Jezioro ( Thiensdorf, früher Thiensdorff) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Elbinger Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist der Landgemeinde Markusy (Markushof) zugeordnet. mini|Dorfkirche, bis 1945 Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Thiensdorf
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt im ehemaligen Westpreußen, auf dem kleinen Marienburger Werder, an der Thiene, etwa zwanzig Kilometer ostnordöstlich von Marienburg (poln. Malbork) und zehn Kilometer südlich von Elbing (Elbląg).
Geschichte Thiensdorf wurde in der Neuzeit gegründet und war Teil eines Konglomerats von 16 Dörfern, den sogenannten ‚Holländer Huben‘ oder ‚Holländereien‘, die während der damaligen Zugehörigkeit der Region zu Königlich Preußen oder ‚polnisch Preußen‘ im Danziger und Großen Werder des Weichseldeltas angelegt wurden. Die ersten Siedler waren aus den Niederlanden vor der Inquisition geflohene evangelisch-lutherische und mennonitische Familien. Die übrigen Ortschaften sind: Langenau, Schwansdorf, Baalau, Hohenwalde, Markushof, Spiringwald(?), Wengeln, Wengelwalde, Eschenhorst, Alt Rosengart, Rosenort, Reichhorst, Sorgenort, Kniebau, Kronsnest und Schönwiese.Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Bretschneider, Marienburg 1868, S. 110 (Google Books). Die niederländischen Neusiedler, die einschlägige Erfahrungen auf dem Gebiet der Trockenlegung von Feuchtgebieten mitbrachten, sollten im Weichseldelta brachliegendes Bruchland und Sumpfgelände entwässern, um Agrarland zu gewinnen.
Das kleine Bauerndorf hatte um 1908 einen Gasthof, eine Schmiede, eine Stellmacherei und im Ortsteil Rückfort eine Zweigstelle der Drausensee-Niederunger Spar- und Leihbank GmbH.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc., Band 11a: Westpreussen, 10. Ausgabe, Nürnberg 1904/1908, S. 143 (Google Books).
In Thiensdorf sprach man bis 1945–46 Niederpreußisches Deutsch.
Im Jahr 1945 gehörte Thiensdorf zum Kreis Marienburg (Westpreußen) im Regierungsbezirk Marienwerder im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs. Thiensdorf war Sitz des Amtsbezirks Thiensdorf. Das Standesamt befand sich ebenfalls hier.Westpreußisches Ortsverzeichnis: Eschenhorst in: westpreussen.de, abgerufen am 7. April 2023
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Thiensdorf seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.
Demographie
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1783 – erbemphyteutisches Dorf mit einer lutherischen Pfarrkirche und einem mennonitischen Bethaus, zwölf Feuerstellen (Haushaltungen)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 236 (Google Books). 1818 66 erbemphyteutisches DorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 17, Ziffer 622 (Google Books). 1852 100 Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats, enthaltend die sämmtlichen Städte, Flecken, Dörfer … mit Angabe des Gerichts erster Instanz … Unter Benutzung der Akten des Königlichen Justiz-Ministeriums. Deckersche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1856, S. 624 (Google Books). 1867 134 am 3. Dezember 1871 133 am 1. Dezember, davon 75 Evangelische, 15 Katholiken und 43 sonstige ChristenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 350–351, Ziffer 134 (Google Books). 1885 200 in 29 Wohngebäuden, am 1. Dezember, darunter 156 Evangelische, zehn Katholiken und 34 sonstige Christen Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen, Berlin 1887, S. 16–17, Ziffer 132 (Google Books). 1905 174 in 28 bewohnten Wohnhäusern, am 1. Dezember, davon 126 Evangelische, 13 Katholiken und 35 andere ChristenKönigliches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Heft II: Provinz Westpreußen, Berlin 1908, S. 80–81, Ziffer 114 (Google Books). 1910 166 am 1. Dezember, sämtlich mit deutscher Muttersprache, darunter 120 Evangelische, 13 Katholiken und 33 sonstige ChristenKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft II: Regierungsbezirk Danzig. 9. Kreis Marienburg i. Westpr., S. 36–37, Ziffer 112 (Google Books). 1925 132 1933 183 1939 174
Religionsgemeinschaften mini|Ehemaliges Mennoniten-Bethaus, erbaut 1865
Evangelische Zwar war den im Delta angesiedelten niederländischen Entwässerungspionieren, die den evangelisch-lutherischen und mennonitischen Glaubensbekenntnissen angehörten, Religionsfreiheit zugesichert worden, der etablierten römisch-katholischen Geistlichkeit der Umgebung war die dauerhafte Ansiedlung andersgläubiger Religionsgemeinschaften in diesem ländlichen Raum jedoch nicht willkommen.
Thiensdorf hatte im 18. und 19. Jahrhundert eine evangelische Pfarrkirche und ein mennonitisches Bethaus.August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 432 (Google Books).Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 442–444 (Google Books).
Zum evangelischen Kirchspiel Thiensdorf gehörten um 1869 die Ortschaften: Thiensdorf und Thienshof, Thiensdorfsee und Rückfort, Markushof, Altrosengart, Eschenhorst, Kuckuck (am 1. Juli 1935 in die Landgemeinde Thiensdorf eingegliederthttps://westpreussen.de/pages/forschungshilfen/ortsverzeichnis/ortssuche.php), Schwansdorf, Schwansdorferhöfchen, Wengeln, Wengelwalde, Rosenort, Reichhorst und Fellermannshuben, Augustwalde, Sorgenort, Stobbendorf, Spitzendorf, Baalau und Hohenwalde.Parey (Landrat): Das freicöllmische Patronat über seine evangelischen Kirchen im Marienburger Kreise. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 6, Königsberg in Pr. 1869, S. 238–246, insbesondere S. 246, Ziffer 16 (Google Books). 1871 wurde der zwischen Thiensdorf und Königsblumenau (früher Blumenau oder Königlich Blumenau, etwa zwölf Kilometer südsüdöstlich entfernter Ort, gehörte zum benachbarten ostpreußischen Kreis Preußisch Holland, wurde früher auch Blumenberg genanntAgathon Harnoch, 1890, ebenda, S. 135 (Google Books).) gelegene, von den Flüsschen Kummer und Sorge eingeschlossene Weiler Kühlborn eingepfarrt.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, Nr. 15, vom 12. April 1871, S. 58, Ziffer 183 (Google Books). Kühlborn wurde 1870 mit der Landgemeinde Sorgenort vereinigt.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, No. 38, vom 21. September 1870, S. 176, Ziffer 487 (Google Books).
Evangelische Geistliche bis 1945 Von der Ortsgründung an bis zur Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ab 1945 amtierten in Thiensdorf folgende evangelische Geistliche:
Mennoniten Den Mennoniten hatte seit 1728 ein hölzernes Bethaus zur Verfügung gestanden. 1865 wurde an derselben Stelle ein gemauertes Bethaus errichtet.Jahrbuch der Altevangelischen Taufgesinnten oder Mennoniten-Gemeinden (H. G. Mannhardt, Hrsg.), Danzig 1888, S. 13 (Google Books).
Literatur Thiensdorf, Dorf, im kleinen Marienburger Werder, Kreis Marienburg Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Thiensdorf (meyersgaz.org). Max Toeppen: Eine Originalurkunde Gustav Adolfs über ein Kirchspiel Westpreussens. In: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins, Band 27, Danzig 1889, S. 101–104 (Google Books). Max Toeppen: Beiträge zur Geschichte des Weichseldeltas (= Abhandlungen zur Landeskunde der Provinz Westpreußen, Heft VIII). Bertling, Danzig 1894 (Google Books). Ludwig Jedemin Rhesa: Ueber die Stiftung und die Schicksale der Kirche zu Thiensdorf in Westpreußen (Vorgelesen in der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Königsberg am 5. Februar 1835). In: Preussische Provinzial-Blätter, Band 14, Königsberg 1835, S. 239–253 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 442–444 (Google Books).
Weblinks
Amtsbezirk Thiensdorf (Territorial.de)
Einzelnachweise
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