Das Hotel Lunik in Eisenhüttenstadt ist ein 1963 fertiggestelltes und denkmalgeschütztes Bauwerk im Stil der Moderne. Es diente als Hotel, Kultur- und Gesellschaftseinrichtung für die damals neuerbaute Wohnstadt des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO).

Das Gebäude wurde bis Ende 1990 durch die staatliche HO als HO-Hotel betrieben. Der Hotelbetrieb wurde im Jahr 2000 eingestellt.

Lage

Das Hotel befindet sich im Zentrum von Eisenhüttenstadt in Nachbarschaft zum Lindenzentrum (erbaut als Textilkaufhaus) und dem Rathaus (erbaut als Haus der Parteien und Massenorganisationen). Zusammen mit dem Lindenzentrum bildet es das „Eingangstor“ zur Lindenallee, der Haupteinkaufsstraße der Stadt, vom Zentralen Platz aus. Die Adresse lautet, damals wie heute, Straße der Republik 35a.

Die zeitweise in den Räumen des ehemaligen Konzertcafés in den 1990er Jahren bestehende Filiale der Drogeriekette Rossmann hatte die Adresse Straße der Republik 34a. Diese Hausnummer existiert heute nicht mehr.

Name

In den Bauunterlagen taucht lediglich die Bezeichnung Hotel, später Hotel Stalinstadt auf. Eine Farbstudie aus dem Jahr 1958 bezeichnet das Gebäude als Hotel Kriwoi Rog, nach dem russischen Namen der ukrainischen Großstadt Krywyj Rih, von wo das EKO das Roherz zur Stahlerzeugung bezog.

Der Rat der Stadt als Bauherr beschäftigte sich 1959–1960 in seinen Ratssitzungen mit dem Namen des Hotels.Protokoll über die 84. Sitzung des Rates der Stadt Stalinstadt am 04.02.1960; Stadtarchiv Eisenhüttenstadt, Bestand C 07, Sekretär des Rates.Protokoll über die 61. Sitzung des Rates der Stadt Stalinstadt am 26.05.1959; Stadtarchiv Eisenhüttenstadt, Bestand C 07, Sekretär des Rates. Der Name Hotel Lunik wurde schließlich über ein Preisausschreiben am 4. März 1960 gefunden.Wie das Lunik seinen Namen bekam; Märkische Oderzeitung, 31. August 2000 Weitere Vorschläge lauteten Hotel international und Hotel Glück Auf. Das Wort Lunik stammt transkribiert aus dem russischen und bedeutet „kleiner Mond“. Das Gebäude steht somit im Zeitgeist der späten 1950er und 1960er Jahre mit dem Wettlauf ins All (erste sowjetische Lunik-Missionen).

Bau- und Planungsgeschichte

Die Projektierung erfolgte durch das Entwurfsbüro Hochbau II in Berlin. Projektant war Willy Stamm. Frühe Zeichnungen stammen von Hermann Enders (1956), spätere von Willi Stamm (1957) und Herbert Härtel (1958). Die tatsächlichen Ausführungszeichnungen sind auf die Jahre 1959–1960 datiert.

Bereits 1956 wurden Bohrungen im Bereich der Magistrale (Lindenallee) durchgeführt.Bohrplan der Magistrale im Bereich des Hotels, 1956, Stadtarchiv Eisenhüttenstadt, Bestand C 11 Stadtbauamt

Geplanter Baustart für das Hotel war am 15. Oktober 1959.Protokoll über die 56. Sitzung des Rates der Stadt Stalinstadt am 17.03.1959; Stadtarchiv Eisenhüttenstadt, Bestand C 07, Sekretär des Rates. 1961 stand das Bettenhaus im Rohbau. Die Fertigstellung des Bettenhauses einschließlich des Haupteingangs war im Juli 1963. Letzte Arbeiten zur Fertigstellung des Konzertcafés erfolgten bis 1964.

Zu den künstlerischen Interieurs des Hotels gehörte u. a. eine von Carl Marx entworfene und ausgeführte Gestaltung der Nachtbar (Hinterglasmalerei, hinterlegt mit präparierter Metallfolie, 2,70 × 4,00 m).

Betrieb als HO-Hotel bis 1990 mini|Hotel Lunik bei Nacht, 1964

Der Hotelbetrieb begann als Teilinbetriebnahme des Bettenhauses im April 1963. Das Speiserestaurant eröffnete am 21. Dezember 1963. Die Küche selbst und die Nachtbar nahmen bereits am Vortag den Betrieb auf. Das Hotel wurde Ende 1963 dem HO-Kreisbetrieb Eisenhüttenstadt vom Rat der Stadt übergeben. Erster Leiter des Hotels wurde Fritz Schubert. Bekanntere Hotelgäste in den 1960er Jahren waren die Kosmonautin Walentina Tereschkowa und der Sänger Fred Frohberg.

Langjähriger Leiter des Hotels war ab 1969 Dieter Rufenach. Jährlich gab es etwa 30.000 Übernachtungen, davon gut 25.000 Gäste aus dem Inland und 5.000 aus dem Ausland.

Die Küche wurde viele Jahre durch Erwin Rose geleitet. Zu den Festtagen wurde regelmäßig ein gastronomisches Sonderangebot geboten, zum Teil mit Verkostungen.Hotel Lunik bietet Festliches; Neuer Tag, 19. November 1987Vom Bohneneintopf bis zur Delikatwurst; Neuer Tag, 28. November 1987 Auch Tanz- und Ballveranstaltungen fanden statt.Und donnerstags geht’s zum Ball; Neuer Tag, 6. Januar 1988Lunik-Disko-Treff; Neuer Tag, 25. Oktober 1972 Auf der Terrasse fanden im Sommer Grillfeste mit Musik statt.Und freitags zur Grillparty auf die Lunik-Terrasse; Neuer Tag, 6. Juli 1988

Vermutlich ab Ende der 1970er Jahre wurde das bisherige Frühstückszimmer im Zwischengeschoss als Intershop genutzt, wovon es in Eisenhüttenstadt letztendlich drei gab.

Noch im Mai 1989 waren das 1. und 2. Obergeschoss des Hotels wegen Instandsetzungsarbeiten geschlossen. Anfang 1990 fanden weitere Renovierungsarbeiten statt. Es entstand der neue Salon Schlaubetal im Bereich des Frühstückszimmers.Salon Schlaubetal mit heimatlichem Kolorit; Neuer Tag, 19. Januar 1990

Geschichte seit 1990

Im Mai 1990 wies Hotelleiter Jürgen Tischer Gerüchte über einen Verkauf des Hotels zurück. Das Hotel bleibe Teil einer neuen GmbH als Nachfolger des HO-Betriebs, so Tischer.Ab heute billger zum Bar-Nachtvergnügen; Märkische Oderzeitung, 8. Mai 1990 Bis Anfang 1991 waren die Betten nahezu ausgelastet, während die Besucherzahlen im Speiserestaurant drastisch zurückgingen und es über die Nachmittagsstunden geschlossen wurde.Betten nahezu ausgelastet, im Restaurant Gästeflaute; Märkische Oderzeitung, 3. Januar 1991 Zu diesem Zeitpunkt wurde das Hotel zum Verkauf durch die Treuhand ausgeschrieben.Hotel von Treuhand zum Verkauf ausgeschrieben; Märkische Oderzeitung, 3. Januar 1991 Es wurde am 1. Oktober 1991 an die Oswecon GmbH verkauft und trug ab Februar 1992 den Namen City-Hotel.

Das Konzertcafé wurde als erster Teil geschlossen: Bereits ab 11. Juli 1990 firmierte das Café nun als Stadtrestaurant 2. Es schloss zum Jahresende 1991. In den Räumen eröffnete 1992 eine Rossmann-Filiale. Sie zog im Sommer 2001 ins benachbarte Lindenzentrum, später ins Einkaufszentrum CityCenter. Konzertcafé, Küche und Speiserestaurant wurden baulich getrennt und das ursprüngliche gemeinsame Vestibül zugemauert. Teile der bisherigen Küche dienten Rossmann als Warenlager.

Die Nachtbar wurde im Juli 1992 nach Umbauarbeiten als East-Side-Club zunächst wieder eröffnet.Nicht nur für Klubkarteninhaber; Märkische Oderzeitung, 28. Juli 1992

Der Intershop, das ursprüngliche Frühstückszimmer, wurde als Bürofläche für ein Reisebüro umgenutzt.

Das Speiserestaurant firmierte nach einer Renovierung ab Mai 1992 kurzzeitig als Restaurant Schlaubetal.Hotelrestaurant öffnet nach Renovierung; Märkische Oderzeitung, 9.–10. Mai 1992 Am 1. Dezember 1993 wurde dort ein griechisches Spezialitätenrestaurant mit dem Namen Olympia eröffnet. Noch am 12. Oktober 1997 fand eine Livesendung des ORB aus dem Restaurant stattKlatsch-Café am Sonntag im "Lunik"; Märkische Oderzeitung, 11./12. Oktober 1997, welches kurz danach schloss.

Ab Juni 1998 wurde das Hotel zwangsverwaltet. Der Insolvenzverwalter setzte die Hotelleitung ab. Ab diesem Zeitpunkt wurden der Konkurs des Hotels und die Entlassung von Mitarbeitern erwartet.Damoklesschwert schwebt über dem City-Hotel; Märkische Oderzeitung, 17. Juni 1998Zwangsverwalter setzt Hotelleitung ab; Märkische Oderzeitung, 18. Juni 1998 Die Lage spitzte sich zum Jahresende 1998 weiter zu.Versprochener Investor bisher nicht in Sicht; Märkische Oderzeitung, 9. Dezember 1998

Der Hotelbetrieb wurde im April 2000 endgültig eingestellt.Das Geisterhotel im Stadtzentrum; Märkische Oderzeitung, 19. April 2000 Im Juni 2001 wurde das Hotel erstmals versteigert und an eine Entwicklungsgesellschaft verkauft, mit dem Ziel aus dem Gebäude ein Pflegeheim zu machen. Das Speiserestaurant sollte dabei in eine Kantine umgewandelt werden. Zudem gab es Überlegungen, den angrenzenden, bis heute nicht fertig bebauten Zentralen Platz als Parkanlage mit einzubeziehen. Parallel bemühten sich engagierte Akteure in der Stadt und Gesellschaft um die Unterschutzstellung des Gebäudes, welche 2002 als Einzeldenkmal erfolgte.Hotel "Lunik" unter den Hammer gekommen; Märkische Oderzeitung, 7. Juni 2001Statt Hotelgäste nun Pflegefälle; Märkische Oderzeitung, 23./24 Juni 2001 Die Entwicklungsgesellschaft ging 2002–2003 insolvent.Unendliche Geschichte "Lunik"; Märkische Oderzeitung, 13. August 2002 2004 und 2005 stellten interessierte Investoren mehrfach Pläne das Gebäude in ein Alten- und Pflegeheim umzuwandeln vor.Hotelruine "Lunik": Die Hoffnung stirbt zuletzt; Märkische Oderzeitung, 9. Januar 2004Leichte Hoffnung für das "Lunik"; Märkische Oderzeitung, 17. Februar 2005

Das Lunik sollte am 28. April 2006 abermals zwangsversteigert werden, dies scheiterte zunächst. Im August wurde das Gebäude erstmals durch die Polizei aufgrund der Fassadenschäden abgesperrt. Der Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille erwarb das Hotel im September 2006. Er äußerte sich nicht, was aus dem Gebäude werden soll.Lunik steht zum Verkauf; Märkische Oderzeitung, 1. Februar 2006Versteigerung gescheitert; Märkische Oderzeitung, 29./30. April 2006Das Lunik bröckelt ab; Märkische Oderzeitung, 15. August 2006Das frühere City-Hotel hat seit wenigen Tagen einen neuen Eigentümer; Märkische Oderzeitung, 12. September 2006

Das Hotel wurde 2023 von der städtischen Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH zusammen mit den beiden ruinösen Wohnheimen im Stadthafenweg erworben.

Das Gebäude ist 2024 Teil des von der Leipziger Messe in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmalschutz bundesweit veranstalteten Wettbewerbes Messeakademie für Architekturstudierende. Hierbei sollen mögliche Konzepte zum Erhalt und zur Nutzung des Hotels sowie des angrenzenden, bis heute nicht fertig bebauten, Zentralen Platzes gefunden werden.

Architektur und Ausstattung Baubeschreibung mini|Farbdia von 1965: gut erkennbar die ursprünglichen blauen und gelben Porzellanfliesen an der Fassade

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen 23 m hohen siebengeschossigen, vollunterkellerten Stahlbetonskelettbau. Das Dach ist ein Flugdach mit bekiester Bitumendachdeckung. Das Konzertcafé mit dem Küchentrakt ist als eingeschossiger Anbau in traditioneller Mauerwerksbauweise ausgeführt. Die Wärmeversorgung erfolgte über das Fernheiznetz der Stadt. Hinter dem Hotel befindet sich ein dazugehöriger Wirtschaftshof mit Umformerstation. Zum Zwecke der Ausfallsicherheit konnte die Stromversorgung des Hotels zudem auf den Umformer des Textilkaufhauses umgeschaltet werden. Planerisch zum Hotel gehört auch der zweigeschossige Kosmetiksalon in der Lindenallee, welcher als Verbinderbau zwischen dem Hotel und dem benachbarten Wohnblock fungiert.

Der Hotelbetrieb bot 110 Betten. Den Kern des gastronomischen Angebots bildete das Speiserestaurant im Erdgeschoss, welches durch das Frühstückszimmer im Zwischengeschoss, eine Weinstube und das Konzertcafé mit hauseigener Konditorei ergänzt wurde. Ein Vestibül diente als gemeinsamer Eingangsbereich mit Garderobe für Restaurant und Café. Im Kellergeschoss befand sich die Nachtbar Luna, welche sowohl über die Empfangshalle als auch separat von außen zu erreichen war. Das Dachgeschoss verfügte über einen Clubraum, welcher für verschiedene kulturelle Zwecke genutzt wurde. Der Kosmetiksalon war für Hotelgäste direkt vom Erdgeschoss aus zu erreichen.

Das Hotel war teilklimatisiert. Dies war insofern wichtig, da die Fenster im Speiserestaurant und im Konzertcafé nicht geöffnet werden konnten. Das Klimagerät arbeitete als Luft-/Wasser-Anlage und befand sich im Kellergeschoss von wo aus die aufbereitete Luft ins Erdgeschoss und in die Nachtbar geblasen wurde. Für die Verteilung der Luft im Erdgeschoss gab es oberhalb dessen ein kaum sichtbares Technikgeschoss.