Als Kaisergeburt wird eine Variante beim Vorgehen im Rahmen eines Kaiserschnitts bezeichnet, bei der Eltern ein intensiveres Geburtserlebnis ermöglicht werden soll.Kurt Kritz, Peter Zorzi: Eine neue Art der Kaisergeburt. Universität Wien, Avisos de Viena, N o. 5 (8/2023) Dabei wird nach Öffnung der Bauchdecke und Gebärmutter für einige Minuten das aus hygienischen Gründen bei aseptisch durchgeführten Operationen angebrachte Trenntuch zwischen Mutter und operierendem Team gesenkt. In dieser Zeit können Eltern den Geburtsvorgang, der jedoch weiter durch eine Operation dominiert ist, direkt miterleben, den ersten Blickkontakt mit ihrem Kind herstellen. Das Neugeborene wird anschließend sofort auf die Brust der Mutter gelegt, wodurch ein unmittelbarer Hautkontakt und eine frühe Bindung ermöglicht werden.
Der Begriff „Kaisergeburt“ wurde von Wolf Lütje, dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG e.V.) zum Unwort des Jahres 2013 erklärt.DGPFG-Stellungnahme: Unwort des Jahres: Kaisergeburt, vom 7. Januar 2014.Wolf Lütje: „Kaisergeburt“ – das Unwort des Jahres 2013. Hebamme 27 (1): 10. doi:10.1055/s-0033-1361494 Kritisiert wird eine vorgetäuschte „Chimäre von Kaiserschnitt und Geburt“, um die Schnittentbindung zu propagieren und einer natürlichen Geburt gleichzustellen.
Der erste Ansatz zur Modifizierung des Kaiserschnitts wurde 2008 vom Australier Nick FiskJ. Smith, F. Plaat, N. Fisk: Natural Cesarean. In: BJOG. An International Journal of Obstetrics and Gynaecology. Band 115, 2008, Nr. 8, S- 1037–1038. beschrieben und als „natürlicher Kaiserschnitt“ bezeichnet und in weiteren ArbeitenIn pictures: Natural caesarean December 20th 2007 BBCPlanning for a 'Natural Caesarean Balaskas Janet, September 15th 2014Hendry Joene "Natural" cesarean mimics vaginal birth experience in Reuters August 28th publiziert oder rezipiert. Basierend auf dieser Studie beschloss Wolfgang HenrichJulia Schaaf: Aufgepasst, hier kommt Ihr Sohn! in FAZ 09. 02. 2013 Leiter der Geburtsmedizin an der Berliner Charité, im Jahr 2012 erstmals, den Sichtschutz während eines Kaiserschnitts kurzzeitig zu senken. Das Ziel war es, ein Geburtserlebnis zu ermöglichen, das trotz Kaiserschnitts so nah wie möglich an einer vaginalen Geburt liegt, einschließlich positiver Emotionen und direktem Hautkontakt. Die Modifikation wurde als „Charité-Kaiserschnitt-Geburt“ (CCB) bezeichnet. In einer prospektiven randomisierten kontrollierten klinischen Studie wurden die Sicherheit des Verfahrens untersucht und Parameter des Geburtserlebnisses im Vergleich zum traditionellen „Routine-Kaiserschnitt“ bewertet.R. Armbrust et al.: Charite Cesarean Birth: Introduction of a New Technique and Its Safety. In: Journal of Maternal-Fetal & Neonatal Medicine. Band 29, 2016, Nr. 7, S. 1096–1101.
Eine komplizierte Lage oder ein Myom lassen diese spezielle, etablierten Hygieneregeln widersprechende, Variante des Kaiserschnitts nicht zu.
Einzelnachweise
Kategorie:Geburt Kategorie:Therapeutisches Verfahren in Gynäkologie und Geburtshilfe