mini|Huawei Technologies in Shenzhen mini|Huawei-Industriepark in Shenzhen
Huawei ( IPA [] , amtlich ) ist ein 1987 von Ren Zhengfei gegründeter Telekommunikationsausrüster und Hardwarehersteller mit Sitz in Shenzhen, einer Sonderwirtschaftszone in China. In: www.huawei.com, abgerufen am 20. März 2019 2018 gehörte das Unternehmen auch zu den größten Herstellern von Wechselrichtern. Der Konzern hatte Ende 2023 weltweit rund 207.000 Mitarbeiter, davon 114.000 in der Forschung und Entwicklung.
Der Jahresumsatz 2023 betrug ca. 99,5 Mrd. USD, der Nettogewinn betrug ca. 12 Mrd. USD. Im April 2020 war Huawei kurzzeitig der größte Smartphone-Produzent der Welt nach Absatzzahlen vor Samsung und Apple.Roland Quandt: Huawei vor Apple/Samsung: (Kurz) Dank Corona Nr.1 bei Smartphones. In: Winfuture.de. 15. Juni 2020, abgerufen am 9. November 2020.
Schwerpunkt des Unternehmens ist die Entwicklung und Herstellung von Geräten der Kommunikationstechnik. Dazu gehören unter anderem Mobilfunk (UMTS, GSM, GPRS, GSM-R, WiMAX), aber auch xDSL, optische Netze, Netzwerk-Komponenten, WLAN Access Points, Server und Switches. Die Europazentrale des Huawei-Konzerns befindet sich in Düsseldorf. Aufgrund der angespannten politischen Situation in Europa, die Sicherheitsbedenken in der Lieferung von 5G-Komponenten aus dem Hause Huawei hegt, plante Huawei zur Schaffung größerer Akzeptanz und Transparenz 2020 ein Werk für 5G-Netztechnik in Frankreich.
2019 wurde der Huawei Campus Ox Horn mit etwa 25.000 Beschäftigten bei Shenzhen und etwa 50 km von Dongguan entfernt fertiggestellt; dort wurden zwölf verschiedene europäische Gebäude, darunter das Heidelberger Schloss, nachgebaut.
Geschichte
Erste Jahre
In den 1980er Jahren begann die chinesische Regierung mit dem Versuch, die bis dahin unterentwickelte Telekommunikationsinfrastruktur des Landes zu modernisieren. Im Zuge dieser Modernisierungsbemühungen gründete Ren Zhengfei 1987 in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen das Unternehmen Huawei. Sein Ziel war es, ein chinesisches Telekommunikationsunternehmen zu schaffen, das mit ausländischen Wettbewerbern konkurrieren konnte.Peilei Fan: Catching Up through Developing Innovation Capacity: Evidence from China’s Telecom Equipment Industry, In: Technovation Nr. 26, 2006, S. 359–368. Der Name ist die Abkürzung von 中华有为 Zhōnghuá yǒuwéi – was „das viel versprechende China“ bedeutet –, was „Huawei“ ergab.
Das Geschäftsmodell der ersten Jahre bestand vor allem aus dem Wiederverkauf von Telefonanlagen, die aus Hongkong importiert wurden. Gleichzeitig tätigte Huawei Investitionen in Forschung und Entwicklung eigener Technologien. 1990 gehörten etwa 500 Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung und Entwicklung zum Unternehmen.Nathaniel Ahrens: , Center for Strategic and International Studies, Washington 2013, S. 2–4.
Der erste Durchbruch erfolgte 1993 mit dem C&C08-Vermittlungssystem, dem damals leistungsstärksten seiner Art in China. Nachdem die Technologie zunächst in Kleinstädten und ländlichen Regionen angewendet worden war, wuchs mit der Zeit der Marktanteil. Mit dem 1996 verabschiedeten Grundsatz der chinesischen Regierung, heimische Telekommunikationsunternehmen zu fördern und den Zugang für ausländische Wettbewerber zu beschränken, wurde Huawei weiter gestärkt.Nathaniel Ahrens: China’s Competitiveness. Myth, Reality and Lessons for the United States and Japan. Case Study: Huawei, Center for Strategic and International Studies, Washington 2013, S. 4–6.
Internationale Expansion
mini|Huawei Store Den ersten internationalen Vertrag schloss Huawei 1997 mit dem aus Hongkong stammenden Unternehmen Hutchison Whampoa ab. Hinzu kamen weitere Verträge mit internationalen Telekommunikationsunternehmen und die Eröffnung mehrerer Forschungs- und Entwicklungszentren. In Europa wurde Huawei erstmals im Jahr 2000 tätig, als in Stockholm ein Forschungszentrum eröffnet wurde. Im Jahr 2002 summierte sich der internationale Absatz auf 552 Millionen US-Dollar. In: www.huawei.com, abgerufen am 20. März 2019.
Um das Jahr 2002 wurde dem Unternehmen durch den Netzwerkkomponenten-Hersteller Cisco vorgeworfen, dass die Geräte in Hardware als auch Software (IOS) fast bis ins Detail den Cisco-Produkten glichen. Im Jahr 2003 gab ein US-Gericht Cisco teilweise recht, jedoch nur im Bereich der Software. Schließlich einigten sich Cisco und Huawei auf einen außergerichtlichen Vergleich. Nachdem Ende 2004 Dritte die Einhaltung des Vergleichs durch Huawei bestätigt hatten, verfolgte Cisco die Vorwürfe gegen Huawei nicht weiter. Ein im Dezember 2006 von Huawei beim Europäischen Patentamt eingereichtes Patent sorgte in Fachkreisen für Verärgerung, da Huawei mutmaßlich die Mitarbeit beim IETF ausnutzte, um nun Patentschutz auf ein bereits zuvor bekanntes Verfahren zu beanspruchen.
Im Jahre 2005 überstiegen die im Ausland erwirtschafteten zum ersten Mal die Inlandsumsätze. Das chinesische Wirtschaftsmagazin Global Entrepreneur zeichnete im Juni 2007 Huawei als bestes chinesisches Unternehmen in Europa aus.
Im Jahre 2008 gründete Huawei mit der amerikanischen Symantec das Joint-Venture Huawei Symantec mit Sitz in Chengdu, China. Dabei hielt Huawei 51 % des Unternehmens, 49 % Symantec. Im November 2011 übernahm Huawei das Gemeinschaftsunternehmen komplett und zahlte dabei für Symantecs Beteiligung 530 Millionen US-Dollar.Huawei löst Symantec aus Gemeinschaftsunternehmen aus. In: heise.de, 17. November 2011.
Im März 2014 wurde durch Medienberichte bekannt, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA den Konzern ausspioniert habe.
Ende Februar 2016 wurde der Beginn einer langfristigen strategischen Allianz zwischen der Huawei Consumer Business Group und der Leica Camera AG bekanntgegeben. Im Rahmen der Technologiepartnerschaft sollen hochwertige Smartphone-Kameras entwickelt werden.Huawei und Leica Camera vereinbaren langfristige Technologiepartnerschaft im Bereich der Smartphone-Fotografie, Pressemitteilung von Leica vom 25. Februar 2016, abgerufen am 12. April 2016 Anfang April 2016 wurden mit dem Huawei P9 und dem Huawei P9 Plus die beiden ersten Produkte dieser Zusammenarbeit vorgestellt, die zur Verbesserung der Bildqualität zwei gekoppelte Kameras enthielten.Huawei P9 Debuts in London with Dual Camera Lens, Reinvents Smartphone Photography in Collaboration with Leica. In: huawei.com
Durch die Covid-19-Pandemie stand der Konzern im Weltmarkt der Smartphones im Frühjahr 2020 kurzzeitig auf Platz 1 nach Anzahl verkaufter Mobiltelefone zu rutschen. Der Jahresabsatz belief sich laut Prognose von Canalys auf 55,8 Millionen Smartphones. Zuvor belegte Samsung den ersten Platz.
Eskalation des Streites mit den Vereinigten Staaten
Mit einem am 15. Mai 2019 erlassenen Dekret erklärte US-Präsident Donald Trump den „Nationalen Notstand“ für die Vereinigten Staaten (USA) in Bezug auf Telekommunikation. Damit darf die US-Regierung Geschäfte zwischen US-Unternehmen und jenen „gegnerischer“ Staaten unterbinden. Die Regierung teilte mit, der Präsident tue alles, um die nationale Sicherheit der USA zu wahren und das Land vor „ausländischen Feinden“ zu schützen, die zunehmend Schwachstellen in der Kommunikationstechnik ausnutzten. Das US-Handelsministerium werde von nun an alle Geschäfte unterbinden, die nach seiner Ansicht inakzeptable Risiken für die Vereinigten Staaten oder für die „Sicherheit von Amerikanern“ bilden. Daraufhin beendete Google auf Weisung des US-Handelsministeriums ab Mai 2019 einen Teil seiner Zusammenarbeit mit Huawei.
Huawei nutzt unter anderem das Betriebssystem Android, welches von Alphabet Inc. unter der Open-Source-Lizenz GPLv2 veröffentlicht wird. Neben der Open-Source-Version stellt Alphabet Erstausrüstern eine lizenzierte Version bereit. Diese ermöglicht Anpassungen und Supportleistungen seitens Alphabet und den vorzeitigen Zugriff auf Aktualisierungen, um die Kompatibilität und Sicherheit zu wahren. Ohne jene Lizenz kann Huawei nicht auf Erstausrüster-Optionen und Google-Dienste wie Play Store, Gmail, Google Maps und weitere Dienste zurückgreifen. Sicherheitsupdates sind nur nach Veröffentlichung der Open-Source-Version von Android (AOSP) möglich, sodass dies bei Huawei – im Vergleich zu anderen Herstellern – zu einer verzögerten Aktualisierung führen kann.
Am 21. Mai 2019 wurde die Umsetzung der Sanktionen verschoben, da Huawei Teile der Mobilfunknetztechnik in den USA stellt. Die Maßnahmen wurden 90 Tage ausgesetzt mit der Möglichkeit weiterer Aussetzungen, um Anbietern Zeit einzuräumen, Alternativlösungen zu suchen. Huawei kündigte die Veröffentlichung eines mit Android kompatiblen Betriebssystems an: HarmonyOS, in China Hongmeng OS genannt.
In einem Telefonat mit Chinas Staatschef Xi Jinping lockerte Donald Trump am 29. Juni 2019 die Sanktionen etwas. Huawei beschuldigte im September 2019 die Bundesregierung der USA öffentlich, dem Unternehmen zu schaden: „Alle verfügbaren Möglichkeiten wie gerichtliche und administrative Befugnisse sowie vielfältige skrupellose Mittel sollen den normalen Geschäftsbetrieb von Huawei und seinen Partnern stören.“ Das Unternehmen warf der US-Regierung vor, Angestellte unter Druck gesetzt zu haben: „Aktuelle und frühere Huawei-Mitarbeiter wurden bedroht, um sie zu zwingen, zu verleiten oder zu motivieren, sich gegen Huawei zu wenden und für Behörden der USA zu arbeiten“. Das Unternehmen sprach von einer Kampagne der US-Regierung, andere Staaten wie Deutschland dazu zu drängen, Huawei-Technologie von Mobilfunknetzen fernzuhalten, da die Verwendung von Huawei-Geräten Daten von Bürgern und Militärs gefährde.Edwin Chan: Huawei accuses US of harassing workers attacking its systems Bloomberg.com vom 3. September 2019
Das US-Justizministerium widersprach der Darstellung von Huawei. Alle Untersuchungsmethoden der Beamten stünden im Einklang mit dem Gesetz. Die Behörde ermittelt gegen Huawei unter dem Verdacht, dass das chinesische Unternehmen Iran-Sanktionen unterlaufen habe.
Mitte August 2020, 12 Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl 2020, verschärfte die US-Regierung die Sanktionen gegen Huawei.faz.net: Neue Sanktionen könnten Huawei „tödlichen Schlag versetzen“
Da Huawei aufgrund des US-Handelsembargos nicht alle Bauteile für seine Smartphone-Produktion zukaufen konnte, musste die Produktion um 74 % reduziert werden.
Im November 2020 verkaufte Huawei seine Marke Honor an das neu gegründete Unternehmen Shenzhen Zhixin New Information Technology, ein Konsortium aus 30 Händlern.
Im Dezember 2020 setzten die USA 689 Unternehmen (296 aus China, darunter Huawei) auf eine schwarze Liste, nachdem US-amerikanische Behörden zu der Einschätzung gekommen waren, dass diese Unternehmen US-amerikanische Technologien bzw. technisches Know-how aus den USA an chinesisches Militär weitergeben könnten.
Im November 2022 hat die US-Regierung den Verkauf und den Import von Huawei-Kommunikationsgeräten in den USA verboten, weil diese laut FCC ein inakzeptables Risiko für die nationale Sicherheit darstellen würden.
Mitte 2024 hatte sich das Unternehmen nach einem kurzzeitigen Rückgang von Umsatz und Gewinn wieder erholt und setzte seine Expansion fort. Die meisten ausländischen Importe in der Lieferkette konnten in relativ kurzer Zeit erfolgreich durch heimische Produkte ersetzt werden. Im ersten Quartal 2024 versechsfachten sich die Gewinne des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 2,7 Milliarden US-Dollar.
Unternehmensstruktur Huawei gilt formal als eines der größten Mitarbeiterunternehmen mit Kapitalbeteiligung weltweit. 2024 befanden sich 98,86 Prozent der Unternehmensanteile über das Gremium der Huawei Investment & Holding Company Trade Union Committee im Eigentum von Angestellten. Aufgrund unübersichtlicher Auswahlmechanismen entspricht der Status jedoch am ehesten dem der Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung.