Amakondera (Kinyarwanda, Plural) in Ruanda, amakondere oder amakondeere im südlichen Uganda, amagwara in Busoga, ist ein Ensemble aus fünf bis acht unterschiedlichen, quer geblasenen Naturtrompeten und zwei Trommeln, die früher Zeremonialensembles der Königtümer von Ruanda, Buganda, Busoga, Bunyoro, Toro, Ankole und des bis Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden Häuptlingstums Kooki bildeten. Eine amakondera-Trompete in Ruanda besteht aus einer Bambusröhre mit einem angesetzten Schallbecher aus einer Kalebasse. In Buganda wird eine Trompete (Singular ekkondere) nur aus einer schlauchförmigen Kalebasse und in anderen Regionen aus mehreren verbundenen Kalebassen oder aus Holz gefertigt. Jede Trompete kann zwei Töne produzieren. Die Einführung der amakondere wird in der mündlichen Überlieferung mit der Ankunft nilotischer Völker im Zwischenseengebiet im 15./16. Jahrhundert verbunden. Außer den Königen besaßen auch bedeutende Clanoberhäupter die Erlaubnis, an ihrem Wohnsitz Trompetenensembles auftreten zu lassen. Heute werden die Trompeten hauptsächlich zur Begleitung von Unterhaltungstänzen geblasen. mini|Eine Trompete des amakondera-Ensembles in Ruanda, möglicherweise vom Typ incuragane. Die vorstehende Hülse am oberen Ende bildet das Daumenloch für den zweiten Ton. Afrikamuseum in Tervuren, Belgien

Herkunft und Verbreitung mini|hochkant|Längs geblasene Holztrompete mit Kalebassen-Schallbecher aus Äthiopien. Die Form ist der zylindrischen Holztrompete asukusuk der Iteso in Uganda ähnlich, die Stabilisierungsleisten entsprechen der waza der Berta an der äthiopisch-sudanesischen Grenze Die in einer großen Formenvielfalt vorhandenen autochthonen afrikanischen Blasinstrumente gehören nach der Tonerzeugung zu den Flöten oder zu den Blechblasinstrumenten (Hörner, Trompeten).Bernhard Ankermann: (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Facultät der Universität Leipzig) Haack, Berlin 1901, S. 34f Die in Nordafrika und Ostafrika vorkommenden Doppelrohrblattinstrumente (Kegeloboen) stammen ursprünglich aus der islamisch-orientalischen Musikkultur, darunter vor allem die bis in die westliche Sudanregion verbreitete algaita (in Tschad, Nigeria und Kamerun) und die entlang der ostafrikanischen Küste gespielte nzumari (in Somalia, Kenia, Tansania und vereinzelt bis Madagaskar).

Generell spielten Ensembles mit mehreren Blasinstrumenten in Afrika überwiegend höfische zeremonielle Musik. Neben ihren musikalischen Aufgaben gehörten die Blasorchester zu den Insignien des Herrschers. Dies gilt gleichermaßen für die aus den islamischen oder aus den schwarzafrikanischen Traditionen stammenden Ensembles. Zur erstgenannten, in der Sudanregion verbreiteten Tradition zählen das Repräsentationsorchester mit der langen Metalltrompete kakaki, der Kegeloboe algaita und mehreren Trommeln bei den Hausa, bei den Fulbe als ganyal bekannt, und das algaita-ganga-Ensemble mit einem Trommelsatz ganga, aber ohne Langtrompeten in derselben Region.Alfons Michael Dauer, 1985, S. 56, 68 Im Unterschied hierzu bestehen die zu alten afrikanischen Traditionen gehörenden Blasorchester mehrheitlich aus Blasinstrumenten der gleichen Kategorie: entweder nur Flöten oder nur Trompeten in unterschiedlichen Größen und Tonhöhen.Alfons Michael Dauer, 1985, S. 14

Flötenensembles Bei Eintonflötenensembles spielen Flöten oder Pfeifen, die jeweils einen Ton von unterschiedlicher Höhe hervorbringen, kurze melodische Phrasen oder Akkordfolgen. Die älteste Beschreibung eines solchen Flötenensembles gab Vasco da Gama, der auf seiner Seereise nach Indien 1497 in Südafrika an Land ging und von den Khoisan mit Musik begrüßt wurde.Percival R. Kirby: The Reed-Flute Ensembles of South Africa: A Study in South African Native Music. In: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Band 63, Juli–Dezember 1933, S. 313–388, hier S. 386 Bekannt ist der tshikona-Nationaltanz der südafrikanischen Venda, bei dem über 20 unterschiedlich lange Eintonflöten nanga aus Pflanzenrohr die Melodie produzieren.Andrew Tracey, Laina Gumboreshumba: Transcribing the Venda Tshikona Reedpipe Dance. In: African Music: Journal of the International Library of African Music, Band 9, Nr. 3, 2013, S. 25–39

Die relativ seltenen Eintonflötenensembles sind einschließlich entsprechender Panflötenensembles außerdem vereinzelt in Ostafrika und Richtung Westen in Kamerun, Nigeria und Tschad anzutreffen.Peter Cooke: Stopped flute ensembles. In: Grove Music Online, 2001 Die yua ist eine mehrtönige Kerbflöte, die in Nordghana gelegentlich in Flötenensembles gespielt wird. Die Spielweisen der Flötenensembles sind ähnlich. Die einzelnen Töne der Flöten bilden hoquetusartig sich überlagernde Tonfolgen. Eine musikalische Entsprechung ist auch das Wechselspiel zwischen der Eintonflöte hindewhu und einer Gesangsstimme bei den Ba-Benzele, einem Pygmäenvolk in der Zentralafrikanischen Republik.

Die Holzflöte urusengo (Plural insengo) in Ruanda wird trotz ihrer Länge von nur 15 Zentimetern wie eine Holztrompete hergestellt. Ein Zweig wird längs halbiert, innen konisch ausgehöhlt, wieder zusammengefügt, mit einer Faser umwickelt und schließlich mit einem Abschnitt der Luftröhre eines Rindes überzogen. Eine solche Flöte war früher auch bei mehreren Königtümern in Uganda in rituellem Gebrauch. Die urusengo wird quer geblasen und produziert zwei Töne, wenn das untere Ende geöffnet oder verschlossen wird.Urusengo (sing.) – insengo (pl.). Afrikamuseum, Tervuren Im Norden von Ruanda besaß das insengo-Ensemble früher eine rituelle Bedeutung für die Tutsi-Herrscher. Nur Mitglieder des Abasindi-Clans (Clan der Hutu um Ruhengeri). Die Namen der fünf Flöten dieses Ensembles stimmen teilweise mit den Namen der sieben bis neun Trommeln des ingoma-Zeremonialtrommelsatzes überein, so ishakwe, igihumulizo und indahura.Peter Cooke, Jos Gansemans: Rwanda and Burundi. 2. Instrumental music. In: Grove Music Online, 2001

Einzelne Trompeten Traditionelle Trompeten, die mehr als zwei (oder drei) Töne hervorbringen und Trompeten mit Grifflöchern kommen in Afrika vor. Die ältesten in Afrika hergestellten Trompeten sind von altägyptischen Abbildungen ab der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. bekannt und in zwei aus Silber bzw. aus vergoldeter Bronze bestehenden Exemplaren des 14. Jahrhunderts v. Chr. erhalten. Diese scheneb produzierten zwei Töne und gelten als Vorbilder für die späteren orientalischen Langtrompeten aus Metall, nafīr und karna, die wie die scheneb zeremoniell und als Signaltrompeten eingesetzt werden. Zu diesen höfischen Zeremonialinstrumenten gehört in Nordafrika neben der kakaki auch die malakat in Äthiopien.

Die entwicklungsgeschichtlich ersten und bis heute in Afrika am weitesten verbreiteten Trompeten bestehen aus Naturmaterialien, darunter sind eine Vielzahl von Tierhörnern, Schneckentrompeten, Knochentrompeten, Elfenbeintrompeten sowie Trompeten aus Kalebassen und Bambus. Die in Europa verbreiteten Holztrompeten sind in Afrika relativ selten, häufiger kommen Trompeten vor, die aus zwei Materialien bestehen, die insgesamt eine konische Röhre ergeben.Timkehet Teffera, 2009, S. 274 Alle afrikanischen Elfenbeintrompeten und ein großer Teil der Tierhörner, darunter das Antilopenhorn phalaphala im südlichen Afrika und das emouo (emowuo) der Massai in Kenia, werden quer geblasen.

Afrikanische Trompeten und Trompetenensembles gehören nicht nur traditionell zu den Zeremonialinstrumenten an Königshöfen, sondern werden auch bei magisch-religiösen Kulten geblasen, bei denen es darum geht, mit Geistern in Kontakt zu treten oder Krankheiten zu heilen. Außerdem dienen sie als Signalinstrumente bei der Jagd und sie sollen die Jäger vor Gefahren schützen. Ein quer geblasenes Jagdhorn aus einer Antilopenart ist das enzemba der Ankole im Südwesten Ugandas.Amaligi. SAMAP, South African Music Archive Project (Jagdhorn enzamba der Ankole. Tonaufzeichnung auf einer Schellackplatte von 1950) Manche Trompeten in Ostafrika werden ferner bei Initiationszeremonien und Tanzveranstaltungen eingesetzt, so etwa das quer geblasene Antilopenhorn gunda der Washambaa an der Küste im Norden von Tansania. Das gunda (auch ein regionaler Name für Schneckenhorn) wird außer als traditionelles Signalinstrument der Jäger gelegentlich im ngoma ya dumange-Ensemble („Trommel der Männer“) zusammen mit drei Trommeln und Gefäßrasseln zur Begleitung von Gesängen und Tänzen verwendet.Timkehet Teffera, 2009, S. 276, 336

In Uganda sind endgeblasene Trompeten selten und kommen nur in einigen Gegenden vor. Die Holztrompete asukusuk der Iteso mit einem zylindrischen Rohr und einem aufgesetzten Schallbecher aus einer Kalebasse ist etwa 140 Zentimeter lang. Drei oder mehr Männer spielen die asukusuk zur Tanzbegleitung. Der Name ist entweder vom Landkreis Usuku, in dem die Trompete beheimatet ist, oder von esukusuk („Hornrabe“) abgeleitet, dessen Laute sie nachahmen soll. Uluru heißt eine zylindrische Trompete aus einer Bambusröhre und drei kugelförmigen Kalebassen bei den Madi in Norduganda. Auch die uluru wird bei Tänzen gespielt.Klaus Wachsmann, 1953, S. 348, S. 363 (Tafel 82 C)

mini|Quer geblasenes Antilopenhorn aus der Demokratischen Republik Kongo. Anblasöffnung auf der konkaven Seite, Daumenloch am spitzen Ende. Vor 1922, Brooklyn Museum Von besonderer Bedeutung war die längs geblasene Zeremonialtrompete eggwara am Hof des Kabaka von Buganda mit einem von zwei Kalebassen gebildeten konischen Rohr. Die als Schallbecher angenähte größere Kalebasse und die kleinere Kalebasse sind insgesamt mit einer Rindshaut überzogen, die mit einem Muster von aufgestickten Perlen verziert ist. Hiervon ist der Zweitname akawunde abgeleitet, der sich auf einen mit Perlen verzierten Gegenstand bezieht. Die Tradition der höfischen Trompeten, der Zeremonialtrommeln mujaguzo mit dem Trommelsatz entenga und der sonstigen Zeremonialmusik der bugandischen Herrscher endete 1966 mit der Auflösung der Königtümer in Uganda und wurde erst Jahrzehnte später teilweise wiederbelebt.

Zu den quer geblasenen Trompeten gehörten neben den amakondere die von den Amba im Westen Ugandas verwendeten Elfenbeintrompeten, regional einige Holztrompeten mit Kalebassen-Schallbecher und landesweit am häufigsten Tierhörner, falls verfügbar Antilopenhörner und nur als Ersatz für diese auch Rinderhörner.Klaus Wachsmann, 1953, S. 352

In Ruanda gibt es einige Trompeten, die nicht Teil des amakondera-Ensembles sind, etwa das quer geblasene Antilopenhorn ihembe, das Jäger als Signalinstrument und vor Beginn der Großwildjagd bei Gesängen und Tänzen bliesen. Die Anblasöffnung befindet sich bei den in Zentral- und Ostafrika weit verbreiteten Antilopenhörnern immer auf der konkaven (inneren) Seite der Krümmung bei kurzen, leicht gebogenen Hörnern und in der obersten Windung bei langen spiraligen Hörnern. Wird bei der ihembe das hintere dünne Ende abgeschnitten, so kann der Spieler die Öffnung abwechselnd mit dem Daumen verschließen und so zwei Signaltöne im Abstand von etwa einer Sekunde erzeugen. Der Ton kann außerdem durch den Ansatz der Lippen gestaltet werden.Jos Gansemans, Barbara Schmidt-Wrenger, 1986, S. 74

Die übrigen ruandischen Blasinstrumente sind Flöten, so die Kernspaltflöte umwirongi aus einem zerbrechlichen Pflanzenrohr (einer Lobelien-Art, intomvu) oder Bambus mit einer Länge von 50 bis 75 Zentimetern und zwei bis fünf Grifflöchern. Damit lassen sich drei bis zehn Töne produzieren.Umwirongi (sing.) – Imyirongi (pl.). Afrikamuseum, Tervuren Es gibt auch kürzere Bambusflöten mit sechs Grifflöchern, die umwirongi genannt werden.Umwirongi / Flöte. Museum-Digital Deutschland Die kürzeste Flöte ist die nur zur Jagd verwendete ihorere ry’ abahigi aus Bambus mit gut 10 Zentimetern Länge und zwei Grifflöchern.Ihorere ry’ abahigi. Afrikamuseum, Tervuren Hinzu kommt die zum insengo-Ensemble gehörende Holzflöte urusengo.

Trompetenensembles