Kurt Paul Dietrich Jung-Alsen (* 18. Juni 1915 in TutzingGeburtsregister Standesamt Tutzing, Nr. 18/1915; † 17. Dezember 1976 in Berlin-MitteSterberegister Standesamt Berlin-Mitte, Nr. 2121/1976) war ein Schauspieler, Theaterregisseur und Intendant. Seit den 1950er-Jahren arbeitete er als Regisseur für die DEFA, seit Anfang der 1960er-Jahre vor allem als Regisseur für den DFF.

Leben und Werk Kurt Jung-Alsen war der Sohn des Theatermachers Paul Eger und der Sängerin Herta Alsen. Nach dem Abitur am Berliner Bismarck-Gymnasium (1934) und einer Ausbildung als Schauspieler am Scala-Seminar in Wien unter Rudolf Beer spielte Jung-Alsen ab 1935 unter anderem in Salzburg und Wien, Tilsit, Neustrelitz, Brandenburg und Zwickau. Seit 1943 leistete er Kriegsdienst, geriet 1945 in Gefangenschaft und leitete in dieser Zeit das deutsche Theater in Rimini. 1946 wurde er entlassen.

Im Frühjahr 1947 arbeitete Jung-Alsen als Sprecher und Spielleiter beim Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig. Im Anschluss wirkte er an den Bühnen der Stadt Gera und der Deutschen Volksbühne in Erfurt. Von 1948 bis 1951 war er Intendant am Landestheater Altenburg und von 1952 bis 1954 Intendant am Landestheater Sachsen-Anhalt in Halle.

Ab 1954 arbeitete Kurt Jung-Alsen für die DEFA. Sein bekanntester Kinofilm ist Betrogen bis zum jüngsten Tag (1957) nach Franz Fühmanns Novelle Kameraden (1955). Im Mittelpunkt des Films steht die innere Verfassung von Wehrmachtsoldaten. Interessant ist der Film auch deshalb, weil er auf den Filmfestspielen von Cannes 1957 gezeigt wurde, auf Betreiben der Bundesrepublik, die auf ihrem Alleinvertretungsanspruch für Deutschland bestand, jedoch nicht im Wettbewerb laufen durfte. 1962 beendete Jung-Alsen seine Tätigkeit für die DEFA und arbeitete in den folgenden Jahren maßgeblich als Regisseur für den Deutschen Fernsehfunk.

Darüber hinaus trat er hin und wieder auch als Filmschauspieler in Erscheinung, so in Konrad Wolfs Professor Mamlock, in Meine Stunde Null an der Seite von Manfred Krug oder in der Polizeiruf-Folge Verbrannte Spur. 1973 wurde ihm der Heinrich-Greif-Preis verliehen.

Kurt Jung-Alsen starb während der Dreharbeiten zu dem Film der Reihe „Polizeiruf 110“ Des Alleinseins müde, die dann von Helmut Krätzig abgeschlossen wurden.

Bereits 1975 erwarb die Deutsche Akademie der Künste in Ost-Berlin Kurt Jung-Alsens rund 3600 Bände umfassende Bibliothek. Mit ihren Erstausgaben und Zeitschriften aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts (Expressionismus, Dada, Bauhaus) gehört sie auch heute zu den herausragenden Beständen der Akademiebibliothek. Jung-Alsens Kunstsammlung wurde 1992 in Berlin versteigert.Maximilian Bach: Expressionismus, Dada, Bauhaus. Die bibliophile Sammlung Kurt Jung-Alsen in der Bibliothek der Akademie der Künste (Berlin). In: Aus dem Antiquariat, Neue Folge 24, 2026, S. 53–62.

Filmografie (Auswahl) Regisseur Fernsehfilme, wenn nicht anders angegeben 1954: Das Stacheltier: Ede sonnabends (auch Drehbuch) 1955: Wer seine Frau lieb hat … 1955: Das Stacheltier: Letztes Fach unten rechts 1956: Drei Mädchen im Endspiel 1956: Das Stacheltier: Der weiche Artur 1957: Betrogen bis zum jüngsten Tag (DEFA) 1957: Polonia-Express (auch Drehbuch) 1959: Die Premiere fällt aus 1959: Der kleine Kuno 1960: Hochmut kommt vor dem Knall 1960: Die heute über 40 sind (auch Drehbuch) 1961: Der Ermordete greift ein (TV, auch Drehbuch) 1962: Der Schwur des Soldaten PooleyDer Schwur des Soldaten Pooley Fernsehen der DDR (Memento) 1963: Lucie und der Angler von Paris 1963: Geheimarchiv an der Elbe (auch Drehbuch) 1964: Das Mädchen aus dem Dschungel (Serie) 1965: Ballade vom roten Mohn 1966: Schatten über Notre Dame (Serie)Schatten über Notre-Dame Fernsehen der DDR (Memento) 1966: Emilia Galotti 1968: Androklus und der Löwe 1969: Die Dame aus Genua (auch Drehbuch) 1970: Fisch zu viert 1972: Die Bilder des Zeugen Schattmann (auch Drehbuch) 1974: Das Geheimnis des Ödipus (auch Drehbuch) 1974: Visa für Ocantros (auch Drehbuch) 1974: Polizeiruf 110: Fehlrechnung (Tauch Drehbuch) 1975: Im Schlaraffenland (auch Drehbuch) 1976: Keine Hochzeit ohne Ernst (auch Drehbuch)Keine Hochzeit ohne Ernst (Bunbury) Fernsehen der DDR (Memento) 1977: Polizeiruf 110: Des Alleinseins müde (mit Helmut Krätzig)

Darsteller 1951: Die Meere rufen 1954: Gefährliche Fracht 1961: Professor Mamlock 1968: Stunde des Skorpions 1970: Meine Stunde Null 1972: Polizeiruf 110: Verbrannte Spur 1974: Das Geheimnis des Ödipus

Theater 1951: Herb Tank: Tanker Nebraska – (Theater am Schiffbauerdamm Berlin) 1955: Arnold Zweig: Bonaparte in Jaffa (Volksbühne Berlin) 1956: Wsewolod Wischnewski: Die erste Reiterarmee (Volksbühne Berlin) 1957: Caron de Beaumarchais: Der tolle Tag (Volksbühne Berlin)

Hörspiele 1954: Molière: Der Bürger als Edelmann (Hörspiel – Rundfunk der DDR)

Literatur Maximilian Bach: Expressionismus, Dada, Bauhaus – Die bibliophile Sammlung Kurt Jung-Alsen in der Bibliothek der Akademie der Künste (Berlin), in: Aus dem Antiquariat N. F. 24,2 (2026), S. 53–62. Christian Ernst: Das Geheimnis des Ödipus (1974) und Der Fall Ö (1991) – Ein Vergleich von zwei Filmen mit der literarischen Vorlage der Erzählung König Ödipus (1966) von Franz Fühmann, in: Paul Alfred Kleinert (Hrsg.): Filmwelten Franz Fühmanns. Leipzig / Berlin 2022, S. 133–152. Irina Gradinari: Kinematografie der Erinnerung. Band 2: Den Zweiten Weltkrieg erzählen, Neue Perspektiven der Medienästhetik, Wiesbaden 2021. Rudolf Jürschik: Der unwürdige Ort. Franz Fühmanns Arbeit für den Film. In: apropos: Film 2003 - Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung. Bertz + Fischer-Verlag, Berlin 2003, S. 82–105. Michael Grisko: „Verfilmtes Sündenbabel. Heinrich Manns Roman Im Schlaraffenland im Fernsehen“, in: Heinrich Mann-Jahrbuch 16 (1998), S. 39–60. Hartmut Pätzke: „Der Bibliophile, Kunstsammler und Regisseur Kurt Jung-Alsen. Gedanken zu seiner Bibliothek (NB kja 1–3536+23) in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste“, in: Imprimatur. Ein Jahrbuch für Bücherfreunde N. F. 22 (2011), S. 317–336. Elke Schieber (Hrsg.): Recherche zu einem Fernsehfilm. Die Bilder des Zeugen Schattmann, Potsdam 2007. Ursula Schoop: „Jung-Alsen, Kurt“, in: Gabriele Baumgartner und Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990, Bd. 1, München u. a. 1996, S. 365. „Kurt Jung-Alsen“, in: Raimund Fritz (Hrsg.): Der geteilte Himmel. Höhepunkte des DEFA-Kinos 1946–1992. Band 2. Essays zur Geschichte der DEFA und Filmografien von 61 DEFA-RegisseurInnen, Wien 2001, S. 227.

Weblinks

Kurt Jung-Alsen Biografie auf der Website der DEFA-Stiftung

Einzelnachweise

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