mini|hochkant|Rudolph Benno von Römer

Rudolph Benno von Römer (* 15. März 1803 in Dresden; † 18. November 1871 ebenda) war ein sächsischer Gutsherr, Sammler, Bibliophiler und Politiker. Zudem betätigte er sich als Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“ Er trug umfangreiche Sammlungen zusammen, die er testamentarisch verschiedenen sächsischen Institution vermachte. Römer betätigte sich fast 30 Jahre lang in der sächsischen Landespolitik und gehörte als konservativer Politiker beiden Kammern des Sächsischen Landtags an.

Abstammung Er entstammte der alten meißnischen Familie Römer, die eng dem sächsischen Bergbau verbunden war. Sein Vater war der sächsische Bergkommissionsrat Jobst Christoph von Römer (1769–1838). Dieser war Gutsherr auf Gut Löthain westlich von Meißen, das sich seit dem 1796 Jahrhundert im Familienbesitz befand, sowie Besitzer des Rittergutes Neumark, das sich seit dem 17. Jahrhundert im Familienbesitz befand.Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen IV. Section, 1856, S. 215 (Wikisource). Letzteres galt als eines der bedeutendsten Rittergüter des Erzgebirgischen Kreises.

Leben mini|Rittergut Neumark, 2021 mini|Rittergut Löthain, 2015 Römer studierte Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig. Daneben hörte er unter anderem Vorlesungen von Gustav Kunze, dem späteren Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig in Botanik. Von 1843 bis zu seinem Tod war er ordentliches Mitglied der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS Dresden.Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis, Dresden e.V., Sitzungsberichte October bis Dezember 1871, 1871, S. 191–192 (Digitalisat). Als Botaniker befasste er sich mit den Kryptogamen und galt als guter Kenner dieser Pflanzengruppe. Er beschrieb und benannte Genista polyanthosVgl. Species:Genista polyanthos. und Lotus longisiliquosus.Vgl. Species:Lotus longisiliquosus. Eine Expedition des Leipziger Botanikers Heinrich Moritz Willkomm auf die Iberische Halbinsel unterstützte er großzügig. Dieser erforschte von April 1844 bis Mai 1846 die dortige Pflanzenwelt und legte eine umfangreiche Pflanzensammlung an.Adolf Engler, Moritz Willkomm: Die Vegetation der Erde. Sammlung pflanzengeographischer Monographien, Band 1, 1896, S. 12 (Digitalisat).Reinhard Wylegalla: Pflanzenbücher von gestern. Ausstellung in Leipzig. In: Deutsche Apothekerzeitung 2014, Heft. 1–2, S. 74 (Online-Version). Römer korrespondierte mit anderen Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Vereinigungen, zum Beispiel der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft.Archivalien zu Rudolph von Römer, Archivportal-D, abgerufen am 5. Februar 2024..

Von seinem Vater übernahm er die Güter Löthain und Neumark, auf denen er Erb-, Lehn- und Gerichtsherr war. Zum Gut Löthain gehörten mehrere Gruben, in denen Kaolin, das für die Porzellanherstellung in der Porzellanmanufaktur Meißen benötigt wird, und Ton abgebaut wurden. Der Familientradition folgend war Römer darüber hinaus an verschiedenen weiteren bergbaulichen Unternehmungen im Königreich Sachsen beteiligt. Vom Dresdner Rat erwarb er 1833 für 4100 Taler ein Gut nebst Weinberg in Niederlößnitz, das seinerzeit als Römerberg bezeichnet wurde und nunmehr nach einem Nachbesitzer als Haus Reinhardtsberg bekannt ist.

Über 30 Jahre lang betätigte sich Römer in der sächsischen Landespolitik. Auf den Landtagen 1836/37 bis 1847 war Römer Abgeordneter der Rittergutsbesitzer des Erzgebirgischen Kreises in der II. Kammer des Sächsischen Landtags.Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833–1952), Dresden 2011, , S. 320–321. Anschließend gehörte er auf den Landtagen 1848 bis 1863/64 als durch König Friedrich August II. ernannter Rittergutsbesitzer der I. Landtagskammer an.Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833–1952), Dresden 2011, , S. 92–93. Als während der Revolutionsjahre 1848/49 der Landtag nach dem liberalen Wahlrecht vom 15. November 1848 gewählt wurde, vertrat Römer auf dem Landtag 1849/50 den 14., 15. und 16. Wahlkreis (die Gegend um Großenhain, Meißen und Lommatzsch) in der I. Landtagskammer.Josef Matzerath / Uwe Ulrich Jäschke: Aspekte Sächsischer Landtagsgeschichte. Teil: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage 1833 bis 1952. Teil 3: Wahlbezirke und Raumbezüge. Dresden 2011, , S. 104–105. Er wird den rechten Kräften zugeordnet. Vor dem Landtag 1866 legte er sein Mandat nieder.Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 1866, S. 234 (Digitalisat).

mini|hochkant|Grab auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof, 2024 Römer blieb zeitlebens unverheiratet. Er starb im November 1871 in Dresden und wurde auf dem Trinitatisfriedhof beerdigt. Das Grab ist erhalten.

Sammlungen Testamentarisch verfügte er 1859, dass seine Sammlungen an verschiedene sächsische Institutionen übergeben und öffentlich zugänglich gemacht werden sollten. Etwa 2600 Pflanzenbüchern, Vorlesungsnachschriften aus den Jahren 1822/23 und 1823/24, seine Autographensammlung und eine beträchtliche Geldsumme vermachte er der Universitätsbibliothek Leipzig.Thomas Fuchs: Formale Widerspenstigkeit. Nachlässe und Autographensammlungen. In: Thomas Fuchs / Christoph Mackert / Reinhold Scholl (Hrsg.): Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit. Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig (= Schriften und Zeugnisse zur Buchgeschichte, Band 20), Harrassowitz, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-447-06689-1, S. 163–175, .Private Sammlungen, www.ub.uni-leipzig.de, abgerufen am 4. Februar 2024.Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekwissenschaft, Bände 32–33, 1872, S. 123 (Digitalisat). Die Universitätsbibliothek Leipzig gestaltete 2013 eine Ausstellung mit Büchern aus Römers Sammlung unter dem Titel Römers Garten. Ein Spaziergang durch die Pflanzenbuchsammlung der Universitätsbibliothek Leipzig.Ulrich Johannes Schneider / Astrid Vieler (Hrsg.): Römers Garten. Aus der Pflanzenbuchsammlung der Universitätsbibliothek Leipzig, Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig, 15.11.2013–30.03.2014 (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig, Band 32), Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-910108-74-5.Ulrich Johannes Schneider: Ein botanischer Garten aus Büchern. Die UB Leipzig stellt die Sammlung Römer aus. In: BIS – Das Magazin der Bibliotheken in Sachsen, 6. Jg., 2013, Heft 3, S. 148–149 .Ralf Julke: Römers Garten. Wissens- und Sehenswertes zur faszinierenden Büchersammlung Rudolph Benno von Römer. In: Leipziger Zeitung vom 30. November 2013 (Online-Ausgabe). Ein von ihm angelegtes umfangreiches Herbarium als eine Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzen, welches er dem Botanischen Institut der Universität Leipzig vermacht hatte, ging bei der Zerstörung des Institutsgebäudes im Zweiten Weltkrieg verloren. Seine Porträtsammlung mit über 1000 Stichen und Radierungen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert nebst einer Handbibliothek zur Kunstgeschichte und Kupferstichkunde wurde Teil der Sammlungen des Städtischen Museums Leipzig.Verzeichnis der Kunstwerke im Städtischen Museum zu Leipzig, 1887, S. 140 (Digitalisat).Gerhard Winkler: Museum der Bildenden Künste Leipzig, Leipzig 1979, S. 16. Seine Münzsammlung von 29.000 Stücken, die insbesondere mittelalterliche Münzen enthielt und seine numismatische Buchsammlung an 1400 Bänden vermachte er dem Münzkabinett Dresden. Dubletten wurden gemäß der testamentarischen Bestimmungen versteigert und bildeten die Grundlage für einen Fond in Höhe von 15.000 Mark.Bericht über die Verwaltung der königl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft zu Dresden, 1873, S. 12 (Digitalisat).Führer durch die Königlichen Sammlungen zu Dresden, 1889, S. 180 (Digitalisat).Blätter für Münzfreunde. Monatsschrift für Münz- und Schaumünzkunde, Band 2, 1882, S. 1057 (Digitalisat). Seine Mineraliensammlung, die zu Teilen bereits von seinem Vater herrührte, schenkte Römer dem Mineralogischen Museum Dresden.Mareen Czekalla: Das Museum für Mineralogie und Geologie in den Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Von der kurfürstlichen Kunstkammer zum staatlichen Forschungsmuseum, Museum für Mineralogie und Geologie, Dresden 2006, S. 40.

Ehrungen In Anerkennung seiner vielfältigen verdienstvollen Beteiligung an der Aufsicht und wissenschaftlichen Umordnung der königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft verlieh ihm König Friedrich August II. 1848 das Ritterkreuz des sächsischen Zivilverdienstordens.Leipziger Zeitung vom 14. März 1848, S. 1 (Digitalisat). 1853 erhielt er das Komtur I. Klasse des Albrechts-Ordens.Flora oder allgemeine botanische Zeitung, Band 36, 1853, S. 190 (Digitalisat).

Weblinks

Rudolph von Römer im K10plus

Einzelnachweise

Kategorie:Mitglied der Ersten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen Kategorie:Mitglied der Zweiten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen Kategorie:Politiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Politiker (Dresden) Kategorie:Absolvent der Universität Leipzig Kategorie:Botaniker (19. Jahrhundert) Kategorie:Numismatiker Kategorie:Mineraliensammler Kategorie:Bibliophiler Rudolph Kategorie:Träger des Albrechts-Ordens (Komtur 1. Klasse) Kategorie:Ritter I. Klasse des Sächsischen Zivilverdienstordens Kategorie:Geboren 1803 Kategorie:Gestorben 1871 Kategorie:Mann