mini|hochkant|St. Veit in Ebersbach an der Fils Die ehemalige Wehrkirche und heutige evangelische Pfarrkirche St. Veit ist ein geschütztes Kulturdenkmal unter der Nr. 082.001 nach dem Denkmalschutzgesetz. Sie steht in Ebersbach an der Fils, einer Stadt im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Ebersbach gehört zum Kirchenbezirk Geislingen-Göppingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Ein Leutpriester und damit wohl auch eine Kirche in Ebersbach wurde in einem Dokument der Fürstabtei St. Gallen 1228 erstmals erwähnt. 1481 wurde sie mit dem Patrozinium St. Veit genannt. Der Kirchensatz gelangte 1276 von Württemberg an die Familie von Staufen, dann an die Deutschordenskommende Ulm. Schließlich kaufte das Chorherrenstift Oberhofen in Göppingen 1446 vom Deutschordensmeister Eberhard von Stetten die Veitskirche, dem sie 1449 mit Bestätigung des Bistums Konstanz offiziell inkorporiert wurde. Die Saalkirche wurde nach einem Brand um 1485 unter Beteiligung von Steinmetzen der Bauhütte des Ulmer Münsters bis zum Ende des Jahrhunderts wiederhergestellt.

Die Reformation wurde in Württemberg 1534, in Ebersbach im Jahre 1537 eingeführt, da eine dort angesiedelte Sebastiansbruderschaft erst abgefunden und aufgelöst werden musste.

Der Turm der Kirche wurde 1625 durch einen Blitzschlag zerstört und danach von Heinrich Schickhardt wieder aufgebaut und mit einem neuen Turmhelm versehen.Julius Baum: Die Kirchen des Baumeisters Heinrich Schickhardt. Dissertation Tübingen 1905, S. 72 f . Bei dieser Gelegenheit sorgte Heinrich Schickhardt durch die Verlängerung der Südempore bis in den Chor hinein mit Ausrichtung auf die Kanzel im Norden für die Raumkonzeption einer Querkirche, wie er sie in Mömpelgard (Temple Saint-Martin), Göppingen und anderen württembergischen Kirchen nach dem Vorbild der Torgauer und Stuttgarter Schlosskirche bereits umgesetzt hatte.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, passim – ISBN 978-3-95505-592-9

Nach dem Dreißigjährigen Krieg sowie 1764, 1859, 1899 und 1930 waren Renovierungsmaßnahmen nötig. Der Stuttgarter Architekt Paul Heim jun. (1905–1988) leitete die große Renovierung 1956, bei der - vor allem unter dem Einfluss von Rudolf Yelin d. J. - die bisherige Querkirchen-Ausrichtung aufgehoben wurde.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche [...]. Ubstadt 2025, S. 180, Anm. 794. Eine Außenrenovierung fand 1993 statt, eine Innenrenovierung 2001.

Beschreibung Die heutige Veitskirche ist eine ehemalige Wehrkirche im ummauerten Kirchhof. Sie besteht aus einem flachgedeckten Langhaus, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen, von Strebepfeilern gestützten und innen netzgewölbtem Chor im Osten, und einem Kirchturm auf quadratischem Grundriss im Westen, der mit einem achtseitigen Knickhelm bedeckt, mit Hahn und Turmkugel geziert und 37,73 Meter hoch ist. Sein oberstes Geschoss beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl. Unten bildet der Turm eine offene Vorhalle.

Der Innenraum des Chors ist mit einem Netzgewölbe überspannt, dessen Rippen ohne Konsolen aus der Wand treten, deren Schlusssteine jedoch mit Wappen (Württemberg, Ebersbach und Zillenhardt) und einem Marienbild verziert sind. Wolfgang von Zillenhardt war Probst des Sifts Oberhofen in Göppingen. Zwei Chorfenster (Ost und Nordost) wurden unten verkürzt, um mit der Größe der anderen Chorfenster übereinzustimmen. Der Zugang in der Chornordwand zur Sakristei führt durch eine Kielbogentür in diese frühere Kapelle. Die spitzbogigen Fenster im Schiff haben teilweise noch Fischblasenmaßwerk.

Ausstattung Kruzifix Der Kruzifixus am Altar dürfte um 1500 entstanden sein. Er war 1921 beschädigt vom Dachboden der Kirche geborgen und restauriert worden, 1970 war dies erneut nötig.

Prinzipalien Der Altar und der Taufstein sind Altbestand, der Taufstein möglicherweise noch aus spätgotischer Zeit. Die Kanzel wurde 1956 neu gefertigt und – nach Wegfall der Längsemporen – am nördlichen Chorbogen mit Direktzugang aus der Sakristei tiefer als die Vorgängerkanzel gesetzt. Die Reliefs der vier Evangelisten und die Heiliggeisttaube in den Füllungen der Kanzelbrüstung hat der Stuttgarter Bildhauer Sonder geschnitzt.

Emporenbrüstungen Der Stuttgarter Bildhauer Ulrich Henn schnitzte 1956 die Reliefs für die Emporenbrüstung mit den Bildthemen der Ereignisse, die der Kreuzigung Jesu vorausgingen: der Einzug in Jerusalem, die Fußwaschung beim letzten Abendmahl, das letzte Abendmahl, Gethsemane und die Verleugnung des Petrus. Aus dem Jahre 1499 wurden im Rahmen der Kirchenrenovierung 1956 drei alte Holztafeln mit Darstellungen von vier Jüngern Jesu (Petrus, Johannes, Bartholomäus und Judas Thaddäus) aufgefunden, die inzwischen im Gemeindesaal-Anbau von 1938 zu sehen sind. Sie sind jeweils einem Abschnitt des Glaubensbekenntnisses zugeordnet.

Glasgemälde Bei der Renovierung 1956 schuf Rudolf Yelin der Jüngere Glasgemälde für die drei Chorfenster (links Altes Testament, Farben blau/grün: Schöpfung, Sündenfall, Kain und Abel, Turmbau zu Babel, Mose-Gesetzgebung; Mitte Neues Testament 1, Evangelien, Farben gelb/ocker: Kindersegnung, Heilungswunder, Kreuzigung, Grablegung; rechts Neues Testament 2, Farben grün/ocker: Aussendung der Jünger, Auferstehung, Herr über Lebende und Tote).Adolf Gommel (Hrsg.): Evangelische Kirchenkunst der Gegenwart in Württemberg. Festschrift des Vereins für christliche Kunst in der Evangelischen Kirche Württembergs zu Feier des 100jährigen Bestehens 1857-1957. Stuttgart 1957, Abb. 77.Claudia Lamprecht: Rudolf Yelin (1902-1991): Werkverzeichnis der baugebundenen Arbeiten. o. O. (Stuttgart), o. J. (1991).

Portalgestaltung Über dem Hauptportal in der Turmvorhalle wurde 1956 ein Tympanon angebracht - mit der Steinbildhauerarbeit von Ulrich Henn und dem Motiv des Verlorenen Sohnes. Zum Abschluss der Umbau- und Renovierungsarbeiten wurde zum Osterfest 1957 das Südportal als „Auferstehungsportal“ gestaltet, auf Anregung des langjährigen (1934–1956) Gemeindepfarrers Professor Hermann Diem geschaffen von dem Frankfurter Metallbildhauer Hans-Oskar Wissel (geb. 1925), je Türflügel und Giebelfeld ein Hochrelief aus Kupferblech getrieben. Oben Christus der Herr, links der Engel am leeren Grab Jesu, rechts die Jünger als Verkünder der Auferstehung Christi. Die Tür dient zugleich dem Toten-, Vermissten-, und Gefallenengedenken.

Orgel Die erste Orgel der Veitskirche von 1683 tat nach einer Renovierung 1826 bis zum Jahr 1881 ihren Dienst, das nachfolgende Instrument von Orgelbau Schäfer in Heilbronn bis 1956. An der Südwand des Kirchenschiffs, schräg gegenüber der Kanzel, wurde die dritte Orgel 1957 von Orgelbau Friedrich Weigle errichtet.Information zur Orgel

Literatur Erwin Rall: Die Kirchenbauten der Schwaben und Südfranken im 16. und 17. Jahrhundert. Maschinenschriftliche Dissertation, Technische Hochschule Stuttgart 1922.

Dieter Wiedmaier: Die evangelische Veitskirche in Ebersbach an der Fils. (Hrsg.) Evangelisches Pfarramt Ebersbach West; Ebersbach 1993.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Göppingen St Veit Kategorie:Veitskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Wehrkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Landkreis Göppingen Kategorie:Erbaut in den 1490er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa