Die Radfernfahrt Paris–Nizza 2024 war die 82. Austragung des französischen Etappenrennens. Das Radrennen fand vom 3. bis zum 10. März im Rahmen von acht Etappen statt und war Teil der UCI WorldTour 2024. Im Jahr 2024 wurde Paris–Nizza parallel zu Tirreno–Adriatico ausgetragen.
Den Gesamtsieg sicherte sich der 24-jährige US-Amerikaner Matteo Jorgenson (Team Visma-Lease a Bike), der sich mit einem Vorsprung von 30 Sekunden vor Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) durchsetzte. Der Belgier entschied sowohl die Berg- als auch die Punktewertung für sich. Der dritte Gesamtrang ging mit einem Rückstand von einer Minute und 47 Sekunden an den US-Amerikaner Brandon McNulty (UAE Team Emirates), der das Gelbe Trikot erst am letzten Etappentag abgeben musste. Sein Team setzte sich in der Mannschaftswertung durch.
Streckenführung mini|Streckenführung Paris–Nizza 2024 Insgesamt müssen die Fahrer auf den acht Etappen 1219,2 Kilometer zurücklegen. Es stehen zwei flache, drei hügelige, zwei Bergetappen sowie ein Mannschaftszeitfahren auf dem Programm. Der Auftakt der Fernfahrt erfolgte auf einem hügeligen Rundkurs mit Start und Ziel in Les Mureaux im Großraum Paris. Nach einem flachen Abschnitt zwischen Thoiry und Montargis wurde in Auxerre ein 26,9 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren ausgetragen. Im Anschluss wurde das Etappenrennen im südöstlichen Chalon-sur-Saône fortgesetzt und folgte dem Ufer der Saône zum Mont Brouilly (480 m) auf dem die erste kurze Bergankunft stattfand. Die Etappen fünf und sechs führten die Fahrer zur Côte d’Azur, ehe auf dem vorletzten Abschnitt eine Bergankunft bei der Madone d’Utelle auf einer Höhe von 1165 Metern abgehalten wurde. Diese stellte zugleich den höchsten Punkt der Fernfahrt dar. Die letzte Etappe wurde in den Seealpen mit Start und Ziel in Nizza ausgetragen.
Ursprünglich hätte die Bergankunft der siebten Etappe in Auron (1614 m) stattfinden sollen. Aufgrund des schlechten Wetters wurde diese 173 Kilometer umfassende Strecke jedoch verkürzt und das Ziel auf die Madone d’Utelle verlegt. EtappeDatumStreckeTypkm1So, 3. März 2024Les Mureaux – Les MureauxMittelgebirgsetappe157,72Mo, 4. März 2024Thoiry – MontargisFlachetappe177,63Di, 5. März 2024Auxerre – AuxerreMannschaftszeitfahren26,94Mi, 6. März 2024Chalon-sur-Saône – Mont BrouillyMittelgebirgsetappe1835Do, 7. März 2024Saint-Sauveur-de-Montagut – SisteronMittelgebirgsetappe193,56Fr, 8. März 2024Sisteron – La Colle-sur-LoupMittelgebirgsetappe198,27Sa, 9. März 2024Nizza – Madone d'UtelleHochgebirgsetappe1038So, 10. März 2024Nizza – NizzaHochgebirgsetappe109,3Gesamtdistanz:1219,2
Reglement Im Rahmen der 82. Auflage wurden Trikots für die Gesamtwertung (gelb), Punktwertung (dunkelgrün), Bergwertung (weiß mit roten Punkten) und Nachwuchswertung (weiß) vergeben. Zusätzlich gab es eine Teamwertung (gelbe Rückennummer) und eine Auszeichnung des aktivsten Fahrers (beige Rückennummer). Der aktivste Fahrer wurde von einer Jury nach jeder Etappe gewählt. Für die Teamwertung wurden die Zeiten der drei besten Fahrer pro Etappe zusammengezählt. Während der Etappen gab es die Möglichkeit, Zeitbonifikationen zu gewinnen, um sich in der Gesamtwertung zu verbessern. Die Vergabe der Sekunden sowie der Punkte für die Punkte- und Bergwertung wird in der folgenden Tabelle erklärt. 1.2.3.4.5.6.7.8.9.10.PlatzHinweisPunktewertungZielankunft (flache Etappen)252220181614121086PunkteEtappen 1, 2, 5Zielankunft (profilierte Etappen)1512108654321Etappen 4, 6, 7, 8Zwischensprint642Bergwertung1. Kategorie105321doppelte Punkte bei der letzten Bergwertung des Tages2. Kategorie53213. Kategorie321BonussekunundenZielankunft1064SekundenZwischensprint642 Eine Besonderheit ist das Reglement des Mannschaftszeitfahrens der dritten Etappe: Im Gegensatz zu üblichen Mannschaftszeitfahren bei Etappenrennen wurde die Zeit des ersten Fahrers für die Tageswertung des Teams und jeweils die individuelle Zeit jeden Fahrers für die Gesamtwertung zugrunde gelegt.
Teilnehmende Mannschaften und Fahrer Neben den 18 UCI WorldTeams starteten auch 4 UCI ProTeams bei der Fernfahrt. Für jedes Team waren sieben Fahrer startberechtigt.
Als Top-Favoriten galten in erster Linie Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step) und Primož Roglič, der sein Debüt für die deutsche Bora-hansgrohe-Mannschaft gab. Weiters starteten mit Carlos Rodríguez, Egan Bernal (beide Ineos Grenadiers), João Almeida, Jay Vine, Brandon McNulty (alle UAE Team Emirates), David Gaudu (Groupama-FDJ), Mattias Skjelmose Jensen (Lidl-Trek), Felix Gall (Decathlon AG2R La Mondiale), Matteo Jorgenson, Wilco Kelderman (beide Visma-Lease a Bike), Pello Bilbao, Jack Haig, Santiago Buitrago (alle Bahrain Victorious), Rigoberto Urán (EF Education-EasyPost), Alexander Wlassow (Bora-hansgrohe), Ilan Van Wilder (Soudal Quick-Step), Ion Izagirre (Cofidis), Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan) und Michael Storer (Tudor Pro Cycling) weitere Gesamtklassement-Fahrer bei der Fernfahrt.
Mit Dylan Groenewegen, Michael Matthews (beide Jayco AlUla), Olav Kooij (Visma-Lease a Bike), Fabio Jakobsen (dsm-firmenich PostNL), Mads Pedersen (Lidl-Trek), Arnaud De Lie (Lotto Dstny), Arnaud Démare (Arkéa-B&B Hotels), Sam Bennett (Decathlon AG2R La Mondiale), Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Gerben Thijssen (Intermarché-Wanty), Bryan Coquard (Cofidis), Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech) und Matteo Trentin (Tudor Pro Cycling) nahmen auch mehrere endschnelle Fahrer das Rennen in Angriff. UCI WorldTeamsUCI ProTeamsADCEFEDFPIPTARKGFCJAYLDTASTIGDTVLTENTBVIWAUADTUDBOHLTKCOFMOVDATSOQ
Rennverlauf und Ergebnisse
Bereits auf der ersten Etappe nutzten einige Gesamtklassement-Fahrer das hügelige Terrain, um ihre ersten Attacken zu lancieren. Zeitweise setzten sich mit Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step), Primož Roglič (Bora-hansgrohe) und Egan Bernal (Ineos Grenadiers) bekannte Fahrer vom Hauptfeld ab, ehe sie kurz darauf wieder eingeholt wurden. Schlussendlich kam es aus einem reduzierten Hauptfeld zu einem Massensprint, in dem sich Olav Kooij (Visma-Lease a Bike) vor Mads Pedersen (Lidl-Trek) und Laurence Pithie (Groupama-FDJ) durchsetzte. Beim Zwischensprint, der am Ende einer kurzen Steigung abgenommen wurde, sicherten sich Matteo Jorgenson (Visma-Lease a Bike), Remco Evenepoel und Egan Bernal die vergebenen Bonussekunden.
Die zweite Etappe endete in einem Massensprint, in dem sich Arvid de Kleijn (Tudor) vor Laurence Pithie durchsetzte, der die Führung in der Gesamtwertung übernahm. Dylan Groenewegen (Jayco AlUla) belegte den dritten Platz. Aufgrund des starken Gegenwindes bildete sich keine Ausreißergruppe, wodurch sich Mads Pedersen und Mattias Skjelmose Jensen (beide Lidl-Trek) beim Zwischensprint Bonussekunden sicherten und in der Gesamtwertung vorrückten.
Im Mannschaftszeitfahren der dritten Etappe setzte sich das UAE Team Emirates durch. Aufgrund der Addition der Etappenplatzierungen übernahm Brandon McNulty (UAE Team Emirates) das Gelbe Trikot, wobei seine Teamkollegen João Almeida, Finn Fisher-Black und Jay Vine dieselbe Zeit im Gesamtklassement aufwiesen. Platz zwei ging an das Team Jayco AlUla mit 15 Sekunden Rückstand, gefolgt von der EF Education-EasyPost Mannschaft die 20 Sekunden zurücklag. Die zuletzt gestarteten Mannschaften verloren in der zweiten Rennhälfte aufgrund des einsetzenden Regens viel Zeit. So setzte die Soudal Quick-Step-Mannschaft um Remco Evenepoel die schnellste Zwischenzeit, ehe sie das Ziel als Vierte mit einem Rückstand von 21 Sekunden erreichte. Primož Roglič verlor mit dem Team Bora-hansgrohe 54 Sekunden. In der Gesamtwertung lag das UAE Team Emirates-Quartett nun 15 Sekunden vor dem Jayco AlUla-Trio um Michael Matthews, Chris Harper und Lucas Plapp. Dahinter folgte Remco Evenepoel als Gesamtachter mit 18 Sekunden Rückstand. Egan Bernal und Carlos Rodríguez (beide Ineos Grenadiers) wiesen einen Rückstand von 20 bzw. 22 Sekunden auf, während Matteo Jorgensen bereits 32 Sekunden zurücklag. Primož Roglič lag nach dem Mannschaftszeitfahren auf dem 28. Gesamtrang und wies einen Rückstand von 54 Sekunden auf. David Gaudu (Groupama-FDJ) und Mattias Skjelmose Jensen lagen nach drei Etappen bereits über eine Minute hinter dem Gesamtführenden.
Auf der vierten Etappe dauerte es mehrere Kilometer, bis sich eine Fluchtgruppe bildete. Beim Zwischensprint sicherte sich Remco Evenepoel sechs Bonussekunden, während Primož Roglič als Zweiter vier Sekunden an Zeitbonifikationen erhielt. Im Anstieg des Col du Fût d’Avenas (684 m) setzten sich rund 20 Kilometer vor dem Ziel mit Lucas Plapp und Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) zwei Fahrer vom stark dezimierten Hauptfeld ab. Die beiden verteidigten ihren Vorsprung, wobei Santiago Buitrago die Etappe zehn Sekunden vor Lucas Plapp gewann, der die Führung in der Gesamtwertung übernahm. Dahinter griff Remco Evenepoel im Schlussanstieg des Mont Brouilly (480 m) an, konnte jedoch keine entscheidende Lücke herausfahren. Im Kampf um Platz drei musste sich der Belgier dem Dänen Mattias Skjelmose Jensen geschlagen geben, der sich die verbliebenen Zeitbonifikationen sicherte. Die beiden verloren 37 Sekunden auf den Etappensieger, während Egan Bernal, Felix Gall (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Primož Roglič und Matteo Jorgenson einen Rückstand von 39 Sekunden aufwiesen. In der Gesamtwertung lag Lucas Plapp nun 13 Sekunden vor Santiago Buitrago und 27 Sekunden vor Brandon McNulty, der das Gelbe Trikot nach nur einem Tag abgeben musste. Mit Jay Vine und Finn Fisher-Black verloren zwei Teamkollegen des US-Amerikaners viel Zeit, während sich João Almeida auf dem vierten Gesamtrang behauptete. Remco Evenepoel lag nun mit 30 Sekunden Rückstand auf dem fünften Gesamtrang, gefolgt von Egan Bernal mit 40 Sekunden. Primož Roglič wies als 15. einen Rückstand von einer Minute und zehn Sekunden auf. Zu den Verlierern des Tages zählte neben Arnaud De Lie (Lotto Dstny) und Michael Matthews, die das Rennen aufgaben, auch David Gaudu, der rund sechs Minuten einbüßte.
Die fünfte Etappe endete in einem Massensprint, den Olav Kooij vor Mads Pedersen und Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech) gewann. In der Gesamtwertung kam es zu keinen nennenswerten Veränderungen.
Auf der sechsten Etappe konnte sich Matteo Jorgenson 29 Kilometer vor dem Ziel im Anstieg der kurzen, aber steilen Côte de la Colle-sur-Loup von den anderen Favoriten absetzen. Kurz darauf schlossen mit Brandon McNulty und Mattias Skjelmose Jensen zwei weitere Fahrer zu dem Spitzenreiter auf, der sich die meisten Zeitbonifikationen beim Zwischensprint sicherte. Im Zielsprint setzte sich Mattias Skjelmose Jensen vor Brandon McNulty durch, der die Führung in der Gesamtwertung übernahm. Mit einem Rückstand von 52 Sekunden führte Remco Evenepoel die erste Verfolgergruppe als Vierter über die Ziellinie. In der Gesamtwertung lag Brandon McNulty nun 23 Sekunden vor seinem Landsmann Matteo Jorgenson. Lucas Plapp fiel auf den dritten Gesamtrang zurück und wies einen Rückstand von 34 Sekunden auf. Mattias Skjelmose Jensen rückte auf Rang vier vor und lag als letzter Fahrer mit 54 Sekunden Rückstand innerhalb der Ein-Minuten-Marke. Remco Evenepoel wies einen Rückstand von einer Minute und drei Sekunden auf, während Primož Roglič als Elfter bereits eine Minute und 44 Sekunden zurücklag.