Die Liste von Zwischenfällen bei Aeroflot zeigt eine Übersicht über die Zwischenfälle mit Todesfolge oder Totalschaden von Flugzeugen bei der sowjetischen, später russischen Fluggesellschaft Aeroflot.
Für Aeroflot sind von ihrer Gründung bis Januar 2024 insgesamt 1589 Totalverluste von Flugzeugen verzeichnet. Dabei kamen insgesamt 9029 Personen ums Leben.Unfallstatistik Aeroflot, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Februar 2024. In der Unfall-Datenbank von Aviation Safety Network gibt es jedoch keinen absolut vollständigen Gesamtüberblick über Aeroflot-Unfälle in der gesamten Sowjetunion.
Bei der Einordnung dieser Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass die sowjetische Luftfahrt eine völlig andere Struktur hatte als im Westen üblich. Die Aeroflot umfasste die komplette zivile Luftfahrt sowie einen Teil der militärischen Flugzeuge, zeitweise trugen etwa 10.000 Flugzeuge des zivilen Flugbereichs den Namen Aeroflot. Insgesamt war diese Fluggesellschaft sehr eng mit den sowjetischen Luftstreitkräften verwoben. Auszüge:
Bis 1991 Hier sind Unfälle aufgeführt, von denen Flugzeuge mit sowjetischen Luftfahrzeugkennzeichen (CCCP-Hinweis: kyrillische Buchstaben, entsprechen lat. / gesprochen wie SSSR) betroffen waren. Solche mit russischen Kennzeichen (RA-) werden im Folgeabschnitt erwähnt.
1940er-Jahre Am 18. Dezember 1943 stürzte eine Douglas DC-3/C-47A-25-DL der sowjetischen Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-L825) bei Schneefall und niedrigen Wolken einen Kilometer südwestlich von Ramenye (Region Kalinin, Sowjetunion) auf eine Wiese. Von der Maschine aus sollten Versorgungsgüter für Partisanen abgeworfen werden, jedoch wurde das Zielgebiet in schlechtem Wetter nicht gefunden. Alle 14 Insassen, fünf Besatzungsmitglieder und 9 Passagiere, wurden getötet. Am 4. Dezember 1945 wurde eine Douglas DC-3/C-47B-10-DK der Aeroflot (CCCP-L950) während eines nächtlichen Anflugs bei Nebel und niedrigen Wolken gegen den Mast eines Radiosenders geflogen. Die Maschine stürzte nahe dem Flughafen Nowosibirsk-Sewerny (Sowjetunion) ab. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 16 Insassen getötet, vier Besatzungsmitglieder und 12 Passagiere. Am 5. November 1946 kam es bei Schlechtwetterverhältnissen und chaotischen Zuständen bei der Flugsicherung am Flughafen Moskau-Wnukowo binnen weniger als 50 Minuten zu drei Abstürzen von Passagiermaschinen der Aeroflot (Li-2 CCCP-L4181, DC-3 CCCP-L946, Li-2 CCCP-L4207). Dies geschah, nachdem die Flugzeuge jeweils mehr als 2 Stunden um den Flughafen flogen und ihnen der Treibstoff ausging. Am 5. März 1947 entschieden sich die Piloten einer Douglas DC-3/C-47B-10-DK der Aeroflot (CCCP-L952) auf dem Flug von Tiflis nach Moskau, die Strecke abzukürzen und über den Hauptkamm des Kaukasus (Sowjetunion) zu fliegen. Die Maschine flog in Wolken ein und prallte gegen einen Berghang. Durch diesen CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 23 Insassen getötet, vier Besatzungsmitglieder und 19 Passagiere. Das Wrack wurde erst ein Vierteljahr später zufällig gefunden, am 20. Juni 1947. Am 22. April 1947 kam es bei einer Douglas DC-3 der Aeroflot (CCCP-L1204) während eines Fluges über der sibirischen Tundra zu einem Ausfall beider Triebwerke und einem totalen Stromausfall. Die Maschine musste in einem menschenleeren Gebiet auf der Taimyrhalbinsel notgelandet werden. Die Notlandung überlebten alle 34 Insassen, jedoch konnte die Maschine von den Behörden zunächst nicht gefunden werden. Neun Männer, die nach vier Tagen losgezogen waren, um Hilfe zu holen, starben. Die restlichen Insassen konnten 20 Tage nach der Notlandung lebend geborgen werden. Am 16. Mai 1947 wurde eine Douglas DC-3/C-47A-1-DK der Aeroflot (CCCP-L1048) bei Anflugbedingungen unter den vorgeschriebenen Wetterminima am Flughafen Chabarowsk (Sowjetunion) gegen den Turm einer Rundfunkstation geflogen und stürzte ab. Durch diesen CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 22 Insassen getötet, fünf Besatzungsmitglieder und 17 Passagiere.
1950er-Jahre Am 12. August 1951 stürzte eine Lissunow Li-2 der Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-L4314) nach einem zweifachen Triebwerksausfall beim Flugplatz Wiljuisk ab. Zwei der sechzehn Personen an Bord starben.Unfallbericht Li-2 CCCP-L4314, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 10. November 2017. Am 30. April 1953 musste eine Iljuschin Il-12P der Aeroflot (CCCP-L1777) auf dem Flug von Moskau zum Flughafen Kasan im Anflug infolge eines Vogelschlags in der Wolga notgewassert werden. Die Notwasserung überlebten alle 23 Insassen, jedoch ertrank ein mit einem dicken Mantel bekleideter Fluggast später in dem Fluss. Am 15. August 1957 kollidierte eine Iljuschin Il-14 der Aeroflot (СССР-L1874) im Endanflug auf den Flughafen Kopenhagen-Kastrup mit einem Schornstein des Kraftwerks H.C. Ørsted Værket und stürzte ins südliche Hafenbecken von Kopenhagen. Die Maschine kam vom Flughafen Riga-Spilve. Alle 23 Insassen kamen ums Leben (siehe auch Aeroflot-Flug 103).Unfallbericht IL-14 СССР-L1874, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. November 2017.
mini|Die am 15. August 1958 verunglückte Maschine Am 15. August 1958 verunglückte eine Tupolew Tu-104 der Aeroflot (CCCP-L5442) auf dem Flug von Chabarowsk nach Irkutsk, wobei alle 64 Insassen starben, zehn Besatzungsmitglieder und 54 Passagiere. Die Piloten waren in eine Zone mit Schlechtwetterbedingungen eingeflogen. Die Maschine geriet in starke Aufwinde, wodurch es zum Triebwerksausfall und Strömungsabriss kam. Am 17. Oktober 1958 stürzte eine Tupolew Tu-104A der Aeroflot (CCCP-42362) auf dem Flug zwischen Peking und Moskau-Wnukowo nach der Zwischenlandung auf dem Flughafen Omsk bei Kanasch, Sowjetunion ab. Alle 71 Fluggäste sowie die neunköpfige Besatzung kamen ums Leben. Die Maschine stieg aus einer Höhe von etwa 10.000 m beim Durchfliegen eines starken Aufwindes unerwartet auf ca. 12.000 m und geriet in einen unkontrollierbaren Flugzustand. Durch den daraufhin zu hohen Anstellwinkel fielen beide Triebwerke aus, die Maschine sackte ab, ging in einen steilen Sturzflug über und prallte nahe km 636 der Eisenbahnstrecke Moskau–Kasan mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden (siehe auch Flugunfall bei Kanasch).Unfallbericht TU-104A CCCP-42362, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. August 2017. Am 16. November 1959 verunglückte eine Antonow An-10 der Aeroflot (CCCP-11167) auf dem Inlandslinienflug von Moskau bei der Landung auf dem Flughafen Lwiw, wobei alle 40 Insassen starben. Der Absturz ereignete sich, weil der Anstellwinkel am Höhenleitwerk unter den herrschenden Vereisungsbedingungen überkritische Werte erreichte. Nach dem Ausfahren der Landeklappen senkte die Maschine ihre Nase und ging in einen Sturzflug über, aus dem sie aufgrund der geringen Flughöhe nicht mehr abgefangen werden konnte (siehe auch Aeroflot-Flug 315 (1959)).
1960er-Jahre Am 26. Februar 1960 verunglückte eine Antonow An-10 der Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-11180) auf dem Inlandslinienflug von Moskau bei der Landung auf dem Flughafen Lwiw, wobei 32 der 33 Insassen starben. Der Absturz ereignete sich, wie schon im Vorjahr bei einer baugleichen Maschine auf einem Flug mit derselben Flugnummer, weil der Anstellwinkel am Höhenleitwerk unter den herrschenden Vereisungsbedingungen überkritische Werte erreichte. Nach dem Ausfahren der Landeklappen senkte die Maschine ihre Nase und ging in einen Sturzflug über, aus dem sie aufgrund der geringen Flughöhe nicht mehr abgefangen werden konnte.
Am 10. Dezember 1960 verunglückte eine Antonow An-2T der Aeroflot (CCCP-33181), mit der ein Flug von Semipalatinsk nach Abai durchgeführt wurde. Die Maschine war ohne einen gültigen meteorologischen Bericht gestartet und traf entlang der Flugstrecke auf sehr schwierige Wetterbedingungen. Als 45 Kilometer vom Startflughafen eine Kehrtwende für die Umkehr nach Semipalatinsk geflogen wurde, bewegten sich mehrere Passagiere in den hinteren Rumpfbereich zur Bordtoilette. Hierdurch kam es zu einer Schwerpunktverlagerung, die zu einem Strömungsabriss und schließlich zum Absturz der Maschine führte. Alle 12 Insassen kamen ums Leben.
Am 16. März 1961 musste eine Tupolew Tu-104B der Aeroflot (CCCP-42438) nahe dem Flughafen Swerdlowsk-Kolzowo notlanden. In einer Höhe von etwa 150 Metern fiel kurz nach dem Start das rechte Triebwerk aus. Die Piloten stellten jedoch versehentlich das linke Triebwerk ab. Ohne Triebwerksleistung kam es zur Notlandung auf einem kleinen gefrorenen See, über den die Maschine 870 Meter weit rutschte und dann mit Bäumen und einem Haus kollidierte. Fünf der 51 Insassen und zwei Personen am Boden kamen dabei ums Leben (siehe auch Aeroflot-Flug 068).
Am 17. Dezember 1961 berührte auf einem Flug einer Iljuschin Il-18 der Aeroflot (CCCP-75654) von Moskau nach Sotschi einer der Piloten versehentlich in Reiseflughöhe den Hebel zur Aktivierung der Landeklappen. Die Klappen wurden daraufhin auf 40 Grad voll ausgefahren, wodurch es zum Kontrollverlust und Absturz kam. Alle 59 Insassen der Maschine starben.
Am 27. Januar 1962 stürzte eine Antonow An-10A der Aeroflot (CCCP-11148) einen Kilometer südwestlich des Flughafens Uljanowsk-Baratajewka (Sowjetunion) ab. Auf dem Flug zum Nachtflug-Training ging kurz nach dem Abheben der Propeller Nr. 4 (rechts außen) in den Umkehrschub, woraufhin die Maschine 1090 Meter hinter der Startbahn aufschlug. Von den 14 Insassen wurden 13 getötet, es überlebte nur einer der Auszubildenden; die vier Ausbilder sowie neun Pilotenanwärter kamen ums Leben.
Am 30. Juni 1962 stürzte eine Tupolew Tu-104 der Aeroflot (CCCP-42370) auf dem Flug von Belaja nach Omsk nahe Krasnojarsk ab, wobei alle 84 Personen an Bord getötet wurden. Während offizielle Stellen von einem Absturz nach einem Brand im Cockpit berichteten, ließen physische Befunde auf einen versehentlichen Abschuss schließen.
Am 6. Juli 1962 kam es bei einer Iljuschin Il-14 der Aeroflot (CCCP-91554) auf dem Flug von Buxoro nach Taschkent zur Bruchlandung nach einem Triebwerksausfall, wobei 11 der 38 Insassen starben (siehe auch Aeroflot-Flug 40).Unfallbericht IL-14 CCCP-91554, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Juni 2020.
Am 28. Juli 1962 wurde eine Antonow An-10A der Aeroflot (CCCP-11186) 21 Kilometer südöstlich des Zielflughafens Sotschi (Sowjetunion) in einer Höhe von 610 Metern in einen Hügel geflogen. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 81 Insassen, sieben Besatzungsmitglieder und 74 Passagiere, getötet.
Am 7. August 1962 wurde eine Tupolew Tu-114D der Aeroflot (CCCP-76479) auf dem Flughafen Moskau-Wnukowo (Sowjetunion) bei Wartungsarbeiten irreparabel beschädigt, als das Bugfahrwerk plötzlich eingefahren wurde. Ein junger Ingenieur arbeitete an der Elektronik des Flugzeugs und schaffte es irgendwie, den Schutzmechanismus zu umgehen, der das Einfahren des Fahrwerks am Boden verhinderte. Über Personenschäden ist nichts bekannt, es gab jedoch keine Todesfälle.Unfallbericht Tu-114 CCCP-76479, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 26. Januar 2025.
Am 8. Februar 1963 stürzte eine Antonow An-10A der Aeroflot (CCCP-11193) 10 Kilometer östlich des Flughafens von Syktywkar (Sowjetunion) in einen Wald. Die Maschine war auf einem nächtlichen Prüfungsflug im Endanflug, als die Triebwerke 1, 2 und 3 wegen Vereisung der Triebwerkseinläufe ausfielen. Es kam zum Strömungsabriss und Absturz, wobei alle 7 Besatzungsmitglieder, die einzigen Insassen, ums Leben kamen.