mini|hochkant|St. Laurentius in Erbstetten Die evangelische Pfarrkirche St. Laurentius ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz. Sie steht in Erbstetten, einem Ortsteil der Gemeinde Burgstetten im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Kirche wurde nach dem hl. Laurentius von Rom benannt.

Die Kirchengemeinde Burgstetten gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Beschreibung Die Saalkirche besteht im Kern aus einem spätgotischen Chorturm im Osten des zunächst nur wenig mehr als turmbreiten Langhauses, das im 16. Jahrhundert, wohl bereits um 1560, in evangelischer Zeit also, nach Norden erweitert wurde. Diese Datierung wird angenommen, da das Dachwerk noch mit einer Verblattungstechnik abgezimmert ist, die von 1568 an im Herzogtum nicht mehr zulässig war (liegender Kehlbalkenstuhl ohne Hängewerk, mit vorgeblatteten Bindern). Der Turmchor ist mit einem Sterngewölbe überspannt, dessen Schlussstein mit einem Steinmetzzeichen versehen ist. Die Norderweiterung des Langhauses fluchtet im Osten mit der Turmostwand und umschließt einen kreuzgewölbten Raum, der sich – zunächst wohl als Sakristei gedacht – seit 1607 zum Turmchor mit einem Spitzbogen öffnet und zeitgleich mit dem Einbau eines Maßwerk-Ostfenster über dem Ost-Außenzugang eine Treppe zur Nordempore erhielt. 1617 wurde östlich des Turmchors eine querrechteckige neue Sakristei angebaut und kurz darauf 1621 das Kirchenschiff nach Westen erweitert und mit einer einheitlichen West- und Nordempore gegenüber der Kanzel auf der Südseite zu einer bis heute unveränderten Querkirche gestaltet.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 247, 280 – ISBN 978-3-95505-592-9. Der Chorturm wurde 1796 mit einem Geschoss aus Holzfachwerk aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl mit drei Kirchenglocken beherbergt, und mit einem achtseitigen Knickhelm bedeckt.

Der Stuttgarter Architekt Werner Klatte (1879–1948) betreute 1936 einige Renovierungsmaßnahmen. Nach der Innenrenovierung von 1953 und einer Außenrenovierung 2010 konnte die nächste Innenrenovierung von 2024/25 mit der Kircheneinweihung am 1. Februar 2026 abgeschlossen werden. Bei diesen Arbeiten wurden auch Reste einer gemalten Portalumrahmung in renaissancetypischem Diamantquader-Dekor freigelegt.

Ausstattung Altarkreuz und Taufstein: Zur Kirchenausstattung gehören ein spätgotisches Altarkreuz von 1520 und der neugotische Taufstein, einem spätgotischen nachgebildet.

Kanzel: Die Kanzel von 1621 steht an der alten untermauerten Steintreppe auf einem Sandsteinpfeiler mit Flachrelief, darüber dem stark profilierten Steinsims als Boden für den schlichten Holz-Kanzelkorb.

Laurentius-Relief: Über der Kanzeltreppe ist ein verkröpfter Dreipass-Schlussstein mit dem Relief des Kirchenheiligen Laurentius als 3/4-Figur in die südliche Chorwand eingelassen.

Emporenbrüstung: Die Brüstungen der Emporen sind mit biblischen Szenen mit Temperafarben in bäuerlich-handwerkllichem Stil auf Holztafeln bemalt. Sie besitzen eine starke Aussagekraft.Reinhard Lieske: Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württemberg. Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg Band 2, München 1973, S. 85 f. Die Bilder umfassen von der Nordempore vorne nach hinten zur Westempore mehrheitlich alttestamentliche Themen von der Schöpfung bis zu den Propheten Daniel und Jona, dann weniger Bilder aus dem Neuen Testament von der Taufe Jesu bis zur Steinigung des Stephanus.

Orgel Eine erste Orgel war um 1750 gebraucht gekauft und 1865 von J. H. Schäfer (Heilbronn) erweitert worden. Die 1904 von Eberhard Friedrich Walcker gebaute Orgel mit neun Registern wurde 1936 auf der Nordempore aufgestellt.

Glocken Die älteste Glocke wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts bei Pantlion Sydler in Esslingen gegossen. Sie trägt als Inschrift die Namen der vier Evangelisten Lukas, Markus, Johannes und Matthäus. Wegen ihrem kulturhistorischen Wert musste sie nicht als Metallspende an das Heer abgegeben werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das dezimierte Geläut durch Spenden aus den USA wieder vervollständigt werden. Die fehlenden Glocken wurden bei der Glockengießerei Bachert in Bad Friedrichshall-Kochendorf nachgegossen. +ÜbersichtGlockeNameGießerGussortGussjahrSchlagtonGewichtDurchmesserInschriftI.BetglockePantlion SydlerEsslingen1503as'540 kg99 cmSt. lvx / marx / iohanes / vnd mathevs / es gos mich pantlion sydler von esslingen als man zahlt xv hundert und drey iar ame(n)II.VesperglockeBachertKochendorf1950b'357 kg86 cmLAND, LAND, HOERE DES HERRN WORT / GESTIFTET VON FREUNDEN IN USAIII.TaufglockeBachertKochendorf1950c''250 kg77 cmEHRE SEI GOTT IN DER HOEHE UND FRIEDE AUF ERDEN

Literatur Kurt Schaal: Laurentiuskirche Erbstetten. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Erbstetten; Burgstetten 1980 – teilweise berichtigt durch folgende Publikation: Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 304–312.

Einzelnachweise

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Burgstetten leo-bw, Landeskunde entdecken online: Erbstetten Kirchbaudatenblatt

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