mini|Villa Oeder in Düsseldorf, erbaut 1872–1873 Lorenz Schilmann (* 12. Januar 1828 in Düsseldorf; † 26. November 1904 ebenda)Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Stadtarchiv Düsseldorf: Totenzettel, Nr. 7-0-2-21566.0000, Schilmann, Lorenz (Personalkartei) war ein deutscher Baumeister und Architekt, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als einer der erfolgreichsten Bauunternehmer der Stadt zahlreiche Wohnhäuser für das gehobene Bürgertum errichtete.
Leben und architektonische Arbeit Nach dem frühen Tod seines Vaters lebte Lorenz Schilmann zusammen mit seiner Mutter Therese Schilmann geb. Brewer und deren Bruder, dem Düsseldorfer Architekten Franz Brewer (1819–1889), im Haus Andreasstraße 366. Von 1845 bis 1846 studierte Schilmann in der Bauklasse von Rudolf Wiegmann an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab 1850 war er als Baueleve praktisch tätig. Mitte der 1850er-Jahre siedelte er zusammen mit seiner Mutter und deren beiden Brüdern Adolf und Franz Brewer in das repräsentative und zentral gelegene Haus Schadowplatz 14 über, das Brewer 1848–1849 nach eigenem Entwurf hatte errichten lassen. Der Nachfolgebau an dieser Stelle ist das heutige Haus der Universität.
Nachdem Schilmann die Meisterprüfung bestanden hatte, übernahm er das Büro seines Onkels Franz Brewer, in dem er schon zuvor maßgebend in der Fassadengestaltung von dessen Bauprojekten beteiligt gewesen war, möglicherweise auch bereits für die Bauprojekte am Schadowplatz. Spätestens 1857 etablierte er sich dann mit seinen Bauten unter eigenem Namen. Auch Mitte der 1860er-Jahre wurde Schilmann als „Maurermeister“ geführt, spätestens ab den frühen 1870er-Jahren dann als „Baumeister“ und „Architekt“. Aber bereits zu dieser Zeit entstanden unter seiner Leitung zahlreiche Wohnhäuser in der Düsseldorfer Innenstadt und in direkter Nähe zum Hofgarten. Ab 1860 lebte Schilmann mit seiner Mutter in dem von Anton Schnitzler erbauten Haus Bahnstraße 39 am südlichen Ende der Königsallee, und um 1865 in dem von ihm selbst errichteten fünfachsigen Haus Bahnstraße 50. Bis 1868 lebte hier auch der Genremaler Otto Erdmann mit seiner Frau, der 1872 in ein eigenes von Schilmann erbautes Haus Laurentiusstraße 8 (später Leopoldstraße 8) übersiedelte.Stadtarchiv Düsseldorf: Hausakte Leopoldstraße 8, 0-1-6-2977.0000. Ab 1887 zog sich Schilmann mehr und mehr als Privatier aus der Arbeit als Baumeister zurück und zog 1889 in das stattliche Haus Rethelstraße 11, das er von dem Düsseldorfer Architekten Otto van Els erworben hatte. Das letzte bekannte Bauprojekt aus der Hand Schilmanns war ein kleiner Erweiterungsbau an der Rückseite des neu errichteten Hauses Schadowplatz 14.
Schilmann war Mitglied des Düsseldorfer Geschichtsvereins.
Stil und Bedeutung Schilmanns Bauten waren vor allem im Stil des Mitte des 19. Jahrhunderts angesagten Neorokoko gehalten, womit er schon seit Beginn seiner selbstständigen Tätigkeit der Tradition seines Vorgängers und Onkels Franz Brewer folgte. Mit seinen verputzten Backsteinbauten prägte Schilmann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr als jeder andere Architekt die bürgerliche Wohnhausarchitektur am Düsseldorfer Hofgarten sowie das städtebauliche Gesamtbild der Wohnhausfassaden rund um das kulturelle Zentrum der Stadt. Besonders zwischen 1855 und 1875 war der Fassadenstil des „Zweiten Rokoko“ im Rheinland und vor allem in Düsseldorf sehr beliebt. Den Ursprung dieser Architekturmode fand man im Paris Napoleons III. Statt der üblichen zwischen Klassizismus und Rundbogenstil angesiedelten Baumode setzte Schilmann auf eine leichte Fassadenverzierung mit zarten Rokokomustern an den Profilen der Korb- und Segmentbogenöffnungen auf zumeist pastellfarbenen Putzfassaden. Heute sieht man in dieser Strömung einen mehr oder weniger bewusst gesetzten Hinweis gegen den seinerzeit dominierenden preußischen Klassizismus, wie er vor allem von Karl Friedrich Schinkel geprägt und an der Berliner Bauakademie gelehrt wurde.
Bauten Mit seinen Bauten in bester Lage am Düsseldorfer Hofgarten bediente Schilmann zum einen viele der zahlreichen berühmten Künstler Düsseldorfs, aber auch Adelie, Geschäftsleute, Unternehmer, Bankiers, Juristen und Ärzte. Überliefert ist, dass Schilmann fünf Häuser an der Goltsteinstraße, neun Häuser an der (heute nicht mehr existierenden) Victoriastraße und eines an der Hofgartenstraße entworfen hatte, wo er später an fast jedem Haus Umbauten vornahm, ebenso am Haus Schadowplatz 14 sowie an Häusern an der Alleestraße, an der Ratinger Straße und am Grabbeplatz. 1872 erbaute Schilmann in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vereinshaus des Künstlervereins Malkasten die repräsentative Villa Oeder, ein großes Wohnhaus mit anschließender Privatgalerie für den Maler Georg Oeder, der zu jener Zeit einer der wohlhabendsten Bürger Düsseldorfs war. Das Haus wurde 1894 durch die Architekten Jacobs und Wehling umgebaut und erweitert.
Heute sind kaum mehr Gebäude von Schilmann erhalten. Nachdem sich der Baustil für Privathäuser am Anfang des 20. Jahrhunderts grundlegend geändert hatte und da mit der großflächigen Zerstörung der Düsseldorfer Innenstadt am Ende des Zweiten Weltkrieges die meisten seiner Bauten vernichtet wurden, ist sein Schaffen als Architekt heute nur noch wenig sichtbar.
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