mini|hochkant|Konradskirche in Geradstetten Die evangelische Konradskirche steht in Geradstetten, einem Ortsteil der Gemeinde Remshalden im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirche gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber der Kirche ist Konrad von Konstanz.
Geschichte Geradstetten war kirchlich zunächst eine Filiale von Winterbach. Politisch wurde der Ort vermutlich im 13. Jahrhundert selbständig; urkundliche Nachweise dazu sind nicht erhalten. Ein Drittel des Dorfes gehörte den Herren von Urbach, die 1359 eine Kapelle zu Ehren des heiligen Konrad stifteten. Die Stiftung erfolgte vermutlich aus Dankbarkeit für das Überleben der Pestjahre um 1350.
Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Konradskirche in ihrer heutigen Form als spätgotische Chorturmkirche errichtet. Die Weihe erfolgte im Jahr 1491. Aufgrund der angebrachten Steinmetzzeichen ist als Baumeister Hans Ulmer I von Landau belegt, der u. a. auch an der Michaelskirche Waiblingen tätig war.
1496 beantragte die Gemeinde die kirchliche Trennung von Winterbach. Sowohl die entsprechende Urkunde als auch die Bestätigung durch den Bischof von Konstanz aus dem Jahr 1497 sind erhalten.
Mit der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich im Jahr 1534 wurde auch die kirchliche Ordnung in Geradstetten verändert. Als erster evangelischer Pfarrer wird Jodokus Vochenzer genannt, der von 1532 bis 1551 amtierte.
1577 verursachte ein Blitzschlag große Schäden an Schiff und Turm.
Im 18. Jahrhundert wurden wegen starker Bevölkerungszunahme nach dem Dreißigjährigen Krieg mehrere Innenumbauten vorgenommen. 1729 wurde eine Westempore und 1753 zwei Seitenemporen eingebaut die Holzdecke des Schiffs durch eine Stuckdecke ersetzt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren weitere umfassende Baumaßnahmen erforderlich, die in den 1950er Jahren durchgeführt wurden. 1967 wurde der Turmhelm vollständig erneuert. In den 1990er Jahren wurde das Außenmauerwerk saniert, 2005 wurde der Innenraum grundlegend renoviert.
Architektur Die Saalkirche besteht aus einem Langhaus und einem im Kern hochmittelalterlichen Chorturm im Osten, einer in der Region verbreiteten Form der Dorfkirche, bei der Chor und Turm zu einem Bauglied zusammengefasst sind. Turm und Schiff bestehen aus Schilfsandstein; Zangenlöcher aus der Bauzeit sind noch sichtbar. Der Chor ist mit einem Netzrippengewölbe überspannt, die Schlusssteine zeigen Graf Eberhard im Bart (mit Palmbaum), den Hl. Konrad, die Muttergottes (mit Zepter) und die Hl. Ursula (mit Pfeil). Ein Chorbogen trennt das Langhaus vom Chor. Der Chorturm wurde mit einem achteckigen Geschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl beherbergt, und 1967 mit einem 25 Meter hohen Turmhelm bedeckt.
An der Südseite befinden sich spätgotische Maßwerkfenster. Eine bauliche Besonderheit besteht darin, dass die östliche Schiffswand und die westliche Turmwand nicht identisch sind. In diesem Zwischenbereich befindet sich außen ein kleiner tonnengewölbter Raum, der vermutlich für einen Ölberg vorgesehen war. Von einer früheren Sonnenuhr am Schiff sind nur noch die Dübellöcher erhalten.
Ausstattung In einer Seitenkapelle am Chorraum, die heute als Aufgang zur Empore dient, sind Fresken mit Darstellungen aus dem Marienleben von 1502 erhalten. An der Chorwand wurden 1792 von dem Schorndofer Maler Schönhardt links und rechts die vier Evangelistensymbole angebracht.
Die Kanzel aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt Mose, den Guten Hirten, einen Prediger, einen Betenden und Sonnenblumen.
An der Nordseite befinden sich sechs Bildtafeln der ehemaligen Orgelempore, die die Evangelisten, Paulus und Christus darstellen und 1770 von Joh. B. Schnaible aus Leonberg angefertigt wurden.
Orgel Die Orgel mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 1970 von Kurt Fischer (Winterbach) hinter den Prospekt von Johann Georg Späth, Vater von Johann David Späth, aus dem Jahr 1767 gebaut.Information zur Orgel auf der Website der Kirchengemeinde, abgerufen am 12. Februar 2024. Sie besitzt mechanische Schleifladen und eine elektrische Registertraktur.
Disposition: Hauptwerk1.Prinzipal8′2.Rohrflöte8′3.Oktave4′4.Spitzgedeckt4′5.Waldflöte2′6.Sesquialter′ + ′7.Mixtur2′Schwellwerk8.Gedeckt8′9.Flöte4'10.Prinzipal2′11.Quinte′ 12.Zimbel1'13.Oboe8′Pedal14.Subbass16′15.Offenbass8′16.Choralbass4'17.Rauschpfeife′ 18.Basszink′ 19.Fagott8'
Koppeln: II/I, I/P, II/P 2 freie Kombinationen, Pleno Zimbelstern
Glocken Die Konradskirche besitzt ein dreistimmiges Geläut. GlockeNameGlockengießerGussortGussjahrDurchmesserHöheGewichtSchlagtonI.BetglockeChristian Ludwig NeubertLudwigsburg1756120 cm100 cm1100 kgf´II.KreuzglockeHeinrich KurtzStuttgart194997 cm80 cm560 kgas´III.TaufglockeStuttgart87 cm70 cm400 kgb´
Literatur
Weblinks
Ausführliche Beschreibung der Kirche auf der Website der Kirchengemeinde, abgerufen am 13. Februar 2024 Informationen zur Orgel auf OrganIndex
Einzelnachweise
Konrad Kategorie:Kulturdenkmal in Remshalden Geradstettren Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Gotisches Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Erbaut in den 1490er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Geläut