mini|Naturschutzgebiet an der Reuss Die Reusslandschaft ist ein Landschaftsschutzgebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN-Nummer 1305) im Schweizer Mittelland. Das 63 Quadratkilometer grosse Schutzgebiet liegt am Unterlauf der Reuss und umfasst weite Bereiche der Natur- und Kulturlandschaft an diesem Fluss in den Kantonen Aargau, Zug und Zürich. mini|Mündung der Lorze (links) in die Reuss Das 1977 in das Bundesinventar aufgenommene Objekt BLN 1305 ist die dritte von vier Landschaften dieser Schutzgebiets-Kategorie am ganzen Flusslauf der Reuss, nach dem Gebiet Maderanertal – Fellital (BLN 1603) in den Alpen, dem Objekt Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi (BLN 1606) in den Voralpen und unmittelbar vor dem Wasserschloss beim Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat (BLN 1019), wo die Reuss in die Aare mündet. Im gesamten Einzugsgebiet der Reuss sind ausserdem noch mehrere andere Gegenden und Örtlichkeiten als BLN-Objekte ausgewiesen.
Bewertung mini|Signet des Aargauer Reussuferschutzgebiets Das durch Verordnung des Bundesrats am 10. August 1977 in Kraft gesetzte Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung begründet den Wert des geografischen Raumes am Unterlauf der Reuss als schützenswerte Natur- und Kulturlandschaft mit folgenden Qualitäten:Objektblatt des Landschaftsschutzgebiets 1305 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.
Eine der vielfältigsten, zusammenhängenden und naturnahen Flusslandschaften des Schweizer Mittellandes Weiträumige Flusslandschaft mit parkartigem Charakter, grosszügigen Riedwiesen und kulturgeschichtlich bedeutenden Ortschaften und Klosteranlagen Geomorphologische Vielfalt mit zahlreichen Moränenwällen, erratischen Blöcken, Flussmäandern und Terrassierungen des Talbodens Ausserordentliche Vielfalt an fliessenden und stehenden Gewässern sowie Altwasserarmen Bedeutender Lebensraum und Laichstrecke für strömungsliebende Fischarten Sehr hohe Dichte an Feuchtbiotopen sowie Ufer- und Auenwäldern mit ihren charakteristischen Pflanzen- und Tierarten Im Schweizer Mittelland einzigartiger Lebensraum für gefährdete Pflanzen- und Tierarten Wichtiges Rast-, Brut- und Überwinterungsgebiet für Vögel am Flachsee Unterlunkhofen Wichtige Vernetzungsfunktion der Lebensräume innerhalb der intensiv genutzten Landschaft
Geografie mini|Kloster Hermetschwil Umfang Auf den letzten 35 Kilometern fliesst die insgesamt 164 Kilometer lange Reuss nach Norden durch das vom BLN definierte Landschaftsschutzgebiet Reusslandschaft. Diese Zone erstreckt sich in einem relativ schmalen Streifen beidseits des Flusses von Sins bis Windisch, die beide im Kanton Aargau liegen. Der linksufrige Bereich gehört ganz zum Aargau, während die Abschnitte am rechten Ufer der Reuss von Süden nach Norden auf die drei Kantone Zug, Zürich und Aargau verteilt sind. Das Dreiländereck der Kantone befindet sich in der Reuss bei der Mündung der Lorze, einem Grenzfluss zwischen Zug und Zürich. mini|Kloster Frauenthal an der Lorze Das im BLN ausgewiesene Gebiet umfasst nur den engeren Landschaftsraum in Flussnähe und nicht den ganzen Naturraum des viel breiteren Flusstals zwischen den langgezogenen Anhöhen Heitersberg im Osten und Lindenberg-Wagenrain im Westen. Deshalb liegen die von vielen Ortschaften und intensiver Landwirtschaft geprägten höheren Talstufen mehrheitlich ausserhalb des Landschaftsschutzgebiets, das sich vorwiegend auf Naturzonen und naturnahe Flächen in der Kulturlandschaft konzentriert. Nur wenige Siedlungen wie etwa Rottenschwil, Aristau und die historischen Altstädte von Bremgarten und Mellingen liegen im BLN-Gebiet.
Zur BLN-Landschaft 1305 gehören Abschnitte der Aargauer Gemeinden Aristau, Besenbüren, Birmenstorf, Birrhard, Bremgarten, Eggenwil, Fischbach-Göslikon, Gebenstorf, Hausen, Jonen, Künten, Lupfig, Mellingen, Merenschwand, Mühlau, Mülligen, Muri, Niederwil, Oberlunkhofen, Rottenschwil, Sins, Stetten, Tägerig, Unterlunkhofen, Windisch, Wohlenschwil und Zufikon, der Zuger Gemeinden Cham und Hünenberg sowie der Zürcher Gemeinden Maschwanden, Obfelden und Ottenbach.
Geologie mini|Auenlandschaft an der Reuss mit Stromschnelle und Findlingen (bei Stetten, Aargau) Die geomorphologische Struktur der Reusslandschaft entstand durch lange dauernde fluvioglaziale Vorgänge.Heinrich Jäckli: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000 Blatt 1090 Wohlen. Erläuterungen. Bern 1966. Der eiszeitliche Reussgletscher formte in mehreren Kaltzeiten das Tal im Untergrund, der aus mächtigen Molasseschichten besteht, und hinterliess ausgedehnte Moränenwälle und Schotterflächen in dieser Rinne. Bei verschiedenen Gletscherständen bildeten sich im alten, tiefen Flusstal Moränen bei Bremgarten, Künten-Niederwil und Mellingen.Hans Annaheim, Alfred Bögli, Samuel Moser: Die Phasengliederung der Eisrandlagen des würmeiszeitlichen Reussgletschers im zentralen schweizerischen Mittelland. In: Geographica Helvetica. Schweizerische Zeitschrift für Geographie, 13. Jg., 1958, S. 217–231. Durch diese Hügelzonen und die Schotterterrassen von Künten und Birmenstorf grub die Reuss später tiefe, teilweise schluchtartige Einschnitte. Den Höhenunterschied von 40 Metern zwischen Bremgarten () und Windisch () überwindet der Fluss auf einigen Strecken mit einem verhältnismässig starken Sohlgefälle und mehreren kleinen Stromschnellen. Zwischen den Anhöhen erstrecken sich Ebenen, in denen Seelehm, Sandablagerungen und jüngere Schotterschichten liegen.Heinrich Jäckli: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000 Blatt 1090 Wohlen. Erläuterungen. Bern 1966, S. 11–15.
Den südlichen Abschnitt zwischen Sins und dem Flachsee im Grenzgebiet der drei Kantone Aargau, Zug und Zürich bildet eine weite Schwemmebene mit einem geringen Gefälle von nur 15 Metern. Die flache Landschaft mit ausgedehnten Feuchtgebieten entstand nacheiszeitlich vorwiegend mit Ablagerungen der Lorze und der Kleinen Emme, einem grossen Nebenfluss der Reuss. Das Gebiet wurde bei Hochwasser noch bis zur Reusskorrektion in den 1960er Jahren oft und selten auch noch in jüngerer Zeit überschwemmt.
Gewässer mini|Altwasser der Reuss bei Rottenschwil Neben der Lorze fliessen in der BLN-Landschaft noch einige andere Nebengewässer der Reuss zu, vor allem der Sinser Bach, der Lindenbach, die Jonen, der Arnerbach und der Küntenerbach. Der Sembach und der Wissenbach münden nicht direkt in den Fluss, sondern in den Reusskanal, der seit den Gewässerkorrektionen des 19. und 20. Jahrhunderts die Bäche und Drainagekanäle in der Ebene links vom Fluss bei Mühlau, Merenschwand und Rottenschwil sammelt. Pumpwerke schöpfen das Wasser aus dem tief liegenden Kanal über den Hochwasserschutzdamm in die Reuss. Die Maschwander Allmend wird mit dem künstlichen Binnenkanal direkt zur Lorze entwässert. Aus den Feuchtgebieten Lunnerallmend und Lunnergrien leitet ein Kanal das Drainagewasser in den Lindenbach, der bei Rickenbach von rechts in die Reuss mündet.
Beim Bau von Hochwasserschutzdämmen seit dem 19. Jahrhundert und des neuen Kraftwerks Bremgarten-Zufikon um 1975 entstanden in abgeschnittenen Altarmen der Reuss Seen und Weiher, die als Landschaftselemente und für die Biodiversität von grosser Bedeutung sind. Der 72 Hektar grosse Flachsee im Staugebiet des Kraftwerks mit Untiefen, Sandbänken und einem Schilfgürtel gehört zu den Wasser- und Zugvogelreservaten von internationaler Bedeutung. Die Altarme «Stille Reuss» bei Rottenschwil und «Tote und Alte Reuss» bei Künten sind geschützte Feuchtgebiete.
Westlich von Ottenbach führt der 1836 errichtete Fabrikkanal einer ehemaligen Mühle und späteren Seidenweberei durch die Auenlandschaft an der Reuss. Das Wasser fliesst von einem Streichwehr im Fluss neben dem Naturschutzgebiet Bibelaas zum Maschinenhaus und durch den Unterwasserkanal zurück in die Reuss. Das historische Kleinkraftwerk Ottenbach von 1920 ist so wie auch das Kraftwerk Bremgarten-Bruggmühle als Denkmal der Technikgeschichte und als Kulturgut von regionaler Bedeutung geschützt. Das seit 1829 bestehende Kraftwerk Windisch mit einem grossen Stauwehr ist das letzte Laufwasserkraftwerk an der Reuss ganz im Norden des BLN-Gebiets.
Verkehrswege mini|Altstadt und historische Reussbrücke von Bremgarten Weil im 19. Jahrhundert zunächst die Flussschifffahrt noch eine Rolle spielte, befindet sich neben der Wehranlage von Windisch eine alte, als verkehrgeschichtliches Relikt erhaltene Schiffsschleuse. Die Passage mit kleinen Wasserfahrzeugen ist heute nur noch auf einer Bootstransportanlage möglich. In der Reusslandschaft gilt für die Kleinschifffahrt ein generelles Fahrverbot für Motorboote.Kleinschifffahrt auf der Reuss. Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Aarau 2020. Abgerufen am 19. Februar 2024.
Da die Reuss in ihrem stellenweise tief in die Molassehügel und Moränen eingeschnittenen Tal das ganze Mittelland in nördlicher Richtung passiert, müssen zahlreiche nationale und regionale Verkehrswege den Fluss überqueren, wie die Liste der Brücken über die Reuss aufzeigt. Die historische Zollbrücke von Sins bildet die obere und die SBB-Reussbrücke Turgi bei Gebenstorf die untere Grenze der BLN-Landschaft.
Bei Bremgarten überspannt eine Brücke der Hauptstrasse 1 den Fluss, bei Mellingen die Neue Reussbrücke Mellingen der Hauptstrasse 279 sowie die Eisenbahnbrücke Mellingen der Heitersbergstrecke, bei Birmenstorf die hohe Lindmühlebrücke der Autobahn A1 und zwischen Windisch und Gebenstorf die «Fahrbrücke» der Hauptstrasse 3. Dazwischen liegen mehr als ein Dutzend weitere Brücken und Stege von Haupt- und Nebenstrassen, einer Bahnlinie und für den Langsamverkehr. Entlang der Reuss erschliessen Wanderwege und Velorouten das als Erholungslandschaft und für Naturbeobachtungen beliebte Gebiet, was durchaus einem Hauptziel des Bundesinventars entspricht.
Naturschutzgebiete mini|Informationen zu den Zürcher Schutzgebieten an der Reuss Die BLN-Landschaft enthält in zahlreichen besonders wertvollen Biotopen spezielle Naturschutzgebiete, die durch unterschiedliche Instrumente begründet und in der Weltdatenbank der Schutzgebiete (WDPA) als einzelne Biotop- und Artenschutzgebiete ausgewiesen sind. Dazu gehören mehrere Auengebiete mit nationaler Bedeutung, etwa drei Dutzend national bedeutende AmphibienlaichgebieteVerordnung über den Schutz der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung, im Anhang die Liste der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung – ortsfeste Objekte. und einige Feuchtgebiete, die im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung ausgewiesen sind.Objektblatt «Tote Reuss» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung. mini|Schutzgebiet Schachen bei Mühlau Die Objekte des Bundesinventars der Auengebiete von nationaler Bedeutung sind: Hünenberg Reussweiden, Kanton ZugObjektblatt «Hünenberg Reussweide» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Frauental, an der Lorze, Kanton ZugObjektblatt «Frauental» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Ober Schachen-Rüssspitz, Kantone Aargau, Zug, ZürichObjektblatt «Ober Schachen-Rüssspitz» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Still Rüss-Rickenbach, Kantone Aargau und ZürichObjektblatt «Still Rüss-Rickenbach» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Rottenschwiler Moos, mit Flachsee, Kanton AargauObjektblatt «Rottenschwiler Moos» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Tote Reuss-Alte Reuss, Kanton AargauObjektblatt «Tote Reuss-Alte Reuss» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Reussinsel Risi, Kanton AargauObjektblatt «Reussinsel Risi» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Rüsshalden, Kanton AargauObjektblatt «Rüsshalden» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung.