Fausto ist eine Opera semiseria (halbernste Oper) in drei oder vier Akten von Louise Bertin (Musik) mit einem eigenen Libretto nach dem ersten Teil von Goethes Faust, die am 7. März 1831 im Théâtre-Italien in Paris in einer italienischen Übersetzung von Luigi Balocchi uraufgeführt wurde.

Handlung

Erster Akt: „La tentazione“ – ‚Die Versuchung‘

Faustus Laboratorium mit einem Fenster, durch das eine Kirche zu sehen ist

Szene 1. Nach einem langen Leben voller Studien ist Fausto gelangweilt (Introduktion: „Tutte volsi e rivolsi“). Er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben und hat sich einen Giftbecher bereitet, um dem ein Ende zu setzen (Arie: „Il vago sol del mondo“). Als er den Becher zu den Lippen führt, erklingen Kirchenglocken und ein Chor mit geistlichen Liedern, die in ihm Erinnerungen an glücklichere Zeiten wecken (Szene mit Chor: „Qual m’assorda rumor?“).

Szene 2. Faustus Diener Wagner meldet die Ankunft eines verzweifelten jungen Mädchens, das seine Hilfe benötige.

Szene 3. Es handelt sich um Margarita, die nach einigem Zögern erzählt, dass eine bei ihr lebende Freundin sterbenskrank sei (Terzett Fausto/Wagner/Margarita: „Vezzosa giovinetta“). Sie hoffe, dass Fausto sie heilen könne. Fausto, der sofort von Margaritas Schönheit bezaubert ist, macht sich mit ihr auf den Weg.

Szene 4. Sorgenvoll blickt Wagner den beiden nach. Ihm ist nicht entgangen, wie Fausto das Mädchen angesehen hat.

Szene 5. Bei seiner Rückkehr ist Fausto innerlich aufgewühlt. Er befiehlt, niemanden in sein Zimmer zu lassen.

Szene 6. Fausto ist besessen davon, Margarita zu erobern, obwohl sein Alter dem im Wege zu stehen scheint.

Szene 7. In seiner Not ruft Fausto den Satan zu Hilfe (Duett Fausto/Mefistofele: „Sorgi al mio cenno, o Satana“). Mefistofele erscheint und verspricht ihm die Erfüllung all seiner Wünsche. Margarita werde ihm gehören, und er werde wieder jung sein. In dieser Welt werde er Fausto dienen, doch in der Unterwelt werden ihre Rollen vertauscht sein.

Der von Dämonen jeglicher Art bevölkerte Wohnort einer Hexe

Szene 8. Die Dämonen begrüßen begeistert Faustos Ankunft (Finale: „Zitto, zitto, state attenti“). Mefistofele erklärt, dass der benötigte Zaubertrank nur wirken könne, wenn er von der Hexe persönlich zubereitet werde. Sie ist jedoch nicht zu Hause (Szene mit Chor: „Dite, amici, ove n’andò la vecchia?“). Als Fausto wieder gehen will, erblickt er vollkommen verzückt in einem magischen Spiegel das Abbild Margaritas. Mefistofele und die Dämonen wissen nun, dass er ihnen in die Falle gegangen ist. Endlich kehrt die Hexe zurück und überreicht Fausto den Trank. Die Dämonen umringen ihn, bis er verjüngt aus ihrem Kreis tritt (Hexenszene: „Qual sovramana possa“).

Zweiter Akt: „La felicità“ – ‚Das Glück‘

Eine Straße am Abend

Szene 1. Vor Catarinas Haustür beschäftigen sich alte Frauen mit Handarbeiten, während Margarita und ihre Freundinnen ein Lied über die trügerische Liebe singen (Canzonette und Chor: „Fuggite amor“). Fausto und Mefistofele hören ihnen still zu, bis die alte Catarina zum Aufbruch drängt. Als Margaritas junge Nachbarin Marta alle für den nächsten Tag zum Jahrmarkt einlädt, lehnt Margarita ab, weil sie in die Kirche gehen muss. Sie betritt das Haus.

Szene 2. Weil Margarita die Tür hinter sich geschlossen hat, bittet Mefistofele Fausto um etwas Geduld.

Szene 3. Margarita kommt noch einmal kurz heraus. Fausto erklärt ihr seine Liebe, die Margarita zu erwidern scheint (Duett Fausto/Margarita: „Signora amabile“). Als er jedoch ihre Hand ergreifen will, weicht sie aus und läuft davon.

Margaritas Zimmer

Szene 4. Margarita denkt über ihre Gefühle für Fausto nach (Szene: „Chi sarà mai quel vago“) und beschließt schließlich, ihre Ängste zu vertreiben (Kavatine: „Palpita nel seno gelido il cor“).

Szene 5. Catarina bringt Margarita einen Korb mit Wäsche. Das Mädchen geht in den Garten, um den Rest zu holen.

Szene 6. In der Zwischenzeit umschmeichelt Mefistofele Catarina (Duett Mefistofele/Catarina: „Vi saluto, madama“). Er bittet sie, ihr seinen Freund Fausto vorstellen zu dürfen.

Catarinas Garten

Szene 7. Beim Spaziergang im Garten gesteht Margarita Fausto ihre Liebe und verspricht, ihn heimlich in ihr Zimmer zu lassen. Catarina verfällt unterdessen Mefistofeles Schmeicheleien (Finale: „Fra quell’ombra“).

Dritter Akt: „Il misfatto“ – ‚Das Verbrechen‘

Ein Platz mit einem Brunnen; im Hintergrund eine Statue der Jungfrau Maria

Szene 1. Da Margaritas Treffen mit Fausto nicht folgenlos blieb, betet sie zur Heiligen Maria um Vergebung (Gebet „Abbassa, ohimè, Madre beata e santa“). Dabei muss sie die gehässigen Bemerkungen ihrer Nachbarinnen ertragen (Szene: „Vergogna!“). Sie fühlt sich zutiefst beschämt.

Die Straße mit Margaritas Haus an einer Seite

Szene 2. Margaritas Bruder Valentino kehrt aus dem Krieg zurück (Arie Valentino: „Ah, mi batte il cor nel petto“).

Szene 3. Auf absichtlich gefühllose Weise teilt Mefistofele ihm mit, dass Catarina, die frühere Besitzerin des Hauses, nicht mehr lebe und er gerade rechtzeitig gekommen sei, um Taufpate für das uneheliche Kind seiner Schwester zu werden.

Szene 4. Valentino ist entsetzt über diese Neuigkeiten. Er will sich an dem Verführer seiner Schwester rächen (Finale: „Che intesi! O cruda sorte! Il patrio tetto“). Mefistofele und Fausto treffen ein, um Margarita unter ihrem Fenster ein Ständchen zu bringen. Fausto singt zu Mefistofeles Gitarrenbegleitung eine Romanze. Valentino fordert ihn sogleich zum Duell mit Schwertern. Da Mefistofele Valentinos Hiebe ablenkt, kann Fausto seinen Gegner leicht bezwingen (Concertato Valentino/Fausto/Mefistofele: „O trionfo!“). Valentino stirbt unter seinen Schlägen. Erst jetzt erkennt Fausto in ihm Margaritas Bruder. Erschrocken über seine Tat will er sich von Mefistofele lossagen, wird aber von diesem gewaltsam fortgeführt.

Szene 5. Von dem Lärm angelockt, versammeln sich die Nachbarn vor dem Haus (Stretta: „Che sussurro! Che spavento!“) und rufen Margarita heraus. Marta, die alles beobachtet hat, bezichtigt Margarita der Mittäterschaft, da ihr Liebhaber der Mörder war. Die Nachbarn verfluchen sie.

Vierter Akt: „La pena“ – ‚Die Bestrafung‘

Faustos Laboratorium

Szene 1. Höhnisch erzählt Mefistofele Fausto, dass Margarita ihr Kind im Fluss ertränkt habe und jetzt im Gefängnis auf ihre Hinrichtung warte.

Szene 2. Fausto ist zutiefst aufgewühlt über diese Nachricht (Arie: „O fier tormento rio!“). Er fleht den Himmel um Gnade an (Cantabile: „Deh guarda, o ciel clemente“). Als ein Ausrufer hinter der Bühne von Margaritas bevorstehenden Köpfung berichtet, beschließt Fausto, sie um jeden Preis zu retten (Stretta: „A morte vergognosa!“). Da er dazu Mefistofeles Hilfe benötigt, unterschreibt er den zuvor nur mündlich getroffenen Pakt.

Ein düsteres Gefängnis

Szene 3. Fausto betritt Margaritas Zelle und will sie zur Flucht überreden. Sie ist jedoch halb wahnsinnig geworden und erkennt ihn kaum noch (Finale Fausto/Margarita: „Margarita! Margarita!“). Obwohl sie sich schließlich an ihre Liebe erinnert („A questi dolci accenti“), weigert sie sich, ihm zu folgen. Sie hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden (Cantabile: „Meco è già la morte“). Auch als die Sonne aufgeht, bleibt sie bei ihrem Entschluss (Stretta: „Ah, qual voce d’ìntorno rimbomba?“). Mefistofele zieht Fausto mit sich fort. Mit einem Ave Maria verkünden Engel, dass Margarita göttliche Gnade gefunden habe. Fausto dagegen ist der Macht Mefistofeles verfallen.

Gestaltung

Musik

Andreas Spering, der Dirigent der Essener Aufführung von 2024 wies auf die Unkonventionalität der Musik hin. Zwar seien Einflüsse von Hector Berlioz, dem späten Gioachino Rossini, Giacomo Meyerbeer zu erkennen, doch besitze Fausto eine „eigene Farbe“. Die Qualität liege „in den kantablen, einfalls- und abwechslungsreichen Melodien, den gut gebauten Ensembles und im starken Wechselspiel der Emotionen“. Am Anfang stehe ein vermutlich bewusst eingesetzter Verweis auf Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni, der vielleicht auf die gemeinsame Verbindung zur Unterwelt hindeute. Ungewöhnlich seien die affektgebundene und gelegentlich „wuchtige“ Instrumentation, die tiefe dunkle Lage der Singstimmen und die unregelmäßig aufgebauten musikalischen Phrasen.

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:

Ouvertüre

Erster Akt: „La tentazione“ – ‚Die Versuchung‘ Nr. 1a. Introduktion (Fausto) „Tutte volsi e rivolsi“ (Szene 1) Nr. 1b. Arie (Fausto) „Il vago sol del mondo“ (Szene 1) Nr. 1c. Szene mit Chor: (Fausto, Chor) „Qual m’assorda rumor?“ (Szene 1) Nr. 1bis. Rezitativ (Fausto, Wagner) „Chi fia quest’importuno?“ (Szenen 2–3) Nr. 2. Terzett (Fausto, Wagner, Margarita) „Vezzosa giovinetta“ (Szene 3) Nr. 2bis. Rezitativ (Fausto, Wagner) „Debbo venir anch’io?“ (Szenen 3–6) Nr. 3. Duett (Fausto, Mefistofele) „Sorgi al mio cenno, o Satana“ (Szene 7) Nr. 4a. Finale (Fausto, Mefistofele, Chor) „Zitto, zitto, state attenti“ (Szene 8) Nr. 4b. Szene mit Chor (Fausto, Mefistofele, Chor) „Dite, amici, ove n’andò la vecchia?“ (Szene 8) Nr. 4c. Hexenszene (Fausto, Mefistofele, eine Hexe, Chor) „Qual sovramana possa“ (Szene 8)

Zweiter Akt: „La felicità“ – ‚Das Glück‘ Nr. 5. Canzonette und Chor (Margarita, Marta, Catarina, Chor) „Fuggite amor“ (Szene 1) Nr. 5bis. Rezitativ (Fausto, Mefistofele) „Ecco, tornata è in casa“ (Szene 2) Nr. 6. Duett (Fausto, Margarita) „Signora amabile“ (Szene 3) Nr. 7a. Szene (Margarita) „Chi sarà mai quel vago“ (Szene 4) Nr. 7b. Kavatine (Margarita) „Palpita nel seno gelido il cor“ (Szene 4) Nr. 7bis. Rezitativ (Margarita, Catarina) „Quanto tempo, mia cara“ (Szene 5) Nr. 8. Duett (Mefistofele, Catarina) „Vi saluto, madama“ (Szene 6) Nr. 8bis. Rezitativ (Mefistofele) „Chi avrebbe mai creduto“ (Szene 7) Nr. 9. Finale (Margarita, Catarina, Fausto, Mefistofele) „Fra quell’ombra“ (Szene 7)

Dritter Akt: „Il misfatto“ – ‚Das Verbrechen‘ Nr. 10a. Gebet (Margarita, 6 Frauen, Chor) „Abbassa, ohimè, Madre beata e santa“ (Szene 1) Nr. 10b. Szene (Margarita, Chor) „Vergogna!“ (Szene 1) Nr. 11. Arie (Valentino) „Ah, mi batte il cor nel petto“ (Szene 2) Nr. 11bis. Rezitativ (Mefistofele, Valentino) „Ecco il german! Conviene“ (Szene 3) Nr. 12a. Finale (Valentino, Fausto, Mefistofele) „Che intesi! O cruda sorte! Il patrio tetto“ (Szene 4) Nr. 12b. Concertato (Valentino, Fausto, Mefistofele) „O trionfo!“ (Szene 4) Nr. 12c. Stretta (Margarita, Marta, Valentino, Chor) „Che sussurro! Che spavento!“ (Szene 5)

Vierter Akt: „La pena“ – ‚Die Bestrafung‘ Nr. 12bis. Rezitativ (Fausto, Mefistofele) „Ebben, che c’è di nuovo?“ (Szene 1) Nr. 13a. Arie (Fausto) „O fier tormento rio!“ (Szene 2) Nr. 13b. Cantabile (Fausto, ein Ausrufer) „Deh guarda, o ciel clemente“ (Szene 2) Nr. 13c. Stretta (Fausto) „A morte vergognosa!“ (Szene 2) Nr. 13bis. Rezitativ (Mefistofele, Fausto) „Risolvete, dottor!“ (Szenen 2–3) Nr. 14a. Finale (Fausto, Margarita) „Margarita! Margarita!“ (Szene 3) Nr. 14b. Finale (Fausto, Margarita) „A questi dolci accenti“ (Szene 3) Nr. 14c. Cantabile (Fausto, Margarita, Mefistofele) „Meco è già la morte“ (Szene 3) Nr. 14d. Stretta (Fausto, Margarita, Mefistofele, Chor) „Ah, qual voce d’ìntorno rimbomba?“ (Szene 3)

Werkgeschichte