Die Berliner Kaufmannschaft war von 1820 bis 1920 ein Zusammenschluss von Kaufleuten mit der Funktion einer Handelskammer.
Geschichte In Berlin bestanden mehrere kaufmännische Gilden, die am 25. Februar 1739 mit der "Beurse-Ordnung für die Kauffmannschafft in hiesiger Residenz Berlin" auch das Recht erhielten, eine Börse zu betreiben. Gegründet wurde die Berliner Kaufmannschaft 1820 in Berlin unter dem Namen „Korporation der Kaufmannschaft von Berlin“. Am 2. März 1820 erließ König Friedrich Wilhelm III. ein entsprechendes Statut. Die Korporation wurde Träger der Berliner Börse.
In der Kaufmannschaft schlossen sich 421 Kaufleute der Tuch- und Seidenhandlung, 531 der Spezerei- und Materialhandlung sowie die 1803 gegründete Vereinigte Börsenkorporation zusammen. Vorgesetzte Behörden waren der Magistrat der Stadt Berlin und das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe. Sie verwaltete die Angelegenheiten der Kaufmannschaft und vertrat sie nach außen. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasste die Städte Berlin und Charlottenburg. Die Leitung der Korporation erfolgte durch ein Ältesten-Kollegium.
Die neue Verfassung der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin vom 19. Februar 1898 wurde mit Allerhöchstem Erlass vom 21. März 1898 genehmigt. Danach bestand die Älteste der Kaufmannschaft aus 27 Mitgliedern.
1906 eröffnete die Kaufmannschaft die Handelshochschule Berlin.
Die Berliner Handelskammer wurde 1902 durch eine Verfügung des preußischen Handelsministers vom 19. Dezember 1901 gegründet. Die Kaufmannschaft blieb daneben bestehen. Die Älteste der Kaufmannschaft Berlin gab dabei die Börsenaufsicht an die Handelskammer ab. Das Nebeneinander beider Organisationen endete 1920. Auf der Hauptversammlung der Kaufmannschaft vom 14. Juni 1920 wurde beschlossen, dass die Kaufmannschaft zum 1. Juli 1920 auf die Handelskammer verschmolzen werden sollte. Die Handelskammer übernahm Vermögen, Mitarbeiter, die Handelshochschule und die kaufmännischen Schulen.
Gebäude Die Älteste der Kaufmannschaft hatte ihren Sitz im Börsenhaus im Lustgarten und ab 1863 im neuen Börsengebäude an der Burgstraße.
Präsidenten Franz von Mendelssohn (ab 1881) Wilhelm Herz (1895–1902) Johannes Kaempf (1903–1918) Justus Budde (1918–1920)
Literatur Christof Biggeleben: Das "Bollwerk des Bürgertums". Die Berliner Kaufmannschaft 1870-1920. (= Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 17), C.H. Beck Verlag, München 2006, ISBN 978-3-406-54993-9
Weblinks Berliner Kaufmannschaft in der Deutschen Digitalen Bibliothek Behördengeschichte beim Landesarchiv
Einzelnachweise
Kategorie:Verein (Berlin) Kategorie:Wirtschaftsverband (Deutschland) Kategorie:Vereinsgründung 1820 Kategorie:Aufgelöst 1920 Kategorie:Wirtschaftsorganisation (Preußen)