, ihre Glücksbringer fortzuwerfen. Damit gefährde sie ihre Lebensgrundlage. Die Scharlatane beschließen, sie im Buschwald dafür zu strafen. Einzig Cephus spricht dagegen, wird aber überstimmt. Acht Bären tollen herum, bis sie von den Zauberern vertrieben werden (Nr. 13. „Frolic of the Bears“). Simon schlägt vor, Treemonisha zur Strafe in das Wespennest zu werfen (Nr. 14. „The Wasp Nest“). Gerade als Zodzetrick und Luddud das ausführen wollen, erscheint der verkleidete Remus. Die Scharlatane fliehen, weil sie ihn für den Teufel persönlich halten (Nr. 15. „The Rescue“). Treemonisha dankt Remus für ihre Rettung und geht mit ihm fort.
Ein Baumwollfeld; im Vordergrund eine Straße
Baumwollpflücker singen während der Arbeitspause ein Lied (Nr. 16. „We Will Rest Awhile“). Treemonisha und Remus treffen ein und fragen sie nach dem Weg zur Plantage (Nr. 17. „Going Home“). Nachdem sie fort sind, kündigen drei Hornsignale das Ende der Tagesarbeit an (Nr. 18. „Aunt Dinah Has Blowed de Horn“).
Dritter Akt: „Evening“ – Abend
In Neds und Monishas Hütte
Ned versucht, Monisha zu beruhigen, die sich zutiefst über das Schicksal Treemonishas sorgt (Nr. 20. „I Want to See My Child“). Glücklicherweise treffen diese und Remus bereits ein, gefolgt von den fröhlichen Landarbeitern (Nr. 21. „Treemonisha’s Return“). Alle bejubeln Remus’ Heldentat. Kurz darauf erscheinen die übrigen Männer der Befreiungsaktion. Sie führen Zodzetrick und Luddud als Gefangene mit sich. Die Anwesenden fordern strenge Bestrafung. Nur Treemonisha mahnt zur Milde. Sie will nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern ihnen eine strenge Lektion erteilen und sie dann freilassen. Auf ihren Befehl löst Andy den beiden die Fesseln. Anschließend hält Remus allen eine Predigt darüber, das Böses niemals gut sein kann (Nr. 22. „Wrong is Never Right“). Die Dorfbewohner wollen die Schuldigen zwar noch immer verprügeln, werden von Treemonisha aber davon abgehalten. Sie glaubt fest daran, dass die beiden ihr Verhalten ändern werden (Nr. 23. „Abuse“). Ned philosophiert über den Umgang mit Verbrechern (Nr. 24. „When Villains Ramble Far and Near“). Anschließend überredet Treemonisha die Dorfbewohner, den Zauberern zum Zeichen der Versöhnung die Hände zu reichen (Nr. 25. „Conjurors Forgiven“). Die Anwesenden wählen sie als Weiseste von ihnen zur Anführerin. Auch die Männer bestätigen ausdrücklich ihr Vertrauen (Nr. 26. „We will Trust you as our Leader“). Die Oper endet mit einem fröhlichen Ragtime (Nr. 27. „A Real Slow Drag“).
Werkgeschichte