mini|Front am Ourcq am 6. September 1914 Die Schlacht am Ourcq (französisch: Bataille de l’Ourcq) vom 5. bis 9. September 1914, war zu Beginn des Ersten Weltkrieges ein wichtiger Kampfabschnitt der im Raum nordöstlich und östlich Paris ausgetragenen Marneschlacht. Dabei erfolgten starke Flankenangriffe der französischen 6. Armee (General Joseph Maunoury) gegen die im Rahmen des Schlieffenplanes am äußersten rechten Flügel operierenden deutschen 1. Armee (Generaloberst Alexander von Kluck), welche schließlich im Zusammenwirken mit den englisch-französischen Gegenangriffen im Raum am Grand und Petit Morin in Richtung auf Château-Thierry den allgemeinen deutschen Rückzug an die Aisne erzwangen. Das Schlachtfeld wurde im Norden vom Bois du Roi und Lévignen nach Osten durch den Fluss Ourcq von La Ferté-Milon bis Lizy-sur-Ourcq begrenzt, bevor er zwischen Congis und Varreddes in den Canal de l’Ourcq und die Marne einmündet. Das Schlachtgelände wird von der Grivette, Gergogne und der Thérouanne durchzogen und besteht aus einem hügeligen Plateau, das mit zahlreichen Dörfern, Obstgärten und Getreidefeldern besetzt war.

Übersicht mini|Hans von Gronau Die erste Konfrontation erfolgte am 5. September im Raum nordöstlich von Paris. Die Entscheidung des Generals der Artillerie Hans von Gronau, Kommandeur des deutschen IV. Reserve-Korps zur offensiven Aufklärung, offenbarte der Führung der deutschen 1. Armee die Gefahr, die aus dem Festungsbereich Paris drohte. Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hatte, traf Gronau eine ebenso richtige Entscheidung – sich auf eine Stellung hinter der Thérouanne zurückzuziehen, um sich zu verstärken. Noch am 6. September kämpften 42 deutsche Bataillone gegen 75 französische Bataillone, bei der Artillerie kam die Überlegenheit der Franzosen mit nur 14 Kanonen zum Ausdruck. Es zeigte sich, dass bei der französischen 6. Armee „das Mittel zur Lösung der Schlacht in Kanonen lag“. Um die lange Front stützen zu können, musste das II. Armee-Korps geteilt eingreifen: Die 3. Infanterie-Division beschränkte sich auf die Verteidigung, die 4. Infanterie-Division führte zusammen mit der 7. und 22. Reserve-Division die Kämpfe gegen die Franzosen. Am 7. September behielten die Franzosen noch immer ihre zahlenmäßige Überlegenheit: 87 Bataillone gegen 67 deutsche; allerdings konnte die deutsche Seite bereits 402 Geschütze (davon 32 schwere Haubitzen) gegen 312 der Franzosen einsetzen. General Sixt von Armin war bestrebt, die 8. Infanterie-Division geschlossen zu halten, doch die kritische Lage erzwang die 15. Infanterie-Brigade sofort zur Verstärkung des IV. Reserve-Korps einzusetzen. In den Kämpfen an diesem Tag war es nur mehr möglich, die Franzosen abzuwehren; nachts musste sogar ein kleiner Rückzug der Nordgruppe angeordnet werden. Der 8. September verlief weniger heftig, die Kämpfe bestanden hauptsächlich aus Artilleriegefechten auf beiden Seiten. An diesem Tag traf die 6. Infanterie-Division des III. Armee-Korps an der Ourcq-Front ein, die 5. Infanterie-Division blieb an der unteren Marne zurück, wo ein Durchbruch drohte. In der Nacht näherte sich auch das IX. Armee-Korps. Jetzt verfügte der nördliche Frontflügel am Fluss Ourcq auch bei der Infanterie über eine zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber dem Feind: 43 Bataillone mit 40 Batterien gegenüber 20 französische Bataillone mit 19 Batterien. In der Mitte standen 78 Bataillone und 77 Batterien 95 französische Bataillone mit 84 Batterien gegenüber. Schließlich standen im Süden an der Marne nur 11 Bataillone mit 12 Batterien im Vergleich zu 76 englischen und französischen Bataillonen mit 78 Batterien. Erst am Morgen des 9. September konnte an der deutschen Nordflanke ein Vorteil erzielt werden, der durch die Lage an der Marne hinfällig wurde.

Vorgeschichte Am 27. August blieb die französische 5. Armee bei Guise an der Oise stehen und wartete Verstärkungen für den vom französischen Oberbefehlshabern General Joffre geforderten ersten Gegenstoß ab, der aber an den beiden Folgetagen in der Schlacht bei St. Quentin scheiterte. Der französische Oberbefehlshaber General Joseph Joffre gab seinen Plan zum Gegenangriff nicht auf, gemäß der Lage sollte der linke Heeresflügel im Raum nördlich Paris weitere Verstärkungen erhalten und zum Zeitpunkt der Gegenoffensive versuchen, den deutschen rechten Flügel zu zerschlagen, während der Rest der Fronttruppen vorläufig starken Widerstand leisten und dann ebenfalls Gegenangriffe führen sollte.

mini|hochkant|Joseph Gallieni

Der Militärgouverneur von Paris, General Joseph Gallieni konnte sein Kommando zur Verteidigung der Hauptstadt in eine weitaus wichtigere Aufgabe umwandeln. Gallieni erkannte während des französischen Rückzuges schnell, dass die Armee von Paris eine wichtige Rolle in der folgenden Entscheidungsschlacht spielen konnte. Er pochte darauf dass die Streitkräfte von Paris und die Armeen auf dem Feld zusammen operieren mussten, wenn General Joffre die Offensive wieder aufnehmen sollte. Ab 27. August wurde die neue französische 6. Armee aufgestellt und unter das Kommando von General Joseph Maunoury gestellt. Vom 27. August bis 2. September wurden dafür das 7. Corps aus dem Elsass und die 55. und 56. Reserve-Division aus Lothringen herangeführt. Aus dem befestigten Bereich von Paris wurden bis zum 5. September die 61. und 62. Reserve-Division, sowie eine marokkanische Brigade (General Ditte) in Aussicht gestellt. Als weitere Verstärkung wurde das 4. Corps aus dem Verband der 3. Armee und die aus Afrika im Antransport befindliche 45. Division zugesagt. Auf dem äußersten linken Flügel der 6. Armee blieb das Kavalleriekorps des Generals Sordet mit der Sicherung betraut; und noch weiter nördlich und westlich sperrten mehrere Territorial-Divisionen den unteren Lauf der Somme von Picquigny bis zum Meer.

Die British Expeditionary Force (BEF) hatte sich Ende August hinter dem Wald von Crécy, in die Nähe der versorgenden Eisenbahnverbindung südlich von Paris zurückgezogen. In kaum drei Wochen hatten die Briten in zwei großen Schlachten und viele kleinere Engagements mit der deutschen 1. Armee gekämpft und hatten sich in zwölf Tagen 160 Meilen zurückziehen müssen, dabei viel Material und fast ein Fünftel der ursprünglichen Stärke – etwa 15.000 Mann verloren. Am 1. September griff die deutsche 4. Kavallerie-Division (Generalleutnant Otto von Garnier) die englische Nachhut auf der Linie Verberie-Néry (Gefecht bei Néry) an, die zunächst erfolgreich standhielt aber nach dem Nachrücken der deutschen Infanterie bald nachgab. Die französische 6. Armee nahm derweil Positionen zwischen Sacy-Le-Grand und Verberie ein, die östlich anschließende englische 4th Division (Generalmajor Thomas D’Oyly Snow) erweiterte die Front nach rechts. Die 111. Brigade der 56. Reserve-Division rückte von Chamant heran und die 112. Brigade stand westlich von Senlis in Reserve. Maunoury befahl seinen Truppen die Defensive und Verschleierung, die nach Süden vorrückten deutschen Kolonnen durften nach Joffres Weisung nicht angegriffen werden. Die marokkanische Chasseur-Brigade und die Kavalleriedivision hatten Befehl die Frontlücke bei Senlis-Chantilly zu decken. Die französisch-englische Linie verlief am Abend entlang der Orte Pont Pont-Sainte-Maxence, Mont-l’Évêque, Montépilloy, Fresnoy.

Am 1. September besetzte die französische 6. Armee die Linie Bresles, Clermont, Sacy-le-Grand, Verberie, rechts schloss die englische 4th Division an. Die 56. Reserve-Division bis zum Mittag die Positionen vom Vortag mit Blick auf den Osten zu halten, um die Linie Creil-Chantilly zu decken; von Mittag an sollte verhindert werden, dass die Deutschen aus Senlis weiter in Richtung Süden vordringen. Am Morgen des 2. September tobte auf den Höhen nordöstlich von Senlis der Artilleriekampf zwischen den Batterien des BEK und dem deutschen IV. Armee-Korps. Gemäß Tagesbefehl sollte die 56. Reserve-Division bis 12.00 Uhr die Linie Creil-Chantilly erreichen und nachmittags verhindern, dass die Deutschen südlich von Senlis weiter vordrangen. Nach der Abweisung eines Angriffes des 350. Regimentes, welches im Pontarmé-Wald als Reserve platziert war, konnten sich die Deutschen Senlis annähern, die 112. Brigade zog sich auf Neuilly-en-Thelle und Mordefontaine zurück. Gegen 10 Uhr vormittags evakuierten die Engländer die dominierende Höhen von Montépilloy, wo die Deutschen sofort eine Artilleriestellung installierten, welche versuchte die französische Artillerie niederzukämpfen. Inzwischen hatte die 112. Brigade südlich von Senlis hastig eine Stellung aufgebaut, sie wurde von einer Artilleriegruppe unterstützt, die im Nordwesten von Mont-l’Évêque die deutschen Batterien von Montépilloy konterte. Um 4 Uhr wurden die letzten Staffeln, die kämpfend aus Senlis herauskamen, in sehr geringem Abstand von der deutschen Vorhut verfolgt und unter Artilleriefeuer genommen. Angesichts eines Gegenangriffs der 350. Regiment, welches im Wald von Pontarmé als Reserve fungierte, mussten die Deutschen nach Senlis zurückkehren und den neuerlichen Widerstand brechen. Die französische 6. Armee setzte derweil ihre Rückzugsbewegung nach Südosten fort, um die Verteidigung des nordöstlichen Sektors von Paris an der Linie Creil – Thérain – Montgé-en-Goële – Dammartin-en-Goële – Villaines-sous-Bois – Ableiges zu gewährleisten. Gallienis Stabschef General Clergerie informierte das Große Hauptquartier telefonisch, dass die 6. Armee am Nachmittag nach Osten vorgehen und am linken Ufer der Marne zum Gegenangriff schreiten wird. Gallieni wollte die geschlossene Front mit den Briten sichern und dementsprechend besuchte er das Hauptquartier von John French, das zu dieser Zeit in Melun lag. Der abwesende britische Oberbefehlshaber war aber einige Meilen entfernt bei seinen Truppen. Nach seiner Rückkehr wurde Gallieni ein Telegramm vorgelegt, das von General Joffre stammte und dessen Entscheidung zum baldigen Gegenangriff ankündigte, sobald die in der mittleren Front neu gebildete 9. Armee dazu bereit wäre.

Am 3. September überschritt die deutsche 1. Armee die Marne zwischen La Ferté-sous-Jouarre und Chateau-Thierry und setzte die Verfolgung fort, ohne dass es noch zu größeren Kampfhandlungen kam, da die französische 5. Armee weiter zurückwich. Die Versuchung für den deutschen Generalstab muss groß gewesen sein, direkt auf Paris vorzustoßen, aber die Bedrohung durch die französisch-englische Armee blieb bestehen und die erste Aufgabe bestand darin, zunächst die alliierten Streitkräfte zu vernichten, die Stadt würde dann wie eine reife Frucht gepflückt werden.

Am Abend des 3. September hatte die deutsche 2. Armee die Marne zwischen Château-Thierry und Binson erreicht. Entgegen den Befehlen der Heeresleitung, stand die 1. Armee nicht einen Tag hinter Bülow, sondern war der 2. Armee sogar einen Tag voraus. Am Abend des 4. September erreichte die 2. Armee die Linie Pargny-Dhuis und Verdon (VII. Armee-Korps), Breuil (X. Reserve-Korps), Mareuil-en-Brie und Ablois-Saint-Martin (X. Armee-Korps), Damery und Épernay (Gardekorps). Am folgenden Tag gab Generaloberst von Bülow den Befehl zum Vorstoß auf die Linie Montmirail-Vertus.

Joffres Plan war einfach; Moltkes Plan war kompliziert und wurde zudem sehr schwerwiegend durch die Tatsache, dass Generaloberst von Kluck nicht die Absicht hat, die erhaltenen Befehle buchstabengetreu auszuführen. Das IV. Reservekorps, bestehend aus der 7. Reserve-Division (Graf von Schwerin) und der 22. Reserve-Division (Riemann), war auf den Höhen von Multien mit der 4. Kavalleriedivision angehalten worden, um an Ort und Stelle zu bleiben und Paris zu beobachten.