Blumenrohr (Canna) ist die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Blumenrohrgewächse (Cannaceae), die zur Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen) gehört. Die etwa 10 (bis 20) Arten besitzen eine rein neotropische Verbreitung. Einige Arten sind weltweit in den Tropen verwildert. Es sind viele Sorten entstanden, die als Zierpflanzen für Parks und Gärten verwendet werden.

Beschreibung und Ökologie mini|links|Illustration der Wildform: Indisches Blumenrohr (Canna indica) mini|Indisches Blumenrohr (Canna indica): Habitus, Kapselfrüchte und Samen. mini|Unreife und reife Canna-Früchte mit ihren weich-stacheligen Oberflächen. In der offenen Frucht sind die kugeligen, schwarzen Samen zu sehen

Habitus und Laubblätter Canna-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen mit Rhizomen als Überdauerungsorganen. Sie erreichen, je nach Art, Wuchshöhen von 0,50 und 5 Metern. Sie bilden einen aufrechten, unverzweigten Stängel oder die einander überlappenden Blattscheiden bilden einen „Scheinstamm“. Die wechselständig und schraubig oder zweizeilig angeordneten, sehr großen, einfachen Laubblätter sind gegliedert in Blattscheiden, kurze Blattstiele und Blattspreiten. In der Knospenlage sind sie eingerollt: convolute Vernation. Die parallel verlaufenden Blattadern entspringen der Mittelrippe (nicht typisch für Einkeimblättrige).

Blütenstände und Blüten Die auffälligen, endständigen, traubigen oder ährigen Gesamtblütenstände (Infloreszenzen) enthalten viele Blüten oder sind oft aus ein- bis zweiblütigen, monochasialen, zymösen Teilblütenständen zusammengesetzt, mit meist unscheinbaren, kleinen, grünen Hochblättern (Brakteen).

Die zwittrigen, meist großen Blüten sind dreizählig und überraschend asymmetrisch. Die Blütenhüllblätter sind verschieden gestaltet. Die drei freien Kelchblätter sind meist grün und etwas ungleich. Die drei Kronblätter sind meist auffällig gefärbt. Sie sind mit dem halbfertilen Staubblatt und den Staminodien „am Grunde zu einer gedrehten Röhre verwachsen“.A. Engler’s Syllabus der Pflanzenfamilien, 12., neugestaltete Auflage, herausgegeben von Prof. Dr. Hans Melchior, Verlag Gebr. Bornträger, Berlin-Nikolassee 1964, S. 611 Es sind zwei Kreise mit je ursprünglich drei Staubblättern vorhanden, aber pro Blüte gibt es nur ein nur einseitig fertiles Staubblatt: einen kronblattähnlichen Staubfaden mit einem halben Staubbeutel. Die anderen sind zu kronblattähnlichen Staminodien umgebildet; eines der inneren Staminodien ist zurückgebogen und bildet ein Labellum. Bei einigen Arten fehlt ein Staminodium. Die Kronblätter und Staminodien sind meist gelb bis rot.

Die drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen (synkarpen) Fruchtknoten verwachsen, der eine weich-stachelige Oberfläche besitzt und viele zentralwinkelständige Samenanlagen enthält. Der Griffel ist kronblattähnlich abgeflacht. Der Pollen wird auf der abaxialen (achsfernen) Fläche des Griffels deponiert. Der Bestäubungsmechanismus ist sehr spezialisiert; die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie). Die Bestäuber-Insekten nehmen den Pollen vom kronblattartig abgeflachten Griffel aus auf.

Früchte und Samen Die dreikammerigen Kapselfrüchte besitzen eine weichstachelig-warzige Oberfläche und enthalten 5 bis 25 (selten bis zu 75) Samen. Die hartschaligen, kugeligen Samen mit hartem Endosperm sind mittel- bis dunkelbraun und haben einen Durchmesser von etwa 4 bis 10 mm.

Die Samen bewahren sehr lange ihre Keimfähigkeit. Das wird damit erklärt, dass sie einer Sklereide entsprechend aufgebaut sind und eine äußere Schicht malpighischer Zellen mit einem hydrophoben und einem hydrophilen Anteil tragen. Der hydrophobe Teil ist hauptsächlich für die Abdichtung des Saatguts verantwortlich und enthält Kieselsäuren, Callose und Lignin als wasserabweisende Substanzen. Wasser kann erst nach einer bestimmten temperaturbedingten Öffnung eines Imbibitions-Deckels in das Saatgut gelangen. Während der Imbibition schwillt der hydrophile Teil der malpighischen Zellen an und die Samenhülle reißt aufgrund von Druckunterschieden im oberen und unteren Teil der malpighischen Zellen.Peter Graven, Chris G. de Koster, Jaap J. Boon, Ferry Bouman: Functional aspects of mature seed coat of the Cannaceae. In: Plant Systematics and Evolution, Band 205, Nr. 3, 1997, S. 223–240 (PDF). Es gibt Berichte, dass die Samen etwa 600 Jahre keimfähig bleiben.P. R. M. Souza Filho, H. H. Tozzi, M. Takaki: Temperature effect on seed germination in Canna indica L.(Cannaceae). In: Seed Science and Technology, Band 39, Nr. 1, 2011, S. 243–247. Der Embryo ist gerade.

Chromosomensätze und Inhaltsstoffe Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9. An Inhaltsstoffen sind zu nennen: Proanthocyanidine, Cyanidin, Flavonoide (Kaempferol und Quercetin).

mini|Canna indica, Syn.: Canna indica var. warszewiczii (A.Dietr.) Nob.Tanaka mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Canna flaccida mini|Canna jaegeriana mini|Ausschnitt des Blütenstandes von Canna paniculata mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Canna tuerckheimii mini|Canna ×generalis mini|Die Sorte 'Golden Gate'

Systematik und Verbreitung Die Gattung Canna wurde oft in die Familie der Marantaceae eingeordnet und sind mit dieser auch am nächsten verwandt innerhalb der Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales). Heute bildet sie eine eigene Familie Cannaceae. Die Familie Cannaceae wurde 1789 durch Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum, S. 62 unter dem Namen „Cannae“ aufgestellt.

Die Erstveröffentlichung der Gattung Canna erfolgte bereits 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 1. Als Lectotypus wurde Canna indica L. durch Nathaniel Lord Britton in Flora of Bermuda, 1918, S. 86 festgelegt. Synonyme für Canna sind Achirida , Cannacorus , Katubala , Xiphostylis , Distemon , Eurystylus . Der Gattungsname Canna ist vom lateinischen Wort canna für Rohr abgeleitet.

Das weite natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Canna sind die subtropischen bis tropischen Gebiete der Neuen Welt (Neotropis). Canna-Arten gedeihen in Höhenlagen vom Meeresniveau bis zu Berghängen unterhalb 3000 Metern.

Neuere Bearbeitungen der Gattung Canna reduzieren die Anzahl der Arten von ursprünglich etwa 100 auf unter 50 und Paulus Johannes Maria Maas 1985; P. J. M. Maas & H. Maas 1988 reduzierten die Zahl auf 10 Arten; die Artenzahl war wieder auf 20 angestiegen, besonders nach der Revision von Nobuyuki Tanaka und Neubeschreibungen, aber durch de Kamer & P. J. M. Maas 2008 ist sie wieder gesunken, weil einige dieser neubeschriebene Arten doch nur Synonyme sind.

Hier eine Liste der akzeptierten Arten (Stand 2018): Canna bangii : Sie ist in Peru und Bolivien verbreitet. Canna flaccida (Syn.: Canna glauca var. flaccida , Canna glauca var. flava , Canna flava nom. subnud., Canna flaccida nom. illeg., Canna reevesii ): Sie hat eine weite Verbreitung von den südöstlichen USA über Zentralamerika bis zu den Karibischen Inseln. Canna glauca (Syn.: Canna angustifolia , Canna lancifolia , Canna pedicellata , Canna lanceolata nom. nud., Canna liturata , Canna mexicana , Canna stricta , Canna stolonifera , Canna fintelmannii , Canna longifolia , Canna schlechtendaliana , Canna annaei , Canna annaei nana , Canna rubrolutea , Canna siamensis , Canna hassleriana , Canna jacobiniflora , Canna stenantha , Canna rufa , Canna glauca var. rufa , Canna glauca var. rubrolutea , Canna glauca var. annaei , Canna glauca var. angusta , Canna glauca var. siamensis ): Sie hat eine weite Verbreitung in der gesamten Neotropis, ihr nördlichstes Vorkommen befindet sich in North Carolina. Indisches Blumenrohr, Achira oder Essbare Canna (Canna indica , Syn.: Canna coccinea , Canna lutea , Canna juncea , Canna patens , Canna chinensis nom. superfl., Canna rubra nom. superfl., Canna variegata , Canna textoria nom. nud., Canna ellipticifolia var. coccinea , Canna ellipticifolia var. lutea , Canna ellipticifolia var. patens , Canna ellipticifolia var. rubra , Canna speciosa nom. superfl., Canna thyrsiflora nom. superfl., Canna bifida , Canna crocea , Canna lambertii , Canna aureovittata , Canna rubricaulis , Canna speciosa nom. illeg., Canna platyphylla , Canna compacta , Canna edulis , Canna occidentalis , Canna pallida , Canna aurantiaca , Canna carnea , Canna orientalis nom. superfl., Canna brasiliensis , Canna lanuginosa , Canna limbata nom. superfl., Canna montana , Canna maxima nom. inval., Canna pruinosa , Canna discolor , Canna flavescens , Canna maculata , Canna achiras , Canna esculenta nom. inval., Canna lagunensis , Canna tenuiflora , Canna barbadica nom. nud., Canna commutata , Canna ehrenbergii , Canna heliconiifolia , Canna humilis , Canna leptochila , Canna nepalensis , Canna orientalis nom. illeg., Canna polymorpha , Canna roscoeana nom. superfl., Canna sanguinea pro syn., Canna sellowii , Canna sulphurea pro syn., Canna xalapensis , Canna altensteinii Bouché, Canna poeppigii , Canna portoricensis , Canna pentaphylla orth. var., Canna pulchra , Canna cinnabarina , Canna concinna , Canna densifolia , Canna exigua , Canna floribunda , Canna formosa , Canna fulgida , Canna laeta , Canna moritziana , Canna recurvata , Canna spectabilis , Canna surinamensis , Canna variegata nom. illeg., Canna ventricosa , Canna sanguinea , Canna saturate-rubra , Canna tinei nom. subnud., Canna bidentata , Canna eximia , Canna macrophylla , Canna pulchra , Canna rotundifolia , Canna schubertii , Canna polyclada , Canna atronigricans , Canna aurantiaca splendida , Canna expansa , Canna houlletii , Canna lavallei , Canna liervalii , Canna limbata var. hybrida , Canna musifolia-edulis , Canna musifolia-hybrida , Canna peruviana , Canna porteana , Canna robusta , Canna van-houttei , Canna zebrina , Canna zebrina nana , Canna caledonis-peltata , Canna gaboniensis , Canna musifolia , Canna peruviana-purpurea , Canna peruviana-robusta , Canna peruviana-spectabilis , Canna texensis , Canna musifolia sanguinea , Canna purpurea-spectabilis , Canna denudata var. grandis , Canna patens var. limbata , Canna cearensis , Canna coccinea var. bicolor , Canna coccinea var. concolor , Canna coccinea var. floribunda , Canna coccinea var. limbata , Canna sanctae-rosae , Canna seleriana , Canna lutea nom. illeg., Canna variegatifolia , Canna amabilis , Canna plurituberosa , Canna warszewiczii nom. superfl., Canna warszewiczii var. flameus , Canna indica var. maculata , Canna indica var. saturaterubra , Canna indica var. edwardsii , Canna indica var. karsteniana , Canna indica var. variegata , Canna indica subsp. orientalis , Canna indica var. limbata , Canna indica var. flava , Canna indica var. nepalensis , Canna indica var. orientalis nom. superfl., Canna indica var. speciosa nom. superfl., Canna indica var. sanctae-rosae , Canna indica var. coccinea , Canna indica var. lutea , Canna indica var. patens , Canna indica var. rubra , Canna indica var. warszewiczii , Canna indica var. warszewiczii , Canna ascendens , Canna fuchsina ): Die ursprüngliche Verbreitung reicht von Mexiko bis Zentralamerika. Sie wird als Zier- und Nahrungspflanze weltweit angepflanzt und ist in vielen frostfreien Gebieten der Welt verwildert. Beachte die in vieler Literatur als Canna edulis geführte Art ist nur noch ein Synonym von Canna indica L., siehe N. Tanaka 2001;. Es gibt keine Varietäten mehr. Irisblütiges Blumenrohr (Canna iridiflora ): Sie kommt in Peru vor. Canna jaegeriana (Syn: Canna leucocarpa , Canna domingensis , Canna pertusa ): Das Verbreitungsgebiet reicht von den karibischen Inseln Hispaniola bis Puerto Rico bis ins nördliche Südamerika. Canna liliiflora (Syn.: Canna brittonii ): Sie ist von Bolivien bis ins südöstlichen Peru verbreitet. Canna lineata : Die 2014 erstbeschriebene Art kommt im nordöstlichen Argentinien vor.