Während der Koalitionskriege entwickelte sich die Royal Navy zur weltweit dominierenden Seemacht. Im Kampf gegen die französische Republik und das Kaiserreich Frankreich bestand ihre Aufgabe darin, Blockaden französischer Häfen aufrechtzuerhalten, Feldzüge zu unterstützen und britische Interessen weltweit zu verteidigen. Sie unterstand der Obersten Marinebehörde der Admiralität, die von Whitehall aus die Rekrutierung, Logistik und Strategie koordinierte. Seeleute lebten und arbeiteten unter schwierigen Bedingungen, mit beengten Quartieren, strenger Disziplin und sich wiederholenden Tagesabläufen. Die Verpflegung war einfach und oft von schlechter Qualität. Zu den Bemühungen um eine Verbesserung der Gesundheit gehörten der regelmäßige Verzehr von Zitronensaft zur Bekämpfung von Skorbut und später die Einführung von Konserven. Die medizinische Versorgung an Bord war rudimentär und beschränkte sich in der Regel auf einen Schiffsarzt und dessen Assistenten. Durch systematische Bemühungen zur Bekämpfung von Krankheiten konnte die Sterblichkeit auf den Schiffen reduziert werden. Die Rekrutierung einer ausreichenden Anzahl erfahrener Seeleute war ein ständiges Problem für die Royal Navy. Schwere Verluste durch Gefechte, Krankheit und Desertion führten dazu, dass die Schiffe oft unterbesetzt waren. Um diese Verluste auszugleichen, verließen sich die Kapitäne auf eine Kombination aus Freiwilligen, die durch Prämien angelockt wurden, der Zwangsrekrutierung durch Presskommandos und den den Küstenbezirken auferlegten Quoten.

Die Praxis der Zwangsrekrutierung führte häufig zu Spannungen und war sowohl bei Seeleuten als auch in der breiten Öffentlichkeit unbeliebt. Viele der eingezogenen Männer hatten keine Erfahrung und ihre Eingliederung in die Mannschaft erfahrener Seeleute stellte eine ständige Herausforderung dar. Trotz dieser Schwierigkeiten errang die Royal Navy bedeutende Siege, wie bei Trafalgar und Abukir. Überlegene Seemannschaft, und Organisation, trugen maßgeblich dazu bei, die französische und die verbündeten Seestreitkräfte zu schwächen. Durch die Sicherung der Seeherrschaft verhinderte die Royal Navy eine Invasion Napoleons in Großbritannien und ermöglichte es dem britischen Handel, während der gesamten Kriegszeit weiterzulaufen.

Hintergrund Als Preußen und Österreich im April 1792 gegen Frankreich in den Krieg zogen, schlossen sich die Briten ihnen zunächst nicht an. Erst der Einmarsch in die österreichischen Niederlande und die Kriegserklärung der Franzosen im Februar 1793 veranlassten die Briten, sich der Koalition anzuschließen. Die britische Strategie versuchte, die widersprüchlichen Forderungen nach ständiger militärischer Präsenz mit der globalen Strategie der Seeherrschaft in Einklang zu bringen. Der effektive Einsatz der Marinestreitkräfte wurde jedoch durch die schiere Größe der französischen Vorkriegsflotte erschwert. Die Grundlage für die Beherrschung der See bestand aus einer Blockade der französischen Marine in ihren Marinestützpunkten. Die Blockade würde die Franzosen an einem effektiven Schutz ihrer Kolonien und ihrer Handelsflotte hindern und damit ihre Wirtschaft schwächen.

Geschichte Erster Koalitionskrieg

Als die französische Flotte 1793 aktiviert wurde, gab es nur wenige Offiziere, die Schiffe waren baufällig, die Werften leer und die Männer waren kurz davor zu meutern. Der Kampf um lokale politische Interessen gegen die zentralistischen Jakobiner führte zur Übergabe von Toulon und damit der französischen Mittelmeerflotte an die Briten. 1793 waren die Franzosen zunächst untätig, was den Briten genügend Zeit gab, die Grand Fleet unter Richard Howe in Spithead zusammenzustellen.

Glorious First of June

Das erste größere Gefecht zwischen der französischen und der Royal Navy fand am 1. Juni 1794 einige hundert Seemeilen westlich von Ouessant statt. Dort trafen 25 britische Schiffe unter Richard Howe auf 26 französische Schiffe unter Louis de Joyeuse. Die französische Flotte begleitete einen Konvoi von Getreideschiffen aus den Vereinigten Staaten, während die Briten versuchten, die französischen Seeoperationen zu stören und die Lieferung von Nachschub zu verhindern. Die Schlacht begann mit einer Reihe intensiver Schiff-zu-Schiff-Gefechte, bei denen die Briten versuchten, die französische Linie zu durchbrechen, um sie von beiden Seiten anzugreifen. Obwohl nur wenige Schiffe dazu in der Lage waren, konnten die Briten einzelne französische Schiffe in einem Melee isolieren und schwere Schäden verursachen. Den ganzen Tag über tobte die Schlacht, und es kam zu mehreren einzelnen Schiff-zu-Schiff-Duellen. Schließlich wurde die französische Flotte überwältigt, und viele ihrer Schiffe wurden gekapert oder zur Kapitulation gezwungen. Die Briten errangen einen entscheidenden Sieg, indem sie sieben französische Linienschiffe und eine Fregatte erbeuteten und dem Feind erhebliche Verluste zufügten.

Mittelmeer und Nordsee Am 5. Februar setzte eine britische Flotte unter John Jervis 6.100 Mann unter Charles Grey auf Martinique ab, das am 15. März erobert wurde. Am 2. April fielen St. Lucia und zehn Tage später Guadeloupe in die Hände der Briten. Im Juni und Juli 1795 kam es im Golf von Biskaya und im Mittelmeer zu weiteren Gefechten, die die Briten für sich entscheiden konnten. Die Verluste auf britischer Seite lagen bei 42 Toten und 152 Verwundeten. Schließlich konnte im August Korsika erobert werden.

Mit dem Anschluss der Niederlande und Spaniens an Frankreich 1795 bzw. 1796 wurde die strategische Situation für die Royal Navy noch schwieriger. Im Mittelmeer war die Royal Navy schlichtweg überfordert. Neben der Aufrechterhaltung der Blockade von Toulon musste sie den britischen Handel schützen, Korsika und Livorno verteidigen und die Österreicher in Italien und in der Adria unterstützen. Nachdem die Franzosen Livorno, Korsika und Elba erobert hatten, blieben für die Briten nur wenige Häfen offen, so dass die Royal Navy im Dezember gezwungen war, sich aus dem Mittelmeer nach Gibraltar zurückzuziehen. Trotz dieses Rückschlags konnte die Royal Navy die Spanier bei St. Vincent und die Niederländer bei Camperduin schlagen. Auch wenn diese Siege einen gewaltigen moralischen Schub für die Royal Navy darstellten, konnte nur verhindert werden, dass sich die Situation bis zum Kriegsende im Oktober nicht weiter verschlechterte. Zweiter Koalitionskrieg

Bevor die zweite Koalition gebildet wurde, herrschte bereits Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien. Zusammen mit einer Reihe verschiedener Gründe konnte Napoleon das Direktorium davon überzeugen, eine Invasion in Ägypten zu starten, um die britischen Handelsrouten von und nach Indien zu bedrohen und damit die britische Wirtschaft schwächen. Die Briten erfuhren bald von einer großen Flotte in Toulon, aber da die Royal Navy noch immer aus dem Mittelmeer ausgeschlossen war, gestaltete sich das Sammeln weiterer Informationen über Ziel und Umfang sehr schwierig. Vizeadmiral John Jervis wurde, von der Admiralität mit der Aufklärung der Lage beauftragt. Jervis wiederum entsandte Horatio Nelson Anfang Mai ins Mittelmeer. Dort erfuhr schließlich vom Aufbruch der französischen Flotte nach Ägypten.

Seeschlacht bei Abukir

mini|298x298px|Abukir am 1. August 1798 Am 1. August erreichte Nelsons Flotte die ägyptische Küste. Dort konnte er nur feststellen, dass die Franzosen schon an Land gegangen waren. Die Briten suchten die Küste nach der Französischen Flotte ab und sichteten sie schließlich in der Bucht von Abukir. Obwohl nur noch wenige Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit verblieben und die Schiffe der Franzosen in einer starken Verteidigungsposition ankerten, gab Nelson den Befehl zum sofortigen Angriff. Mehrere britische Kriegsschiffe konnten durch eine Lücke an der Spitze der französischen Schlachtlinie hinter deren Position gelangen. Dadurch konnten die Briten die französischen Schiffe von zwei Seiten aus angreifen. Es kam zu heftigen Kämpfen, bei denen beide Flotten schwere Schäden erlitten. Der Höhepunkt war gegen 22.00 Uhr erreicht, als das 120-Kanonen-Schiff L'Orient, mit dem größten Teil der Besatzung, in die Luft flog. Die Kämpfe setzten sich für den Rest der Nacht fort. Von den 15 Französischen Schiffen entgingen nur zwei Linienschiffe und zwei Fregatten der Zerstörung oder der Gefangennahme durch die Briten.

Europa Nachdem Frankreich Russland und Österreich den Krieg erklärt hatte, suchte Großbritannien nach einem wirksamen Beitrag. In London erkannte die Britische Regierung, dass sich die öffentliche Meinung in den Niederlanden gegen Frankreich gewandt hatte. Daher bereitete die Regierung im Frühsommer eine Expedition unter dem Oberbefehl des Herzogs von York zur Wiedereinsetzung des früheren Statthalters Wilhelm V. von Oranien vor. Für die Expedition wurden Truppen in einer Stärke von etwa 27.000 Mann zusammengestellt. Russland stellte weitere 17.593 Mann sowie Transporte und Geleitschutz für bereit. Die gesamte Flotte wurde dem Befehl von Vizeadmiral Andrew Mitchell unterstellt. Am 15. August übernahm Lord Duncan das Kommando. Aufgrund des schlechten Wetters kam die Expedition erst am Abend des 21. August in die Nähe von Texel und ankerte vor Kuikduin. Am nächsten Morgen stachen die Schiffe erneut in See und gingen eine halbe Seemeile vom Ufer entfernt wieder vor Anker. Unter der Parlamentärflagge wurde eine Nachricht an Vizeadmiral Samuel Storij gesandt. Storij weigerte sich, seine Schiffe auszuliefern und erklärte, dass er sie im Falle eines Angriffs verteidigen würde. Unter dem Beschuss des Geschwaders erfolgte daher am 27. August eine Landung auf dem Festland in der Nähe von Den Helder, das bald darauf eingenommen wurde. Gleichzeitig wurden die in Nieuwe Diep vor Anker liegenden holländischen Schiffe ohne Widerstand erobert. Am frühen Morgen des 30. August ankerte Mitchells Geschwader vor der Einfahrt zum Vlieter, wo die Schiffe von Storijs Kommando lagen. Noch auf dem Weg dorthin schickte Mitchell ein weiteres Schiff, um Storij zur Übergabe aufzufordern. Zwei holländische Kapitäne trafen sich unter der Parlamentärflagge, und es wurde vereinbart, dass Storij eine Stunde Bedenkzeit erhalten sollte. Nach weniger als einer Stunde teilten die Holländer mit, dass beschlossen worden war, die Schiffe seines Geschwaders aufzugeben. Nachdem Russland im Oktober die Koalition verlassen hatte, sah sich die Royal Navy einem Bündnis zwischen Russland, Dänemark und Schweden ausgesetzt. Eine ihrer ersten Handlungen war die Beschlagnahme der britischen Handelsschiffe in russischen Häfen. Wieder einmal stand Großbritannien Frankreich allein gegenüber. Eine große Flotte unter Hyde Parker wurde in die Ostsee entsandt, um das Problem zu lösen. Am 2. April griffen die Briten unter Nelson die schwimmenden Verteidigungsanlagen von Kopenhagen an. Nach mehrstündigen Kämpfen ergaben sich die Dänen schließlich und wurden gezwungen, die Bewaffnete Neutralität zu verlassen. Am 6. Juli wurde eine Flotte unter James Saumarez in der Bucht von Gibraltar von den Franzosen besiegt. Neun Tage später traf Saumarez erneut auf die Franzosen konnte sie aber diesmal besiegen. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Amiens durch Charles Cornwallis am 25. März 1802 endete der Zweite Koalitionskrieg. Dritter Koalitionskrieg