Die Glockengießerei Pühler war die erste von vier Glockengießereien der Herrnhuter Brüdergemeine. Begründet wurde sie durch den aus Schwabach stammenden Johann Thomas Pühler,Birgit A. Schulte: Die schlesischen Niederlassungen der Herrnhuter Brüdergemeine Gnadenberg, Gnadenfeld und Gnadenfrei: Beispiele einer religiös geprägten Siedlungsform im Wandel der Zeit. Degener, Insingen 2008. ISBN 978-3-7686-3502-8. S. 256. der sich 1767 in Gnadenberg niederließ. Gnadenberg (heute Ortsteil Godnow des Dorfs Kruszyn) war eine von zwei frühen Siedlungen der Brüdergemeine in Schlesien, die durch Preußen unmittelbar nach dem Ersten Schlesischen Krieg ermöglicht wurde.Marek J. Battek: Ansiedlung der Unitäts-Brüder in Schlesien und ihre Spuren. Typoskript: Technische Universität Breslau, 2012 pdf Die Glockengießerei wurde durch Pühlers Söhne weitergeführt und bestand bis 1860.

Johann Thomas Pühler Der Glockengießer Johann Thomas Pühler (* 3. April 1737 in Schwabach; † 8. November 1812 in Gnadenberg) wurde 1788 durch den erfolgreichen Guss einer großen Glocke für Klix bekannt.Gerhard Simmank (1977): Die Glockengießer Gruhl von Kleinwelka. Eine Studie zur Oberlausitzer Firmen- und Familiengeschichte. Mitteldeutsche Familienkunde Jg. 18, Heft 1 S. 161–172. Grundherrin von Klix war damals Agnes Sophia Reuß, die ebenfalls der Herrnhuter Brüdergemeine angehörte.Aufschrift auf der alten Glocke nach Gurlitt: Collatrix Frau Agnes Sophia Reuß, Gräfin und Herrin von Plauen, geb. Gräfin von Promnitz auf Kauppa, Klix, Salga, Leichnam, Göbeln, Manua, Lieska, Merzdorf etc. Anno CIↃ[M]IↃ[D]CCLXXXVIII gegossen von Johann Thomas Puehler aus Gnadenberg.Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Teil 31: Amtshauptmannschaft Bautzen (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 119. Bei Johann Thomas Pühler ging der später weltweit bekannt gewordene Kleinwelkaer Glockengießer Friedrich Gruhl in die Lehre. Auch der aus Gnadenfeld stammende Heinrich Philipp Liebold (1798–1878), später Glockengießer im Herrnhuter Viertel von Neuwied, ist hier wahrscheinlich um 1811 ausgebildet worden.Walter Krause: Grundriss eines Lexikons bildender Künstler und Kunsthandwerker in Oberschlesien von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Oberschlesier, Oppeln 1935. Band II, S. 21. pdf

Pühler baute ein Haus in Gnadenberg und heiratete am 19. November 1780 Maria Elisabeth (1750–1827), die Tochter des Schmieds Christian Stephan aus Ottenhain. Sie hatten fünf Kinder. Der älteste Sohn Ernst Thomas (1786–1813) übernahm zunächst den Betrieb, starb jedoch früh.

Die große Glocke in Klix wurde 1877 umgegossen. Vermutlich sind außer einer von 1801 (siehe Tabelle unten) kaum weitere Glocken von Johann Thomas Pühler erhalten und viele seiner Werke durch Umguss oder während der beiden Weltkriege verloren gegangen.

Christian Ludwig Pühler Nachfolger wurde 1813Die Greiffenberger Friedensglocke. In: Gemeindebrief Auferstehungskirche Bamberg. Juni–August 2020. S. 12–13. pdf der zweite Sohn des Firmengründers und Bruder von Ernst Thomas, Christian Ludwig Pühler (* 29. Juli 1789 in Gnadenberg; † 17. Dezember 1860 ebenda). Nach zwei durch die Brüdergemeine abgelehnten Heiratsgesuchen heiratete er am 27. Februar 1816 in Herrnhut Charlotte Marie Amalie Schlegel (1792–1867) aus Gnadau. Die Ehe blieb kinderlos.

Christian Ludwig goss eine große Anzahl an Glocken, hauptsächlich für damals evangelische Kirchen in Niederschlesien (heute in den Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus in Polen sowie im Landkreis Görlitz in Deutschland). Nach dem Tod von Christian Ludwig Pühler bot man 1860 dem aus Kleinwelka stammenden (August) Theodor Lehmann (1828–1879) die Nachfolge für die verwaiste Glockengießerei in Gnadenberg an. Lehmann entschied sich jedoch für die Glockengießerei im Herrnhuter Viertel von Neuwied und wurde dort Nachfolger von Heinrich Schippang (1798–1864). Damit brach die Glockengießer-Tradition in Gnadenberg schon 1860 ab.Birgit A. Schulte: Die schlesischen Niederlassungen der Herrnhuter Brüdergemeine Gnadenberg, Gnadenfeld und Gnadenfrei: Beispiele einer religiös geprägten Siedlungsform im Wandel der Zeit. Degener, Insingen 2008. ISBN 978-3-7686-3502-8. S. 258.

Obwohl in beiden Weltkriegen Glocken als Metallspende für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurden, sind von Christian Ludwig Pühler noch mindestens zwölf Glocken in zehn Kirchen erhalten (siehe Tabelle). Einige finden sich noch an den Originalorten, andere kamen nach 1945 als Leihglocken bis nach Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Franken.

Noch existierende Glocken In der Tabellenansicht sind die Spalten Jahr, Masse und Land des heutigen Standorts sortierbar. Die Koordinaten sind für die ursprünglichen Standorte angegeben und auch alle zusammen über das Link „Karte mit allen Koordinaten ... WikiMap“ darstellbar.

Name derGlocke undText vornText hinten Jahrgegossen für (Karte) Masse undweitere DatenAblieferungsnummerAblieferungsnummer im Zweiten Weltkrieg Land des heutigenStandorts sowieBemerkungenBild 1801 Dorfkirche Lättnitz(heute Letnicain der Gmina Świdnica) 95 kg0,4 m ø9/23/74BMarceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 602, Nr. 383 DeutschlandPfarrkirche St. Marienin Erika (Haren) 1818 Dorfkirche Rückenwaldau(heute Wierzbowain der Gmina Gromadka) 75 kg? m ø9/19/100B (109B?)Marceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 558, Nr. 305 (synonym 9/19/109B?) DeutschlandDuisburg-Beeck S. CatharinaPrae eccles: Christh.Bittner et Casp:Scholz. Iudice localiGottl: Zimmer. Ludimagistro Franc. Wolf C. L. Puehler fuditGnadenbergiae propeBoleslavia anno 1823 1823 Dorfkirche Mednitz(heute St. Sebastianin Miodnica, Gmina Żagań) ? kg0,59 m ø Polennoch vor Ort mini|100px|weitere Vaterunser Liebe soll Euch stets regieren.Die Freude wie den Kummerspricht meine Stimme aus.Sie tönt den letzten ... 1835 evangelische Kirche Bunzlau(heute katholische PfarrkircheMaria-Hilf Bolesławiec) 862 kg1,180 m øe′-Glockee1 −19/19/17BMarceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 552, Nr. 292 (dort ist als Masse 975 kg angegeben) Deutschlandseit 1952 im Südturm vonSt. Stephan (Würzburg) Dienet dem Herrn mitFreuden, kommt vor seinAngesicht mit FrohlockenPsalm 100, 2Stadt ohne Kirche 2013 (abgerufen am 14. Februar 2024) 18401854 um-gegossen evangelische StadtkircheRothenburg/Oberlausitz 250 kg ca. Deutschlandnoch vor Ort (kleinste von drei) 1844Erich Gebhardt: Die Kirche Wang im Riesengebirge und ihre Geschichte. 6. vermehrte und veränderte Auflage. Verlag der Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1924. S. 55–56. Digitalisat Stabkirche Wangin Brückenberg(heute Karpacz Górny) 75 kg Polennoch vor Ort Vater unser Vater unser, der Du bist ... 1844 Stabkirche Wangin Brückenberg(heute Karpacz Górny) 175 kg Polennoch vor Ort mini|100px|weitere Lob Christi Psalm 103, 1–4 1844 Stabkirche Wangin Brückenberg(heute Karpacz Górny) 350 kg Polennoch vor Ort mini|100px|weitere 1845 Kontopp(heute Konotop (Kolsko)) 240 kg9/23/21BMarceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 594, Nr. 369 DeutschlandJugendhaus KinderheimatKleingartach Christusglocke Erhalt uns, Herr,in Deiner Wahrheit.Eigenthum der evangelischenKirchgemeinde zu Laehn. 1845 Lähn (heute Wleń) 903 kg1,160 m øe′ - 5Glockenfinder (abgerufen am 12. Februar 2024)9/29/15BMarceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 650, Nr. 467 (dort 940 kg angegeben und kein Hinweis auf Glockengießerei; Herkunftsort und Jahr stimmen; ging an LKA Kassel) Deutschlandseit 1952? in St. Katharinain Eschwege BilderTonaufnahme SpesHebräer 10, 23Friede auf Erden Anno 1850 ward die ersteGlocke durch freiwilligeGaben umgeschmolzen undzur dritten erweitert. 1850 Grenzkirche Nieder Wiesa(heute Wieża) 560 kg0,99 m øg-GlockeDiethard Buchstädt: 50 Jahre Auferstehungskirche Bamberg 1956–2006 Festschrift. Evangelisch-Lutherisches Pfarramt Auferstehungskirche, Bamberg 2006. S. 23–28. Deutschlandzunächst in Idstein, dannseit 1956 als GreffenbergerFriedensglocke in derAuferstehungskirche Bambergmini|links|Läuten der Spes in Bamberg mini|100px|weitere 11-Uhr-Glocke Rufe getrost, erhebe deineStimme (Jesaja 55, 1) 1851Wiederaufbau auf der Website www.zerstoerung-kirche-usenheim.de (abgerufen am 11. Februar 2024; dort steht 1474) Prausnitz (heute Prusice bei Złotoryja) 230 kg9/21/77BMarceli Tureczek: Leihglocken, dzwony z obszaru Polski w granicach po 1945 roku przechowywane na terenie Niemiec. Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego, Dep. Dziedzictwa Kulturowego, Warszawa 2011. ISBN 978-83-62622-13-9. S. 578, Nr. 342 Deutschlandseit 1952 in St. Jakobin Ulsenheim (Zweite von drei) O, heiliger Geist,kehr bei uns ein,Friede ... 1860 Evangelische Kirche in Kunnersdorf 210 kg0,72 m øc″Glockenfinder (abgerufen am 12. Februar 2024) Deutschlandnoch vor Ort BilderTonaufnahme

Weblinks

Einzelnachweise Dieter Krieg: Die ehemalige Glockengießerei im Herrnhuter Viertel Neuwieds und ihre Glocken. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied. Landkreis Neuwied, Neuwied 1991. S. 44–47 Wolfgang Rudolph: Zur Geschichte der Glockegießereikunst in der Oberlausitz. Beiträge zur Heimatkunde der Westlausitz, Heft 7, Kamenz 1996. ISBN 3-910018-19-X. S. 17–24 Jörg Poettgen: Handbuch der deutschen Glockengießer und ihrer Werkstätten in den ehemaligen deutschen Ostprovinzen Pommern, Ost- und Westpreußen und Schlesien sowie Posen bis zum Jahr 1900. Schriften aus dem Deutschen Glockenmuseum Heft 7, 2010. S. 49.

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