Der Radverkehr in Karlsruhe ist eine der tragenden Säulen im Stadtverkehr von Karlsruhe. Karlsruhe, als Universitätsstadt, hat einen sehr hohen Radverkehrsanteil von 31 Prozent, bei allen Wegen der Stadtbewohner. Im Binnenverkehr liegt dieser bei 34 % (Stand 2023). Dies kann auf die sehr hohe Zahl von Studierenden und zahlreichen im Stadtgebiet verteilten Hochschul- und Arbeitsplatzschwerpunkten im Technologie- und Dienstleistungsbereich zurückgeführt werden.
Jüngere Geschichte Bis etwa 2000 hatte Karlsruhe innerstädtisch vor allem Radwege angelegt, die mit geringer Breite und nur durch geringen Kontrast in der Färbung von dem vom Fußverkehr genutzten Flächen getrennt waren. Für dieses Radwege wurden häufig die vorher schon bestehenden Gehwege umgebaut. Somit wurde häufig dem Fußverkehr Platz entzogen, was nicht selten zu Konflikten zwischen diesen beiden Gruppen führte.
Unter dem langjährigen Bürgermeister Ullrich Eidenmüller (FDP, 1984–2008), damals neu für Planung zuständig, wurde ein BYPAD-Verfahren durchgeführt, um die künftige Fahrradpolitik breit zu entwickeln und breit zu verankern. Konkreter Anlass war, dass Karlsruhe nicht nur beim ADFC-Fahrradklimatest 2003 schlecht abschnitt, sondern auch bei einem Test Radfahren in (Groß-)Städten des ADAC nur auf Platz 18 von 22 untersuchten Städten kam.Karlsruhe im ADAC-Test „Radfahren in Städten“ auf Umwelt+Verkehr 2/2004
Als Ergebnis des BYPAD-Verfahrens wurde 2005 im Gemeinderat einstimmig das 20-Punkte Programm verabschiedete, als Richtschnur des Verwaltungshandelns bei Planung und Betrieb für den Radverkehr. Einige der ambitionierten Ziele wurden erreicht oder sogar übertroffen.
2013 erfolgte eine Nachsteuerung, und für einige Aspekte wurden neue Ziele oder Maßnahmenpakete definiert. Das 20-Punkte-Programm wurde ergänzt und geringfügig abgeändert. In der Praxis wurden aber auch einige der Ziele und konkret definierten Maßnahmen nicht erreicht bzw. umgesetzt. So wurden die Unfallzahlen nicht entsprechend der Zielsetzungen gesenkt. Es wurde keine spezielle Analyse der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrenden vorgenommen, sondern mit eigenen Mitteln eine allgemeine Unfallanalyse durchgeführt. Im Ergebnis wurde 2014 ein Verkehrssicherheitskonzept verabschiedet. Daraus abgeleitete Maßnahmen waren oft nicht sehr wirkungsvoll und gingen selten über das zuvor schon normale Handeln der Verwaltung hinaus. Dies wurde zum Beispiel in Freiburg anders gehandhabt, wo im Nachgang einer entsprechend detaillierten Unfallanalyse zu (unerlaubtem) linksfahrendem Radverkehr und zu Abbiegeunfällen konkrete strecken- oder punktbezogene Maßnahmen umgesetzt wurden.
In Karlsruhe wurde startend mit der Verabschiedung des 20-Punkte-Programms und verstärkt unter dem Baubürgermeister Michael Obert (FDP, 2008–2018)Michael Obert auf ka.stadtwiki.net in den Jahren seit etwa 2005 begonnen, die Anlagen für den Fahrradverkehr systematisch entsprechend dem damals und heute aktuellen Stand der Regelwerke der FGSV, in Hauptverkehrsstraßen vor allem mit Radfahrstreifen und Schutzstreifen auszubauen. Dies geschah in den letzten Jahren vermehrt auch unter Entfall von Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr oder Platz zum Parken am Fahrbahnrand (Beispiele Rheinstraße, Erzbergerstraße).
Obert sagte bei seiner Verabschiedung 2018 bezogen auf den Radverkehr in Karlsruhe, man sei noch nicht dort angekommen, wo man hinwolle.KA-News Artikel zur Verabschiedung von Michael Obert als Baubürgermeister
Als eine der ersten Kommunen führte Karlsruhe 2023, kurz nach dem Einführen des Grünpfeil für Radfahrende in der StVO, diesen an über 50 Kreuzungen ein.
Infrastruktur zum Radfahren
An etlichen Hauptverkehrsstraßen und anderen stärker von Kfz belasteten Straßen bestehen Radwege, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen. Innerstädtisch bestehen nur noch an einigen wenigen Straßen, wie der Reinhold-Frank-Straße, straßenbegleitend gemeinsame Führungen von Fuß- und Radverkehr. Abseits der Hauptverkehrsstraßen sind im Straßennetz fast vollständig Tempo-30-Zonen ausgewiesen, wo Radverkehr gemeinsam mit dem dort meist geringen Kfz-Verkehr die Fahrbahn benutzt. Hinzu kommt ein umfangreiches Netz von straßenunabhängigen Wegen, die meist gemeinsam mit dem Fußverkehr genutzt werden, in Grünanlagen, das Stadtgebiet durchquerend entlang der Alb, in Wäldern wie dem Hardtwald im nördlichen und südlichen Stadtgebiet oder dem Oberwald im zentralen Bereich. In diesem Wegenetz bestehen etliche Brücken über Auto- oder Eisenbahnen, Schnellstraßen oder Gewässer.mini|400x400px|Das Radnetz der Stadt Karlsruhe, Stand März 2023 Zahlreiche Radwege und Rad- und Gehwege in Karlsruhe haben noch eine Benutzungspflicht, obwohl diese bereits seit 1998 hätte überprüft werden müssen und, soweit die Kriterien der StVO und VwV-StVO nicht eingehalten werden, entfernt hätte werden müssen.muenchen.de zur Radwegbenutzungspflichtgeh-recht.de
In den Jahren seit etwa 2010 sind mehrere Fahrradstraßen eingerichtet worden. Die erste Fahrradstraße war 2015 die Bahnhofstraße. Einzelne Fahrradstraßen werden seit 2021 durch die Bevorrechtigung gegenüber Nebenstraßen aufgewertet. Fachliche Grundlage dafür sind die Musterlösungen für den Radverkehr des Landes Baden-Württemberg von 2017. Als erster Straßenzug ist die Sophienstraße zwischen Karlstraße, Reinhold-Frank-Straße und Schillerstraße mit Vorrang ausgestattet worden. Die große Mehrzahl der Fahrradstraßen ist bisher aber noch mit „Rechts vor Links“ geregelt (Stand Januar 2022: 8 Straßen). In der Sophienstraße wurde nach einem befristeten Verkehrsversuch auch eine erste ausdrücklich als Modaler Filter bezeichnete Diagonalsperre eingeführt und 2025 endgültig eingebaut, mit dem Durchfahrtsverkehr für Kfz unmöglich gemacht wird.
In größeren Teilbereichen der Innenstadt sind Fußgängerzonen für den Radverkehr frei gegeben worden, teilweise auch als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Der Ring um die zentrale Fußgängerzonen ist teilweise als Fahrradstraße ausgewiesen, so im Zirkel mit einer Unterbrechung für den Kfz-Verkehr und einem kurzen Teilstück, in dem Kfz-Verkehr nicht (mehr) zugelassen ist. Die zentrale Einkaufsstraße Kaiserstraße ist aufgrund von hohen Unfallzahlen infolge der abschnittsweise noch liegenden Straßenbahngleise nicht (mehr) für den Radverkehr freigegeben. Dort fuhr bis zur Eröffnung des Stadtbahntunnels die Straßenbahn Karlsruhe in dichter Taktfolge, so dass auch zuvor ein Verbot für den Radverkehr bestand.
Durch Alltagsrouten aus dem RadNETZ Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Karlsruhe über die Stadtteile Mühlburg und Daxlanden und über Rheinstetten mit Rastatt, über die Stadtteile Dammerstock und Rüpurr mit Ettlingen, über die Stadtteile Durlach und Grötzingen und über Pfinztal mit Pforzheim, in Pfinztal abzweigend über Sulzfeld mit Bretten, über die Stadtteile Rintheim und Hagsfeld und über Stutensee mit Bruchsal, über den Stadtteil Neureut und über Eggenstein-Leopoldshafen mit Waghäusel und über den Stadtteil Knielingen Richtung Wörth am Rhein verbunden.
Fahrrad-Wegweisung mini|Beschilderung auf der City Route Nord
Fahrrad-Wegweisung wurde an den nicht immer schon anforderungsgerecht ausgebauten Radrouten bis 2010 flächendeckend aufgestellt.Artikel KA-News 2015 Inzwischen sind einzelne Ergänzungen hinzugekommen durch Netzverdichtungen in Folge des landesweiten Radverkehrsnetzes von Baden-Württemberg.
Fahrradparken mini|Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof
Am Bahnhof gibt es zwei Fahrradstationen bzw. abgeschlossene Bereiche mit Zugangskontrolle, in denen Räder längere Zeit gesichert abgestellt werden können. An zahlreichen Stadtbahn-Haltestellen stehen, teilweise auch überdachte Abstellanlagen zur Verfügung, um Bike and ride zu unterstützen. Auch in der Innenstadt und an städtischen Einrichtungen stehen teils überdachte Fahrrad-Abstellanlagen bereit.Überblick zu Abstellanlagen in Karlsruhe auf mobil.trk.de
Weitere Angebote Als Fahrradverleihsystem besteht KVV-BikeKVV-Nextbike.de, von Nextbike betrieben, von dem im gesamten besiedelten Stadtgebiet und in den Nachbarstädten Ettlingen, Rheinstetten und den weiter entfernten Städten Rastatt, Bruchsal, Gaggenau und Baden-Baden Räder zur Verfügung stehen. Ein gedruckter Fahrradstadtplan ist verfügbar.Fahrradstadtplan auf karlsruhe-erleben.de
Größere Projekte in Planung
In mehreren Verbindungen werden Radschnellverbindungen über die Stadtgrenzen hinaus geplant. Für die Radialen nach Wörth am Rhein und ins Pfinztal liegen Machbarkeitsstudien vor, dabei ist die Region Karlsruhe federführend gewesen. Beteiligt sind Stadt und Landkreis Karlsruhe. Für die Ziele Ein Zeitplan zur Umsetzung ist noch nicht öffentlich bekannt.
An zwei Radschnellverbindungen wird gerade in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe geplant. Der Radschnellweg RS10 wird von Karlsruhe nach Ettlingen führen. Die Vorzugstrasse steht fest. Es wird mit Potenzialen von über 4.000 Radfahrenden pro Tag gerechnet. Der Radschnellweg RS13 wird von Karlsruhe bis nach Rastatt führen. Die Vorzugstrasse steht ebenfalls fest.
Rahmenbedingungen Karlsruhe ist Mitglied im eingetragenen Verein Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW). Der frühere Karlsruher Baubürgermeister Michael Obert war lange Vorsitzender oder Vorstandsmitglied des Vereins.
Ein Überblick zu den städtischen Aktivitäten wurde 2015 bei einer Veranstaltung aus Anlass von 10 Jahren 20-Punkte-Programm gegeben. Als Ziel wurde prägnant verkürzt gesagt, Karlsruhe wolle „das Bayern München des Radverkehrs werden“.
Nach einem erneuten BYPAD-Verfahren wurde 2021 vom Gemeinderat mit 38 zu 3 Stimmen das 'Karlsruher Programm für Aktive Mobilität’ beschlossenGemeinderat: Stadt der Mobilitätswende, auf karlsruhe.de, mit dem programmatischen ersten Satz: „Die Stadt will ihre Position als führende Fahrrad-Großstadt Deutschlands beibehalten und ausbauen.“Karlsruher Programm für Aktive Mobilität. Dieses umfasst jetzt auch Aussagen über die Förderung des Fußverkehrs und hat jetzt 25 Punkte.
Die Hochschule Karlsruhe hat eine der sieben Radverkehrs-Professuren erhalten, die vom Bundesverkehrsministerium ausgeschrieben worden waren. Sie betreibt das Radlabor, wo Studien- und Abschlussarbeiten mit Bezug zum Radverkehr bearbeitet werden.Tagungsband Fahrradlabor 2022
Radfernwege Der Rheinradweg, gleichzeitig D-Route 8D-Netz auf dem Radroutenplaner Deutschland und Eurovelo-Route 15Eurovelo 15 Basel bis Karlsruhe auf de.eurovelo.com, führt an beiden Ufern bis Karlsruhe, wechselt aber hier auf die linke Rheinseite. Zwischen Karlsruhe und der Höhe von Speyer ist ein rechtsrheinischer Rheinradweg nicht ausgeschildert.
Der Badische WeinradwegBadischer Weinradweg auf www.schwarzwald-tourismus.info führt von Grenzach-Wyhlen am Hochrhein nach Laudenbach im Rhein-Neckar-Kreis, dabei werden sieben der neun badischen Weinanbaugebiete untereinander verbunden. Die Route verläuft dabei von Ettlingen über Durlach nach Weingarten (Baden).
Der Stromberg-Murrtal-Radweg führt von Karlsruhe nach Gaildorf und verbindet damit den Rheinradweg mit dem Kocher-Jagst-Radweg. Er beginnt am Rheinradweg und führt zunächst am Hauptbahnhof vorbei, über die Stadtteile Durlach und Grötzingen ins Pfinztal und weiter ab Königsbach-Stein nördlich an Pforzheim vorbei nach Maulbronn.
Der Schwarzwald-Radweg führt über 375 km von Karlsruhe über den Schwarzwaldkamm nach Lörrach.
Wirkungen 2004 gab es einen Test „Radfahren in Städten“ des ADAC, bei dem Karlsruhe einen aus eigener Sicht enttäuschenden Platz 18, bei 22 beteiligten Großstädten bundesweit, erreichte.Fahrradstadt Karlsruhe, auf deutschlandfunkkultur.de