Der Pelikantaler oder Patriotentaler war der fünfte sogenannte emblematische Taler des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1589–1613). Der 1599 geprägte Taler folgte auf den Mückentaler. Auf dem Gepräge wurde die Fabel vom Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut ernährt, als Symbol der Opferfreudigkeit dargestellt. Damit wollte der Herzog seinen Einsatz für das Land und die Untertanen symbolisieren.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339Heinz Fengler, … : transpress Lexikon Numismatik (1976), S. 275
Münzgeschichte mini|Der Pelikan auf dem Schlussstein der St. Pankratius-Kirche in Widecombe-in-the-Moor. Das Symbolbild entspricht dem Rückseitenbild des Pelikantalers.
Eine häufige Darstellung als Sinnbild für Opferfreudigkeit auf Münzen und Medaillen war der Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt.Friedrich v. Schrötter …: Wörterbuch der Münzkunde (1970, Nachdruck von 1930), S. 494
Der emblematische Taler diente Heinrich Julius als Propagandamittel für seine Politik. Mit dem Pelikan- oder Patriotentaler wollte der Herzog seine eigenen landesväterlichen Tugenden zum Ausdruck bringen.Friedrich v. Schrötter …: Wörterbuch der Münzkunde (1970, Nachdruck von 1930), S. 551 Die Aussage ist: So wie der Pelikan in der Fabel, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt, so setzt sich der Herzog für das Land und die Untertanen ein. Unterstrichen wird das durch die Umschrift PRO ARIS ET FOCIS (lat., Für Haus und Herd).Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339: Übersetzung
„Der Benennungsgrund [des Talers] ist klar. Der Herzog hat aber durch diesen Revers“, so Karl Christoph Schmieder,
„Recht rührend“ kann allerdings auch sarkastisch aufgefasst werden, da sich der Herzog bald nach seinem Regierungsantritt durch Verschwendungssucht und Steuererhöhungen unbeliebt gemacht hatte. Am Kaiserhof in Prag wurde er später Direktor des Geheimen Rats und Vertrauter des Kaisers Rudolph II. (1576–1612). Der Kaiser hatte eine große Leidenschaft für den Okkultismus und einen stark ausgeprägten Hang zu den Geheimwissenschaften. Diese Vorlieben hatten wahrscheinlich mit dazu beigetragen, dass Heinrich Julius am Kaiserhof mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Lebensende blieb. Er führte dort ein glänzendes Leben, für das er sein Fürstentum bezahlen ließ. Als er starb, hinterließ er ein ruiniertes und verarmtes Land.
Münzbeschreibung mini|Pelikantaler von 1599, Vorderseite (Silber; Durchmesser 39 mm; 29,0 g)
mini|Rückseite mit dem Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt
Der Pelikantaler des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel ist ein nach dem Reichsmünzfuß geprägter Reichstaler, der in den Münzstätten Goslar und Osterode im Harz geprägt wurde. Der silberne Taler wurde mit dem Münzmeisterzeichen Herz über Zainhaken mit Pfeil gekreuzt, jedoch ohne Künstlersignatur geprägt.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339: Siehe Abb.
Vorderseite Der dreifach behelmte Wappenschild mit drei Helmzieren und neun Feldern mit Herzschild wird vom rechts stehenden Wilden Mann gehalten. Das Münzmeisterzeichen rechts im Feld ist das Zeichen des Münzmeisters Heinrich Depsern, der 1599 sein Amt in Goslar angetreten hatte.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339: Münzmeister Umschrift: HENRICUS ۰ JULIUS ۰ D(ei) : G(ratia) ۰ P(ostulatus) ۰ E(piscopus) ۰ HA(lberstadensis) ۰ D(ux) ۰ B(runsvicensis) ۰ ET ۰ L(uneburgensis) ۰ 99 ۰ P(ro) ۰ P(atria) ۰ C(onsumo) Übersetzung: Heinrich Julius von Gottes Gnaden, postulierter Bischof zu Halberstadt, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Die Zahl 99 ist das Prägejahr 1599. Sein Wahlspruch Pro Patria Consumor in der Umschrift lautet übersetzt: Für das Vaterland verzehre ich mich.
Rückseite Die Erläuterung des Wahlspruchs auf der Vorderseite gab der Pelikan auf der Rückseite, der sich die Brust aufreißt und mit seinem Blut seine Jungen im Nest speist. Die Rückseite zeigt den Pelikan als Sinnbild der Opferfreudigkeit.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339: Sinnbild der Opferfreudigkeit.Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Der Pelikan als Symbol Umschrift: PRO ARIS ET FOCIS, dazwischen vier Pfeilbündel Übersetzung: Für Haus und HerdHelmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 339: Übersetzung des Spruchs
Köhlers Erklärung der Rückseite Nach Johann David Köhlers Münzbelustigung zeigt der „Patrioten-Thaler“ auf der Gegenseite einen Pelikan im Nest, der, um seine von den Schlangen gebissenen drei Jungen vom Gift zu befreien, seine Brust aufhackt und ihnen sein Blut zu trinken gibt. In der Umschrift sind „die vier Worte zwischen so viel Gebund Pfeile zu lesen: PRO ARTIS ET FOCIS“. Die Worte bedeuten, so Köhler:
Statt Für Haus und Herd hat Köhler Für die Kirche und Vaterland als Bedeutung der Worte im Zusammenhang mit dem Münzbild gewählt. Die Quintessenz ist die gleiche.
Anmerkung: Die fünf Sinnbild- oder emblematischen Taler des Herzogs sind der Rebellentaler von 1595, der den mehrfach ausbrechenden Rechtsstreit mit seinem Landadel symbolisiert; der Lügentaler von 1596 und 1597, den der Herzog wegen Verbreitung fälschlicher Dinge über ihn prägen ließ; der Wahrheitstaler von 1597 und 1598, der als Pendant zum Lügentaler geprägt wurde; der Mückentaler oder fälschlich Wespentaler von 1599, auf dem der Herzog nunmehr seinen kaiserlichen Schutz symbolisch darstellen ließ, und der hier im Artikel beschriebene Pelikantaler oder Patriotentaler von 1599.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005)
Siehe auch Brillenmünze oder Brillentaler aus der Münzstädte Goslar und Wolfenbüttel Juliuslöser aus der Münzstätte Heinrichstadt in Wolfenbüttel
Literatur Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005. Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976. Johann David Köhler: Münzbelustigung, 1731, Teil III, S. 349. Karl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, Halle und Berlin 1811. Friedrich von Schrötter, Nikolai Bauer, Kurt Regling, Arthur Suhle, Richard Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930).
Einzelnachweise
Weblinks Künker: Pelikantaler, Variante
Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Talermünze Furstentum Braunschweig Wolfenbuttel Furstentum Kategorie:Pelikan in der Kultur