Nowy Kościół (deutsch Neukirch an der Katzbach) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Świerzawa in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es liegt im Bober-Katzbach-Gebirge, etwa achtzig Kilometer westlich von Breslau, sieben Kilometer südwestlich von Złotoryja (Goldberg) und sieben Kilometer nordnordwestlich von Świerzawa (Schönau an der Katzbach).

Geologie mini|hochkant|Rosenkranzkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Neukirch (Aufnahme 2010) mini|hochkant=0.75|Achat, vermutlich aus dem Bach ‚Höllengraben‘, der südlich des Ortes an der linken Seite in die Kaczawa (Katzbach) mündet.

Die malerischen Ufer der Katzbach im Bereich von Neukirch sind von Felsformationen verschiedener Zusammensetzung umsäumt; häufig kommt hier Rotliegendes zum Vorschein.Ernst Heinrich von Dechen: Ueber das Vorkommen des Goldes in Nieder-Schlesien. In: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Band 2, Berlin 1830, S. 209–233, insbesondere S. 214 (Google Books). In den Steinbrüchen der Umgegend wird Gestein für gewerbliche Zwecke abgebaut. Schon am Anfang des 19. Jahrhunderts war hier ein Marmorbruch.Christian Friedrich Emanuel Fischer: Geographisch-statistisches Handbuch über Schlesien und die Grafschaft Glatz. Band 1, Graß, Barth & Comp., Breslau/Jauer 1817, S. 267 (Google Books). Für Sammler ist am linken Ufer südlich von Neukirch bei Rosenau ein Porphyrberg, von dem der kleine Bach ‚Höllengraben‘ herabfließt, von Interesse: Im Bett des auch ‚Höllenbach‘ genannten Rinnsals kommt in großen Mengen Porphyr-Geröll vor. Das äußerlich unansehnliche Gestein enthält im Inneren schöne Fortifikations-Achate, die durch Feinschliff und Politur auf Hochglanz gebracht werden können.Jäkel: Ueber die in der Umgegend von Liegnitz vorkommenden Mineralien und ihre technische Anwendung. In: Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, Band 31, Breslau 1853, S. 51–61, insbesondere S. 57–58 (Google Books).

Geschichte Ältere Ortsbezeichnungen sind Nova ecclesia (1817,Neukirch an der Katzbach/Nowy Kościół (uni-oldenburg.de) 1228,Hans Lutsch: Die Kunstdenkmäler des Reg.-Bezirks Liegnitz. Korn, Breslau 1891, S. 429–439 (Google Books). 1307) und Nevenkirch (1419). Im Besitz von Neukirch befand sich am Ende des 12. Jahrhunderts Wittich von Zirn, von dem bekannt ist, dass er um 1200 seine Tochter Jutta dem Dietrich von Zedlitz aus dem sächsischen Vogtland zur Frau gab. Das Ehepaar ließ sich in Maiwaldau nieder und hatte neun Söhne, weshalb Dietrich als Ahnherr des schlesischen Familienzweigs der Zedlitz gilt.Theodor Donath: Erdmannsdorf . Oertel, Hirschberg i. Schles. 1887, S. 20–21 (Google Books).C. K...e in Leipzig: Die evangelische Kirche in Schlesien, insbesondere die Verdienste der freiherrl. Familie v. Zedlitz-Neukirch um dieselbe. Aus geschichtlichen Quellen und Urkunden. In: Schlesische Provinzialblätter. Neue Folge. Vierter Band. Breslau 1865, S. 672–681, insbesondere S. 673 (Google Books). Peter von Zedlitz, einer der neun Söhne, wirkte später in Neukirch als Pfarrer.Grosses Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Verlegt von Johann Heinrich Zedler, Band 61: Zas – Zet, Leipzig/Halle 1749, Sp. 313–314 (Google Books)

Um das Jahr 1300 wurde Neukirch von der Familie von Zedlitz aufgekauft, die sich seither Zedlitz-Neukirch nannte. Mit einer Unterbrechung in den Jahren 1608–1719 blieb die Familie in der Folgezeit bis zur Separation der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse im Alleinbesitz der Ortschaft; das Rittergut Neukirch besaß die Familie noch bis 1945.

Am 16. September 1895 wurde die Teilstrecke Goldberg – Schönau a. d. Katzbach der Eisenbahn-Nebenlinie Goldberg – Merzdorf für den Personen- und Güterverkehr eröffnet, an der Neukirch a. d. Katzbach eine Haltestelle hatte.Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen, Nr. 72, Berlin, 14. September 1895, S. 655 (Google Books).

Das Rittergut Neukirch befand sich am Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz einer Freifrau von Zedlitz-Neukirch, die es von einem Gutsverwalter verwalten ließ.C. Leuchs: Adreßbuch von Schlesien, Band 9, Nürnberg, 9. Ausgabe: 1903/1907, S. 698 (Google Books). Am 1. April 1927 betrug die Flächengröße des Ritterguts Neukirch 666 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 114 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 420 (Google Books). Außer dem Rittergut gab es in Neukirch noch eine Reihe weiterer Landgüter.

Um 1930 hatte Neukirch fünf Gasthäuser, fünf Gemischtwarenhändler, eine Reihe von Handwerksbetrieben, Lieferanten und Dienstleistern sowie Kalkindustrie.Klockhaus: Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 B, Berlin 1935, S. 1682 (Google Books). Die Zementfabrik der Schlesischen Portland-Zement AG in Neukirch war 1927 stillgelegt worden.Zeitschrift des Königlich preussischen statistischen Landesamts, Band 69, Berlin 1930, S. 179, rechte Spalte oben (Google Books).

Im Jahr 1945 gehörte Neukirch zum Kreis Goldberg des Regierungsbezirks Liegnitz in der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs. Neukirch war Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks.

Nach Besetzung der Region gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee im Frühjahr 1945 wurde Neukirch seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Neukirch vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 1013 Dorf, Vorwerk und Kolonie, mit zwei Mutterkirchen, adlige BesitzungAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 325, Ziffer 2284 (Google Books). 1825 1058 darunter zwölf Katholiken; Dorf mit 189 Häusern, einem Schloss, vier Vorwerken, einer evangelischen Kirche (Bethaus) und einer katholischen Mutterkirche, im Besitz des Wilhelm Konrad Gottlieb Freiherr von Zedlitz-NeukirchJohann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 507 (Google Books). 1840 1260 darunter 38 Katholiken; Dorf mit 194 Häusern, einem Schloss, zwei Vorwerken in Oberneukirch, einem Vorwerk in Niederneukirch, einer evangelischen Pfarrkirche und einer katholischen Mutterkirche, im Besitz des Freiherrn von Zedlitz-Neukirch.Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 438 ( Google Books). 1852 1437 Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 421 (Google Books). 1867 1521 am 3. Dezember; davon 1450 in der Landgemeinde und 71 im Gutsbezirk 1871 1479 am 1. Dezember; davon 1383 in der Landgemeinde (1340 Evangelische, 43 Katholiken) und 96 im Gutsbezirk (86 Evangelische, 10 Katholiken)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 238–239, Ziffer 24 (Google Books), und S. 240–241, Ziffer 62 (Google Books). 1905 1332 am 1. Dezember; davon 1241 in der Landgemeinde, darunter 1150 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und 91 Katholiken (58 mit deutscher Muttersprache, 32 mit polnischer Muttersprache, ein Katholik spricht Deutsch und eine andere Sprache), sowie 111 im Gutsbezirk, darunter 95 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und 16 Katholiken (acht mit deutscher und acht mit polnischer Muttersprache)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Provinz Schlesien, Berlin 1908, S. 324–325, Ziffer 18 (Google Books), und S. 326–327, Ziffer 52 (Google Books). 1910 1407 am 1. Dezember, davon 1295 in der Landgemeinde und 112 im Gutsbezirk 1933 1608 1939 1574

Religionen Die Gemeinde Neukirch war eine der ersten, die die Reformation annahmen.Wilhelm Hoffmann, W. Pahl, R. Pfaff: Beschreibung der Erde nach ihrer natürlichen Beschaffenheit, ihren Erzeugnissen, Bewohnern und deren Wirkungen und Verhältnissen, wie sie jezt sind – Ein Hand- und Lesebuch für jeden Stand. Band 2, Teil 2, Schweizerbart, Stuttgart 1838 (Google Books). An die hiesige Kirche berief am 12. September 1518 Georg von Zedlitz den wohl ersten lutherischen Prediger in Schlesien, Melchior Hoffmann; die Kirche wurde erst wieder katholisch im Rahmen der auf den Dreißigjährigen Krieg folgenden Gegenreformation, als kaiserlich-bischhöfliche Kommissare das Gebäude am 2. März 1654 auch hier konfiszierten.Siegesmund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens, Dritten Theils Zweiter Haupt-Abschnitt, welcher die Protestantische Kirchen- und Prediger-Geschichte der Stadt und des Fürstenthums Jauer in sich begreift. Liegnitz, 1784, S. 116–118 (Google Books). Wegen des Mangels an Katholiken verfiel die Kirche seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts und war um 1890 nur noch eine Ruine.

Die neue evangelische Pfarrkirche, mit deren Erbauung 1742 begonnen worden war, wurde am 27. Oktober 1743 eingeweiht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts betreute Pfarrer Noack die evangelische Gemeinde. Das evangelische Deutschland, Schulze & Co., Leipzig 1898, S. 366 (Google Books).

Persönlichkeiten Wilhelm von Zedlitz-Neukirch (1811–1880), Rittergutsbesitzer und Politiker, in Neukirch geboren Fritz Kühne (1883–1972), Generalleutnant der Wehrmacht, in Neukirch geboren

Literatur Neukirch an der Katzbach, Dorf und Rittergut, Kreis Schönau, Regierungsbezirk Liegnitz, Provinz Schlesien. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Neukirch (meyersgaz.org). Schlesisches Güter-Adreßbuch, Fünfte Ausgabe, Korn, Breslau 1894, S. 335, Ziffer 2981 (Google Books). Hans Lutsch: Die Kunstdenkmäler des Reg.-Bezirks Liegnitz. Korn, Breslau 1891, S. 429–439 (Google Books). Johannes Grünewald: Beiträge zur Kirchen- und Pfarrgeschichte von Neukirch an der Katzbach, Stuttgart 1962.

Weblinks

Amtsbezirk Neukirch (Territorial.de) Neukirch an der Katzbach/Nowy Kościół (uni-oldenburg.de)

Einzelnachweise

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