mini|Wasserzeichen Waßmannsmühle 1820 Die Kundschafter mit Traube bzw. Kundschafter mit der Traube sind nach der Erzählung im Alten Testament Josua und Kaleb. Moses hatte aus jedem der zwölf Stämme Israels Männer zur Erkundung des verheißenen Landes Kanaan ausgeschickt. Kaleb vom Stamme Juda und Josua aus dem Stamme Ephraim kehrten mit einer großen Weintraube zurück (4. Mos. 13,24). Diese wurde von den beiden nach vierzigtägiger Wanderschaft an einer geschulterten Stange getragen und legte Zeugnis ab von der Fruchtbarkeit des gesehenen Landes.
Auftreten des Motivs mini|hochkant|links|Speculum Humanae Salvationis, Westfalen oder Köln, um 1360 mini|hochkant|links|Blockbuch, Biblia pauperum mini|Nürnberg Lorenzkirche – Rieter-Fenster 6 Traube aus Kanaan mini|Gerard Jollain Die Kundschafter kehren aus Kanaan zurück (1670) Bevor das Bildmotiv am Ende des 17. Jahrhunderts für eine Dauer von etwa einhundert Jahren Eingang in die Wasserzeichenkunst fand und Wisso Weiß zu entsprechenden filigranologischen Forschungen anregte, gab es entsprechende Darstellungen in Handschriften, in den Blockbüchern der Biblia Pauperum und in der 1540 in Wittenberg von Hans Lufft gedruckten Lutherbibel. Öffentlich gut zugänglich finden sich Josua und Kaleb seit 1480 in dem von Sebald und Peter Rieter gestifteten Fenster der Pfarrkirche St. Lorenz in Nürnberg.
Das Bildmotiv findet sich auch im textilen Blaudruck. Ein museal erhaltener Druckmodel aus Straupitz (Spreewald) zeigt Josua und Kaleb.Johannes Hugo Koch: Mit Model, Krapp und Indigo. Vom alten Handdruck auf Kattun und Leinwand. Christians Verlag, Hamburg 1984, ISBN 3-7672-0840-7, S. 89. Johannes Hugo Koch verweist auf eine Bemerkung von Wilhelm Heinrich Jacob von Kurrer, der in seiner Geschichte der Zeugdruckerei auf die Wurzel des Motivgebrauchs im 17. Jahrhundert aufmerksam machte: „Es herrschte zu jener Zeit unter dem Landvolk der Geschmack, biblische Geschichten auf Leinwand sich drucken zu lassen, die mehrentheils zu Ueberzügen und Gardinen bestimmt waren. Als ein allgemein beliebtes Muster hatte man zwei Männer, die eine Weintraube trugen , mit der Ueberschrift «Josua und Kaleb ;» die Stadt Jericho und dergleichen Gegenstände mehr wurden nach derselben Art dargestellt.“Wilhelm Heinrich von Kurrer: Geschichte der Zeugdruckerei, der dazu gehörigen Maschinen und Hülfswerkzeuge und der Erfindungen im Gebiete des Colorits für den Baumwollen-, Leinen-, Seiden- und Schafwollendruck bis auf die neueste Zeit. Mit Beiträgen v. K. J. Kreutzberg. Neu umgearb. Aufl. Schrag, Nürnberg 1844, S. 5.
Als Riesaufdruck einer Ravensburger Papiermühle für „Gut Träubel Post-Papier“ findet sich das Bildmotiv in Form eines Kupferstichs des 17. Jahrhunderts in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich.Wisso Weiß: Zum Wasserzeichen Kundschafter. In: Gutenberg-Jahrbuch 1986, S. 155–161, hier S. 161, Abb. 11.
Siehe auch Kalebstraube Literatur Wisso Weiß: Zum Wasserzeichen Kundschafter. In: Gutenberg-Jahrbuch 1986, S. 155–161. Artikel Kundschafter mit Traube. In: Brigitte Riese: Seemanns Lexikon der Ikonografie. Religiöse und profane Bildmotive. E. A. Seemann, Leipzig 2007, S. 253. ISBN 978-3-86502-102-1 A. Thomas: Kundschafter mit der Traube. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. 2. Band. Allgemeine Ikonographie F-K. Sonderausgabe 2015. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2015, Sp. 700–701. Josef Urban: Die biblischen Kundschafter. Einführung in die Geschichte der Papiermühlen an der Weismain, in: Vom Main zum Jura. Heimatkundliche Zeitschrift für den Landkreis Lichtenfels 1 (1985), S. 11–22.
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Einzelnachweise
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